“Objektive” bei Pixar

In meinem Objektivbuch deute ich an, dass sich Filmer noch mehr mit dem richtigen Objektiv beschäftigen als die meisten Fotografen das tun. Für Starwars wurden extra Objektive gebaut, die ein Kontrastverhalten wie in den 70er Jahren hatten. Für Lighthouse wurden uralte Objektive wiederverwendet und auf SW-Film gedreht. Aber das geht noch weiter, selbst bei rein computeranimierten Filmen werden die optischen Eigenschaften von Filmobjektiven bis ins kleinste simuliert. Am Beispiel von Toystory 4 zeigt dies das lesenswerte Film-Blog Nofilmschool (englisch) auch im Video:

https://nofilmschool.com/toy-story-4-pixar-cinematography

EOS 5Ds R Tethering Beobachtung

Zugegebenermaßen nur für einen sehr kleinen Teil meiner Leser interessant, aber für einen größeren dieses Buchs:

Thema: Tethering auf dem Mac mit CaptureOne und der 5Ds R

Ein Freund hatte Probleme, das Tethering zum Laufen zu bekommen. Durch einen Tipp eines weiteren Fotografen stellte er fest, dass das Problem abnimmt bzw. verschwindet, wenn er keine Karte oder nur eine CF in der Kamera hat.

Wir konnten den Effekt mit seiner Kamera an meinem MacBook Pro reproduzieren. Nur: Meine Kamera hat das Problem überhaupt nicht, sie verbindet sich auch deutlich schneller mit CaptureOne. Wir verwenden die selbe Firmware, meine Kamera ist allerdings älter, weil ich die Kameras immer am ersten Tag kaufen muss, wenn ich ein Buch darüber schreiben möchte.

Wer Probleme mit C1 am Mac hat, kann den Hinweis mit den Speicherkarten ausprobieren. Ich wäre auch an Rückmeldung interessiert von allen, die die 5Ds R mit C1 am Mac tethern. Vielleicht lässt sich das Problem besser eingrenzen und eventuell lösen.

Canon EOS R5 angekündigt

Canon hat gerade eine Kamera angekündigt, die ich für den größten Schritt seit der EOS 5D Mark II halte. Die 5D2 hatte eine fast doppelte Auflösung im Verhältnis zum Vorgänger und gleichzeitig 3 Stufen höhere ISO-Werte, zudem war sie die erste DSLR, mit der man vernünftig Video aufnehmen konnte.

Canon EOS R5 Bild: Canon

Die EOS R5 schafft 12 Bilder pro Sekunde mit dem mechanischen Verschluss und 20 Bilder pro Sekunden mit dem elektronischen. Sie hat einen Bildstabilisator eingebaut, der 5 Blendenstufen längere Belichtungszeiten ermöglicht, wenn im Objektiv auch einer sitzt sogar bis zu 8. Sie kann 8K-Video aufzeichnen, als erste Consumerkamera überhaupt. Zur Auflösung schreibt Canon noch nichts, die 45 MP aus den Gerüchten stimmen aber wohl, je nach 8K-Auflösung braucht man gut 39 bzw. 44 MP, wenn der Sensor für Fotoaufnahmen ein 2:3-Format beibehält.

Zwei Kartenslots sind ebenfalls mit an Bord. Gleichzeitig wurden ein RF100-500mm F4.5-7.1 L IS USM und 1,4x- und 2-Extender angekündigt. Das günstige RF 24-105mm F4-7.1 IS STM kommt ab Ende April. Zum Preis schreibt Canon auch noch nichts, ich gehe davon aus, dass die Kamera im Bereich der EOS 5D Mark IV positioniert wird und im Sommer erhältlich sein wird.

Update: Ich las gerade in einem Forum von jemandem, der sich auf die Extender in Bezug auf das RF70-200mm f2,8 L IS USM freute. Das wird nicht funktionieren, da die Schnittweite des Objektivs zu kurz ist für den vorstehenden Teil der Extender. Das 70-200 ist ein hervorragendes Objektiv, aber anders als bei EF eben keine Universallösung bis 400mm. Vielleicht bauen irgendwann Fremdanbieter wie Sigma Konverter, die passen werden.

https://www.canon.de/press-centre/press-releases/2020/02/canon-announces-8k-video-capable-eos-r5/

https://global.canon/en/news/2020/20200213.html

Neue Canon R5 – erstes Bild

Den letzen Artikel beendete ich mit ” 2020 wird trotzdem ein spannendes Kamerajahr. “. Wer schon einen ersten Vorgeschmack haben möchte, guckt sich hier: https://www.canonrumors.com/here-is-the-canon-eos-r5-we-think/ das erste Bild der neuen Kamera an. Zu den Features kann ich wahrscheinlich morgen mehr schreiben, eine offizielle Vorstellung steht wohl unmittelbar bevor. Wird ordentlich 🙂

“Neue” Nikon D6

Nikon hat heute den Nachfolger der Nikon D5 vorgestellt. Viel Entwicklungsaufwand haben sie nicht hineingesteckt, Sensor und Bildschirm sind gleich, das AF-Modul wurde verbessert, der Livebild AF allerdings nicht. Es gibt nun eingebautes GPS. Das Video ist immer noch auf 4K 30fps beschränkt. Ein befreundeter Fotograf und D5-Nutzer war sehr interessiert an einer neuen Profikamera, IBIS und ein besserer Dynamikumfang und etwas mehr Auflösung hätten ihn sicher zum Umstieg veranlasst, so aber wird wahrscheinlich kaum jemand seine D5 ersetzen wollen, bevor sie nicht mehr zuverlässig zu verwenden ist. Sony hat bei seiner A9 II auch nicht gerade mit Neuigkeiten um sich geschmissen, aber Nikon hat das noch klar unterboten. Die spannendste Profikamera mit dem größten Fortschritt ist die 1D X Mark III, das wird kaum einen Nikon-Fotografen zum umsteigen veranlassen, aber für Erstkäufer einer Profi-DSLR wäre die Sache wohl ziemlich klar.

Mit der D5 wird Nikon wahrscheinlich kein Geld verdient haben, der Aufwand ist hoch und die Verkaufszahlen in der Klasse sind gering. Es ist wirtschaftlich sinnvoll, den Kostenaufwand gering zu halten, aber es sendet auch ein Signal, dass in diesem Bereich nicht mehr viel zu erwarten ist. Die Investitionen gehen in die Spiegellosen, DSLR läuft aus. Die F6 war die letzte analoge Profikamera von Nikon, die D6 wird wohl die letzte Profi-DSLR bleiben.

Ich selbst kann damit leben, ich habe nur noch eine DSLR im Einsatz, alles andere ist schon spiegellos. Ich denke auch, das spätestens im nächsten Jahr Spiegellose kommen werden, die wirklich echtzeittaugliche Sucher mit sehr wenig rolling shutter effect haben werden.

Und auch die nächsten Standard-Kameras werden schon Geschwindigkeiten bieten, die früher einer D5 oder 1DX Mark II vorbehalten waren, vor allem, wenn sie auf den mechanischen Verschluss verzichten können.

Die D6 ist immer noch eine super-solide Profikamera, aber Sie ist nicht mehr so State-of-the-Art, wie man das früher beim neuen Flaggschiff vorausgesetzt hat. 2020 wird trotzdem ein spannendes Kamerajahr.

Neues aus der Fotobranche (CES)

In Las Vegas findet gerade wieder die CES (Consumer Electronics Show) statt. Eine Gelegenheit auch für Fotohersteller, Neuigkeiten zu präsentieren, wenngleich die CP+ Ende Februar in diesem Zusammenhang noch wichtiger ist.

