Canon EOS R5 erste Eindrücke

Ich habe mit der R5 nun ein paar Tausend Bilder gemacht (klingt viel, geht aber sehr schnell) und möchte von meinen Erfahrungen berichten. Erster Eindruck im Laden: solide, super Sucher, erstaunlich leise, Ergonomie top, kann aber den Handgriff vertragen, zumindest wenn man selbst etwas größer ist.

Im Job ist das Klappdisplay sehr praktisch, gerade wenn man enge Räume fotografieren muss. Der Bildstabilisator ist wirklich erstaunlich, mit dem RF 35mm f1,8 habe ich 2s aus der Hand belichtet und das Bild war scharf, Das EF 16-35 f4L schneidet bei der Stabilisierung an der R5 allerdings schlechter ab. Ich hatte keine Probleme mit IS und Stativ.

Der Sucher ist sehr gut, auch bei schwachem Licht kein Rauschen oder Schmieren, es ist wohl die gleiche Bildschirmeinheit wie bei der A7R4, das Bild an der Sony sieht aber pixeliger aus, wenn man fokussiert hat (=den Auslöser angetippt). Die Kamera ist extrem responsiv, die AF-Rückmeldung ist sehr schnell, das Verschieben des Fokuspunkts auf dem Display ist verzögerungsfrei. Wenn Sie den Sucher auf 120 fps stellen, ist er auch für schnelle Motive gut geeignet.

Die der Tier-AF der R5 macht wirklich Spaß

Erste Videotests sind extrem vielversprechend, der IS arbeitet gut, die Qualität ist toll, alles lässt sich intern aufzeichnen. Wer nur Video machen möchte, kann vielleicht noch etwas abwarten, bis das Überhitzungsthema geklärt ist. In 8K oder den schnellen 4K-Modi wird die Kamera nach gut 20 bis 35 min so warm, dass sie die Videoaufnahme erst einmal einstellt, um abzukühlen.

Um die Kamera nicht nur im fototechnisch etwas drögen Job kennenzulernen, habe ich Makros und Tieraufnahmen gemacht. Ich habe eine A7R3 und kenne die A7R4 ganz gut, aber die R5 fühlt sich noch einmal eine ganze Ecke besser an im AF. Ich vermute, dass sorgfältige Vergleichstests ergeben werden, dass die R5 den besten AF aller lieferbaren Kameras hat. Und das in Verbindung mit 20 Bildern pro Sekunde und 45 MP. Für Naturfotografen ein Traum. Gesichts- Und Augenerkennung ist nach ersten Tests auch sehr gut und schnell, die AF-Abdeckung geht praktisch über den ganzen Sensor, ca. bei f7,1 wird sie zu einem großen Rechteck, dass immer noch das meiste abdeckt und bei Blende 11 zu einem großen Quadrat in der Mitte. Ich habe nur bis f13 Anfangsblende testen können, aber der AF soll auch noch mit f22 funktionieren. Das 800mm STM macht einen recht guten Eindruck, scharf und einigermaßen schnell. Mit 800 mm unregelmäßig bewegten Zielen zu folgen ist aber sehr schwierig.

Objektive am Adapter arbeiten problemlos und genau, genauer als an jeder DSLR. Es kann sein, dass es Ausnahmen bei Fremdherstellern und alter Firmware gibt, aber Umsteiger müssen nicht befürchten, dass sie alles neu kaufen müssen.

Die Kamera verbraucht recht viel Strom, das ist in der Praxis aber kein echtes Problem. Ich habe heute 1138 Aufnahmen gemacht und dabei 2 Akkus verbraucht, allerdings war einer davon ein Canon-Akku von 2012 (Status: rot) und der andere ein normaler 2 Jahre alter Patona, der noch die normale Kapazität erreicht. Mit der Kamera mitgeliefert wird ein kompatibler aber stärkerer Akku, der noch ein bisschen länger halten sollte als meine zufälligen Fototaschenfunde.

Die Bildqualität wirkt sehr gut, auch wenn man sie Schatten stark aufhellt. Im Moment kann aber erst Canons DPP und der DNG-Konverter von Adobe mit den cr3-Daten umgehen. Der Dynamikumfang ist sehr gut, ich werde das nochmal exakt vergleichen, aber die ersten Tests sind super und besser als ich es erwartet habe.

Fokus Bracketing ist gut zu verwenden, bei 20 Bildern pro Sekunde auch aus der Hand, DPP braucht recht lange zum Zusammenrechnen, macht das aber auch ganz gut, wobei ich natürlich noch nicht alles ausgiebig testen konnte.

Der leise Verschluss erzeugt zwar etwas Rolling Shutter, wenn ich es provoziere. In der Naturfotografie habe ich ihn bislang nicht als Einschränkung empfunden. Mit 900 Millionen Pixeln pro Sekunde erzeugt man aber enorme Datenmengen, ich werde mir angewöhnen müssen, die Bildwiederholrate an den Einsatzzweck öfter anzupassen. Die Ergebnisse sind aber atemberaubend, gerade bei der Vogelfotografie.

600mm, Bildausschnitt

Ich werde diesen Bericht ergänzen, wenn ich mehr Erfahrungen mit der Kamera gesammelt habe. Es ist jetzt schon klar, dass meine Sony-Objektive zum größten Teil verkauft werden, dass Spiegelreflex vorbei ist und dass das R-System eine große Zukunft hat. Der Schritt von der EOS 5D zur 5D Mark II war groß, aber der von der R zur R5 ist viel größer, mein erster Eindruck entspricht aufrichtiger Begeisterung.

Olympus verkauft Kamerasparte

Olympus hat heute bekannt gegeben, dass die Kamerasparte an JIP verkauft wird:
https://www.olympus-global.com/ir/data/announcement/2020/contents/ir00013.pdf

JIP, Japan Industrial Partners, hat z.B. die PC-Sparte VAIO von Sony gekauft, heute ist das ein chinesisches Unternehmen. Worauf dieser Verkauf hinauslaufen wird, kann ich ehrlich gesagt nicht abschätzen, denkbar wäre auch eine Zerschlagung oder eine Weiternutzung der Patente. Dass die Lage auf dem Kameramarkt gerade für die kleineren Hersteller ernst ist und durch Covid-19 noch einmal verschärft wurde, ist kein Geheimnis. Ich selbst habe mit dem Olympus OM-System angefangen zu fotografieren und bis später zu Canon gewechselt, als Olympus mit Kameras wie der OM 101 seinen Willen, dieses System mit Schwung an die Wand zu fahren, deutlich gemacht hat. Olympus’ Power-Focus hat die Nachteile von manueller Fokussierung und dem damaligen Autofokus brillant zu etwas völlig Sinnlosem verbunden, deutlicher konnte man seine Ambitionen im Kameramarkt eigentlich nicht aufgeben.


“Neue” Nikon D6

Nikon hat heute den Nachfolger der Nikon D5 vorgestellt. Viel Entwicklungsaufwand haben sie nicht hineingesteckt, Sensor und Bildschirm sind gleich, das AF-Modul wurde verbessert, der Livebild AF allerdings nicht. Es gibt nun eingebautes GPS. Das Video ist immer noch auf 4K 30fps beschränkt. Ein befreundeter Fotograf und D5-Nutzer war sehr interessiert an einer neuen Profikamera, IBIS und ein besserer Dynamikumfang und etwas mehr Auflösung hätten ihn sicher zum Umstieg veranlasst, so aber wird wahrscheinlich kaum jemand seine D5 ersetzen wollen, bevor sie nicht mehr zuverlässig zu verwenden ist. Sony hat bei seiner A9 II auch nicht gerade mit Neuigkeiten um sich geschmissen, aber Nikon hat das noch klar unterboten. Die spannendste Profikamera mit dem größten Fortschritt ist die 1D X Mark III, das wird kaum einen Nikon-Fotografen zum umsteigen veranlassen, aber für Erstkäufer einer Profi-DSLR wäre die Sache wohl ziemlich klar.

Mit der D5 wird Nikon wahrscheinlich kein Geld verdient haben, der Aufwand ist hoch und die Verkaufszahlen in der Klasse sind gering. Es ist wirtschaftlich sinnvoll, den Kostenaufwand gering zu halten, aber es sendet auch ein Signal, dass in diesem Bereich nicht mehr viel zu erwarten ist. Die Investitionen gehen in die Spiegellosen, DSLR läuft aus. Die F6 war die letzte analoge Profikamera von Nikon, die D6 wird wohl die letzte Profi-DSLR bleiben.

Ich selbst kann damit leben, ich habe nur noch eine DSLR im Einsatz, alles andere ist schon spiegellos. Ich denke auch, das spätestens im nächsten Jahr Spiegellose kommen werden, die wirklich echtzeittaugliche Sucher mit sehr wenig rolling shutter effect haben werden.

Und auch die nächsten Standard-Kameras werden schon Geschwindigkeiten bieten, die früher einer D5 oder 1DX Mark II vorbehalten waren, vor allem, wenn sie auf den mechanischen Verschluss verzichten können.

Die D6 ist immer noch eine super-solide Profikamera, aber Sie ist nicht mehr so State-of-the-Art, wie man das früher beim neuen Flaggschiff vorausgesetzt hat. 2020 wird trotzdem ein spannendes Kamerajahr.

Ein Blick in die Glaskugel für 2020

Es ist schon Tradition geworden, dass ich um die Jahreswende meine Erwartungen für die nahe Zukunft aufschreibe. Hauptsächlich bezogen auf den Fotosektor. Den letzten finden Sie unter https://fotoschule.westbild.de/2018/12/der-blick-in-die-glaskugel-fuer-2019/

Ich ändere daran nachträglich nichts, ich finde es auch auch interessant, wo ich falsch liege und wie die Entwicklungen von meinen Erwartungen abweichen. Für den Fotomarkt insgesamt bin ich nicht so optimistisch, aber es wird Bereiche geben, die im Trend liegen und gut laufen werden. Trotzdem kann es gut sein, dass der eine oder andere Markteilnehmer den Fotomarkt verlassen wird, weil es keinen Sinn mehr ergibt. Je kleiner das eigene System ist, desto weniger sind Fremdhersteller willens, Produkte zu entwickeln und desto weniger lohnen sich auch eigene Neuentwicklungen wie neue Objektive. Der Kunde muss ja nicht einmal das System wechseln, es reicht ja schon, wenn er bei seiner Ausrüstung bleibt und nichts neues mehr kaufen möchte.

Im Kamerabereich wird zwar mittelfristig noch einiges passieren, aber wenn Sie sich eine der aktuellen hochauflösenden und schnellen Spiegellosen Kameras anschauen, die um die 10 Bilder pro Sekunde schaffen, 47-61 und bald noch mehr Megapixel und einen guten AF und detailreichen Sucher haben , dann werden sich sehr viele Fotografen fragen, warum Sie danach noch eine neue Kamera benötigen sollten. Zumal die technische Entwicklung gerade etwas stagniert. Die letzten Sony-Kameras waren eher inkrementelle Updates und die Sensorleistung ist auch schon zwischen der A7R II und der A7R III nicht viel besser geworden, auch wenn der Rest ein deutliches Update war.

Sensoren von 2014 wie z.B. der 50 MP Sony Mitteformatsensor, der in der Hasselblad, Pentax oder Fuji steckt, spielen auch heute noch ganz oben mit. Canon hat gerade den Vorteil, dass ihre Sensoren noch Spielraum nach oben haben, so dass es für Canon-Fotografen noch mehr Anreize gibt, im nächsten Jahr eine neue Kamera zu kaufen. Auch weil IBIS bislang noch nicht zu bekommen war, ab 2020 aber Standard auch bei Canon werden wird.

Viele der Fotografen werden ihre Möglichkeiten über neue Objektive also besser erweitern können als über eine neue Kamera. Der Trend zu einem erweiterten Fokus auf den Objektivbau wird verstärkt durch den Wettstreit neuer spiegelloser Systeme. Nikon Z, Canon RF und das L-Bajonett (Leica, Panasonic, Sigma) müssen Kaufentscheidungen auch über ein möglichst vollständiges und interessantes Objektivprogramm gewinnen.

Die neuen Objektive werden für sehr hohe Megapixelzahlen gerechnet und für schnelle Kamerakommunikation ausgelegt. Sie sind meist sehr scharf und haben ein weiches Bokeh, außer manchmal bei den kürzeren Brennweiten unter 35mm. Das führt für manchen zu einer langweiligen Perfektion und zu einer Gegenbewegung, die wieder verstärkt Objektive aus der Vor-AF-Zeit verwendet. Das Scharfstellen von manuellen Objektiven ist mit einer Spiegellosen, die Suchervergrößerung und Fokus-Peaking bietet, auch deutlich einfacher geworden. Die meisten Fotografen, die ich kenne, arbeiten nicht ausschließlich mit “Altglas”, sondern setzen dieses als Ergänzung dort ein, wo ein schnelles AF-Objektiv nicht notwendig ist, wie z.B. im Porträtbereich.

Wenn Sie eh schon ein altes Objektiv verwenden, dann können Sie auch eine alte Kamera dahinter setzen und einen Film einlegen. Die Analoge Fotografie hat Ihre Talsohle wahrscheinlich durchschritten, inzwischen liest man mehr Nachrichten über Neuerscheinungen (Ektachrome als Roll- und Planfilm z.B.) als über Produkteinstellungen. Fujifilm macht einen recht großen Anteil seines Umsatzes im Sofortbildbereich. Ich erwarte nicht, dass wieder ernstzunehmende analoge Kameras neu entwickelt werden, aber die analoge Szene und das Materialangebot wächst und die analoge Fotografie wird nicht aussterben.

