Canon EOS R5, R6 und Objektive vorgestellt

An manchen Tagen zeigt Canon, was sie können. Da wird dann ein komplett elektronisches Bajonett vorgestellt (EF), das erste Wechselobjektiv mit Stabilisator auf den Markt gebracht (1995), Beugungsoptik in Kamereobjektive integriert (DO) oder die erste DSLR mit brauchbarem Video eingeführt (5D Mark II).

Heute ist wieder so ein Tag, es kommen zwei neue Kameras, deren Namen sie als Nachfolger für die 5D Mark IV und die 6D Mark II positionieren, diese aber und gleichzeitig den gesamten Fotomarkt in den Schatten stellen. Die kleinere R6 kommt von den reinen Leistungsdaten schon nah an die Sony A9 II und übertrifft sie in manchen Bereichen (4K-Video in 60 statt nur 30fps z.B.), dabei kostet sie nur die Hälfte.

Die EOS R6 Bild: Canon

Ein Sucher mit 120 fps (3,69Mio Punkte wie bei der R) und ein sehr schneller AF, der auch Hunde, Katzen und Vögel erkennt, Ein Verschluss mit 20 Bildern pro Sekunde (elektronisch) und 12 (mechanisch) machen sie zu einer tauglichen Action- und Sportkamera. Von der reinen Leistung kann sie damit gut mit der dreimal so teuren EOS 1DX Mark mithalten, auch wenn die R6 natürlich als Amateurkamera konzipiert wurde.

Die EOS R schafft in der AF-Nachfürmessung gerade einmal 5 Bilder pro Sekunde, hat im Gegensatz zu den neuen Kameras keinen eingebauten Bildstabilisator, nur einen Speicherslot und der Sucher ist langsamer und nicht ganz so hoch aufgelöst. Auch die R ist schon eine schöne und sehr praxistaugliche Kamera mit einem sehr guten AF besonders bei schwachem Licht. Die neuen Kameras sind aber so sehr weiterentwickelt, dass viele bei den ersten Gerüchten nur ungläubig gelacht haben. Der IS soll übrigens mit den passenden Objektiven bis zu 8 Blendenstufen kompensieren und das auch, wenn das Objektiv selbst keinen IS besitzt, wie z.B. beim RF 85mm F1,2.

Die Rückseite der EOS R5, sehr vertraut für Canon-Nutzer Bild: Canon

Die EOS R5 schafft die gleiche Geschwindigkeit wie die R6 mit 45 statt 20MP, im Videobereich unterstützt sie 8K-Video und das sogar in 10Bit. Dafür benötigen Sie nicht einmal einen externen Rekorder, sondern können intern auf CF-Express aufzeichnen. Der zweiten Kartenslot ist SD UHS-II, die neuen Batterien sind kompatibel mit den alten, das macht den Umstieg günstiger. Der Crop beim Video, der bei der EOS R im 4K Video nur eine Aufzeichnung in einem 1,74 Mal kleineren Sensorbereich ermöglichte, ist ebenfalls Geschichte.
Die Kamera ist solider gebaut als die R6 und hat ein Top-Display, eine solche Kombination von Auflösung und Geschwindigkeit gibt es bislang noch nicht, die Kamera zeichnet immerhin 900 Millionen Pixel pro Sekunde auf und hat nebenbei noch genug Power für einen Hochleistungs-AF. Wenn sie 8K-Raw auf die CF-Express-Karte schreibt, hat die Kamera immer noch genug Leistung für den Dual-Pixel-AF und um ein 4K-Video zusätzlich auf die SD-Karte zu schreiben (für einen schnelleren Videoschnitt). Der IS wird im 8K-Video allerdings nicht unterstützt. Bei der EOS R6 ergibt sich im 4K-Video ein leichter Crop von ca. 10%, sie unterstützt auch kein DCI-4K, sondern ausschließlich UHD (3840 × 2160 Pixel).

Canon hat heute auch zwei Volks-Teles gezeigt, ein 600er und ein 800er mit fester Blende f11. So etwas wäre früher sinnlos gewesen, weil die Kameras den AF nicht mehr hinbekommen hätten. Mit gutem AF und guter ISO-Leistung wird das aber interessant, weil so ein Tele klein, leicht und günstig werden kann. Durch Beugungsoptik und eine zusammenschiebbare Konstruktion passen die Objektive noch gut in eine große Fototasche.