Canon hat die 1D X Mark III vorgestellt, das Topmodell der Marke. Sie ist noch schneller geworden, die Bildqualität und Iso-Leistung sind verbessert worden und der AF ist ebenfalls leistungsfähiger. Ein Teil der wichtigen Neuerungen verbirgt sich im Livebild, die Kamera profitiert also von den Entwicklungen im Spiegellosen Bereich. Im Video unterstützt sie nun RAW-Aufzeichnung in 5,5K Auflösung bei 60fps, und zwar intern dank 2 x CFexpress-Speicherkarten. Sie hat beleuchtete Buttons und ist fast 100g leichter geworden. Das ist alles recht perfekt und wenn Sie die nur 20MP Auflösung oder die 7.299,00€ Verkaufspreis nicht schrecken, erhalten Sie die Kamera schon ab Mitte Februar im Handel.

https://www.canon.de/cameras/eos-1d-x-mark-iii/

Nikon hat ebenfalls eine neue Kamera vorgestellt, die D780, den Nachfolger der D750, Verbesserungen kommen auch hier hauptsächlich aus der Spiegellosen-Welt, wenn Sie den Spiegel hochklappen, arbeiten Sie quasi mit einer Z6. Für die Z-Serie gibt es nun auch ein 70-200mm f2,8, ein 24-70mm gibt es bereits, fehlt also nur noch ein lichtstarkes Weitwinkelzoom zur “Holy Trinity” der Objektive, Canon hat die bereits fertig. Ebenso hat Nikon ein Profizoom für die DSLRs herausgebracht, ein 120-300mm f2,8 ( https://www.nikon.de/de_DE/product/nikkor-lenses/auto-focus-lenses/fx/af-s-nikkor-120-300mm-f-2-8e-fl-ed-sr-vr ), allerdings ist das mit 11 Kiloeuro nur für Wenige etwas. Canon hingegen hat gesagt, dass erstmal gar keine EF-Objektive kommen werden, es sei denn, der Markt würde danach verlangen. Der Fokus liegt bei Canon momentan ganz klar auf RF.

Und Sony? Sony hat auch etwas Neues gezeigt: ein Auto.
https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/sony-ces-2020-elektroauto-1.4746781
Ich schrieb ja schon, dass der Fotomarkt nicht mehr der wichtigste Kameramarkt ist, Überwachung und Automotive sind deutlich größer. Sony wird aber wahrscheinlich auf der CP+ nicht noch ein Auto vorstellen, dann sind die Kameras dran, der Nachfolger der A7s wäre an der Zeit.

AMD hat neue Notebookprozessoren und einen Highend-Prozessor mit 64 Kernen (Threadripper 3990X) vorgestellt. Die Zeiten, in denen Intel sind fast automatisch anbot, wenn man einen neuen Rechner anschaffen wollte, sind (wieder) vorbei, zumal AMD schon seit Sommer im 7nm-Prozess liefert, was auch der Energieeffizienz zu gute kommt. Das es ernst wird, hat Intel schon im Herbst gezeigt, als sie ihre Prozessorpreise halbiert haben. Für den Kunden gut, Auswahl statt Monopol senkt die Preise und verbessert die Qualität.

EOS R – Neue Firmware 1.6

Unter https://www.canon.de/support/consumer_products/products/cameras/digital_slr/eos-r.html?type=firmware

finden Sie die neue Firmware für die EOS R, Sie enthält ein paar Fehlerbehebungen, unter anderem zur Blitzsteuerung und die Unterstützung für das Canon RF 85mm F1.2L USM DS.
Wessen Kamera noch auf V1.3 oder früher steht, der sollte unbedingt updaten, da seit V1.4 der Autofokus signifikant besser geworden ist.

Neues von Canon, Leica, Nikon

Canon hat eine Entwicklungsankündigung zur EOS 1DX Mark III herausgegeben. Die Kamera wird 20 Bilder pro Sekunde nicht nur mit dem leisen elektronischen Verschluss schaffen, sondern auch mit dem mechanischen (zum Vergleich, Sony A9 5 fps Sony A9 II 10 fps mechanisch) . Sie wird auch 4K Video in 60fps entweder in 10 Bit oder als Raw-Video aufzeichnen können. Noch ist unklar, ob Canon oder Nikon die Krone bei den Sportkameras holen werden, Sony ist jedenfalls raus mit seinem “Facelift” bei der A9, von der Gehäusequalität mal ganz abgesehen. Ich befürchte, dass auch die 1DX Mark III im Livebild-Modus besser sein wird als mit dem optischen Sucher, auch wenn bald die besten DSLRs aller Zeiten auf den Markt kommen, ihre Zeit geht vorbei.

Ich schreibe selten über Leica, weil ich vermute, dass die meisten meiner Leser das ohnehin nicht leisten wollen. Nun hat Leica aber den Nachfolger der SL vorgestellt, die SL2. Die kostet zwar auch knappe 6000€, legt aber die dezente Zurückhaltung bei den Leistungsdaten ab, die Leica sonst manchmal auszeichnet:

  • 47,3 MP
  • 10 Bilder pro Sekunde, 20 Bilder/s mit elektronischem Verschluss und ohne AF
  • 5K Video (4992 x 3744 Pixel)
  • 4K Video 60fps
  • 5,7MP Sucher
  • guter Dynamikumfang
  • elektronischer Verschluss bis 1/40000s
  • Multishot 187 MP
  • spritzwassergeschütztes Magnesiumgehäuse
  • und, wie bei Leica üblich: schöne Kamera

Die Kamera lässt sich auch per App steuern. Der AF wird etwa auf dem Niveau der Panasonic liegen und damit nicht in der absoluten Spitzengruppe angekommen sein. Für einen Großteil der Arbeit wird er vollkommen ausreichen und die Leica M hat überhaupt keinen AF. Die M-Objektive und auch andere manuelle Objektive lassen sich über Adapter anschließen, Objektive für L-Mount mit AF gibt es inzwischen auch von Panasonic und Sigma, so dass Sie nicht mehr auf einer teuren Systeminsel gefangen sind.

https://de.leica-camera.com/Fotografie/Leica-SL/Leica-SL2

Ich mag auch die M und freue mich, dass es solche Kameras zu kaufen gibt, aber professionell alle meine fotografischen Belange mit einer Messucherkamera ohne AF abzudecken, könnte ich mir nie vorstellen. Die SL2 leistet sich keine Schwäche, sie ist auf der Höhe der Zeit und in manchen Belangen momentan an der Spitze, 5K Video und einen hochauflösenden Sensor finden Sie sonst noch nicht auf dem Markt.

Nikon hat bekanntgegeben, dass sie deutlich überrascht wurden vom Erfolg des NIKKOR Z 58 mm 1:0,95 S Noct und dass es wohl einige Zeit dauern wird, die Bestellungen abzuarbeiten. Mich wundert das nicht wirklich, denn auch wenn das ein teurer Exot ist, so etwas hat es bislang auf dem Markt noch nicht gegeben, die anderen Objektive dieser Lichtstärke erreichen nicht die gleiche optische Leistung. Die Z50 ist nun lieferbar, APS-C und Vollformat haben bei Nikons Spiegellosen nun das gleiche Bajonett.

Der Fotomarkt ist, wenn man Smartphones nicht mitrechnet, in den letzten 9 Jahren von 100 Mio. auf knapp 20 Mio. Kameras geschrumpft. Dieser Rückgang betrifft die hochwertigen Kameras am wenigsten, aber trotzdem sind die Zahlen dramatisch. Die Zaheln für Wechselobjektive würden mich interessieren, ich vermute, dass es hier dem hochwertigen Markt recht gut geht, aber insgesamt sind das keine einfachen Zeiten für die Fotoindustrie.