Ein paar technische Entwicklungen sind schon mehr oder weniger absehbar:

  • 20 Bilder pro Sekunde mit mechanischem Verschluss, mehr mit elektronischem
  • 6K Video oder 4K Raw-Video in der Kamera
  • 75MP oder mehr Auflösung im Vollformat
  • CFexpress kommt als Speichermedium in Kameras
  • Neue Objektive mit bisher nicht dagewesen Spezifikationen, z.B. sehr lichtstarke Weitwinkelzooms, neue Makros etc.
Dr. Ganske vom TPDNI, Linktipp zu KI-Informationen folgt später *

Ein weiterer Trend ist immer mehr KI in Software. Skylum 4 z.B. nutzt das, um den Himmel auszutauschen und das Bild dazu anzupassen oder um Porträts zu verschönern. Das kann im Einzelfall nützlich sein, wird aber hauptsächlich dazu führen, dass wir noch mehr Schrott im Internet sehen werden. Analoge Fotografie oder SOOC-Bilder (straight out of camera- also ohne jede Nachbearbeitung) werden durch solche Entwicklungen als Gegenbewegung bestärkt, auf lange Sicht wird KI aber auch im kreativen Bereich immer mehr übernehmen, in seiner eigenen Arbeit die kreative Kontrolle zu behalten wird nicht einfacher werden. In vielen Bereichen wird die Arbeit der Fotografen auch durch Maschinen ersetzt werden. Das ist heute schon so, gucken Sie mal in einen IKEA-Katalog, der besteht zu 95% aus CGI und nicht mehr aus Fotos.

Haben Sie “The Irishman” von Martin Scorsese gesehen? Robert De Niro, Joe Pesci und Al Pacino spielen ihre Rollen im Alter von 30,50 und 70 Jahren. Die Filmbilder wurden mittels KI verjüngt. Das Verjüngen benötigte dafür nicht einfach Trackingpunkte auf dem Gesicht, sondern arbeitete mit einer Standard-Filmaufnahme. Statt aus einem alten Robert de Niro einen jungen zu machen, hätte man ihn auch zu Arnold Schwarzenegger werden lassen können. Und das nicht nur durch ein großes Filmstudio, sondern das können Sie auch zu Hause hinbekommen, wenn Sie sich ein wenig mit Video und Computer auskennen und etwas Rechenleistung zur Verfügung haben werden. Software ist frei verfügbar, z.B. hier https://github.com/iperov/DeepFaceLab

Es gibt Nachrichten, dass im nächsten Jahr ein neuer Film mit James Dean ins Kino kommen soll. Er starb 1955 bei einem Autounfall, aber es gibt genug Filmmaterial, um ihn digital wieder auferstehen zu lassen. Kennen Sie Shudu oder Lil Miquela? Das sind virtuelle Models, die durchaus Aufträge von den großen Modefirmen erhalten. Die chinesische Nachrichtenagentur Xinhua hat einen virtuellen Nachrichtensprecher im Einsatz. Auch wenn vieles noch etwas hölzern wirkt, ist manches davon schon sehr überzeugend und es ist nur eine Frage der Zeit, bis diese Techniken bis zur Ununterscheidbarkeit perfektioniert worden sind. Suchen Sie einfach in Netz nach “Deepfake” und Sie werden eine Menge finden, je später Sie suchen, um so besser werden die Ergebnisse sein.

Das wird natürlich nicht nur in der Unterhaltungsbranche Anwendung finden, sondern auch zur Verbreitung von Fake News eingesetzt werden. Ich habe weniger Angst vor dieser Technik als davor, dass sich eine zunehmende Anzahl von Menschen ohnehin nicht mehr für die Wahrheit interessiert, Fakten ignoriert und alles was sie aus Ihrer selbst gewählten Blase holt als “Systemmedien” oder “Lügenpresse” diffamiert um dann auf der anderen Seite die vollkommen hanebüchene Informationsquellen zu akzeptieren oder einem obskuren YouTube-Video den Vorzug vor tausenden Mannjahren wissenschaftlicher Forschung zu geben.

Dass, was Maschinen in 10 Jahren können werden wird sich von heute viel deutlicher unterscheiden als das was sie vor 10 Jahren konnten zu heute. Die IT befindet sich in einer exponentiellen Entwicklung, wenn wir die großen Katastrophen umschiffen können, wird sie uns in vielen wenn nicht allen Bereichen überholen. Das wird noch dauern, aber es wird schneller gehen, als Sie denken. Vor allem adaptiert die Technik schnell auf andere Bereiche. Die KI Alpha Go konnte 2018 nach vier Stunden Lernen die besten Schach-Programme schlagen, obwohl sie für das japanische Spiel Go gebaut worden war. Das sind Anwendungen auf geschlossene Systeme mit festen Regeln, die sicher einfacher sind als das wahre Leben, aber Schach und Go sind auch nicht trivial.

Apropos große Katastrophen. Die Forschungsergebnisse der letzten Jahre haben uns gezeigt, dass wir beim Klimawandel am oberen Ende der früheren Prognosen liegen und wir große Chancen haben, relativ schnell einen unumkehrbaren Kipp-Punkt des Weltklimas zu erreichen. Wir sind in Deutschland mit unserem CO2-Austoß leider noch nicht viel weitergekommen und ich schreibe diese Zeilen, während die Klimakonferenz in Madrid zu scheitern droht. Allerdings müssen wir nicht auf politische Rahmenbedingungen warten, um unser eigenes Verhalten zu verändern. Wenn ich mir so manchen Instagram-Account anschaue, auf dem die Fotografen ihre weltweite Bucketlist an touristischen Zielen abarbeiten und dabei hunderttausende Flugkilometer zusammenkriegen, dann merke ich, dass wir im Fotobereich auch viel ändern können.

Bei mir selbst hat die Flugscham schon sehr durchgeschlagen, auch Auto fahre ich weniger und langsamer, im Haushalt kommt 100% der verwendeten Energie aus Ökostrom. Trotzdem ist meine Bilanz noch nicht gut. Ich finde bereits die Entwicklung der letzten Jahre erschreckend, dass zum Beispiel die Insekten um 80% zurückgegangen sind und in der Folge auch die Vogelwelt kleiner geworden ist. 42° Außentemperatur sind in einer Dachwohnung auch nicht lustig. Die Gletscher sahen auf meiner ersten Norwegentour anfang der 90er Jahre auch ganz anders aus als auf meiner letzten vor ein paar Jahren. Und das ist alles noch Kleinkram gegen die weltweiten Folgen und vor allem gegen das, was noch kommen wird.

Zurück zu den Kameras. In diesem Jahr wurden unter 20 Millionen Kameras weltweit verkauft (Nach CIPA-Zahlen, die nicht ganz vollständig sind, aber doch den Großteil der Verkäufe erfassen), 2010 waren das ungefähr sechs mal so viele. Das liegt zum einen natürlich daran, dass die allermeisten Leute heute nur noch mit dem Smartphone fotografieren und zum anderen daran, dass die Boomphase, in der die Digitalkameras gut und erschwinglich wurden und die meisten noch keine hatten, vorbei gegangen ist. Zum Vergleich soll die Zahl der Überwachungskameras weltweit auf eine Milliarde ansteigen, die Hälfte davon in China. In der nahem Zukunft wird wahrscheinlich jedes Auto mehrere Kameras besitzen, um die Umgebung für das autonome Fahren erfassen zu können (neben anderen Systemen wie Radar oder LIDAR). Der eigentliche Markt liegt also schon längst woanders, der Fotomarkt schrumpft bis hin zur Existenzgefährdung manchen Herstellers. Die wenigen verbleibenden Kunden werden immer anspruchsvoller, der Trend geht zu größeren Formaten, das Vollformat wird immer günstiger und das Mittelformat ist in preislich in Bereiche vorgerückt, in denen vorher nur Vollformat zu bekommen war (Preis im November: Sony A7R IV 3999€, Fuji GFX 50R 3899€ inkl. Cashback).

2020 werden mit der Nikon D6 und der EOS 1DX Mark III die besten Spiegelreflexkameras aller Zeiten herauskommen, ob es von diesem Kameras noch einen Nachfolger geben wird, ist aber mehr als fraglich. Das nahende Ende der DSLR-Technik werden sie nicht aufhalten können. Im Moment sind wir in der komfortablen Position, dass die DSLR-Objektive wegen des größeren Auflagemaßes auch an die spiegellosen mit einem Adapter abschließbar sind. So kann ich zum Beispiel Canon-EF-Objektive auch an eine Sony oder eine Fuji GFX-Mittelformat anschließen. Die Objektive der Spiegellosen werden diese Möglichkeit nicht mehr haben, wenn man Ausnahmen absieht, so gibt es zum Beispiel einen 2mm dicken AF-Adapter, um Sony FE-Objektive an einer Nikon Z zu verwenden. Mit dem Ende der DSLR-Zeit wird das native System des Herstellers immer wichtiger, Kameraentscheidungen werden sich stark an den verfügbaren Objektiven ausrichten.

Wenn Sie den Sternenhimmel fotografieren möchten, fangen Sie bald damit an. Es gibt Pläne, den Orbit mit Massen von Mikrosatelliten zuzumüllen, um darüber weltweit Internet bereitzustellen. Die Lichtverschmutzung nimmt auch weiter zu, wenngleich es auch Gegenden gibt, in denen die Menschen etwas begriffen haben und sehr bewusst die Beleuchtung bei Nacht einschränken.

Eine weibliche Große Königslibelle lässt Ihre Flügel austrocknen. Naturfotografie ist auch in Fahrradentfernung möglich.

Bei der Naturfotografie möchte ich Sie nicht zur Eile anhalten, es ist wahrscheinlich zielführender, darauf zu achten, dass sie auch in der mittleren Zukunft noch ergiebig sein wird, indem wir unsere Anstrengungen für den Klima-, Natur-, und Artenschutz verstärken. Man muss auch nicht nach Afrika fliegen, um Tiere vor die Kamera zu bekommen, selbst ein Supertele und ein Stativ lassen sich noch gut mit dem Fahrrad transportieren. Investieren Sie lieber hier oder vergleichbar und lassen Sie sich die Safariziele von David Attenborough zeigen. Das heißt nicht, dass ich mit dem Reisen aufhören werde oder Ihnen das nahelegen möchte. Aber ich werde es sehr viel bewusster machen, Ziele vermeiden, die eh schon unter Overtourism leiden, und generell etwas langsamer werden, auch um konzentrierter zu Fotografieren und weniger Zeit im Auto zu verbringen.

* Haben Sie mir das geglaubt? Das Porträt wurde von einer KI, oder genauer von einem GAN erzeugt, das können Sie auch selbst ausprobieren unter https://thispersondoesnotexist.com/

LowePro Support – gibt es den wirklich?

Seit September versuche ich auf fünf unterschiedlichen Wegen, Ersatzteile von LowePro zu erhalten. Die Verschlüsse von drei meiner Fototaschen sind alle an der selben Stelle kaputt. Außer einer Ticket-Nummer von der VitecGroup und einer Nachfrage der Facebook-Seite (nach Wochen) nach meiner eMail-Adresse habe ich aber keine Antwort erhalten. Ich hatte das gleiche mal etlichen vor Jahren bei Rowi, da war das Thema in zwei Tagen abgehakt, mein Vorhaben scheint also prinzipiell möglich zu sein.

Deshalb meine Frage in die Runde, ist der Support bei LowePro nur so etwas wie Nessie, ein Yeti oder ein Bigfoot, von denen man zwar häufiger mal gehört hat, aber den es aller Wahrscheinlichkeit nach in der Realität nicht gibt? Oder hat schon mal jemand eine persönliche Sichtung dieses Supports gehabt, also nicht nur von Hörensagen. Gibt es da Tricks?

UPDATE: Inzwischen (13.1.2020) habe ich eine freundliche Antwort bekommen, der Trick ist, über die Seite https://www.manfrottospares.com/ zu gehen, leider sitzen die in England, aber die Teile sollen in einer Woche da sein.

Sony A7R III Erfahrungsbericht

Ich habe die A7R III seit dem ersten Tag der Lieferbarkeit in Verwendung. Auch wenn Sony nur mein Zweitsystem neben Canon ist, kann ich nach fast 30.000 Aufnahmen einen fundierten Erfahrungsbericht schreiben.

Die Bildqualität des Sensors ist tatsächlich hervorragend, die Kamera ist deutlich schneller geworden und lässt sich auch besser bedienen als der Vorgänger. Ich würde sie wieder kaufen, um ein Fazit vorwegzunehmen, aber die Kamera bei weitem nicht perfekt. In diesem Bericht werde ich hauptsächlich auf die Schwächen eingehen und ich werde ihn auch bei Sony posten, weil Sony genau mitliest. Meine Kritikpunkte an der A7R II hat Sony bei der A7R III fast alle behoben. Nicht meinetwegen natürlich, aber doch, weil das Userfeedback genau ausgewertet wurde.

Der elektronische Verschluss ist zwar absolut leise, aber leider auch nur beschränkt einsetzbar. Wenn Sie unkomprimiertes Raw eingestellt haben, benötigt die Kamera selbst bei 1/8000 s Belichtungszeit 1/13 s, um das ganze Bild auszulesen. Entsprechend stark ist der Rolling-Shutter-Effekt. Wenn Sie flimmerndes Licht haben, erhalten Sie eine starke Streifenbildung. Bei bestimmten Kunstlichtquellen oder stärker bewegten Motiven können Sie den elektronischen Verschluss also gleich wieder vergessen. Bei komprimiertem Raw liest die Kamera immerhin doppelt so schnell aus.