Das neue 800mm-Objektiv, der hintere Teil lässt sich bei Nichtbenutzung einschieben. Bild: Canon

Ein günstiges und gutes 85er f2 mit Stabilisator und Makro bis 1:2 wird ein Bestseller werden, für die Profis wurde ein RF100-500mm f4,5-7.1L USM IS gezeigt, das um 3000€ kosten wird und genau wie die Volksteles mit den neuen 1,4x und 2x-Extendern kompatibel ist. Wenn die Extender verwendet werden, stehen statt 100-500mm aber nur noch 300-500 mm Ursprungsbrennweite zur Verfügung, weil die Hinterlinsen sonst an den Extender stoßen würden. Immerhin regelt das das Objektiv automatisch. Und, wie ich schon schrieb, am RF 70-200 f2,8L IS USM lassen sich die beiden Extender gar nicht verwenden.

Canon RF 85mm F2 Macro IS STM Bild: Canoon

Sind das nun die perfekten Kameras? Es gibt immer noch rolling shutter beim elektronischen Verschluss, zum Dynamikumfang gibt sich Canon bedeckt, ich ging davon aus, dass Sony dort auch weiterhin die Nase ein wenig vorn haben würde. (UPDATE: DXO-Mark hat gerade bekanntgegeben, dass ihr Test der 1DX mark III fehlerhaft war und der Sensor tatsächlich 14,5 Blendenstufen schafft, der der R6 soll sehr ähnlich sein UPDATE2: Canon sagt, eine Blende mehr als bei der EOS R). Aber als Gesamtpaket sind sie hervorragende Werkzeuge, ich rechne damit, dass die sehr weite Verbreitung finden werden. Und ich denke, die Kameras sind das Ende der DSLR. Neue APS-C-DSLRs von Canon werden wahrscheinlich noch kommen, weil sie für das EF-S-Ökosystem sinnvoll sind, aber für eine neue Vollformat-DSLR nach der 1DX Mark III sehe ich keinen Markt mehr, der den Entwicklungsaufwand rechtfertigen würde, zumal diese Kameras technisch nicht mehr mithalten könnten. Auch der optische Sucher ist auch nicht mehr so wichtig, wenn der elektronische 5,7 Millionen Punkte bei 120 Hz liefern kann.

Der Verschluss der R6 ist auf 300.000, der der R5 auf 500.000 Auslösungen ausgelegt.

Die Preise und Lieferdaten sind auch schon bekannt und die Preise sind schön krumm geworden dank der kürzlichen MWSt-Senkung:

R5: 4.385,58 € (30.7)

R6: 2.630,96 € (27.8)

Canon RF 800mm F11 IS STM: 1022,55 € (30.7)

Canon RF 600mm F11 IS STM: 778,86 € (30.7)

Canon RF 100-500mm F4.5-7.1L IS USM: 3020,87 (30.9)

Canon RF 85mm F2 Macro IS STM: 681,38 € (30.10)

Sie müssen jetzt keine neue Kamera kaufen, aber wenn Sie es möchten, haben Sie wenigstens ein paar Gründe dafür 😉

https://www.canon.de/cameras/eos-r5/
https://www.canon.de/cameras/eos-r5/specifications/
https://www.canon.de/cameras/eos-r6/specifications/

Viele neue Canon-Produkte am 9.7

Übermorgen ab 14.00 sendet Canon einen Livestream, in dem eine Menge neuer Produkte vorgestellt werden werden. Die neuen EOS R6 und R5, die einen sehr großen Schritt nach vorne für das R-System bedeuten werden und vorraussichtlich auch eine ganze Anzahl neuer Objektive:

Canon RF 85mm f/2 IS STM Macro
Dieses Objektiv ist wohl ähnlich positioniert wie das RF 35mm f1,8, das ebenfalls bis 1:2 im Macro-Bereich geht

Canon RF 100-500mm f/4-7.1L IS USM

Canon RF 600mm f/11 IS STM

Canon RF 800mm f/11 IS STM

Canon RF 1.4x und 2x Teleconverter

Die beiden langen Teles scheinen ersten Bildern zufolge ausziehbar wie ein Fernrohr aus Piratenfilmen zu sein, so dass sie zusammengeschoben hochkant in die Fototasche passen. Anfangsblende 11 klingt erstmal seltsam, aber wenn das nicht zu teuer wird, kann das sehr interessant sein, vor allem, wenn der AF der neuen Kameras perfekt mitspielt.

Ein Canon RF 50mm f/1.8 IS STM und ein Canon RF 70-200mm f/4L IS USM sollen sich auch in der Roadmap befinden, ob diese auch schon vorgestellt werden, ist nicht sicher.