Zum Schluss noch ein Hinweis in eigener Sache: Die vierte Auflage der großen Fotoschule ist herausgekommen:

Seit der letzten ist einiges passiert, die Spiegellosen haben die DSLRs überholt, ich habe ein Buch über Objektive geschrieben, Mittelformatkameras sind bezahlbar geworden, neue Bajonettsysteme sind auf den Markt gekommen etc. Manchmal denkt man, die Entwicklung verläuft gar nicht so schnell, aber wenn ich alle drei Jahre das Buch auf den aktuellen Stand bringe, merke ich doch, wie viel ich ändern muss. Wir haben uns wahrscheinlich an die Geschwindigkeit gewöhnt, selbst das erste richtige Smartphone, das iPhone 1 wurde erst übermorgen vor 12 Jahren in Europa vorgestellt.

Neues von Nikon

Nikon hat eine neue Kamera vorgestellt, die Z50, die erste APC-C-Kamera im Z-System. Das bedeutet, dass sich in Zukunft APS-C- und Vollformatkameras bei Nikon ein Bajonett teilen werden, was es Aufsteigern etwas erleichtert, zumal, wenn Sie auch schon Objektive gekauft haben, die den Bildkreis des Vollformats auszeichnen. Bei Canon ist das nicht so, ein RF-Objektiv passt nicht an eine M-Kamera, nur über EF gibt es eine gemeinsame Basis. Nikon hatte auch deswegen die Chance, bei den spiegellosen kleineren Kameras neu anzufangen, weil sie das Nikon-1-System so schön vergurkt haben, der Sensor war zu klein, um gegenüber Kompaktkameras einen Mehrwert zu bieten.

Längst angekündigt, aber nun bald lieferbar und mit einem Preis versehen: Das NIKKOR Z 58 mm 1:0,95 S Noct. Das wird nicht für jeden etwas sein, da es nur manuell zu fokussieren ist und knapp 9000€ kosten soll. Ich reagiere darauf nicht mit Unverständnis, das Leica Noctilux ist noch teurer und optisch nicht besser. Die Beispielaufnahmen lassen vermuten, das Nikon das Objektiv wirklich sehr gut hinbekommen hat.
Nikon hat eine Roadmap für das Z-System veröffentlicht, die recht gut aussieht, es kommt z.B. auch ein 50mm f1,2, ein 100-400mm und ein 200-600mm. Trotzdem denke ich, das Nikon am Anfang ein etwas leidenschaftsloses Portfolio gezeigt hat, da hat Canon mehr Gefühl für die Kunden bewiesen. Wer ein neues Kamerasystem bringt, sollte auch Objektive auf den Markt bringen, die alleine schon den Wunsch nach der neuen Kamera rechtfertigen. Nun, zumindest ist der Preis des Noct so hoch, dass eine neue Kamera dazu auch nicht mehr ins Gewicht fällt 😉

3 kleine Beobachtungen zum Fotomarkt

Canon hat die 90D und die M6 Mark II als spiegelloses Schwestermodell auf den Markt gebracht. Praktisch jeder Rezensent schreibt, dass die 90D im Livebild-Modus besser arbeite als mit dem optischen Sucher. Das war etwas, was ich zum Teil schon bei der 5D Mark IV feststellen konnte. Wenn ich mit dieser Porträts in Bewegung mit hochlichtstarken Objektiven aufnehmen wollte, dann erbrachte der Livebildmodus bessere Ergebnisse. DSLR ist nicht tot, aber es geht in die Endrunde, ich denke nicht, dass die Canon EOS 1D X Mark III und die Nikon D6, die im nächsten Jahr erscheinen, noch Nachfolger bekommen werden. Dafür werden spiegellose Sportkameras kommen.

Sony hat mit der α9 II einen Nachfolger zur α9 vorgestellt, der dieser in den technischen Daten fast gleicht. Das Update würde man Autos als Facelift bezeichnen und nicht als neues Modell. Die Kamera hat ein besseres Gehäuse, eine Netzwerk-Buchse und einen mechanischen Verschluss bekommen, der nun auch 10 Bilder pro Sekunde schafft statt 5. Der elektronische Verschluss bleibt weiter bei 20 fps, der Sensor ist der gleiche. Nicht einmal der Sucher wurde verbessert, wahrscheinlich ist der hervorragende Sucher der A7R IV nicht schnell genug oder Sony wollte bei diesem Release Geld und Entwicklungszeit sparen. Sony hat jedenfalls deutlich Dampf aus der Entwicklung genommen, auch die α6400 ist kaum berichtenswert gewesen.

Canon hat, wie ich schon schrieb, neue Firmwares für die EOS R und RP herausgebracht, die die Kameras wirklich enorm verbessern in Bezug auf den AF. Ich habe inzwischen den ersten Job mit der neuen Firmware fotografiert und möchte meine Empfehlung zum Update noch einmal deutlich wiederholen. Version 1.4 für die R und 1.3 für die RP sollten Sie möglichst bald aufspielen, falls Sie das noch nicht haben.

Zusammengefasst bleiben für mich drei Beobachtungen: DSLR geht dem Ende zu, Spiegellose sind, zumindest bei Sony, die ja schon länger dabei sind, inzwischen (vorerst) auch bei nur inkrementellen Updates angekommen und Software ist so wichtig geworden, dass Sie eine Kamera signifikant verändern kann und ihre Entwicklung der Hardware noch eine Weile hinterherläuft. Selbst Sony sagt, dass der neue Prozessor der α9 II mehr Raum für künftige Firmwares schafft. Diese Entwicklung ist nicht nur auf Kameras beschränkt, auch VW hat angekündigt, dass der nächste Golf zunächst nicht mit der vollen Software ausgeliefert werden wird.

Objektivbuch: Downloadbereich aktualisiert

Für den Downloadbereich der vierten Auflage der Großen Fotoschule habe ich einen neuen Bokehvergleich aufgenommen, der Porträtbrennweiten von 80-90 mm und ein Mittelformatobjektiv mit 110mm Brennweite (mit vergleichbarem Bildwinkel) umfasst.

Da dieser auch für einige Leser meines Objektivbuchs interessant ist, finden diese den Objektivvergleich ab sofort auch im Downloadbereich dieses Buchs. Neben den schon bestehenden Vergleichen von Normalobjektiven.

Canon EOS 90D und EOS M6 Mark II vorgestellt

Canon hat zwei neue Kameras vorgestellt, die sich sehr ähneln, da sie den gleichen Sensor verwenden. In den Details gibt es einige Unterschiede. Die Kameras stellen deutliche Updates zu ihren Vorgängerversionen da und lassen auf gute weitere Kameras hoffen. Bislang hat Canon bei 4K-Video zumeist nur einen kleinen Teil des Sensors ausgelesen, so dass sich im Video ein Cropfaktor von z.B. 1,74 im Verhältnis zu einer Fotoaufnahme ergab. Damit ist nun Schluss, beide Kameras verwenden die volle Sensorbreite.

Der Sensor löst 32,5 MP auf, erste Raw-Daten sehen auch nach einem guten Dynamikumfang aus. Die 90D schafft 10 Bilder pro Sekunde, auf eine EOS 7D Mark III sollten Sie deswegen nicht mehr warten, die wird wohl nicht mehr kommen. Die M6 Mark II schafft 14 Bilder pro Sekunde und hat einen Raw-Burst Mode, bei dem sie 30 Bilder pro Sekunde von 75% des Sensors auslesen kann. Kurz zum Vergleich: Die alte M6 erreichte 7 Bilder pro Sekunde bei 24MP und unterstützte nur full HD Video. Das ist also ein gewaltiger Schritt nach Vorne.