Der gleiche Effekt schränkt auch die Nutzbarkeit des Pixelshift-Modus ein. Denn die Kamera verwendet dabei immer den unkomprimierten leisen Modus. Wenn Sie blitzen, brauchen Sie also Belichtungszeiten von mindestens 1/13 s, der Abstand zwischen den 4 Belichtungen beträgt mindestens eine Sekunde, die Gesamtaufnahmezeit also mindestens 3 s. Das können andere besser.

Apropos andere können das besser: Ich habe es in drei Monaten nicht ein einziges Mal erlebt, dass die Sensorreinigung ein Staubkorn entfernt hätte. Und ich rede von Staubkörnern, die mit einem kleinen Gummiblasebalg problemlos zu entfernen waren. Das ist bei Olympus oder Canon deutlich besser. Gerade bei einer Spiegellosen, bei der der Sensor nah hinter dem Bajonett offen liegt, sollte eine bessere Methode zu finden sein.

Der Autofokus der A7R III ist bei Gesichtern hervorragend, wenn man die Kamera in AF-C machen lässt, ist er auch bei anderen Motiven oft sehr gut. Wenn man allerdings mehr Kontrolle übernehmen möchte, schwächelt das System bei kleineren Messfeldern aber deutlich. Immerhin können Sie in der Suchervergrößerung mit einem Fadenkreuz praktisch auf den Punkt scharf stellen, wenn auch nicht immer schnell. In der Gesamtheit ist der AF aber mit einer guten DSLR zu vergleichen. Der Sucher selbst lässt einen aber langsamer reagieren und auch nicht so schnell mitführen, wie das bei einer DSLR möglich wäre. Bei Personen ist die A7R III überlegen, bei schnellen Vögeln eher eine DSLR. Auch deswegen, weil die großen Teles noch nicht auf dem Markt sind, nach 100-400 mm Zoom ist bislang Schluss. Canon- oder Sigma-Teles funktionieren zwar mit Adapter, aber nicht auf dem Level, den Sport- oder Naturfotografen von guten DSLRs gewohnt sind. Insgesamt funktioniert der AF mit Adapter aber deutlich besser als an der A7R II.

Die Touchscreen-Unterstützung ist halbherzig, immerhin können Sie den Fokuspunkt verschieben. Wenn Sie das Sucherfeld in der Suchervergrößerung verschieben wollen, dann macht die Kamera das andersherum als beim Fokusfeld und für meine Anforderungen auch viel zu langsam. Auslösen über den Touchscreen geht nicht, das Menü können Sie darüber auch nicht bedienen.

Einer der Punkte, der mich wirklich nervt, ist, dass sich die Kamera oft gar nicht bedienen lässt, wenn die Kamera noch auf die Speicherkarte schreibt. Und was mich auch nervt, ist, dass in der Suchervergrößerung nicht die Blende oder Belichtungszeit angepasst werden kann. Die Bedienung ist etwas übersichtlicher geworden, immerhin haben die Reiter jetzt Überschriften. Aber das geht noch besser.

Meine Kamera hat öfter Probleme mit der Speicherkarte, vor allem im Slot I, die Karten selbst sind nicht das Problem, die laufen in den anderen Kameras problemlos, einmal in Amsterdam hat die Kamera ca. 35 Bilder hintereinander nicht auf die Karte geschrieben. Das war das einzige Mal, aber dass die Kamera die Speicherkarte neu eingesetzt haben möchte, passiert öfter. Ich vermute eine mechanisch nicht so gute Umsetzung der Kontakte. Genau wie beim Blitzschuh. Wer den entworfen hat, sollte bitte von Sony in die Hifi-Abteilung versetzt werden und nichts mehr bauen dürfen, was die Leute auch mit vor die Tür nehmen.
Wie wetterfest die Kamera ist, habe ich nicht wirklich ausprobiert, aber ich würde auch nicht zuviel erwarten. Sony könnte das meinetwegen genauer kommunizieren, als sie das jetzt tun.

Die Akkulaufzeit ist jetzt zwar recht gut, aber es gibt keine Fremdakkus und Sony kann wohl im Augenblick nicht liefern, ich habe jedenfalls von einigen gehört, dass Sie keine Akkus kaufen konnten. So etwas darf nicht passieren.

Die Bildqualität der Sony ist gut, bei langen Belichtungen habe ich allerdings Probleme mit Hotpixeln. Hier sollte Sony einen Weg finden, der weder Hotpixel- noch Star-Eater-Probleme mit sich bringt.

30s bei ISO 3200. Hotpixel sind leider immer noch ein Thema

Der Bildstabilisator ist super, gerade für alte manuelle Objektive.
Das neue Betriebssystem macht die Kamera schneller, es gibt aber keine Apps mehr. Den Touchless Shutter vermisse ich, den hätte Sony ruhig mit in die Firmware packen können. Die Umschaltung zwischen Sucher und Bildschirm ist manchmal immer noch ungenau. Generell dürfte der Sucher ruhig dann erst angehen, wenn das Auge nur noch wenige cm entfernt ist.

Die Verbindung mit dem Smartphone für die GPS-Koordinaten bricht mit dem iPhone 7 oft ab und muss immer händisch wieder aufgebaut werden. Wer genau daran Schuld ist, weiß ich nicht, aber es ist nicht praxistauglich.

Für die A7R IV wünsche ich mir: Einen schnelleren Sucher, einen besseren Spot-AF, weniger Bedienbremsen und mehr Responsiveness, robustere Auslegung und Wetterabdichtung, eine gute Touchscreen-Umsetzung, einen schnelleren leisen Verschluss, einen schnelleren Pixelshift-Modus (am besten so schnell wie die Serienbildfrequenz), den zweiten Kartenslot auch in UHS-II. Etwas mehr Auflösung wäre schön, aber mit den 42MP kann ich ganz gut leben.

Und, nach den ganzen Kritikpunkten: Insgesamt eine gute Kamera, inzwischen ernst zu nehmende Konkurrenz zur DSLR und ein großer Schritt nach vorne von der A7R II. Die meisten Nachteile sind gar keine technischen, sondern eher Designschwächen. Da kann Sony noch aufholen und vor allem früh den Profis Prototypen  in die Hand drücken.

Ein Blick in die Glaskugel für 2018

Traditionell denke ich am Jahresanfang über die kommenden Entwicklungen in der Fototechnik nach, meine Prognosen aus den letzten Jahren lasse ich unverändert im Netz stehen. Bei manchen Entwicklungen bin ich selbst verwundert, wie lange Sie brauchen. Zum Beispiel habe ich erst im November eine Kamera erworben, die einen der schnelleren Speicherstandards unterstützt, in diesem Fall UHS-II. Ich hätte gedacht, dass das früher der Fall sein würde.

In diesem Jahr werden sich spiegellose Systeme als gleichwertig zu den DSLRs zeigen. Manche werden fragen, warum das jetzt erst kommen soll und noch nicht so ist. Das liegt daran, dass es zwar Kameras gibt, die im AF mithalten können, wir z.B. die Sony A9, aber solange ein verhältnismäßig lichtschwaches 100-400mm-Zoom die längste Brennweite darstellt und die adaptierten Objektive ist schnell genug funktionieren, gucken Sportfotografen noch in die Röhre. Bzw. nicht in die Röhre, denn solche “Röhren” wie ein 400mm f2,8 kommen erst in naher Zukunft.

2018 wird also das Jahr sein, in dem Spiegellose endgültig gleichziehen. In Zukunft werden sie sogar in manchen Belangen überlegen sein, zum Teil sind sie das jetzt schon. Aber wenn man genau hinguckt, ist vieles noch nicht rund. Der leise Verschluss einer Sony A7R III ist zwar geräuschlos, aber nur für wenig bewegte Motive gut zu verwenden. Es dauert 1/13s, ihn auszulesen, doppelt so schnell wird es nur mit komprimiertem Raw. Die Sony A9 ist deutlich schneller, kommt aber bei Auflösung, Farbe und Dynamikumfang nicht an die A7R III heran. Hier liegen auch noch Probleme, die die Kameraindustrie lösen muss, bevor Global Shutter Wirklichkeit werden können. Ein Global Shutter ist ein elektronischer Verschluss, der keine Auslesezeit mehr hat, sondern das ganze Bild auf einmal erfasst. Stellen Sie sich das einmal im Blitzbetrieb vor: Sie können Belichtungszeiten verwenden, die nur von der Abbrennzeit des Blitzes begrenzt werden. Ich vermute, manche Blitzhersteller wie z.B. Hensel haben damit gerechnet, dass das früher kommen würde, sonst hätten Sie wahrscheinlich schon längst Blitze mit HSS (HighSpeedSync) gebracht. HSS wäre mit einem Global Shutter nicht mehr nötig. Ich rechne noch nicht für 2018 damit, sage aber ganz klar: Global Shutter wäre für mich ein Grund, eine neue Kamera zu kaufen. Der Rolling Shutter-Effekt würde damit dann genauso der Vergangenheit angehören.

Da Spiegellose nun wirklich reif geworden sind, müssen die DSLR-Hersteller auch etwas bringen. Nicht etwas wie Nikon 1 oder EOS M, sondern etwas Richtiges  im Vollformat, das die technischen Vorteile eines spiegellosen Systems zur Geltung bringt. Es gibt bereits Patente dazu von Canon und Nikon, ich erwarte, dass Nikon schon 2018 etwas bringen wird, von Canon wird auch etwas kommen, aber ich bin mir nicht sicher, ob schon in diesem Jahr. Der Dual Pixel AF von Canon ist eine sehr gute Voraussetzung für eine spiegellose Kamera, das EF-Objektivsystem ebenfalls ein großer Vorteil, genauso wie eine native Unterstützung von Nikkor-Objektiven eine neue Nikonkamera mit einem Startvorteil versehen würde. Sony ist aber de facto schon einer der großen drei Kamerahersteller geworden, die Lücken im Objektivprogramm werden bald geschlossen sein und die Entwicklungsgeschwindigkeit wird bei den Kameras weiterhin hoch bleiben.

Apropos Objektive. Es werden sicher eine Menge sehr guter Objektive in naher Zukunft auf den Markt kommen, ein Supertele und ein 135er von Sony, ein 200-600 und ein neues 50er von Canon etc. Manche der neuen Objektive sind nahezu perfekt, manchmal wirken die Bilder aber dadurch fast schon etwas tot. Auch 2018 werden wieder mehr Fotografen den Charme alter analoger Objektive wiederentdecken und das wird ein Trend sein, der bleiben wird, ähnlich wie sich die Langspielplatte wieder etabliert hat. Mit alten Objektiven zu arbeiten ist sinnlich, günstig und spannend, manche davon sind viel besser als Sie ahnen würden. Die analoge Fotografie ist mühselig und ist leider auch schlechter als früher, da das Filmangebot immr kleiner wird und die Labors meist auch nur scannen und ausbelichten und nicht mehr abziehen. Die Arbeit mit analogen Objektiven ist aber besser als sie das jemals war, auch dank Bildstabilisator im Kameragehäuse oder Suchervergrößerung zum Scharfstellen.

Ein ca. 40 Jahre altes Nikon 35mm f1,4 trägt mit seinen Unperfektheiten hier sehr zur Bildstimmung bei.

Adobe hat Lightroom in einer Cloud-Variante herausgebracht. Für den Fotografen hat das eher wenig Vorteile, es ist langsamer durch die Datenübertragung und wird schnell teuer, wenn Sie mehr Platz benötigen. Aber denken Sie etwas in die Zukunft, wenn Sie alle Arbeitsschritte online machen und die Bilder auf Servern liegen, kommen die Server schnell an die Bilder und können sie automatisch analysieren und verschlagworten. Sie trainieren dann mit jedem Bearbeitungsschritt eine Künstliche Intelligenz, die mit den gesammelten Daten dann automatisch Bearbeitungsvorschläge macht. Wenn Sie die Bilder automatisch in Webdienste exportieren wie zum Beispiel an Instagram, dann kann die Software sogar Likes zählen und nachschauen, welche Bearbeitungen besonders gut ankommen. Es gibt also jetzt schon einen beginnenden Trend zur KI-unterstützten Bildoptimierung. Es gibt auch schon KI-Systeme, denen Sie nur noch mitteilen müssen, was der Bildinhalt sein soll und die dann die Bilder fast aus dem Nichts erzeugen. Glauben Sie nicht? Dann gucken Sie doch einmal hier: https://www.theverge.com/2017/10/30/16569402/ai-generate-fake-faces-celebs-nvidia-gan und hier https://www.youtube.com/watch?v=0fhUJT21-bs

Irgendwann wird es Maschinen geben, die in Echtzeit fotorealistische “Träume” erzeugen können, die Vorstellung, dass die Künstliche Intelligenz es schwer haben wird, im kreativen Bereich genutzt zu werden, halte ich für sehr naiv. KI wird in fast allen Lebensbereichen große Änderungen bewirken.