Hier geht es zum Livestream: https://www.canon.de/pro/events/reimagine-live-event/

Die EOS R5 Bild: Canon

Ich vermute, dass damit auch das Ende der Vollformat-DSLRs bei Canon eingeleitet wird, denn eine DSLR würde gegenüber der neuen Generation der Spiegellosen kaum Vorteile und einige Nachteile haben. Ich selbst arbeite jetzt schon gerne mit der R, die neuen Kameras werden allerdings sehr viel schneller sein, einen besseren Sucher besitzen, enorme Videomöglichkeiten ohne Crop, Bildstabilisator und einen besseren AF besitzen. Der letzte ähnlich große Schritt bei Canon kam mit der 5D Mark II, die eine doppelte Auflösung, Video, Livebild und drei ISO-Stufen mehr brachte. Zu der Zeit kam auch eine neue Objektivgeneration, die deutlich besser war und z.B. das 24mm f3,5L TS-E brachte.

Der Chaos Computer Club bezeichnete sich als “gigantischen Teil eines winzigen Sicherheitssystems”, übermorgen wird analog dazu ein historischer Tag in einem eher unbedeutenden Bereich. Für Fotografen und Filmer trotzdem spannend und wichtig.

SD-Express mit bis zu 4GByte/s

Der SD-Karten Standard ist noch lange nicht am Ende. Die letzte Revision (SD 8.0) setzt auf PCI für die Datenübertragung und erlaubt bis zu 4 Gbyte/s Übertragungsrate und 128 TB Speicherkapazität. Sie erkennen die neuen Karten an einer dritten Pinreihe (SD UHS II: zwei Pinreihen, Rest nur eine Pinreihe), sie bleiben abwärtskompatibel zu älteren SD-Standards. Sie entsprechen damit von der Geschwindigkeit einer guten m.2-SSD. Es ist davon auszugehen, dass SD-Karten auch weiterhin von den Fortschritten des PCI-Standards profitieren werden.

Mehr unter:

https://www.heise.de/news/SD-Express-Speicherkarten-mit-PCIe-4-0-kommen-High-End-SSDs-nahe-4725736.html

Etwas mehr zur EOS R5

Canon hat heute eine Video-Pressekonferenz gegeben, die Produktmanager haben sich selbst gefilmt, jeder von zu Hause aus, der Infektionsschutz wurde gewahrt. Es ging heute um den Videobereich, die neue C300 II, Videoobjetive und eine Mehrbilderfassung für 3D-Video, die für die für 2020 geplanten Sportereignisse passend gewesen wäre, wurden gezeigt. Zum Schluss kam etwas mehr zur neuen EOS R5, aber doch so scheibchenweise, dass wir bis zur Markteinführung wohl noch etwas warten werden. Die Kamera sollte vor der Olympiade (damals noch 2020) erscheinen, das wird sie auch weiterhin, wohl noch dieses Jahr, aber mit Juli rechne ich nun nicht mehr.

4K-Video in 10 Bit mit bis zu 120 fps intern über die volle Sensorbreite wird die Kamera unterstützen, das dürfte für viele noch spannender sein als die 8K 30fps 10Bit, die die Kamera ebenfalls beherrschen wird. Der AF verfolgt auch Tiere, teilweise mit Augenerkennung und bleibt im Video auch bei hohen Frameraten erhalten. Ich denke nicht, dass Canon sich noch irgendetwas einfallen lässt, was die Kamera weniger einsatzbereit als vermutet sein lassen wird. Ich vermute eher, dass die Sony A9 II bei Markteinführung der R5 recht alt aussehen wird. Objektive kommen in diesem Jahr auch noch ein paar, aber hier wurde Canon nicht konkret. Bis wir Fotografen wieder unbeschränkt arbeiten können, werden die Neuigkeiten trotz Covid-Verzögerung auf dem Markt sein. Wer sich die dann nach dem mageren Jahr wird leisten wollen, steht auf einem anderen Blatt, aber ich rechne damit, dass die Kamera trotz deutlich höherer Leistung im preislich im 5D Mark IV-Bereich bleiben wird.

https://www.canon.de/press-centre/press-releases/2020/04/canon-eos-r5-specs-revealed/

“Objektive” bei Pixar

In meinem Objektivbuch deute ich an, dass sich Filmer noch mehr mit dem richtigen Objektiv beschäftigen als die meisten Fotografen das tun. Für Starwars wurden extra Objektive gebaut, die ein Kontrastverhalten wie in den 70er Jahren hatten. Für Lighthouse wurden uralte Objektive wiederverwendet und auf SW-Film gedreht. Aber das geht noch weiter, selbst bei rein computeranimierten Filmen werden die optischen Eigenschaften von Filmobjektiven bis ins kleinste simuliert. Am Beispiel von Toystory 4 zeigt dies das lesenswerte Film-Blog Nofilmschool (englisch) auch im Video:

https://nofilmschool.com/toy-story-4-pixar-cinematography

EOS 5Ds R Tethering Beobachtung

Zugegebenermaßen nur für einen sehr kleinen Teil meiner Leser interessant, aber für einen größeren dieses Buchs:

Thema: Tethering auf dem Mac mit CaptureOne und der 5Ds R

Ein Freund hatte Probleme, das Tethering zum Laufen zu bekommen. Durch einen Tipp eines weiteren Fotografen stellte er fest, dass das Problem abnimmt bzw. verschwindet, wenn er keine Karte oder nur eine CF in der Kamera hat.