Die Eos 90D bietet einen elektronischen (leisen) Verschluss mit Belichtungszeiten bis zu einer 1/16.000s, der Akkugriff ist seit der 70D gleich geblieben. Mit 1299€ ist sie ein Stück teurer als die EOS M6 II (929€), der Unterschied relativiert sich ein wenig, weil der elektronische Sucher bei der M6 II ein Extra ist, dass knapp 200€ kostet. Wenn Sie EF-Objektive anschließen wollen, benötigen Sie auch den EF-EOS M Adapter, so dass es keine Preisfrage, sondern ein grundsätzliche System- und Ergonomiefrage ist, welche Kamera Sie bevorzugen.

Wenn Sie die Sensorauflösung auf Vollformat umsetzen, ergäben sich ca. 83MP, die immer noch recht schnell ausgelesen werden können. Wir dürfen also auch auf die hochaufgelöste EOS R gespannt sein, auch weil diese dann wohl IBIS, also Bildstabilisierung über den Sensor, mitbringen wird. Die R-Profizooms 15-35, 24-70 und 70-200mm, alle mit f2,8 und IS kommen dieses Jahr noch auf den Markt.

https://www.canon.de/cameras/eos-m6-mark-ii/specifications/

https://www.canon.de/cameras/eos-90d/specifications/

APS-C-Neuigkeiten von Sony

Sony hat zwei neue APS-C-Kameras vorgestellt, die Sony α6600, das neue Topmodell im APS-C-Bereich. Diese ist um Prinzip eine α6500 mit dem großen Akku der A7 III und den AF-Möglichkeiten der α6400. Mit 1599€ ist der Abstand zu einer Vollformatkamera preislich kaum noch gegeben. Mit 899€ deutlich günstiger ist die neue α6100, die keinen IBIS hat, den kleinen Akku und deren Sucher deutlich geringer aufgelöst ist. Die sonstigen Leistungsdaten unterscheiden sich weniger, als der Preisunterschied vermuten lässt. 11 fps bei 24 MP machen beide, das AF-System scheint gleich zu sein.

Etwas spannender sind die Objektiv-Neuvorstellungen, das Sony SEL 70-350mm F4,5 – 6,3 G OSS (899 €) und das Standardzoom Sony SEL 16-55 mm/2,8 G, die beide allerdings nur für APS-C gerechnet wurden.

Die Kameras sind fast eher Produktpflege als Neuvorstellungen, ich bin gespannt, ob Sony mit dem Nachfolger der A7S II noch eine Sensation im Köcher hat, die Konkurrenz bei Panasonic hat jedenfalls mit der 6K-Vollformat S1H schon sehr gut vorgelegt. Die native Dual-ISO-Unterstützung ist eine interessante Neuigkeit, ich bin auf erste Praxistests gespannt.

Neues vom Fotomarkt

Canon hat ein 24-240mm-Objektiv für die EOS R-Kameras herausgebracht. Ich bin kein Freund von Superzooms, aber ich vermute, dass Canon dabei viel richtig gemacht hat und das eine gute Wahl sein wird, für Leute, die trotz Vollformat leicht reisen möchten.

Sony hat ein 35mm f1,8 veröffentlicht, das einen sehr guten Eindruck macht und eine echte Lücke im Angebot schließt. Bislang gab es als kleines 35er nur das Zeiss, dass ich nicht besonders mochte und das auch nur f2,8 bietet. Mit 699€ UVP wird es wahrscheinlich einen ähnlichen Erfolg haben wie das 85mm f1,8. UPDATE: Das Objektiv konnte ich inzwischen kurz testen. Es wirkt noch kleiner als ich es mir vorgestellt hätte, die AF ist sehr fix und leise. Die Schärfe ist bei Offenblende sehr gut, lässt zu den Ecken aber sichtbar nach (erwartungsgemäß). Die LoCa (Farblängsfehler) ist deutlich sichtbar, kontrastreiche Kanten hinter der Schärfeebene bilden einen grünen Saum. Gesamteindruck wirklich gut, das Objektiv wird wahrscheinlich auch noch ein wenig günstiger werden, das 85er ist seit seiner Vorstellung um knapp 100€ im Straßenpreis gesunken.

Fujifilm hat ein Pancake für Mittelformat auf den Markt gebracht (angekündigt war das GF 50mm F3,5 R LM WR schon lange), dass die GFX 50R auf gerade eben über ein Kilo bringt, was für eine Mittelformatkamera mit Objektiv wirklich wenig ist. Die Schärfe reicht für 100MP, jedenfalls bis kurz vor dem Rand. Das GF 45mm f2,8 ist allerdings auch nicht besonders schwer, bietet etwas mehr Bildwinkel und Lichtstärke und ist ebenfalls sehr scharf.

Sony hat die A7R IV vorgestellt, die ab Ende August für knapp 4000€ erhältlich sein wird. Sie hat einen 61MP-Sensor mit 15 Blenden Dynamikumfang, einen verbesserten AF, einen besseren Sucher, bessere Wetterabdichtung, und die AF-Punkte im Sucher lassen sich endlich farbig anzeigen. Der zweite Kartenslot unterstützt nun auch UHS II. Das ist wahrscheinlich die beste Allroundkamera, die man kaufen kann, aber mich reizt die vorerst nicht. Die Vorteile zu A7R III scheinen mir in der Praxis zu gering, die Kamera als “Medium Format Quality” zu bewerben ist Quatsch, das weiß jeder, der wirklich einmal mit Mittelformat gearbeitet hat, ein großer Sensor ist nur mit Auflösung und Dynamik eben nicht zu schlagen. Es gibt auch immer noch kein besseres Menü, keine vernünftige Touchscreen-Unterstützung, der Rolling Shutter-Effekt mit dem leisen Verschluss ist immer noch fies, im Videobereich hat sich außer verbessertem AF nicht viel getan. Und weil die A7R III nicht mal zwei Jahre alt ist, fällt es auch nicht schwer, eine Generation auszusetzen.
Für mich wird die Vorstellung der hochauflösenden EOS R wahrscheinlich das spannendere Event. Die wird die Sony wohl in der Auflösung übertreffen, zwei Kartenslots und IBIS mitbringen. Nikon wird wohl ebenfalls eine Kamera mit dem 61MP-Sensor herausbringen, der Konkurrenzkampf auf dem Fotomarkt ist bei sinkenden Gesamtumsätzen sehr hart, es kann sein, dass das auf Dauer zum Rückzug von ein oder zwei Kameramarken führt, die momentan einstellige Prozentzahlen als Marktanteile vorweisen. Ich hoffe das nicht, ich würde jede davon vermissen.
UPDATE: Ich hatte die A7R4 heute in der Hand. Der Sucher ist sehr deutlich besser als bei der A7R III, der Body liegt besser in der Hand, die Bedienelemente sind haptisch besser, nur das Daumenrad auf der Rückseite wirkt zu kantig, so als hätte man einen Arbeitsgang gespart, der es perfekt gemacht hätte. Die Kamera wirkt insgesamt qualitativ hochwertiger, die A7R III hat dagegen den Charme eines Prototyps. Das Verschlussgeräusch ist deutlich leiser und dezenter geworden, in etwa vergleichbar der EOS RP. Die Rückschau in 1:1 dauert irritierend lange. Während die bei meinen Canons sofort kommt und bei der A7R III einigermaßen schnell, scheint es bei der A7R4 gut zwei Sekunden zu dauern, nicht ganz so schlecht wie bei der A7R2, aber immer noch zu lange.

Die Fuji GFX 100S ist nun erhältlich, ähnliche Sensortechnik wie bei der A7R IV, aber größerer Sensor und 100MP. Das ist für fast alle meiner Leser und mich eher theoretisch interessant, aber Sie können sich ja den Spaß machen und im Netz nach Raw-Bildern suchen, dann wissen Sie, was Mittelformatqualität bedeutet. Und das ist noch ein eher kleiner Sensor im Mittelformat, bei den größeren werden die Kameras aber sehr umständlich und die Preise erinnern eher an einen guten Neuwagen als an eine Kamera.