Doch erstmal zu etwas Naheliegenderem, neuen Kameras: Die A7 III und A7S III werden sicher bald kommen, sie werden einige der Vorteile der A7R III auch in diesen Reihen verfügbar machen. Canon wird wohl weiter die Vollformatkamera mit der höchsten Auflösung anbieten, ein Nachfolger der 5Ds kommt. Wenn ich raten müsste: mit der Bedienung der 5D Mark IV, 60MP und besserem Dynamikumfang. Die 7D Mark III erscheint auch 2018 und wird bei der Bildqualität zulegen, vielleicht überrascht uns Canon auch mit echten Neuigkeiten im technischen Konzept. Es wird trotzdem viele Leute geben, die über Canon meckern werden und weiter viele Profis die mit den Kameras zufrieden ihren Job machen. Von der technischen Entwicklung werden alle großen Marke profitieren, wer die Notwendigkeit sieht, zu “switchen”, sollte sich fragen, woher das eigentlich kommt. Bei manchen Fotografen habe ich das Gefühl, dass sie sobald eine Kameraausrüstung rund ist, eine neue aufbauen müssen, eher um ihren Sammeltrieb zu befriedigen, als dass sie sich damit fotografisch weiterbringen.

Ich selbst arbeite mit Canon und Sony, halte die D850 für eine der besten Kameras überhaupt und freue mich über jede Innovation, die von Pentax, Olympus, Panasonic, Leica, Fuji und anderen kommt. Fanboys finde ich anstrengend, wir profitieren alle von einem breiten Fotomarkt, und wenn ich mir anschaue, wer früher alles Kameras und Objektive hergestellt hat, dann haben wir schon jetzt an Marktbreite eingebüßt. Aber früher konnten Sie Kameras mit etwas Uhrmacher-Knowhow in einem Hinterhof herstellen. Heute ist das ein Technologieprojekt, das nur noch ein Großkonzern stemmen kann. Zumindest wenn man von analogen oder simplen digitalen Crowdfunding-Projekten absieht, aber da ist auch viel Schrott darunter. Die neue Yashica ist ein Beispiel, ich denke, dass das in der derzeitigen Form bei vielen Unterstützern für Enttäuschung sorgen wird. Immerhin wurden damit bei Indiegogo schon über 1,3 Mio $ eingesammelt, und die meisten Smartphones sind deutlich bessere Kameras als diese. Es bleibt zu hoffen, dass es bessere Ideen und technische Konzepte geben wird, die die Sehnsucht nach einer ursprünglicheren Fotografie werden befriedigen können. Sie kennen diese Sehnsucht nicht? Dann lesen Sie doch einfach das Menü einer aktuellen Sony von vorne bis hinten durch, dann sollte sich diese auch bei Ihnen einstellen 😉

Im Eingangsbereich einer Ausstellung im ZKM sind Kameras aufgebaut, die Ihnen mitteilten, wie groß Sie sind und wie alt Sie wahrscheinlich sind. Die Kamerasysteme von heute kümmern sich nicht mehr nur um Bilderfassung sondern auch um Bilderkennung. Bald wird jedes Auto mehrere Kameras haben, die auch die Absichten der Verkehrsteilnehmer voraussagen können, zumindest innerhalb ähnlicher Grenzen, wie es auch menschliche Autofahrer können. Es werden mehr Kameras von Maschinen genutzt werden als von Menschen. Der Kameramarkt wird also deutlich wachsen und die technischen Fortschritte zurückfließen in den eigentlichen Fotomarkt. Die Gesichtserkennung ist heute schon sehr gut, wer den Dual Pixel AF einer Canon nutzt, den Eye-AF einer Sony oder manch andere Systeme, der kennt das aus eigener Erfahrung. Aber warum soll die AF-Unterstützung da stehen bleiben? Anhand von Bewegungsschemata oder Bildanalyse kann eine Kamera auch auswerten, was wohl unser Motiv ist. Dass eine Kamera z.B. auf die Wellen vor einem Wasservogel scharf stellt, wird irgendwann einmal Vergangenheit sein.

Für den Fotografen (und das ist hier nur ein Beispiel, weil es tatsächlich für alle Menschen gilt) wird es immer wichtiger, zu erkennen, was ihm die Technik vorgibt und erleichtert und davon zu unterscheiden, was er eigentlich erreichen und ausdrücken will. Es wird bestimmt nicht mehr lange dauern, dass Programme wie Lightroom Ihnen die besten Bilder einer Reihe automatisch vorschlagen, eine Grundbearbeitung über eine Automatik motivabhängig vornehmen und bestimmte “Fehler” direkt entfernen können. Wenn Sie sich angucken, was Apps wie Google Photo schon vor Jahren gemacht haben, dann ist das wirklich keine Zukunftsmusik, sondern eine absehbare Entwicklung. Jedes Handy kann heute schon automatisch Selfies “schöner” machen, eine Software wie Portrait professional treibt die automatische Verschönerung zu absurden Höhen, das gleiche können Sie auch mit Landschaftsbildern machen. Den Link http://www.landscapepro.pics/ poste ich hier nur als Warnung, nicht als Empfehlung, Landschaftsfotos sehen heute zum großen Teil auch so schon gleich aus. Wenn Sie Bilder machen möchten, die nicht im Strom untergehen und die eine persönliche Qualität haben, dann müssen Sie solchen Entwicklungen zumindest zum Teil widerstehen und sie sich im Ganzen bewusst machen. Auch Facebook macht mehr mit Ihnen als Sie mit Facebook. Und wir stehen erst am Anfang einer exponentiellen Entwicklung, Digitalisierung und Internet sind harmlos gegenüber dem, was Robotik und KI noch für uns bereithalten werden. Auch wenn viele von uns wahrscheinlich Maschinen erleben werden, die ihnen kognitiv überlegen überlegen sein werden (Damit, liebe Leser, spiele ich nicht auf Ihre Intelligenz an, sondern allein auf Ihr Lebensalter), sollten sie nicht vergessen, dass Sie als Mensch Stärken haben, die nicht so leicht veralten werden.

Denken Sie aber daran, dass der Fortschritt auch von Ihnen ausgeht. Jeder einzelne entscheidet durch sein Verhalten mit, wohin die Reise geht. Bei den meisten Dingen müssen Sie nicht auf Entscheidungen aus Politik oder Wirtschaft warten, um selbst etwas zu ändern oder zu bewirken.  Es gibt eine Menge wichtigerer Dinge als die Wahl der nächsten Kamera. Aber es wäre schön, wenn wir auch in Zukunft die Möglichkeit haben werden, so unwichtigen Luxusproblemen unsere Zeit zu widmen. Die Welt wird sich in den nächsten 20 Jahren stärker ändern als in den letzen 50. Machen Sie was draus!

 

 

 

Sony A9 (ILCE-9) vorgestellt

Sony hat einen Vorstoß ins Profisegment gewagt und heute die A9 vorgestellt, sie soll Kameras wie der Nikon D5 oder der Canon 1DX Mark II Konkurrenz machen. Die Specs sind in der Tat ordentlich:

  • 20 Bilder pro Sekunde ohne Sucherblackout
  • 24,3 MP
  • Silent Shutter bis 1/32000s
  • 4K Video 30fps
  • Touchscreen
  • 93% AF-Abdeckung
  • 693 Phasen-AF-Messpunkte
  • 2 SD Kartenslots (einer UHS II)
  • 241 Raws Burstrate
  • Doppelt so große Akkus, besserer Sucher, bessere Bedienung (Joystick, Touch)
  • Preis 5300€

Man wird erste Tests zum AF und zur Zuverlässigkeit abwarten müssen, aber grundsätzlich hat Sony den Markt um ein sehr interessantes Angebot bereichert.

Mich selbst reizt die Kamera aus verschiedenen Gründen nicht. Erstens ist der Body nur um den Griff herum ein bisschen Größer als die A7 RII und wie unergonomisch diese ist, weiß ich aus eigener Erfahrung. Zum zweiten wurde die Kamera nicht wetterabgedichtet, Sony schreibt “Vollständige Resistenz gegen Staub und Spritzwasser nicht gewährleistet”. Das ist ein bisschen schwach, schließlich kostet die Kamera 5300€ und man möchte nicht immer eine zweite mitnehmen, weil man sich auf die erste nicht verlassen kann. Gerade bei einer Kamera, die für Sport- Presse- und Naturfotografen gedacht ist, ist das ein Designfehler. Für diesen Bereich fehlen auch die Objektive, es gibt nur lichtschwache Zooms bei den langen Brennweiten, alles andere geht nur per Adapter und da wird die Serienbildgeschwindigkeit nicht mehr voll erreicht. Die Serienbildgeschwindigkeit fällt ohnehin auf mickrige 5 FPS, wenn der mechanische Verschluss benutzt werden muss, was bei der A7 RII zum Beispiel bei Kunstlicht der Fall ist, weil das Bild sonst leicht streifig oder farbverfälscht werden kann. Ob das bei der A9 auch so ist, bleibt abzuwarten. Die Kamera ist sicher ein Schritt in die richtige Richtung, aber eine ernsthafte Konkurrenz zur EOS 1DX Mark II oder Nikon D5 vermag ich darin nicht zu erkennen. Die A9 ist nur der erste Versuch, aber Sony lernt recht schnell und ich bin gespannt auf die A9 II. Mein Tipp an Sony wäre allerdings, endlich diese Spielzeuggehäuse aufzugeben, die Konkurrenz ist nicht deswegen größer, weil sie es nicht besser kann, sondern weil die Kameras sich besser bedienen lassen, robuster sind, Platz für größere Akkus und schneller Verschlussmechanik haben. Vielleicht wäre dann auch 4K in 60FPS drin, weil ein größeres Gehäuse natürlich auch bessere Kühlung bietet, die 1DX Mark II unterstützt das schon lange.

Mehr Informationen:
http://presscentre.sony.de/pressreleases/die-neue-alpha-9-kamera-von-sony-revolutioniert-die-professionelle-fotografie-1924006

Technische Daten:

https://www.sony.de/electronics/wechselobjektivkameras/ilce-9/specifications

Die Sony A9 (Bild:Sony)

Ein Blick in die Glaskugel für 2017

Um die Jahreswende blicke ich traditionell ein wenig in die Zukunft und äußere meine Erwartungen über die anstehenden technischen Entwicklungen in der Fotobranche. Einige der letzten Prophezeiungen sind eingetroffen, so wurden z.B. 2016 endlich spiegellose Mittelformatkameras von Hasselblad und Fuji vorgestellt. Hasselblad ist übrigens gerade chinesisch geworden, DJI (die Firma mit den Drohnen, genau) hat inzwischen die Mehrheit. Das entspricht sicher einem generellem Trend, die Chinesen werden auch im Rest der Industrie Europas weiter stark an Übernahmen interessiert sein. Japan hatte übrigens auch einmal das Image eines belächelten Billigproduzenten mit Nachbaumentalität. Von dem sind die Chinesen nun auch schon entfernt, aber die haben auch noch viel Luft nach oben und arbeiten mit großer Kraft am weiteren Aufstieg. Chinas Anteil am Fotomarkt wird auch zu Lasten etablierter Europäischer und Amerikanischer Hersteller weiter wachsen.

Morgen wird das iPhone 10 Jahre alt. Ich erinnere mich an den Tag und habe mir die Präsentation damals angeschaut. Ich war erleichtert, dass es endlich jemand richtig macht. Internet auf dem Handy war vorher fürchterlich. Es war so schlecht, dass die Provider die Handies so gebrandet hatten, dass die Wahrscheinlichkeit sehr hoch war, irrtümlich auf den Internet-Button zu kommen, damit überhaupt einmal Datenvolumen generiert wird. Die Benutzung war ein Krampf und die Gebühren ein Hohn. Dann kam das iPhone und der Rest ist Geschichte. Heute hat fast jeder ein Smartphone, die meistverwendete Kamera bei flickr ist ein iPhone, die Kamera an Platz 2 ist auch ein iPhone, Kompaktkameras werden kaum noch verkauft und wenn, dann sind Ihre Sensoren deutlich größer geworden, damit sie sich qualitativ absetzen. Diese Entwicklung ist noch nicht vorbei, Smartphones haben noch großes Entwicklungspotential und werden den Fotomarkt von unten weiter stark unter Druck setzen. Und trotz der Kulturrevolution, die Smartphones bei jedem von uns ausgelöst haben ist das nur ein Klacks im Vergleich zu dem, wie die Technik unser Leben und die Fotografie in den nächsten Jahren verändern wird.

Wie das fahrerlose Auto wird es auch die fotografenlose Kamera geben. In ein paar Jahren wird man Drohnen losschicken können, die auch ohne menschliche Steuerung Bilder von aktuellen Ereignissen liefern, Objekte aus der Luft fotografieren und selbsttätig gute Bildwinkel und Ausschnitte wählen. Techniken aus der Überwachung werden zurückschwappen in den fotografischen Bereich. Computer werden mehr und mehr in der Lagen sein, Bildinhalte zu erkennen, bei der Bildsuche und Bildverschlagwortung zu helfen und auch die Bildwirkung auf den Menschen analysieren. Computer werden auch immer mehr in die Bildbearbeitung eingreifen, schon heute erstellen Bilderdienste wie Google Photos selbstständig Montagen, Panoramen oder Zusammenstellungen.

Canon hat auf der CES gerade einen Sensor mit 250MP vorgestellt, dessen angedachter Anwendungsfall die Überwachung ist. Mit so einem Sensor kann man einen großen Platz mit einer Auflösung erkennen, die für die Erkennung einzelner Gesichter ausreicht. Auch im fotografischen Bereich werden die Auflösungen weiter steigen, ebenfalls auf der CES wurde der erste 8K-Monitor vorgestellt, 8K-Video wird in absehbarer Zeit auch für Normalanwender verfügbar sein. Der Schritt von FullHD zu 4K war aber sicher bedeutender, denn das Auge kann bei Ganzbildbetrachtung ohnehin nicht viel Mehr als 4K auflösen, ab einem gewissen Abstand zum Fernseher macht es auch keinen Unterschied mehr, ob der FullHD oder 4K kann. Trotzdem werden Fotografen von der Auflösungssteigerung profitieren, Ich fotografiere gerne mit der EOS 5DS R, weil Sie mir erlaubt, auch noch kleinere Ausschnitte des Bildes mit hinreichender Auflösung zu verwenden. Das ist vor allem in der Tierfotografie sinnvoll, weil ich fliegende Vögel auch in größerer Entfernung noch erfassen kann, ohne das es bildnerisch sinnlos wird. Ich würde auch eine 50MP-APS-C-Kamera kaufen, wenn Sie bei ISO-Leistung und Dynamikumfang gut genug wäre.