Wir konnten den Effekt mit seiner Kamera an meinem MacBook Pro reproduzieren. Nur: Meine Kamera hat das Problem überhaupt nicht, sie verbindet sich auch deutlich schneller mit CaptureOne. Wir verwenden die selbe Firmware, meine Kamera ist allerdings älter, weil ich die Kameras immer am ersten Tag kaufen muss, wenn ich ein Buch darüber schreiben möchte.

Wer Probleme mit C1 am Mac hat, kann den Hinweis mit den Speicherkarten ausprobieren. Ich wäre auch an Rückmeldung interessiert von allen, die die 5Ds R mit C1 am Mac tethern. Vielleicht lässt sich das Problem besser eingrenzen und eventuell lösen.

Canon EOS R5 angekündigt

Canon hat gerade eine Kamera angekündigt, die ich für den größten Schritt seit der EOS 5D Mark II halte. Die 5D2 hatte eine fast doppelte Auflösung im Verhältnis zum Vorgänger und gleichzeitig 3 Stufen höhere ISO-Werte, zudem war sie die erste DSLR, mit der man vernünftig Video aufnehmen konnte.

Canon EOS R5 Bild: Canon

Die EOS R5 schafft 12 Bilder pro Sekunde mit dem mechanischen Verschluss und 20 Bilder pro Sekunden mit dem elektronischen. Sie hat einen Bildstabilisator eingebaut, der 5 Blendenstufen längere Belichtungszeiten ermöglicht, wenn im Objektiv auch einer sitzt sogar bis zu 8. Sie kann 8K-Video aufzeichnen, als erste Consumerkamera überhaupt. Zur Auflösung schreibt Canon noch nichts, die 45 MP aus den Gerüchten stimmen aber wohl, je nach 8K-Auflösung braucht man gut 39 bzw. 44 MP, wenn der Sensor für Fotoaufnahmen ein 2:3-Format beibehält.

Zwei Kartenslots sind ebenfalls mit an Bord. Gleichzeitig wurden ein RF100-500mm F4.5-7.1 L IS USM und 1,4x- und 2-Extender angekündigt. Das günstige RF 24-105mm F4-7.1 IS STM kommt ab Ende April. Zum Preis schreibt Canon auch noch nichts, ich gehe davon aus, dass die Kamera im Bereich der EOS 5D Mark IV positioniert wird und im Sommer erhältlich sein wird.

Update: Ich las gerade in einem Forum von jemandem, der sich auf die Extender in Bezug auf das RF70-200mm f2,8 L IS USM freute. Das wird nicht funktionieren, da die Schnittweite des Objektivs zu kurz ist für den vorstehenden Teil der Extender. Das 70-200 ist ein hervorragendes Objektiv, aber anders als bei EF eben keine Universallösung bis 400mm. Vielleicht bauen irgendwann Fremdanbieter wie Sigma Konverter, die passen werden.

https://www.canon.de/press-centre/press-releases/2020/02/canon-announces-8k-video-capable-eos-r5/

https://global.canon/en/news/2020/20200213.html

Neue Canon R5 – erstes Bild

Den letzen Artikel beendete ich mit ” 2020 wird trotzdem ein spannendes Kamerajahr. “. Wer schon einen ersten Vorgeschmack haben möchte, guckt sich hier: https://www.canonrumors.com/here-is-the-canon-eos-r5-we-think/ das erste Bild der neuen Kamera an. Zu den Features kann ich wahrscheinlich morgen mehr schreiben, eine offizielle Vorstellung steht wohl unmittelbar bevor. Wird ordentlich 🙂