Neu: RF85mm f1,2, Fuji GFX 100

Canon hat das Profi-85er für das RF-Bajonett vorgestellt. Anfangsblende f1,2, phantastische Schärfe und schönes Bokeh.

https://www.canon.de/lenses/rf-85mm-f1-2l-usm/

Das Objektiv hat nur zwei Nachteile: 1195g und 2999€ UVP. Profis werden diese Nachteile in Kauf nehmen, wenn Sie dafür perfekte Ergebnisse und Produktionssicherheit erhalten. Alle anderen sollten nicht meckern, wie das in Netz häufig zu hören ist, denn Canon hat günstigere Alternativen im Programm (Canon EF 85mm 1:1,8 USM für 359 €, Canon EF 85MM F/1.4L IS USM für 1479 €) und Canon macht auch keine obszönen Gewinne. Wie bei jeder Aktiengesellschaft können Sie sich die Bilanz selbst anschauen. Fast 3000 € sind sehr viel Geld, aber das ist auch ein reeller Preis für die gebotene Leistung.

Canon RF 85mm f1,2L USM Bild_ Canon

Für die EOS R und noch mehr für die EOS RP ist dieses Objektiv Overkill, die volle Schärfeleistung wird erst mit höher aufgelösten Sensoren nutzbar. Canons Objektivprogramm für RF ist bislang hauptsächlich auf eine noch kommende Profikamera zugeschnitten, es gibt Gerüchte von über 70 MP Sensorauflösung. Ich gehe davon aus, dass Canon auch günstige 50 mm und 85 mm-Objektive bringen wird, ähnlich wie das RF35 mm f1,8 STM. Mir ist der Ansatz sympathisch, erst die Objektive zu bringen, die Profis zu Systementscheidungen bringen können und dann die Consumer-Produkte, zumal die EF-Objektive mit den Adaptern hervorragend funktionieren und dort nichts fehlt. Als ich auf der Photokina nach Canon zu Nikon ging und die Objekte zur Z sah, dachte ich “Wie, das ist alles?”. Canon hatte mit dem 28-70 f2L USM und dem RF50mm f1,2L USM einen sehr hohen Standard gesetzt. Nikon hat bei der Z-Reihe auch sehr viel richtig gemacht, bei der Adaptierbarkeit liegt Nikon vorne, es gibt sogar schon einen AF-Adapter für Sony-E-Mount-Objektive.

Die GFX 100 Bild: Fujifilm

Fuji hat seine neue Mittelformatkamera vorgestellt, wie bei der GFX 50R oder 50S ist der Sensor in der Diagonale 1,3 mal, in der Fläche 1,7 mal größer als Vollformat. Der neue Sensor hat allerdings 102 MP und Phasen AF und die Kamera bringt einen IBIS für 5,5 Blendenstufen längere Verschlusszeiten mit. Der bessere AF und die Bildstabilisierung wären für mich fast die wichtigeren Vorteile gegenüber dem Auflösungsgewinn. Die Auflösung ist allerdings nutzbar, da Fuji gute Objektive baut (das Fujifilm GF 110mm F 2 R LM WR ist ein Traum) und 102 MP auf Kleinbild 60 MP ergeben. Die Sony A7R IV wird meiner Vermutung nach genau diese Auflösung mitbringen und Canon wahrscheinlich noch mehr liefern. Gegen Ende des Jahres wird das normal sein und die Objektive werden schon heute nach solchen Anforderungen entworfen, wie das oben genannte RF85mm f1,2L USM.

Das eigentlich Interessante für mich ist, dass dies die erste Mittelformatkamera ist, die einer modernen Vollformatkamera nicht in vielen Punkten unterlegen ist. Bislang haben Sie Mittelformatkameras in die Hand genommen und sofort einen Unterschied in der Autofokusabdeckung des Sucherbilds (bei den Spiegelreflexmodellen) oder bei der AF-Geschwindigkeit (bei den Spiegellosen) bemerkt haben. Diese Kamera deckt fast 100% des Bildes mit dem AF ab, hat einen schnellen Nachführ-AF und macht 5 Bilder/s und 4K Video in 30fps. Der Mittelformat-Nachteil ist damit zum großen Teil aufgehoben, außer, Sie ahnen es bereits, beim Preis von 10.999 €.

Eine GFX 50R bekommen Sie bereits für 4.099 €, wenn die Vorteile der 100er wie IS und AF in eine nächste Generation dieser Kamera einfließen, dann wird für sehr viele Fotografen Mittelformat zu einer interessanten Option, wie es das zu analogen Zeiten auch schon war. Wenn Sie nicht ganz so schnelle Motive fotografieren, ist es das jetzt schon, zumal der Bildkreis vieler adapterbarer Kleinbildobjektive auch für die 1,3 mal größere Sensordiagonale ausreicht.

Ich werde mir die GFX 100 sicher nicht kaufen, aber ich freue mich über die sich dahinter abzeichnende Entwicklung. Mittelformatkameras sind nicht mehr langsame Spezialkameras zu großenteils unbezahlbaren Preisen, sondern werden universeller und günstiger. Allerdings sind die Objektive und Kameras im Vollformat auch schon so gut (und bald noch besser), dass der Qualitätsvorsprung von Mittelformat weiterhin nur für wenige Anwendungsfälle wichtig ist. Trotzdem vermute ich, dass die Nutzerzahlen steigen werden und das Fujifilm davon besonders profitieren wird.

EOS R Firmware 1.2 (machen!)

Falls Sie Ihre EOS R noch nicht auf die aktuelle Firmware-Version gebracht haben, sollten Sie das nachholen. Abgesehen davon, dass der Augen AF im Servo-Modus wichtig und nützlich ist, steigert das Update die Bildqualität. Die EOS R hat bislang bei starker Aufhellung der Schatten eine Streifenbildung gezeigt, oft ausgehend von hellen Bereichen in der gleichen Höhe auf dem Sensor. Mit Version 1.2 sind die Streifen weg, Schatten sehen homogener aus und sind besser zu bearbeiten.

https://www.canon.de/support/consumer_products/products/cameras/digital_slr/eos-r.html?type=firmware

Sony SEL14TC 1,4 Telekonverter Serienfehler

In meinem Objektivbuch weise ich auf eine auf eine Schwäche des SEL14TC Konverters von Sony hin. Er schattet in den Ecken stark ab. Bis gestern dachte ich, dass das normal wäre und an dem sehr engen Bajonett des Sony E-Mounts liegt. Es ist aber nur der schlechten Qualitätskontrolle bei Sony geschuldet und keinesfalls das Sollverhalten. Sony tauscht die Konverter auch aus, allerdings wohl nur innerhalb der Garantie.

Wenn Sie auch so dunkle Ecken feststellen, schicken Sie Ihren Konverter ein.


Ich hatte erst nur in Lightroom nach der ersten Aufnahme mit dem Konverter geguckt (die war aber einige Zeit vor dem Kauf beim Händler) und dachte fälschlicherweise, dass ich Außerhalb der Garantie läge. Darauf antwortete mir Sony:

vielen Dank für Ihre Rückmeldung.
Den Defekt Ihres Produktes bedauern wir sehr, weshalb wir selbstverständlich Verständnis für Ihr Anliegen haben.
Als Sony-Kunde erwarten Sie zu Recht Produkte, die über viele Jahre einwandfrei funktionieren.
Leider kann es trotz hoher Qualität und unserem Anspruch diese bei jedem einzelnen Gerät zu erreichen, vereinzelt zu Ausnahmefällen kommen.
Für solche greift unsere Herstellergarantie, während der wir für alle Schäden, die auf Material- oder Verarbeitungsschäden beruhen, aufkommen.
Bitte haben Sie Verständnis, dass dieser Zeitraum bei Ihrem Produkt bereits überschritten und eine kostenfreie Reparatur daher nicht mehr möglich ist.
Wir wünschen Ihnen einen angenehmen Tag. “

Sony Customersopport Mail vom 18.4.2019

Bei einem bekannten Serienfehler, von dem ich selbst leider erst spät erfuhr, ist das eine sehr schwache Antwort. Zum Vergleich: Canon hat den Spiegel meiner 5D nach fünf Jahren und über 100.000 Auslösungen kostenlos repariert, weil Sie wussten, dass sie den falschen Kleber verwendet hatten.