Apropos 4K:  4K würde am meisten Sinn im Beamerbereich ergeben, weil die großen Bilddiagonalen die Bildinformation dort wirklich sichtbar machen. Es ist zu hoffen, das 2017 endlich bezahlbare echte 4K-Beamer auf den Markt kommen, im Moment sind sie entweder bezahlbar oder echt (“4K-Enhancement”).

Für viele Fotografen ist der Unterschied zwischen Gesehenem und Aufgenommenem bzw. Wiedergebbarem immer noch etwas frustrierend. Farb- und Dynamikumfang waren gerade in der Wiedergabe recht begrenzt. HDR-Monitore und neue Displaytechniken kommen immer mehr dem nahe, was das Auge verarbeiten kann.

Wenn Sie eine Sony A7R II oder eine vergleichbare Kamera im leisen Modus auslösen, hören Sie gar keinen Kameraverschluss mehr, weil die Belichtung rein elektronisch gestartet und beendet wird. Leider werden die Daten immer noch zeilenweise ausgelesen, so dass Sie bei Flackerlicht Bildstreifen erhalten, die sie beim mechanischen Verschluss nicht bekommen. Schön und technisch machbar wäre ein globaler elektronischer Verschluss, der das Bild gleichzeitig ausliest. Damit gäbe es keinen Rolling Shutter-Effekt mehr im Video und man könnte auch mit kurzen Belichtungszeiten blitzen, ohne dass man HSS einsetzen muss. Das wäre eine Entwicklung, die gerade professionelle Fotografen dazu verleiten könnte, sich eine neue Kamera zu kaufen. Auf der anderen Seite wird auch Hensel in diesem Jahr eine mobile Blitzanlage herausbringen, die HSS unterstützt.

Dass bei manchen neuen Kameras nicht auf neue Speicherstandards gesetzt wurde, damit die Käufer ihren alten Speicher weiterverwenden können, kann ich gut verstehen. Dass UHS-II bei SD-Karten-Slots noch nicht weiter verbreitet ist, wundert mich allerdings schon. Vielleicht liegt das auch an den langen Projektlaufzeiten bei der Kameraentwicklung. In UHS-II-Slots kann man auch alte SD-Karten weiterverwenden, es gäbe also keinen Kunden, der sich über die Einführung ärgern würde. Ich hoffe, dass das in 2017 endlich auf breiterer Basis passiert. Zumindest gute 300MB/s könnte man damit realisieren, ohne sich in der CFast gegen XQD-Frage entscheiden zu müssen. CF-Karten haben nämlich im Moment mindestens zwei Nachfolger, die auch mit der bisherigen Technik nicht kompatibel sind.

Ein weniger schöner Trend ist, dass Fototechnik etwas teuer wird. Das liegt nicht nur am Wechselkurs von Yen zu Euro, sondern auch am schrumpfenden Markt. Smartphones haben das untere Segment fast aufgelöst und im oberen ist eine gewisse Sättigung eingetreten, weil auch eine Kamera von vor fünf Jahren noch sehr gut ist. Trotzdem hat sich eine Menge getan und wenn Sie darüber nachdenken, ihre Ausrüstung aufzufrischen, dann möchte ich Sie nicht davon abbringen. Es gibt jetzt schon genug wirklich leistungsfähige Kameras wie z.B. die Nikon D500 oder die Canon 5D Mark IV, aber ich erwarte auch für dieses Jahr einige schöne Neuerscheinungen. Canon wird eine neue 6D bringen und auch die 750D/760D wird wohl aufgefrischt, Bei Nikon ist ein Nachfolger der D750 oder der D810 denkbar, Sony wird auch einen Schritt nach vorne gehen und hoffentlich eine A7 auf den Markt bringen, die bei Autofokus und Serienbildtauglichkeit deutlich besser geworden ist, es kommen ein paar schöne neue Objektive wie z.B ein 24-70mm und ein 70-200mm der ART-Serie von Sigma, ein 85er von Canon, vielleicht auch ein 50er. Und im Bereich der Spiegellosen werden auch die großen Hersteller, die nicht Sony heißen, fleißig weiterentwickeln. Ob da 2017 schon ein großer Wurf kommt, wage ich zu bezweifeln, aber wir werden dem näher kommen.

Vergessen wir bei alledem nicht, dass es ein großes Privileg ist, sich bei Anbruch eines Jahres um solche Themen Gedanken machen zu können. Das geht nur in Zeiten des Friedens, des Wohlstands und der Freiheit. Und nichts davon ist selbstverständlich.

 

 

Canon 5D Mark IV ist da

Canon hat heute die neue EOS 5D Mark IV vorgestellt, die technischen Daten können Sie in aller Ruhe hier durchlesen:

http://www.canon.de/cameras/eos-5d-mark-iv/specifications/

Canon 5D Mrk IV Bild: Canon

Canon 5D Mrk IV Bild: Canon

Das wichtigste in Kürze:

  • 30,4 MP, 7 Bilder/s
  • ISO 100-32.000, erweiterbar 50-102.400
  • erhöhter Dynamikumfang wie schon bei der 80D und 1D X Mark II
  • AF bis f8 und -3LW, 61 Messfelder, erweiterte Abdeckung
  • 4K-Video in voller DCI-Auflösung (4.096 x 2.160) und 30fps (aber wohl nur mit einem Cropfaktor von 1,74x), FullHD mit 60FPS und ohne Crop
  • besserer Spritzwasserschutz und leichteres Gehäuse
  • Dual Pixel CMOS AF bis LW-4, Dual Pixel RAW (mehr dazu unten)
  • GPS und WIFI mit NFC
  • Monitor mit Touchscreen und 1,6 Mio Pixel
  • Belichtungsmessung und AF Tracking gegenüber der 5D Mark III deutlich verbessert
  • gleiche Akkus und Speicherkarten
  • Preis: 4065€, Lieferbar ab Mitte September

Grundsätzlich wirkt das für mich sehr rund, das wird eine sehr gut bedienbare Kamera mit klasse Bildqualität, die fast jeder Aufnahmesituation gewachsen sein wird. Der Cropfaktor beim 4K-Video ist eine Enttäuschung, weil er Weitwinkelvideo in 4K sehr schwierig macht, für Tierfilmer ist das aber eher ein Vorteil auch in Verbindung mit dem tollen Video-AF. Schade finde ich es auch, dass nicht die Gelegenheit genutzt wurde, schnellere Speicherkarte wie SD UHS II oder CFast zu unterstützen, so ist nach 21 Raws Schluss.

Dual-Pixel-Raw speichert beide Hälften eines Pixels und Sie könne die 3D-Information darin für drei verschieden Anwendungszwecke mit DPP einsetzen:

  1. Nachfokussieren nach der Aufnahme um bis zu 5 Mikroschritte, so lässt sich die Schärfe auch nachträglich noch exakt auf die Augen legen, wenn Sie leicht daneben war.
  2. eine seitliche Verschiebung (bezogen aufs Querformat) unscharfer Bereiche, so lässt sich die Abdeckung des Motivs durch Vordergrundunschärfe nachträglich verschieben
  3. ein leichtes Herausrechnen von Überstrahlungen und Reflexen

Vor allem der erste Punkt kann sich als wirklich nützlich erweisen, auch wenn Sie dadurch mit doppelter Raw-Dateigröße arbeiten müssen. Im Porträtbereich hat die 5D-Reihe wahrscheinlich jetzt schon eine deutliche Marktführerschaft.

Den Mehrpreis haben wir wohl hauptsächlich der Euro-Yen-Entwicklung zu verdanken:

http://www.finanzen.net/devisen/euro-yen/chart

 

Bild und Videobeispiele:
http://web.canon.jp/imaging/eosd/samples/eos5dmk4/

 

 

Hasselblad X1D

 

Hasselblad X1D Bild: Hasselblad

Hasselblad X1D    Bild: Hasselblad

Mein Prognose zur neuen Hasselblad hat sich als richtig erwiesen. Wie gut die Kamera in der Praxis sein wird, vermag ich noch nicht ganz zu beurteilen, das hängt z.B. vom AF und der Sucherqualität ab, Hasselblad gehörte bislang nicht zu den Livebild-Königen. Allerdings kann ich jetzt schon sagen, dass Hasselblad ganz viel richtig gemacht hat. Die Gehäusegröße ist perfekt, die Bedienung ist auf den ersten Blick durchdachter als z.B. bei Sony (gut, das ist auch kein Kunststück, aber sie macht wirklich einen guten Eindruck). Der Zentralverschluss mit Blitzsynchronzeiten von bis zu 1/2000s bewahrt einen wichtigen Vorteil vieler Mittelformatkameras. Wichtig ist, dass der Adapter für die H-Objektive schnell verfügbar wird und das Hasselblad das Objektivprogramm erweitert, bislang gibt es erst ein 45er und ein 90er, von deren Brennweite man ungefähr ein Viertel abziehen muss, um auf vergleichbare Kleinbild-Brennweiten zu kommen. Das wird nicht die letzte spiegellose Mittelformatkamera bleiben.

Die wichtigste und erfreulichste Nachricht für mich: Hasselblad hat die Idioten rausgeworfen und der neue CEO arbeitet in die richtige Richtung.

http://www.hasselblad.com/de/x1d

 

Ein Blick in die Glaskugel für 2016

Wie auch schon im letzten Jahr (https://fotoschule.westbild.de/2014/12/ein-blick-in-die-glaskugel-fuer-2015/) möchte ich ein bisschen nach vorne gucken und über Entwicklungen berichten, von denen ich vermute, dass sie die nächste Zeit bestimmen werden. Ich erwarte dabei keine 100% Treffgenauigkeit, aber möchte zumindest interessante Anregungen geben, um über den Fotomarkt nachzudenken.

Ich erwarte Folgendes für die nähere Zukunft der Fototechnik:

  • Abschied vom Bayermuster: Das Bayermuster kommt langsam an die Grenzen, Canon hat bereits Prototypen mit 250MP vorgestellt. Ich vermute, dass diese schon nicht mehr mit dem Bayermuster arbeiten, weil die Beugungsgrenze dann schon bei unter f4 liegen würde, also man bei weiterer Abblendung die Auflösung des Sensors nicht mehr sinnvoll nutzen könnte. Nun sind die Megapixel mit dem Bayermuster ohnehin etwas gemogelt, weil ja Pixel mit einer einzelnen Farbe (Rot, Grün oder Blau) in der Interpolation zu echten RGB-Pixeln werden. Wenn man die Farbpixel untereinander legt, hat man echte Farbpixel und keine Probleme mehr mit Farbmoiré. Die Marketingabteilung wird die Pixelzahl wahrscheinlich analog dem Bayermuster angeben, zumindest vorerst, so dass 250MP in Wirklichkeit nur aus 83,3 Millionen einzelnen Flächen bestehen, die Rot, Grün und Blau untereinander aufzeichnen, wie das zum Beispiel Sigmas Fovoen heute schon tut. Mit dem Bayermuster werden wir auch vom AA-Filter Abschied nehmen, weil er dann nicht mehr notwendig ist, um Moirés zu vermeiden.
  • Canon macht die AD-Wandlung on Chip: Dass bei Canon die Schatten manchmal nicht ganz so gut nutzbar sind, wie zum Beispiel bei Sony-Sensoren, liegt auch an der etwas komplizierten Art, wie Canon die analogen Sensorwerte in Digitaldaten umwandelt. Ich erwarte, dass Canon das zeitnah ändert.
  • Langsamer Abschied von CF: Die CF-Karten sind am Ende Ihrer Leistungsfähigkeit angelangt, bei 166MB/s ist Schluss, solche Karten sind schon lange im Handel. High-Megapixel-Kameras brauchen für schnelle Bildfolgen mehr, ich vermute das CFast die CF-Karten ablösen wird.
  • UHS-II endlich auch in der Kamera: SD-Karten schaffen mit dem UHS-II-Standard bis zu 312 MB/s, bislang machen das die Kameras aber noch nicht mit. Ich erwarte, dass der Standard dieses Jahr auch in den besseren Kameras implementiert wird.
  • DSLRs zeigen noch mal, was sie können: Es werden Spiegelreflexkameras auf dem Markt kommen, die noch einmal bessere AF-Systeme mitbringen, schneller sind und deutlich zeigen, wo sie spiegellosen Systemen überlegen sind. Die spiegellose Technik hat es erst dann wirklich geschafft, wenn Sie bei Sportveranstaltungen zu einem Drittel Spiegellose in der Hand der Profis sehen.
  • Schwierige Zeiten für das Mittelformat: Die neuen Kameras mit über 40MP lassen den Vorsprung der Mittelformatkameras in der Bildqualität schrumpfen, in fast allen anderen Punkten hatten sie nie einen. Wenn jemand eine Spiegellose mit ein paar guten Objektiven und einem tollen MF-Sensor in einer Preisklasse auf den Markt bringt, die noch leicht unter der Pentax 645Z liegt, dann hätte er Chancen bei vielen Fotografen, die klassischen MF-Systeme werden eher Probleme haben, ihre ohnehin geringen Kundenzahlen zu halten.
  • Auflösungsunabhängige Sensoren: Zumindest bei kleineren Sensoren werden wir Systeme sehen, die nicht mehr auf statische Pixelgrößen setzen, sondern jedes Photon einzeln erfassen und je nach ISO-Wert unterschiedliche Auflösungen erzeugen. Quantum-Dot-Sensoren werden wahrscheinlich zuerst in Smartphones auftauchen.
  • Der Sensormarkt wird spannend: Im Moment hat Sony schon einen Anteil von über 42% und hat gerade das Sensor-Geschäft von Toshiba übernommen. Während Nikon die D800 deutlich vor der A7R von Sony auf den Markt gebracht hat (beide mit 36MP-Sony-Sensor), scheint Sony heute seine neuen Sensoren zuerst in eigene Kameras einzubauen. Im Mittelfomatbereich haben Hasselblad, PhaseOne und Pentax auch den selben Sony-Sensor im Einsatz. Sonys Marktmacht ist nicht ohne Risiken für die anderen Teilnehmer.
  • Trend zu Größe und Qualität: Während immer mehr auch gut mit einem Smartphone aufgenommen werden kann und der Normalbürger entweder schon zufrieden mit seiner jetzigen Kamera ist, auf dem Gebrauchtmarkt fündig wird oder in der Einsteigerklasse (in der der Preisdruck hoch ist) bereits ausreichende Qualität erhält, lässt sich am besten Geld verdienen mit wirklich hochwertiger Technik, großen Bildsensoren und High-End-Objektiven. Der Fotomarkt wird dabei weiter etwas schrumpfen, wenn man von Smartphones absieht. Aber manche Fotohersteller werden Ausweichmärkte erschließen in den Bereichen Überwachungstechnik, Bilderkennung und “Augen” für die Robotik.
  • Das Smartphone wird immer mehr können: Hier liegt der eigentliche fotografische Massenmarkt, wer seine Geräte im hochpreisigen Segment anbieten möchte, wird sich auch über die fotografischen und filmischen Möglichkeiten vom Wettbewerb absetzen wollen. Wir werden Smartphones sehen, die mehr als eine Kamera gleichzeitig zu Bilderstellung verwenden werden, etwa um 3D-Techniken zu ermöglichen (inkl. Vermessung) oder um geringe Schärfentiefe als Gestaltungselement zu ermöglichen.
  • Beschleunigung der Entwicklung: Während es für den einzelnen Fotografen sich vielleicht anders anfühlen wird, wird sich die Technik der Bilderfassung rapide fortentwickeln. Manches von dem wird für den Consumer gar nicht mehr interessant sein, sondern eher für die Wissenschaft oder für die maschinelle Verarbeitung optischer Informationen.
  • Der Computer beginnt, die Bildauswahl selbst vorzunehmen und Serien zusammenzustellen: Es werden immer mehr Bilder aufgenommen, gleichzeitig haben Computer immer mehr Einblick, welche Bilder den Menschen im Gedächtnis bleiben bzw. eine Wirkung auslösen. Google Fotos erstellt heute schon selbsttätig Kollagen aus Ihren Bildern oder kombiniert ein Bild aus verschiedenen Aufnahmen. Das Smartphone wird ihnen sagen können, welches Selfie das beliebteste Profilbild ergeben wird, eine Kamera selbsttätig aus einer schnellen Sequenz das (ihrer “Meinung” nach) beste Bild auswählen. Es wird selbstoptimierende Werbetafeln geben. Die Möglichkeiten der Maschinen, uns ein bestimmtes Verhalten nahezulegen, werden ständig wachsen, nicht nur im Bildbereich.
  • Mehr Gadgets: in einem zunehmend gesättigten Fotomarkt wird es immer wieder Raum für neue Produkte geben, die genug Charme haben, um sich auch über eine Kickstarter-Kampagne finanzieren lassen. Mit ein paar Bildsensoren und etwas Software lassen sich viele Produkte realisieren, für die es bisher noch keine Nische gab.

Die Sony A7R II und die Canon EOS 5DS R in der Praxis – ein Vergleich

Ich habe die EOS 5DS R und die Sony A7R II seit jeweils dem Tag, als sie auf den Markt kamen, im Einsatz. Die Canon war sofort in einer umfangreichen Canon-Ausrüstung zu Hause, während ich die Sony hauptsächlich mit dem Metabones-Adapter und Canon- bzw. Sigmaobjektiven verwendet habe. Das Sony-System wurde allerdings um das 90mm-Makro und den HVL-F60M-Blitz ergänzt. Sowie um den Batteriegriff und zwei weitere Akkus.

Auf La Palma konnte ich beide Kameras in Ruhe nebeneinander verwenden und hatte den direkten Vergleich. Ich will das Ergebnis in kurze Einzelwertungen aufteilen, sehen Sie die als persönliche Erfahrungswerte und ohne Anspruch auf absolute Allgemeingültigkeit:

  1. Bedienung: Die Sony ist umfangreich zu konfigurieren und hat einen Schwenkbildschirm. Allerdings sind die Konfigurationsmöglichkeiten auch notwendig, weil sie im Ausliefernungszustand nicht optimal ist. Bei mir hat sich der ISO-Wert oft verstellt, der Bildschirm war kaum zu betrachten, weil bei meiner Kamera schon in ca. 50cm Entfernung bei Annährerung der Sucher eingeschaltet wird, die Umschaltung habe ich dann auf eine Taste gelegt. Die 1:1-Rückschau braucht drei Sekunden, während sie bei Canon praktisch unverzögert erscheint. Manche Einstellungen sind tief im Menü versteckt und insgesamt ist die Kamera eher unübersichtlich. Die Canon hingegen lässt einen alles Wichtige in Schnellmenüs packen, ist im Auslieferungszustand schon viel runder und ist praxistauglicher. In der Bedienung liegt Canon vorne.
  2. Gehäuse: Sie Sony ist schön klein und hat einige schöne Details. Viele Dinge sind aber fummelig und lassen sich auch kaum besser einstellen. Die Wahl der AF-Messfelder ist zum Beispiel eher anstrengend. Das eckige Design ist zwar ganz schön, allerdings schaben die Ecken schon nach wenigen Tausend Aufnahmen so ab, dass das Metall durchscheint, während die Canon noch wie neu aussieht, obwohl ich damit deutlich mehr Aufnahmen gemacht habe. Auch ist die Sony die erste Kamera, für die ich eine Displayschutzfolie gekauft habe, weil es schnell begann, etwas unansehnlich zu werden. Die Canon hingegen ist ein klassisches Arbeitspferd, sehr anatomisch und robust. Hier liegt Canon deutlich vorne.
  3. Sensor: Die Sony hat nur 42 statt 50 Megapixel, in der ISO-Empfindlichkeit und beim Dynamikumfang liegt sie aber vorne. Ich mag die Ergebnisse der Canon sehr, auch was die Farbwiedergabe betrifft. Trotzdem geht die Sensorwertung deutlich an Sony, weil aus den Schatten mehr herauszuholen ist und die Daten einfach noch ein bisschen mehr Spielraum haben.
  4. Blitz: Der Sony-Blitz braucht 50% länger zum Aufladen als der 600EX-RT, hat ein nettes Videolicht eingebaut, aber unterstützt noch keinen Funk. Das Canon-Funkblitzsystem ist wirklich genial, wenn ich mit mehr als einem Blitz auf der Kamera arbeiten möchte, ist die Sony raus. Hier siegt die Canon deutlich.
  5. Zuverlässigkeit: Die Sony hat bei mir die Macke, dass sie, wenn ich den Auslöser zu kurz nach dem Einschalten antippe, ich oft nicht auslösen kann, bis ich die Kamera neu gestartet habe. Sie hat mehr Fehlermeldungen auf dem Display angezeigt als ich in fast 20 Jahren bei meinen Canons gesehen habe. Manchmal hat sie auch im Normalbetrieb einfach nicht ausgelöst, ich weiß bis heute nicht wieso. Zudem ist sie seit heute beim Service, weil Sie inzwischen bei jedem Einschalten “Dieses Zubehör wird von dem Gerät nicht unterstützt und ist nicht verwendbar. Bitte die Kompatibilität mit dem Gerät prüfen.” sagt. Und das auch, wenn außer einem Akku überhaupt kein Zubehör angeschlossen ist, nicht mal eine Speicherkarte.
    Von der Canon gibt es gar nichts zu berichten. Es gab drei Situationen, in denen sie nicht das gemacht hat, was sie sollte, zweimal war ich das Problem, einmal ein Kurzschluss in einem USB-Kabel. Dieser Punkt geht eindeutig an Canon.
  6. Objektivangebot: Das Sony FE 90 mm 2.8 Macro G OSS ist wirklich großartig, Sony kann also Objektive bauen, ZEISS natürlich auch. Aber noch ist das Angebot etwas dünn. Ein scharfes und kompaktes leichtes Weitwinkel hätte ich gekauft, aber es gab nichts, was meinen Ansprüchen genügt hätte. Die Canon-Objektiven arbeiten an der Sony zwar meistens gut, aber für Action-Fotografie ist der AF damit nicht geeignet, die Fokussierung direkt aufs Auge funktioniert damit auch nicht. Bei Canon fehlt eigentlich nur ein perfektes 50mm-Objektiv und das baut Sigma. So geht dieser Punkt auch an die Canon. Allerdings wird Sony da aufholen und ist auch jetzt schon recht gut.
  7. Sucher: Der Sonybildschirm hat Vorteile, wenn man manuell scharfstellt, auch bei schwachem Licht ist er manchmal sehr gut, bei zu schwachem verschmiert er aber. Insgesamt ist er eher pixelig und überscharf, wärend die Canon einen guten klassisch optischen 100%-Sucher hat. Das Livebild ist bei der Sony recht gut, viel besser als bei meiner alten Nikon D800E, aber trotzdem war es leichter, mit der Canon auf helle Sterne scharfzustellen. Ein befreundeter Profifotograf sagte zum Sony-Sucher nur, dass der ausreichen würde, um die Kamera nicht zu kaufen. Für mich ist er eine willkommene Erweiterung, würde mich aber nerven, wenn ich mit der Kamera jeden Job machen müsste. Punkt an Canon.
  8. Bildstabilisator: Die Sony hat einen eingebauten Bildstabilisator, der den Sensor bewegt. Dieser funktioniert sehr gut auch mit lichtstarken Objektiven, die keinen eingebauten IS haben. Außerdem stabilisiert er anderes als bei optischen Suchern auch das Sucherbild. Die Canon unterstützt nur IS in manchen Objektiven, das funktioniert sehr gut, aber dieser Punkt geht eindeutig an Sony.
  9. AF: Der AF der Sony ist meistens sehr genau, da er auf dem Sensor gemessen wird. Dafür ist er nicht wirklich Action-tauglich, schon gar nicht mit Adapter und Canon-Objektiv. In manchen Situationen, wie z.B. im Jazzclub war der AF großartig, in anderen, wie z.B. mit dem Metabones-Adapter und einem Supertele Vögel zu fotografieren, absolut untauglich. Die Canon hat einen klassischen Profi-AF, der mehr an Justage verlangt, dann aber alles kann. Alles. Punkt an Canon. Aber Extrapunkt an Sony für die automatischen AF auf das Auge, der ist großartig. Leider noch nicht mit dem Metabones zu verwenden.
  10.  Akkulaufzeit: Ich habe gleich vier Akkus für die Sony und bekomme die an manchen Tagen alle. Ich bin von Dortmund nach Hamburg gefahren und hatte die Kamera in der Fototasche angelassen mit zwei Akkus auf 100%. Am Ziel sagte die Kamera mir gerade noch, dass die Batterien alle waren. Leider hatte ich da schon das Hotel verlassen und musste den Abend ohne Strom auskommen. Die Canon verbraucht deutlich weniger Strom und wacht auch nicht so einfach aus dem Standby in der Fototasche auf. Für die Sony sollten mehr als doppelt so viele Akkus wie für die Canon einplanen, noch dazu ist der Akkulader sehr langsam, der Akku ist in zwei Stunden leer, aber erst in vier wieder aufgeladen. Punkt für Canon, natürlich.
  11. Verschluss: Die Sony hat einen wirklichen Silent-Modus, bei dem an nur die Blende sich schließen hört, wenn man ganz genau hinhört. Zudem ist der Verschluss auf 500.000 Auslösungen ausgelegt. Bei Canon auf 150.000. Hier geht die Wertung an Sony. Mit einem großen Abzug für die Staubempfindlichkeit. Bei Canon kann man das Thema praktisch vergessen, wenn man das bei Sony macht, sehen die Bilder nach einer Zeit schlimm aus.