“Neue” Nikon D6

Nikon hat heute den Nachfolger der Nikon D5 vorgestellt. Viel Entwicklungsaufwand haben sie nicht hineingesteckt, Sensor und Bildschirm sind gleich, das AF-Modul wurde verbessert, der Livebild AF allerdings nicht. Es gibt nun eingebautes GPS. Das Video ist immer noch auf 4K 30fps beschränkt. Ein befreundeter Fotograf und D5-Nutzer war sehr interessiert an einer neuen Profikamera, IBIS und ein besserer Dynamikumfang und etwas mehr Auflösung hätten ihn sicher zum Umstieg veranlasst, so aber wird wahrscheinlich kaum jemand seine D5 ersetzen wollen, bevor sie nicht mehr zuverlässig zu verwenden ist. Sony hat bei seiner A9 II auch nicht gerade mit Neuigkeiten um sich geschmissen, aber Nikon hat das noch klar unterboten. Die spannendste Profikamera mit dem größten Fortschritt ist die 1D X Mark III, das wird kaum einen Nikon-Fotografen zum umsteigen veranlassen, aber für Erstkäufer einer Profi-DSLR wäre die Sache wohl ziemlich klar.

Mit der D5 wird Nikon wahrscheinlich kein Geld verdient haben, der Aufwand ist hoch und die Verkaufszahlen in der Klasse sind gering. Es ist wirtschaftlich sinnvoll, den Kostenaufwand gering zu halten, aber es sendet auch ein Signal, dass in diesem Bereich nicht mehr viel zu erwarten ist. Die Investitionen gehen in die Spiegellosen, DSLR läuft aus. Die F6 war die letzte analoge Profikamera von Nikon, die D6 wird wohl die letzte Profi-DSLR bleiben.

Ich selbst kann damit leben, ich habe nur noch eine DSLR im Einsatz, alles andere ist schon spiegellos. Ich denke auch, das spätestens im nächsten Jahr Spiegellose kommen werden, die wirklich echtzeittaugliche Sucher mit sehr wenig rolling shutter effect haben werden.

Und auch die nächsten Standard-Kameras werden schon Geschwindigkeiten bieten, die früher einer D5 oder 1DX Mark II vorbehalten waren, vor allem, wenn sie auf den mechanischen Verschluss verzichten können.

Die D6 ist immer noch eine super-solide Profikamera, aber Sie ist nicht mehr so State-of-the-Art, wie man das früher beim neuen Flaggschiff vorausgesetzt hat. 2020 wird trotzdem ein spannendes Kamerajahr.

Neues aus der Fotobranche (CES)

In Las Vegas findet gerade wieder die CES (Consumer Electronics Show) statt. Eine Gelegenheit auch für Fotohersteller, Neuigkeiten zu präsentieren, wenngleich die CP+ Ende Februar in diesem Zusammenhang noch wichtiger ist.

Canon hat die 1D X Mark III vorgestellt, das Topmodell der Marke. Sie ist noch schneller geworden, die Bildqualität und Iso-Leistung sind verbessert worden und der AF ist ebenfalls leistungsfähiger. Ein Teil der wichtigen Neuerungen verbirgt sich im Livebild, die Kamera profitiert also von den Entwicklungen im Spiegellosen Bereich. Im Video unterstützt sie nun RAW-Aufzeichnung in 5,5K Auflösung bei 60fps, und zwar intern dank 2 x CFexpress-Speicherkarten. Sie hat beleuchtete Buttons und ist fast 100g leichter geworden. Das ist alles recht perfekt und wenn Sie die nur 20MP Auflösung oder die 7.299,00€ Verkaufspreis nicht schrecken, erhalten Sie die Kamera schon ab Mitte Februar im Handel.

https://www.canon.de/cameras/eos-1d-x-mark-iii/

Nikon hat ebenfalls eine neue Kamera vorgestellt, die D780, den Nachfolger der D750, Verbesserungen kommen auch hier hauptsächlich aus der Spiegellosen-Welt, wenn Sie den Spiegel hochklappen, arbeiten Sie quasi mit einer Z6. Für die Z-Serie gibt es nun auch ein 70-200mm f2,8, ein 24-70mm gibt es bereits, fehlt also nur noch ein lichtstarkes Weitwinkelzoom zur “Holy Trinity” der Objektive, Canon hat die bereits fertig. Ebenso hat Nikon ein Profizoom für die DSLRs herausgebracht, ein 120-300mm f2,8 ( https://www.nikon.de/de_DE/product/nikkor-lenses/auto-focus-lenses/fx/af-s-nikkor-120-300mm-f-2-8e-fl-ed-sr-vr ), allerdings ist das mit 11 Kiloeuro nur für Wenige etwas. Canon hingegen hat gesagt, dass erstmal gar keine EF-Objektive kommen werden, es sei denn, der Markt würde danach verlangen. Der Fokus liegt bei Canon momentan ganz klar auf RF.