Fazit: Wenn Sie den Fehler bei sich auch feststellen, dann weg zu Sony damit. Wenn die Garantiezeit vorbei ist: Der Händler steht für 2 Jahre in der Gewährleistung, soll der sich dann mit Sony rumärgern.

Sigma Firmware behebt Objektivkorrekturfehler (Canon)

Bislang waren die Sigma-Objektive nicht kompatibel mit der Objektivkorrektur in Canon Kameras. Das führt dann zum Beispiel zu einer ringförmigen Darstellung im Livebild und unbrauchbaren JPEGs. Am 7.3.2018 veröffentlicht Sigma die neue Firmware 2.0, die Abhilfe schaffen wird. Bislang mussten Sie sie Objektivkorrektur ausschalten. Das Update kommt vorerst für folgende Objektive:

Contemporary:
SIGMA 100-400mm F5-6.3 DG OS HSM

Art :
SIGMA 18-35mm F1.8 DC HSM
SIGMA 24-70mm F2.8 DG OS HSM
SIGMA 35mm F1.4 DG HSM
SIGMA 50mm F1.4 DG HSM
SIGMA 85mm F1.4 DG HSM
SIGMA 135mm F1.8 DG HSM

für eine große Anzahl weiterer Objektive werden ebenfalls Updates erscheinen, allerdings etwas später.

Sony A7R III Erfahrungsbericht

Ich habe die A7R III seit dem ersten Tag der Lieferbarkeit in Verwendung. Auch wenn Sony nur mein Zweitsystem neben Canon ist, kann ich nach fast 30.000 Aufnahmen einen fundierten Erfahrungsbericht schreiben.

Die Bildqualität des Sensors ist tatsächlich hervorragend, die Kamera ist deutlich schneller geworden und lässt sich auch besser bedienen als der Vorgänger. Ich würde sie wieder kaufen, um ein Fazit vorwegzunehmen, aber die Kamera bei weitem nicht perfekt. In diesem Bericht werde ich hauptsächlich auf die Schwächen eingehen und ich werde ihn auch bei Sony posten, weil Sony genau mitliest. Meine Kritikpunkte an der A7R II hat Sony bei der A7R III fast alle behoben. Nicht meinetwegen natürlich, aber doch, weil das Userfeedback genau ausgewertet wurde.

Der elektronische Verschluss ist zwar absolut leise, aber leider auch nur beschränkt einsetzbar. Wenn Sie unkomprimiertes Raw eingestellt haben, benötigt die Kamera selbst bei 1/8000 s Belichtungszeit 1/13 s, um das ganze Bild auszulesen. Entsprechend stark ist der Rolling-Shutter-Effekt. Wenn Sie flimmerndes Licht haben, erhalten Sie eine starke Streifenbildung. Bei bestimmten Kunstlichtquellen oder stärker bewegten Motiven können Sie den elektronischen Verschluss also gleich wieder vergessen. Bei komprimiertem Raw liest die Kamera immerhin doppelt so schnell aus.

Der gleiche Effekt schränkt auch die Nutzbarkeit des Pixelshift-Modus ein. Denn die Kamera verwendet dabei immer den unkomprimierten leisen Modus. Wenn Sie blitzen, brauchen Sie also Belichtungszeiten von mindestens 1/13 s, der Abstand zwischen den 4 Belichtungen beträgt mindestens eine Sekunde, die Gesamtaufnahmezeit also mindestens 3 s. Das können andere besser.

Apropos andere können das besser: Ich habe es in drei Monaten nicht ein einziges Mal erlebt, dass die Sensorreinigung ein Staubkorn entfernt hätte. Und ich rede von Staubkörnern, die mit einem kleinen Gummiblasebalg problemlos zu entfernen waren. Das ist bei Olympus oder Canon deutlich besser. Gerade bei einer Spiegellosen, bei der der Sensor nah hinter dem Bajonett offen liegt, sollte eine bessere Methode zu finden sein.

Der Autofokus der A7R III ist bei Gesichtern hervorragend, wenn man die Kamera in AF-C machen lässt, ist er auch bei anderen Motiven oft sehr gut. Wenn man allerdings mehr Kontrolle übernehmen möchte, schwächelt das System bei kleineren Messfeldern aber deutlich. Immerhin können Sie in der Suchervergrößerung mit einem Fadenkreuz praktisch auf den Punkt scharf stellen, wenn auch nicht immer schnell. In der Gesamtheit ist der AF aber mit einer guten DSLR zu vergleichen. Der Sucher selbst lässt einen aber langsamer reagieren und auch nicht so schnell mitführen, wie das bei einer DSLR möglich wäre. Bei Personen ist die A7R III überlegen, bei schnellen Vögeln eher eine DSLR. Auch deswegen, weil die großen Teles noch nicht auf dem Markt sind, nach 100-400 mm Zoom ist bislang Schluss. Canon- oder Sigma-Teles funktionieren zwar mit Adapter, aber nicht auf dem Level, den Sport- oder Naturfotografen von guten DSLRs gewohnt sind. Insgesamt funktioniert der AF mit Adapter aber deutlich besser als an der A7R II.

Die Touchscreen-Unterstützung ist halbherzig, immerhin können Sie den Fokuspunkt verschieben. Wenn Sie das Sucherfeld in der Suchervergrößerung verschieben wollen, dann macht die Kamera das andersherum als beim Fokusfeld und für meine Anforderungen auch viel zu langsam. Auslösen über den Touchscreen geht nicht, das Menü können Sie darüber auch nicht bedienen.

Einer der Punkte, der mich wirklich nervt, ist, dass sich die Kamera oft gar nicht bedienen lässt, wenn die Kamera noch auf die Speicherkarte schreibt. Und was mich auch nervt, ist, dass in der Suchervergrößerung nicht die Blende oder Belichtungszeit angepasst werden kann. Die Bedienung ist etwas übersichtlicher geworden, immerhin haben die Reiter jetzt Überschriften. Aber das geht noch besser.

Meine Kamera hat öfter Probleme mit der Speicherkarte, vor allem im Slot I, die Karten selbst sind nicht das Problem, die laufen in den anderen Kameras problemlos, einmal in Amsterdam hat die Kamera ca. 35 Bilder hintereinander nicht auf die Karte geschrieben. Das war das einzige Mal, aber dass die Kamera die Speicherkarte neu eingesetzt haben möchte, passiert öfter. Ich vermute eine mechanisch nicht so gute Umsetzung der Kontakte. Genau wie beim Blitzschuh. Wer den entworfen hat, sollte bitte von Sony in die Hifi-Abteilung versetzt werden und nichts mehr bauen dürfen, was die Leute auch mit vor die Tür nehmen.
Wie wetterfest die Kamera ist, habe ich nicht wirklich ausprobiert, aber ich würde auch nicht zuviel erwarten. Sony könnte das meinetwegen genauer kommunizieren, als sie das jetzt tun.

Die Akkulaufzeit ist jetzt zwar recht gut, aber es gibt keine Fremdakkus und Sony kann wohl im Augenblick nicht liefern, ich habe jedenfalls von einigen gehört, dass Sie keine Akkus kaufen konnten. So etwas darf nicht passieren.