Das klingt insgesamt nicht so gut für die Sony, aber der Gesamteindruck ist doch etwas besser. Die Kamera liefert eine sehr gute Bildqualität, ist in vielen Bereichen innovativ und macht auch oft Spaß. Als Universalkamera für einen Fotografen, der damit auch schnelle Aufnahmesituationen abdecken muss, kann ich Sie nicht empfehlen. Für alles was ruhiger ist, wie Architektur, Landschaft und People, schon. Trotzdem vermittelt Sie einem nicht das Gefühl der unbedingten Verlässlichkeit, wie man es als Profi von seiner Kamera erwartet. Die 5DS ist einfach professionell ausgelegt. Das mag manchem langweilig vorkommen, weil es dadurch auch nicht so viele Neuigkeiten gibt und viel Bewährtes zum Einsatz kommt, aber ich vertraue ihr inzwischen, während die Sony heute erstmal zum Service ging (UPDATE 9.1: Heute wiedergekommen, gleicher Fehler, gleich wieder zurückgeschickt. Dabei reichte es, einen Originalakku einzulegen und die Kamera einzuschalten, um den Fehler zu reproduzieren. Das gibt einen neuen Minuspunkt, diesmal zum Thema Service. UPDATE 21.1.: Die Kamera ist wieder hier und funktioniert, die Elektronik wurde ausgetauscht. Was nützt es, wenn der Verschluss 500.000 Auslösungen schafft, wenn die Elektronik nach nicht mal 10.000 den Löffel abgibt?. Ich hoffe, sie hält sich ab jetzt besser.). Die 5DS wird meine Hauptkamera bleiben. Wenn man sich aber anschaut, was Sony heute schon in der Sensortechnik drauf hat und wie schnell sie sich weiterentwicklen, dann muss man die sehr ernst nehmen, auch für den professionellen Markt. Allein der Unterschied zwischen der A7R und der A7R II ist schon beeindruckend. Ich werde die Sony auch behalten, wenn sie sich nicht noch echte Macken zulegt und ihre Vorteile genießen. Allerdings mit der beruhigenden Sicherheit, die darin liegt, auch eine Canon dabei zu haben, die mich auch dann nicht im Stich lässt, wenn es schnell und sicher sein muss.

 

Erste Eindrücke Sony A7RII

Ich hatte heute Gelegenheit, die Sony A7RII ausgiebig zu testen und möchte ein paar erste Eindrücke mitteilen, weil ich manches so noch nicht gelesen habe.

Ich habe die Kamera mit einem Metabones IV-EOS zu Sony E-Mount Adapter betrieben und ausschließlich Objektive für das Canon-Bajonett verwendet. Es hieß ja, der AF wäre damit so schnell wie an einer Canon-DSLR. Das kann ich nur zum Teil bestätigen. Voraussetzung ist das richtige Objektiv und gutes Licht, ansonsten findet man sich in der AF-Steinzeit wieder. Ein EF 135mm f2L USM oder ein EF100mm f2,8L Macro IS II USM waren auch bei gutem Licht ein Desaster (Update: Die neue Firmware von Metabones unterstützt jetzt beide Objektive, das Makro ist immer noch sehr langsam). Manchmal fand die Kamera unabhängig vom Fokusmodus gar keinen Schärfepunkt, manchmal nach ewigem Pumpen. Die Sigma-Art-Objektive und das EF70-200mm f2,8L IS II USM funktionierten bei gutem Licht sehr gut, bei schlechtem wurde es aber echt zäh. Ich erwarte, dass die Ergebnisse mit neuerer Firmware des Metabones-Adapters noch besser werden. Aber wer denkt, dass er mit der Kamera ohne neue Objektive jetzt schon eine Canon-DSLR ersetzen kann, würde sehr enttäuscht werden.

Der AF-Modus der auf das vordere Augen scharfstellt, ist momentan mit dem Adapter grundsätzlich nicht verfügbar, es ist also immer noch schwierig, bei Bewegung auf die Augen scharfzustellen. Der Sucher ist besser als bei den Vorgängern geworden, aber immer noch nicht zu vergleichen mit einem DSLR-Sucher. Ich möchte mit dem keine 12 Stunden arbeiten, während ich mir das bei der EOS 5DS ohne Probleme vorstellen kann. Meiner Kamera lag irrtümlicherweise kein Akkulader bei, dafür aber zweimal der gleiche exotische Stecker. Es wird ein USB-Netzteil mitgeliefert, mit dem man den Akku in der Kamera aufladen kann, allerdings funktioniert das nicht mehr, wenn der Batteriegriff angeschlossen ist. Die Kamera frisst Batterien schneller, als man sie mit einem Auflader wieder aufladen kann. Die kleinen Akkus haben nur 1020mAh, sind bei richtiger Arbeit in zwei Stunden leergezogen, brauchen im Aufladegerät aber 250min, um wieder aufgeladen zu werden. Das USB-Netzteil bräuchte nur 150min, aber dafür muss man die Kamera ans ein Kabel hängen und erstmal umbauen, wenn man einen bei dem kleinen Body eigentlich notwendigen Batteriegriff verwendet. Auch wenn die Kamera Memory-Stick und SD-Karten unterstützt, können Sie nur eine Karte gleichzeitig in die Kamera stecken, doppelte Aufzeichnung ist also nicht möglich.

Die 1:1-Rückschau kommt nicht so verzögerungsfrei, wie bei einer Canon, Die Benutzerführung und Lage der Knöpfe ist bei weitem nicht so durchdacht wie bei Canon oder Nikon. Der Video-AF ist deutlich zäher als der im Foto-Modus, wahrscheinlich besser mit Sony-oder Zeiss-Objektiven, AF-Nachführung im Video soll mit Fremdglas gar nicht funktionieren.

Schön ist, dass man auch Objektive ohne Bildstabilisator mit dem eingebauten Stabilisator gut stabilisiert bekommt, die Bildqualität ist ordentlich und die Videoqualität überragend. Vor allem kann man 4K-Video direkt auf eine UHS-3-SD-Karte aufzeichnen.

Ich werde die Kamera mal richtig fordern und dann mehr berichten. Erst ist aber der zweite Teil zur EOS 5DS R dran, von der ich immer noch sehr begeistert bin. Der einzige Nachteil der Kamera ist, dass alle anderen Kameras jetzt nur noch selten Verwendung finden.

Die A7RII ist eine deutliche Verbesserung zur A7R, die ich auch mal ausgiebig getestet habe, aber wenn ein Profi eine Allround-Kamera anschaffen möchte, würde ich eher eine EOS 5DS R oder eine Nikon D810 empfehlen. Das soll nicht heißen, dass die A7R II sich nicht für professionelle Arbeit eignet oder eine schlechte Kamera wäre, aber gerade bei Jobs, bei denen lange gearbeitet wird und sehr viele Bilder entstehen, könnte ich auf eine Profi-DSLR noch nicht verzichten. Wenn Sony so weiter macht, werden Sie bald ein komplettes Profisystem haben, wenn dann ein ebenso professioneller Service dazu kommt, werden die auf Dauer ganz oben mitspielen. Bei den Bildsensoren sind sie mit ca. 42% Marktanteil schon jetzt Weltmarktführer.

Dann können die sich eigentlich auch eine neue Werbeagentur leisten, auf der Sony-Webseite wird die Kamera unter der Überschrift “Realität realisiert” beworben.

Langzeitbelichtung 30s, ISO 100, +2LW in Lightroom. Die vielen bunten Pixel sind ein ersthaftes Problem.

Langzeitbelichtung 30s, ISO 100, +2LW in Lightroom. Die vielen bunten Pixel sind ein ersthaftes Problem.

Eine weitere Sache, die mir negativ bei meinen Tests aufgefallen ist: Langzeitbelichtungen werden auch bei LOW-ISO nicht sauber, sondern haben ein Streuraster aus Hotpixeln. Das Beispiel oben (draufklicken für 1zu1) wurde mit eigentlich harmlosen Einstellungen belichtet. Man sieht die Fehlpixel auch schon ohne Aufhellung, aber hier wurde um zwei Blendenstufen in Lightroom aufgehellt. Wenn Sony das nicht durch ein Firmwareupdate in den Griff bekommt, wird das viele Leute vom Kauf abschrecken, da man eigentlich erwartet, dass die Kamera gerade bei schwachem Licht Vorteile bietet. UPDATE: Es gibt eine neue Firmware, mit der das besser geworden zu sein scheint, ich muss das noch mal in Ruhe testen:

http://www.sony.com.sg/support/download/607881/product/ilce-7rm2

Ich vermute, dass sie Sony das RAW filtert und da Punkte übrigbleiben. Ich habe ohnehin das Gefühl, dass die Sony RAWs nicht besonders “roh” sind.

Vielleicht klingt mein Bericht sehr negativ, das soll er nicht, die A7R II ist eine gute Kamera, aber sie kann dem Hype, der gerade um sie gemacht wird, nicht wirklich standhalten. Ich vermute, dass Nikon aus dem Sensor etwas mehr herausholen wird und ich hoffe auch, dass diese Kamera nach Firmwareupdates von Sony und von Metabones noch besser wird.

 

Update II:

Fehler-A7RII_DSC3543

 

Ich habe inzwischen noch einen seltsamen Bildfehler entdeckt: Bei einer Gegenlichtaufnahme mit dem 90er Makro werden hier in den dunklen Bereichen waagerechte gestrichelte Linien sichtbar. In Lightroom aber auch schon auf dem Kameramonitor in der vergrößerten Darstellung.  Der Bildausschnitt ist von oberen Bildrand, rechts von der Mitte. Bitte auf das Bild klicken für eine 100%-Ansicht. Das Bild wurde außer einer auf Null gesetzten Rauschunterdrückung in Lightroom nicht verändert. 90mm, f2,8, ISO 200.

Link zum RAW:
https://www.dropbox.com/s/khl5zuqlc046ff4/_DSC3543.ARW?dl=0

A7R2_DSC0008

 

Hier noch ein Beispiel der Hotpixel-Problematik der A7R2, f4, 3min, ISO 800. Eine Belichtung der EOS 5DS R lässt auch bei 10min Belichtungszeit keine Hotpixel erkennen (Beide Kameras ohne Langzeit-Rauschunterdrückung).

Ein Blick in die Glaskugel für 2015

Das folgende ist vielleicht eine private Wunschliste, die sich an den Möglichkeiten orientiert, die langsam zur technischen Reife kommen.

Ich hoffe, dass wir 2015 folgende Dinge zu sehen bekommen werden:

  • Neue DSLRs von Canon, die die bestehenden in Auflösung und Dynamikumfang deutlich übertreffen. Auflösungen im Bereich von 46-54 MP sind bei einer Vollformat sinnvoll umzusetzen, Die Pixeldichte einer EOS 70D entspricht bei Vollformat 51,7 MP. Wichtiger ist aber ein verbesserter Dynamikumfang, den braucht man nämlich viel häufiger als hohe Auflösung.
  • Eine profitaugliche spiegellose Vollformatkamera. Die Sony A7-Reihe ist eine willkommene Ergänzung im Kameramarkt, in bestimmten Bereichen kann man mit den Kameras großartig arbeiten (Landschaft, Architektur z.B.), aber für den echten Allroundeinsatz fehlt es an AF-Leistung und das Bedienkonzept und die Handhabbarkeit könnten auch verbessert werden. Ich vermute, das Sony in dem Bereich zeigen wird, was Sie können. Wenn Sie nicht vorher von Nordkorea erledigt werden  😉
  • Studioblitzanlagen mit HSS. Ich schrieb ja schon in dem Artikel zur Photokina 2012, dass ich die Hersteller nerve, endlich Highspeedsync mit großen Akkugeneratoren zu ermöglichen. Es gab Nischenprodukte, aber die großen Hersteller haben sich zurückgehalten. Prophoto hat es nun endlich getan: http://www.profifoto.de/index.php?id=342&no_cache=1&tx_ttnews[tt_news]=22495. Andere werden wohl folgen. Ich werde jedenfalls nichts mehr ohne HSS kaufen.
  • Echte Electronic Shutter. Ein Verschluss muss nicht mechanisch sein, der Sensor selbst kann sich und die Begrenzung der Belichtungszeit kümmern. Elektronische Verschlüsse werden ein Trend werden, ich hoffe, dass die dann so gut umgesetzt werden, dass man nicht mehr über Blitzsynchronzeiten nachdenken muss. Dannn würden die Blitzanlagenhersteller etwas spät kommen, aber es wird ja auch nicht gleich jeder mit einem elektronischen Verschluss arbeiten.
  • Größere Sensoren in spiegellosen Systemen. Nikon hat sein spiegelloses System viel zu klein dimensioniert, gegen die Konkurrenz durch Smartphones hat das System auf Dauer keine Chance. Eine Vollformat ist nicht unwahrscheinlich, selbst von Canon könnte so etwas kommen, wenn auch vielleicht noch nicht im nächsten Jahr. Und warum soll bei 24*36mm Schluss sein? Das erste echte Mittelformatsystem als Spiegellose kann auch vor der Tür stehen. Es gibt zwar schon Rückteile an kurzen Bodies wie von Alpa, aber das zähle ich noch nicht zu dem, was ich vom Markt erwarte.
  • Wind im Mittelformatmarkt. Mittelformat wird bezahlbarer werden. Pentax hat mit der 645Z gut vorgelegt, die Kamera ist mit knapp 8000€ nicht schlechter als andere für 25.000€. Das Objektivsystem kann noch etwas Ausbau vertragen. Da der Markt von unten Druck verspührt, werden auch andere Hersteller überlegen, ob sie nicht nach oben ausweichen. Der Markt ist da, allerdings wird die Qualität der kommenden Vollformatkameras es dem Mittelformat auch nicht leicht machen. Mittelformat wird bleiben, ob das auch für alle Mittelformathersteller gilt, oder ob sich das Feld da verschieben wird, ist eine zweite Frage.
  • Großartige Objektive. Man darf nicht vergessen, dass die Entwicklung im Objektivmarkt genauso groß war, wie bei den Kameras. Wir arbeiten teilweise noch mit alten Scherben, aber es werden auch 2015 ein paar Objetive auf den Markt kommen, die die älteren deutlich in den Schatten stellen. Sigma sollte ein 85er in der Art-Serie herausbringen.
  • 4K in normalen DSLRs. Die nächste Runde der Kameras sollte 4K-tauglich sein. Ob man für Video immer dazu greifen sollte, ist eine zweite Frage, aber die Möglichkeit 30 Bilder pro Sekunde in über 8MP aufzuzeichnen ist auch für Fotografen spannend.
  • Innovationen in der Suchertechnik. Auch in einer DSLR muss ein Sucher nicht nur eine Mattscheibe sein. Ob ein hybrider Sucher, der optische mit elektronischen Elementen so gut verbindet, dass er für Video und Spiegelreflexfotografie gleichermaßen geeignet ist, bereits nächstes Jahr kommt, weiß ich nicht, aber der Bedarf wäre da.