Und Sony? Sony hat auch etwas Neues gezeigt: ein Auto.
https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/sony-ces-2020-elektroauto-1.4746781
Ich schrieb ja schon, dass der Fotomarkt nicht mehr der wichtigste Kameramarkt ist, Überwachung und Automotive sind deutlich größer. Sony wird aber wahrscheinlich auf der CP+ nicht noch ein Auto vorstellen, dann sind die Kameras dran, der Nachfolger der A7s wäre an der Zeit.

AMD hat neue Notebookprozessoren und einen Highend-Prozessor mit 64 Kernen (Threadripper 3990X) vorgestellt. Die Zeiten, in denen Intel sind fast automatisch anbot, wenn man einen neuen Rechner anschaffen wollte, sind (wieder) vorbei, zumal AMD schon seit Sommer im 7nm-Prozess liefert, was auch der Energieeffizienz zu gute kommt. Das es ernst wird, hat Intel schon im Herbst gezeigt, als sie ihre Prozessorpreise halbiert haben. Für den Kunden gut, Auswahl statt Monopol senkt die Preise und verbessert die Qualität.

EOS R – Neue Firmware 1.6

Unter https://www.canon.de/support/consumer_products/products/cameras/digital_slr/eos-r.html?type=firmware

finden Sie die neue Firmware für die EOS R, Sie enthält ein paar Fehlerbehebungen, unter anderem zur Blitzsteuerung und die Unterstützung für das Canon RF 85mm F1.2L USM DS.
Wessen Kamera noch auf V1.3 oder früher steht, der sollte unbedingt updaten, da seit V1.4 der Autofokus signifikant besser geworden ist.

Neues von Canon, Leica, Nikon

Canon hat eine Entwicklungsankündigung zur EOS 1DX Mark III herausgegeben. Die Kamera wird 20 Bilder pro Sekunde nicht nur mit dem leisen elektronischen Verschluss schaffen, sondern auch mit dem mechanischen (zum Vergleich, Sony A9 5 fps Sony A9 II 10 fps mechanisch) . Sie wird auch 4K Video in 60fps entweder in 10 Bit oder als Raw-Video aufzeichnen können. Noch ist unklar, ob Canon oder Nikon die Krone bei den Sportkameras holen werden, Sony ist jedenfalls raus mit seinem “Facelift” bei der A9, von der Gehäusequalität mal ganz abgesehen. Ich befürchte, dass auch die 1DX Mark III im Livebild-Modus besser sein wird als mit dem optischen Sucher, auch wenn bald die besten DSLRs aller Zeiten auf den Markt kommen, ihre Zeit geht vorbei.

Ich schreibe selten über Leica, weil ich vermute, dass die meisten meiner Leser das ohnehin nicht leisten wollen. Nun hat Leica aber den Nachfolger der SL vorgestellt, die SL2. Die kostet zwar auch knappe 6000€, legt aber die dezente Zurückhaltung bei den Leistungsdaten ab, die Leica sonst manchmal auszeichnet:

  • 47,3 MP
  • 10 Bilder pro Sekunde, 20 Bilder/s mit elektronischem Verschluss und ohne AF
  • 5K Video (4992 x 3744 Pixel)
  • 4K Video 60fps
  • 5,7MP Sucher
  • guter Dynamikumfang
  • elektronischer Verschluss bis 1/40000s
  • Multishot 187 MP
  • spritzwassergeschütztes Magnesiumgehäuse
  • und, wie bei Leica üblich: schöne Kamera

Die Kamera lässt sich auch per App steuern. Der AF wird etwa auf dem Niveau der Panasonic liegen und damit nicht in der absoluten Spitzengruppe angekommen sein. Für einen Großteil der Arbeit wird er vollkommen ausreichen und die Leica M hat überhaupt keinen AF. Die M-Objektive und auch andere manuelle Objektive lassen sich über Adapter anschließen, Objektive für L-Mount mit AF gibt es inzwischen auch von Panasonic und Sigma, so dass Sie nicht mehr auf einer teuren Systeminsel gefangen sind.

https://de.leica-camera.com/Fotografie/Leica-SL/Leica-SL2

Ich mag auch die M und freue mich, dass es solche Kameras zu kaufen gibt, aber professionell alle meine fotografischen Belange mit einer Messucherkamera ohne AF abzudecken, könnte ich mir nie vorstellen. Die SL2 leistet sich keine Schwäche, sie ist auf der Höhe der Zeit und in manchen Belangen momentan an der Spitze, 5K Video und einen hochauflösenden Sensor finden Sie sonst noch nicht auf dem Markt.