Die Bildqualität der Sony ist gut, bei langen Belichtungen habe ich allerdings Probleme mit Hotpixeln. Hier sollte Sony einen Weg finden, der weder Hotpixel- noch Star-Eater-Probleme mit sich bringt.

30s bei ISO 3200. Hotpixel sind leider immer noch ein Thema

Der Bildstabilisator ist super, gerade für alte manuelle Objektive.
Das neue Betriebssystem macht die Kamera schneller, es gibt aber keine Apps mehr. Den Touchless Shutter vermisse ich, den hätte Sony ruhig mit in die Firmware packen können. Die Umschaltung zwischen Sucher und Bildschirm ist manchmal immer noch ungenau. Generell dürfte der Sucher ruhig dann erst angehen, wenn das Auge nur noch wenige cm entfernt ist.

Die Verbindung mit dem Smartphone für die GPS-Koordinaten bricht mit dem iPhone 7 oft ab und muss immer händisch wieder aufgebaut werden. Wer genau daran Schuld ist, weiß ich nicht, aber es ist nicht praxistauglich.

Für die A7R IV wünsche ich mir: Einen schnelleren Sucher, einen besseren Spot-AF, weniger Bedienbremsen und mehr Responsiveness, robustere Auslegung und Wetterabdichtung, eine gute Touchscreen-Umsetzung, einen schnelleren leisen Verschluss, einen schnelleren Pixelshift-Modus (am besten so schnell wie die Serienbildfrequenz), den zweiten Kartenslot auch in UHS-II. Etwas mehr Auflösung wäre schön, aber mit den 42MP kann ich ganz gut leben.

Und, nach den ganzen Kritikpunkten: Insgesamt eine gute Kamera, inzwischen ernst zu nehmende Konkurrenz zur DSLR und ein großer Schritt nach vorne von der A7R II. Die meisten Nachteile sind gar keine technischen, sondern eher Designschwächen. Da kann Sony noch aufholen und vor allem früh den Profis Prototypen  in die Hand drücken.

Ein Blick in die Glaskugel für 2018

Traditionell denke ich am Jahresanfang über die kommenden Entwicklungen in der Fototechnik nach, meine Prognosen aus den letzten Jahren lasse ich unverändert im Netz stehen. Bei manchen Entwicklungen bin ich selbst verwundert, wie lange Sie brauchen. Zum Beispiel habe ich erst im November eine Kamera erworben, die einen der schnelleren Speicherstandards unterstützt, in diesem Fall UHS-II. Ich hätte gedacht, dass das früher der Fall sein würde.

In diesem Jahr werden sich spiegellose Systeme als gleichwertig zu den DSLRs zeigen. Manche werden fragen, warum das jetzt erst kommen soll und noch nicht so ist. Das liegt daran, dass es zwar Kameras gibt, die im AF mithalten können, wir z.B. die Sony A9, aber solange ein verhältnismäßig lichtschwaches 100-400mm-Zoom die längste Brennweite darstellt und die adaptierten Objektive ist schnell genug funktionieren, gucken Sportfotografen noch in die Röhre. Bzw. nicht in die Röhre, denn solche “Röhren” wie ein 400mm f2,8 kommen erst in naher Zukunft.

2018 wird also das Jahr sein, in dem Spiegellose endgültig gleichziehen. In Zukunft werden sie sogar in manchen Belangen überlegen sein, zum Teil sind sie das jetzt schon. Aber wenn man genau hinguckt, ist vieles noch nicht rund. Der leise Verschluss einer Sony A7R III ist zwar geräuschlos, aber nur für wenig bewegte Motive gut zu verwenden. Es dauert 1/13s, ihn auszulesen, doppelt so schnell wird es nur mit komprimiertem Raw. Die Sony A9 ist deutlich schneller, kommt aber bei Auflösung, Farbe und Dynamikumfang nicht an die A7R III heran. Hier liegen auch noch Probleme, die die Kameraindustrie lösen muss, bevor Global Shutter Wirklichkeit werden können. Ein Global Shutter ist ein elektronischer Verschluss, der keine Auslesezeit mehr hat, sondern das ganze Bild auf einmal erfasst. Stellen Sie sich das einmal im Blitzbetrieb vor: Sie können Belichtungszeiten verwenden, die nur von der Abbrennzeit des Blitzes begrenzt werden. Ich vermute, manche Blitzhersteller wie z.B. Hensel haben damit gerechnet, dass das früher kommen würde, sonst hätten Sie wahrscheinlich schon längst Blitze mit HSS (HighSpeedSync) gebracht. HSS wäre mit einem Global Shutter nicht mehr nötig. Ich rechne noch nicht für 2018 damit, sage aber ganz klar: Global Shutter wäre für mich ein Grund, eine neue Kamera zu kaufen. Der Rolling Shutter-Effekt würde damit dann genauso der Vergangenheit angehören.

Da Spiegellose nun wirklich reif geworden sind, müssen die DSLR-Hersteller auch etwas bringen. Nicht etwas wie Nikon 1 oder EOS M, sondern etwas Richtiges  im Vollformat, das die technischen Vorteile eines spiegellosen Systems zur Geltung bringt. Es gibt bereits Patente dazu von Canon und Nikon, ich erwarte, dass Nikon schon 2018 etwas bringen wird, von Canon wird auch etwas kommen, aber ich bin mir nicht sicher, ob schon in diesem Jahr. Der Dual Pixel AF von Canon ist eine sehr gute Voraussetzung für eine spiegellose Kamera, das EF-Objektivsystem ebenfalls ein großer Vorteil, genauso wie eine native Unterstützung von Nikkor-Objektiven eine neue Nikonkamera mit einem Startvorteil versehen würde. Sony ist aber de facto schon einer der großen drei Kamerahersteller geworden, die Lücken im Objektivprogramm werden bald geschlossen sein und die Entwicklungsgeschwindigkeit wird bei den Kameras weiterhin hoch bleiben.

Apropos Objektive. Es werden sicher eine Menge sehr guter Objektive in naher Zukunft auf den Markt kommen, ein Supertele und ein 135er von Sony, ein 200-600 und ein neues 50er von Canon etc. Manche der neuen Objektive sind nahezu perfekt, manchmal wirken die Bilder aber dadurch fast schon etwas tot. Auch 2018 werden wieder mehr Fotografen den Charme alter analoger Objektive wiederentdecken und das wird ein Trend sein, der bleiben wird, ähnlich wie sich die Langspielplatte wieder etabliert hat. Mit alten Objektiven zu arbeiten ist sinnlich, günstig und spannend, manche davon sind viel besser als Sie ahnen würden. Die analoge Fotografie ist mühselig und ist leider auch schlechter als früher, da das Filmangebot immr kleiner wird und die Labors meist auch nur scannen und ausbelichten und nicht mehr abziehen. Die Arbeit mit analogen Objektiven ist aber besser als sie das jemals war, auch dank Bildstabilisator im Kameragehäuse oder Suchervergrößerung zum Scharfstellen.

Ein ca. 40 Jahre altes Nikon 35mm f1,4 trägt mit seinen Unperfektheiten hier sehr zur Bildstimmung bei.