Ich erwarte, dass 2015 eines der spannendsten Jahre für die Entwicklung der Digitalfotografie wird. Ich beneide die Industrie nicht, denn es treten echte Sättigungsefekte im Markt ein, für viele ist das, was sie jetzt besitzen, einfach schon gut genug. Aber für die, die echte Leidenschaft besitzen und hohe Ansprüche haben, wird es aufregend bleiben. Ich gebe zu, dass meine Entwicklungserwartungen langsam überholt werden und es sind schon Dinge am Horizont zu erkennen, die noch verrückter sind. 21 Blenden Dynamikumfang? Dauert gar nicht mehr lange…

 

Nicht so viel passiert…

Wir haben 2014, mit der CES die erste große Messe des Jahres, aber so viel neues gibt es nicht zu berichten. Die spannendste Neuigkeit für mich, der ich seit Jahren über die vorhandenen 50mm-Objektive stänkere, ist, dass SIGMA endlich ein 50mm f1,4 der A-Serie rausbringt. Es soll laut Hersteller besser als das 35er der gleichen Reihe sein, selbst wenn es nur genauso gut wäre, wäre es immer noch das beste 50mm mit AF auf dem Markt.

Ein weiterer Trend ist, dass 4K-Monitore bezahlbar werden, in der 28″-Klasse geht es nun schon bei 799$ los. Für die Bildbearbeitung ist das gar nicht so nötig, aber für die Bildauswahl in Lightroom ist soetwas großartig, denn man kann auch bei vielen Bildern auf dem Schirm immer noch die Schärfe erkennen. Für 4K-Video ist  das ohnehin nötig.

Über Kompaktkameras habe ich bisher schon nicht viel geschrieben, das Segment wird nicht viel spannender werden, befürchte ich. Zwischen Handy und großem Sensor ist nicht viel Platz für eine sinnvolle Kamera. Kompakte Kameras mit großen Sensoren werden sicher eine erfolgreiche Nische bilden. Das ging früher auch, eine Kleinbildkamera zu bauen, die in die Jackentasche passt.

Nikon hat ein 35mm f1,8 für Vollformat vorgestellt. Für 549€ muss es aber schon sehr gute Abbildungsleistungen mitbringen, damit man nicht das Sigma mit Blende 1,4 kauft. Ich bin gespannt auf die ersten Tests.

Die Nikon D4S würde man in der Automobilbranche wohl nur als Facelifting bezeichnen. Ein neuer Prozessor und besserer AF sind angekündigt, der Sensor bleibt gleich. Hoffentlich schmeißt Nikon dann auch den unsinnigen XQD-Speicher raus, bevor niemand mehr weiß, was dieser “Standard” einmal war. (Update: Es sieht so aus, als würde Nikon den Standard beibehalten. Immerhin haben Sie so einen schnellen Speicher zur Verfügung, der gute Bildraten wegstecken kann. Mit einem Stripping auf zwei CF-Karten würde man wahrscheinlich das gleiche erreichen können, außerdem ist 2014 auch CFast so weit, der eine größere Verbreitung verspricht. Trotzdem ist die Entscheidung nachvollziehbar, XQD ist zwar eine Zwischenlösung, aber ein funktionierende Lösung.)

Ich vermute, dass 2014 trotzdem kein langweiliges Jahr werden wird, schließlich kommt auch noch die Photokina. Ich rechne mit neuen Sensoren, 4K-Video, CFast-Speicher und schönen schnellen Kameras für die Sportereignisse. Und mit Objektiven, die hochauflösende Kameras zur Freude werden lassen.

 

Nikon vs. Canon

Nachdem ich die Frage “Nikon oder Canon” schon immer eher mit “Ja” oder “Kommt darauf an” beantwortet habe, möchte ich kurz einen subjektiven aber trotzdem sachlichen Eindruck beider Systeme wiedergeben. Ich habe inzwischen einige Erfahrungen auch mit dem Nikon-System sammeln können und denke, dass ich inzwischen ein Bild der Stärken und Schwächen (wenn das nicht sogar ein zu hartes Wort ist) der beiden Systeme wiedergeben kann:

Nikons Stärken:

  • Dynamikumfang und Detailzeichnung. Die Sensortechnik hat hier ihre großen Vorteile. Das wird man auch auf bestimmte Sony-Kameras übertragen können, da Sony Sensoren für Nikon baut.
  • Das 14-24mm f2,8 ist ein sehr gutes Weitwinkelzoom, Canon wird wohl erst 2014 etwas vergleichbares bringen.
  • Die Belichtungsmessung ist sehr ausgereift, auch die Verbindung von AF mit Belichtungsmesssensor ist sehr gelungen, etwas vergleichbares gibt es bei Canon bislang nur bei der 1D X

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Canons Stärken:

  • Farbwiedergabe. Gerade Porträts werde ich immer lieber mit Canon machen, weil die Farben einfacher zu korrigieren sind.
  • Obwohl nah beieinander, finde ich das AF-System bei Canon etwas besser. Nikon verwendet viele Nicht-Kreuzsensoren, die manchmal erstaunlich blind reagieren. eine 5D Mark III kann da mehr als eine D800. Allerdings ist das Tracking bei Nikon manchmal etwas besser, da der Belichtungsmess-Sensor hilfreiche Informationen liefert.
  • Video
  • Benutzerführung. Die Menüs sind aufgeräumt, der Schnelleinstellbildschirm wirklich schnell und die Touchscreens bei den kleineren Kameras eine wirkliche Erleichterung.
  • Das Blitzsystem mit den neuen Funkblitzen ist das Beste auf dem Markt. Die Bedienung über die Kamera ist sehr gut gelöst, auch die kleinsten DSLRs beherrschen alle Funktionen, während bei Nikon die D3300/D5300 nicht mal Kurzzeitsynchronisation(HSS) können und die Remote-Blitze gar nicht über die Kamera einstellen können, dort muss man alles über den Blitz einstellen und HSS geht überhaupt nicht.

Nikons Schwächen:

  • In manchen Situationen liefern Nikon-Kameras schwer korrigierbare Farben, gerade die Farbkipper in den Hauttönen finde ich manchmal lästig.
  • Die Bedienung ist weniger konsistent und klar design als bei Canon. wobei Nikon auch ein paar Punkte besser gelöst hat als Canon. Einsteiger werden sich in eine Canon meiner Meinung nach schneller einfinden. Für den Profi ist das nicht ganz so wichtig, solange der sich die Funktionen so konfigurieren kann, dass er schnell herankommt.
  • Ab 200mm Brennweite wird es schwierig, da die Konverter eine deutliche Qualitätsminderung bringen und das 80-400mm-Objektiv an die Qualität des sehr guten 70-200mm f2,8 nicht herankommt. Wenn man bei Canon Konverter verwendet, verschlechtert sich die Qualität kaum wahrnehmbar, bei Nikon sieht man es schon im Sucher.
  • Das Bajonett ist klein und das Auflagemaß groß. Bestimmte Objektive wie Canons TS-E 17mm f4 wären an einer Nikon kaum zu realisieren.

Eines der Bilder in diesem Artikel wurde mit Nikon aufgenommen, eines mit Canon.

Eines der Bilder in diesem Artikel wurde mit Nikon aufgenommen, eines mit Canon.

Canons Schwächen:

  • Die Bildqualität in den Schattenbereichen ist nicht so sauber wie bei Nikon. Hier erscheint schnell Farbrauschen.
  • Der Dynamikumfang und die Detailschärfe ist nicht so hoch wie bei Nikon.
  • Die Belichtungsmessung ist bei kleinen Motiven oder hellen Lichterbereichen nicht so exakt.

In den Foren liest man häufig: “Wenn Canon/Nikon nicht bald das und das bringt, wechsele ich das System”. Das ist meistens nicht so zielführend, denn auch wenn das Gras auf der anderen Seite des Zauns immer grüner erscheint, ist es doch sehr vergleichbar, wenn man es sich näher anschaut. Das sind beides sehr ausgereifte Systeme, die einen Profi kaum einschränken in seinen Möglichkeiten. Für alle anderen, die nicht über die eventuelle Anschaffung von Superteles zum Kleinwagenpreis nachdenken, lohnt sich auch ein Blick zu den anderen Kameraherstellern sehr: Pentax, Sony, Fujifilm, Panasonic und Olympus haben ebenfalls sehr spannende Angebote, mit denen man auch professionell Arbeiten kann, die aber nicht ganz an den Systemumfang der beiden großen herankommen. Wobei der Abstand von Sony nicht mehr so groß ist. Die Firmen, die hier nicht genannt wurden, schließe ich von der sinnvollen Nutzbarkeit keineswegs aus.

Ich selbst werde bei Canon bleiben, aber mit Nikon sicher auch weiterarbeiten. Und ich hoffe sehr, dass sich auch die anderen Kameramarken halten werden oder vielleicht sogar neue dazu kommen, denn das befeuert die Innovationen und hält den Markt spannend im Sinne der Kunden.

Neue Vollformatkamera: Nikon Df

Gestern hat Nikon seine neue DSLR vorgestellt: Die Nikon DF besitzt den Sensor der D4 und den AF der D610, kann kein Video und sieht von vorne etwas wie eine alte FM2 aus.

Es ist eine kleine und leichte Kamera, die hervorragende Lowlight-Fähigkeiten besitzt, sieht auf den ersten Blick gut aus und ist sicher ein Arbeitsgerät, das viele Freunde finden wird.

Dennoch spricht sie mich nicht an, den auf den zweiten Blick ist sie ein seltsamer Zwitter, sie ist nicht wirklich schlicht, sondern “überknopft”, die Einstellrädchen sind doppelt vorhanden, so dass die älteren Versionen auf der Kameraoberseite eher wie Deko wirken. Und mal ganz im Ernst, der Hauptgrund, dass man heute keinen mechanischen Drahtauslöser mehr verwendet, liegt daran, dass es elektronisch oder der Fernbedienung erschütterungsfreier geht. Wenn Nikon die Kamera wirklich schlicht gebaut hätte, so wie zum Beispiel eine Leica M wirklich schlicht ist, dann hätte der Designaspekt mich deutlich mehr gepackt als bei diesem Modell. Ich liebe die Fotografie, aber meine Kameras liebe ich nicht. Ich habe großen Respekt vor der Ingenieurleistung und freue mich über gutes Handling und Zuverlässigkeit, aber ich habe auch die schönsten Kameras (wie meine Hasselblad 501cm) ohne Herzschmerz verkaufen können, wenn ich sie nicht mehr benötigte.

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Wen möchte Nikon mit solchen Werbefotos ansprechen? Bild: Nikon

Eine der wesentlichen Eigenschaften der neuen Kamera ist der Blendenaufnehmer für alte Nikon-Objektive, den Nikon zum ersten mal in eine DSLR gebaut hat. Nur, kommt das nicht etwas spät? Wäre das in der Übergangsphase nicht viel sinnvoller gewesen? Ich werden den Verdacht nicht los, dass diese Kamera nur auf ein Lifestyle-Publikum zielt.

Ich mochte die mechanischen SLRs sehr, aber ich habe mich auch sehr über den Fortschritt in der Kameratechnik gefreut. Ich hatte das alles, ich muss nicht dorthin zurück. Wenn mich ein Freund fragen würde, würde ich ihm sagen: Kauf dir lieber eine D800.

Trotz allem: Eine gute Kamera, die ihre Freunde finden wird. Aber ich benutze auch keine Taschenuhr und keinen Kompass mehr. Nicht einmal eine Armbanduhr, weil ich das auch schon für überkommen halte. Ich freue mich auf die nächste technische Revolution und komme gute ohne heimeliges Retrodesign aus. Für diese Kamera bin ich zu jung und zu alt.

Instagram: Achtung vor neuer AGB

UPDATE: Die Aufregung scheint sich zu lohnen, vielleicht kann man mit der Account-Löschung noch etwas warten: http://gizmodo.com/5969572/instagram-we-dont-want-to-sell-your-photos
Instagram scheint zurückzurudern mit seiner neuen AGB.

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Instagram ändert seine Nutzungsbedingungen nach dem Kauf durch Facebook ab dem 16.1.2013 auf dreiste Weise. Mehr dazu findet man unter anderem hier: http://www.sueddeutsche.de/digital/neue-datenschutzrichtlinien-instagram-will-fotos-der-nutzer-verkaufen-1.1553493

Ich würde jedem Nutzer empfehlen, die Daten zu sichern und vor dem 16.1.2013 seine Bilder bei Instagram zu löschen und den Account zu kündigen. Wer den Look von Instagram mag, kann sich Hipstamatic mal anschauen. Fotosharingplattformen gibt es auch genug, so dreist wie Instagram ist kaum eine.

Reaktionen von Fotografen aus den USA: http://lightbox.time.com/2012/12/18/unfiltered-photographers-react-to-instagrams-new-terms/#1