Nikon hat bekanntgegeben, dass sie deutlich überrascht wurden vom Erfolg des NIKKOR Z 58 mm 1:0,95 S Noct und dass es wohl einige Zeit dauern wird, die Bestellungen abzuarbeiten. Mich wundert das nicht wirklich, denn auch wenn das ein teurer Exot ist, so etwas hat es bislang auf dem Markt noch nicht gegeben, die anderen Objektive dieser Lichtstärke erreichen nicht die gleiche optische Leistung. Die Z50 ist nun lieferbar, APS-C und Vollformat haben bei Nikons Spiegellosen nun das gleiche Bajonett.

Der Fotomarkt ist, wenn man Smartphones nicht mitrechnet, in den letzten 9 Jahren von 100 Mio. auf knapp 20 Mio. Kameras geschrumpft. Dieser Rückgang betrifft die hochwertigen Kameras am wenigsten, aber trotzdem sind die Zahlen dramatisch. Die Zaheln für Wechselobjektive würden mich interessieren, ich vermute, dass es hier dem hochwertigen Markt recht gut geht, aber insgesamt sind das keine einfachen Zeiten für die Fotoindustrie.

Zum Schluss noch ein Hinweis in eigener Sache: Die vierte Auflage der großen Fotoschule ist herausgekommen:

Seit der letzten ist einiges passiert, die Spiegellosen haben die DSLRs überholt, ich habe ein Buch über Objektive geschrieben, Mittelformatkameras sind bezahlbar geworden, neue Bajonettsysteme sind auf den Markt gekommen etc. Manchmal denkt man, die Entwicklung verläuft gar nicht so schnell, aber wenn ich alle drei Jahre das Buch auf den aktuellen Stand bringe, merke ich doch, wie viel ich ändern muss. Wir haben uns wahrscheinlich an die Geschwindigkeit gewöhnt, selbst das erste richtige Smartphone, das iPhone 1 wurde erst übermorgen vor 12 Jahren in Europa vorgestellt.

Neues von Nikon

Nikon hat eine neue Kamera vorgestellt, die Z50, die erste APC-C-Kamera im Z-System. Das bedeutet, dass sich in Zukunft APS-C- und Vollformatkameras bei Nikon ein Bajonett teilen werden, was es Aufsteigern etwas erleichtert, zumal, wenn Sie auch schon Objektive gekauft haben, die den Bildkreis des Vollformats auszeichnen. Bei Canon ist das nicht so, ein RF-Objektiv passt nicht an eine M-Kamera, nur über EF gibt es eine gemeinsame Basis. Nikon hatte auch deswegen die Chance, bei den spiegellosen kleineren Kameras neu anzufangen, weil sie das Nikon-1-System so schön vergurkt haben, der Sensor war zu klein, um gegenüber Kompaktkameras einen Mehrwert zu bieten.

Längst angekündigt, aber nun bald lieferbar und mit einem Preis versehen: Das NIKKOR Z 58 mm 1:0,95 S Noct. Das wird nicht für jeden etwas sein, da es nur manuell zu fokussieren ist und knapp 9000€ kosten soll. Ich reagiere darauf nicht mit Unverständnis, das Leica Noctilux ist noch teurer und optisch nicht besser. Die Beispielaufnahmen lassen vermuten, das Nikon das Objektiv wirklich sehr gut hinbekommen hat.
Nikon hat eine Roadmap für das Z-System veröffentlicht, die recht gut aussieht, es kommt z.B. auch ein 50mm f1,2, ein 100-400mm und ein 200-600mm. Trotzdem denke ich, das Nikon am Anfang ein etwas leidenschaftsloses Portfolio gezeigt hat, da hat Canon mehr Gefühl für die Kunden bewiesen. Wer ein neues Kamerasystem bringt, sollte auch Objektive auf den Markt bringen, die alleine schon den Wunsch nach der neuen Kamera rechtfertigen. Nun, zumindest ist der Preis des Noct so hoch, dass eine neue Kamera dazu auch nicht mehr ins Gewicht fällt 😉

3 kleine Beobachtungen zum Fotomarkt

Canon hat die 90D und die M6 Mark II als spiegelloses Schwestermodell auf den Markt gebracht. Praktisch jeder Rezensent schreibt, dass die 90D im Livebild-Modus besser arbeite als mit dem optischen Sucher. Das war etwas, was ich zum Teil schon bei der 5D Mark IV feststellen konnte. Wenn ich mit dieser Porträts in Bewegung mit hochlichtstarken Objektiven aufnehmen wollte, dann erbrachte der Livebildmodus bessere Ergebnisse. DSLR ist nicht tot, aber es geht in die Endrunde, ich denke nicht, dass die Canon EOS 1D X Mark III und die Nikon D6, die im nächsten Jahr erscheinen, noch Nachfolger bekommen werden. Dafür werden spiegellose Sportkameras kommen.