Adobe hat Lightroom in einer Cloud-Variante herausgebracht. Für den Fotografen hat das eher wenig Vorteile, es ist langsamer durch die Datenübertragung und wird schnell teuer, wenn Sie mehr Platz benötigen. Aber denken Sie etwas in die Zukunft, wenn Sie alle Arbeitsschritte online machen und die Bilder auf Servern liegen, kommen die Server schnell an die Bilder und können sie automatisch analysieren und verschlagworten. Sie trainieren dann mit jedem Bearbeitungsschritt eine Künstliche Intelligenz, die mit den gesammelten Daten dann automatisch Bearbeitungsvorschläge macht. Wenn Sie die Bilder automatisch in Webdienste exportieren wie zum Beispiel an Instagram, dann kann die Software sogar Likes zählen und nachschauen, welche Bearbeitungen besonders gut ankommen. Es gibt also jetzt schon einen beginnenden Trend zur KI-unterstützten Bildoptimierung. Es gibt auch schon KI-Systeme, denen Sie nur noch mitteilen müssen, was der Bildinhalt sein soll und die dann die Bilder fast aus dem Nichts erzeugen. Glauben Sie nicht? Dann gucken Sie doch einmal hier: https://www.theverge.com/2017/10/30/16569402/ai-generate-fake-faces-celebs-nvidia-gan und hier https://www.youtube.com/watch?v=0fhUJT21-bs

Irgendwann wird es Maschinen geben, die in Echtzeit fotorealistische “Träume” erzeugen können, die Vorstellung, dass die Künstliche Intelligenz es schwer haben wird, im kreativen Bereich genutzt zu werden, halte ich für sehr naiv. KI wird in fast allen Lebensbereichen große Änderungen bewirken.

Doch erstmal zu etwas Naheliegenderem, neuen Kameras: Die A7 III und A7S III werden sicher bald kommen, sie werden einige der Vorteile der A7R III auch in diesen Reihen verfügbar machen. Canon wird wohl weiter die Vollformatkamera mit der höchsten Auflösung anbieten, ein Nachfolger der 5Ds kommt. Wenn ich raten müsste: mit der Bedienung der 5D Mark IV, 60MP und besserem Dynamikumfang. Die 7D Mark III erscheint auch 2018 und wird bei der Bildqualität zulegen, vielleicht überrascht uns Canon auch mit echten Neuigkeiten im technischen Konzept. Es wird trotzdem viele Leute geben, die über Canon meckern werden und weiter viele Profis die mit den Kameras zufrieden ihren Job machen. Von der technischen Entwicklung werden alle großen Marke profitieren, wer die Notwendigkeit sieht, zu “switchen”, sollte sich fragen, woher das eigentlich kommt. Bei manchen Fotografen habe ich das Gefühl, dass sie sobald eine Kameraausrüstung rund ist, eine neue aufbauen müssen, eher um ihren Sammeltrieb zu befriedigen, als dass sie sich damit fotografisch weiterbringen.

Ich selbst arbeite mit Canon und Sony, halte die D850 für eine der besten Kameras überhaupt und freue mich über jede Innovation, die von Pentax, Olympus, Panasonic, Leica, Fuji und anderen kommt. Fanboys finde ich anstrengend, wir profitieren alle von einem breiten Fotomarkt, und wenn ich mir anschaue, wer früher alles Kameras und Objektive hergestellt hat, dann haben wir schon jetzt an Marktbreite eingebüßt. Aber früher konnten Sie Kameras mit etwas Uhrmacher-Knowhow in einem Hinterhof herstellen. Heute ist das ein Technologieprojekt, das nur noch ein Großkonzern stemmen kann. Zumindest wenn man von analogen oder simplen digitalen Crowdfunding-Projekten absieht, aber da ist auch viel Schrott darunter. Die neue Yashica ist ein Beispiel, ich denke, dass das in der derzeitigen Form bei vielen Unterstützern für Enttäuschung sorgen wird. Immerhin wurden damit bei Indiegogo schon über 1,3 Mio $ eingesammelt, und die meisten Smartphones sind deutlich bessere Kameras als diese. Es bleibt zu hoffen, dass es bessere Ideen und technische Konzepte geben wird, die die Sehnsucht nach einer ursprünglicheren Fotografie werden befriedigen können. Sie kennen diese Sehnsucht nicht? Dann lesen Sie doch einfach das Menü einer aktuellen Sony von vorne bis hinten durch, dann sollte sich diese auch bei Ihnen einstellen 😉

Im Eingangsbereich einer Ausstellung im ZKM sind Kameras aufgebaut, die Ihnen mitteilten, wie groß Sie sind und wie alt Sie wahrscheinlich sind. Die Kamerasysteme von heute kümmern sich nicht mehr nur um Bilderfassung sondern auch um Bilderkennung. Bald wird jedes Auto mehrere Kameras haben, die auch die Absichten der Verkehrsteilnehmer voraussagen können, zumindest innerhalb ähnlicher Grenzen, wie es auch menschliche Autofahrer können. Es werden mehr Kameras von Maschinen genutzt werden als von Menschen. Der Kameramarkt wird also deutlich wachsen und die technischen Fortschritte zurückfließen in den eigentlichen Fotomarkt. Die Gesichtserkennung ist heute schon sehr gut, wer den Dual Pixel AF einer Canon nutzt, den Eye-AF einer Sony oder manch andere Systeme, der kennt das aus eigener Erfahrung. Aber warum soll die AF-Unterstützung da stehen bleiben? Anhand von Bewegungsschemata oder Bildanalyse kann eine Kamera auch auswerten, was wohl unser Motiv ist. Dass eine Kamera z.B. auf die Wellen vor einem Wasservogel scharf stellt, wird irgendwann einmal Vergangenheit sein.

Für den Fotografen (und das ist hier nur ein Beispiel, weil es tatsächlich für alle Menschen gilt) wird es immer wichtiger, zu erkennen, was ihm die Technik vorgibt und erleichtert und davon zu unterscheiden, was er eigentlich erreichen und ausdrücken will. Es wird bestimmt nicht mehr lange dauern, dass Programme wie Lightroom Ihnen die besten Bilder einer Reihe automatisch vorschlagen, eine Grundbearbeitung über eine Automatik motivabhängig vornehmen und bestimmte “Fehler” direkt entfernen können. Wenn Sie sich angucken, was Apps wie Google Photo schon vor Jahren gemacht haben, dann ist das wirklich keine Zukunftsmusik, sondern eine absehbare Entwicklung. Jedes Handy kann heute schon automatisch Selfies “schöner” machen, eine Software wie Portrait professional treibt die automatische Verschönerung zu absurden Höhen, das gleiche können Sie auch mit Landschaftsbildern machen. Den Link http://www.landscapepro.pics/ poste ich hier nur als Warnung, nicht als Empfehlung, Landschaftsfotos sehen heute zum großen Teil auch so schon gleich aus. Wenn Sie Bilder machen möchten, die nicht im Strom untergehen und die eine persönliche Qualität haben, dann müssen Sie solchen Entwicklungen zumindest zum Teil widerstehen und sie sich im Ganzen bewusst machen. Auch Facebook macht mehr mit Ihnen als Sie mit Facebook. Und wir stehen erst am Anfang einer exponentiellen Entwicklung, Digitalisierung und Internet sind harmlos gegenüber dem, was Robotik und KI noch für uns bereithalten werden. Auch wenn viele von uns wahrscheinlich Maschinen erleben werden, die ihnen kognitiv überlegen überlegen sein werden (Damit, liebe Leser, spiele ich nicht auf Ihre Intelligenz an, sondern allein auf Ihr Lebensalter), sollten sie nicht vergessen, dass Sie als Mensch Stärken haben, die nicht so leicht veralten werden.

Denken Sie aber daran, dass der Fortschritt auch von Ihnen ausgeht. Jeder einzelne entscheidet durch sein Verhalten mit, wohin die Reise geht. Bei den meisten Dingen müssen Sie nicht auf Entscheidungen aus Politik oder Wirtschaft warten, um selbst etwas zu ändern oder zu bewirken.  Es gibt eine Menge wichtigerer Dinge als die Wahl der nächsten Kamera. Aber es wäre schön, wenn wir auch in Zukunft die Möglichkeit haben werden, so unwichtigen Luxusproblemen unsere Zeit zu widmen. Die Welt wird sich in den nächsten 20 Jahren stärker ändern als in den letzen 50. Machen Sie was draus!