Sony hat mit der α9 II einen Nachfolger zur α9 vorgestellt, der dieser in den technischen Daten fast gleicht. Das Update würde man Autos als Facelift bezeichnen und nicht als neues Modell. Die Kamera hat ein besseres Gehäuse, eine Netzwerk-Buchse und einen mechanischen Verschluss bekommen, der nun auch 10 Bilder pro Sekunde schafft statt 5. Der elektronische Verschluss bleibt weiter bei 20 fps, der Sensor ist der gleiche. Nicht einmal der Sucher wurde verbessert, wahrscheinlich ist der hervorragende Sucher der A7R IV nicht schnell genug oder Sony wollte bei diesem Release Geld und Entwicklungszeit sparen. Sony hat jedenfalls deutlich Dampf aus der Entwicklung genommen, auch die α6400 ist kaum berichtenswert gewesen.

Canon hat, wie ich schon schrieb, neue Firmwares für die EOS R und RP herausgebracht, die die Kameras wirklich enorm verbessern in Bezug auf den AF. Ich habe inzwischen den ersten Job mit der neuen Firmware fotografiert und möchte meine Empfehlung zum Update noch einmal deutlich wiederholen. Version 1.4 für die R und 1.3 für die RP sollten Sie möglichst bald aufspielen, falls Sie das noch nicht haben.

Zusammengefasst bleiben für mich drei Beobachtungen: DSLR geht dem Ende zu, Spiegellose sind, zumindest bei Sony, die ja schon länger dabei sind, inzwischen (vorerst) auch bei nur inkrementellen Updates angekommen und Software ist so wichtig geworden, dass Sie eine Kamera signifikant verändern kann und ihre Entwicklung der Hardware noch eine Weile hinterherläuft. Selbst Sony sagt, dass der neue Prozessor der α9 II mehr Raum für künftige Firmwares schafft. Diese Entwicklung ist nicht nur auf Kameras beschränkt, auch VW hat angekündigt, dass der nächste Golf zunächst nicht mit der vollen Software ausgeliefert werden wird.

Objektivbuch: Downloadbereich aktualisiert

Für den Downloadbereich der vierten Auflage der Großen Fotoschule habe ich einen neuen Bokehvergleich aufgenommen, der Porträtbrennweiten von 80-90 mm und ein Mittelformatobjektiv mit 110mm Brennweite (mit vergleichbarem Bildwinkel) umfasst.

Da dieser auch für einige Leser meines Objektivbuchs interessant ist, finden diese den Objektivvergleich ab sofort auch im Downloadbereich dieses Buchs. Neben den schon bestehenden Vergleichen von Normalobjektiven.

Canon EOS 90D und EOS M6 Mark II vorgestellt

Canon hat zwei neue Kameras vorgestellt, die sich sehr ähneln, da sie den gleichen Sensor verwenden. In den Details gibt es einige Unterschiede. Die Kameras stellen deutliche Updates zu ihren Vorgängerversionen da und lassen auf gute weitere Kameras hoffen. Bislang hat Canon bei 4K-Video zumeist nur einen kleinen Teil des Sensors ausgelesen, so dass sich im Video ein Cropfaktor von z.B. 1,74 im Verhältnis zu einer Fotoaufnahme ergab. Damit ist nun Schluss, beide Kameras verwenden die volle Sensorbreite.

Der Sensor löst 32,5 MP auf, erste Raw-Daten sehen auch nach einem guten Dynamikumfang aus. Die 90D schafft 10 Bilder pro Sekunde, auf eine EOS 7D Mark III sollten Sie deswegen nicht mehr warten, die wird wohl nicht mehr kommen. Die M6 Mark II schafft 14 Bilder pro Sekunde und hat einen Raw-Burst Mode, bei dem sie 30 Bilder pro Sekunde von 75% des Sensors auslesen kann. Kurz zum Vergleich: Die alte M6 erreichte 7 Bilder pro Sekunde bei 24MP und unterstützte nur full HD Video. Das ist also ein gewaltiger Schritt nach Vorne.

Die Eos 90D bietet einen elektronischen (leisen) Verschluss mit Belichtungszeiten bis zu einer 1/16.000s, der Akkugriff ist seit der 70D gleich geblieben. Mit 1299€ ist sie ein Stück teurer als die EOS M6 II (929€), der Unterschied relativiert sich ein wenig, weil der elektronische Sucher bei der M6 II ein Extra ist, dass knapp 200€ kostet. Wenn Sie EF-Objektive anschließen wollen, benötigen Sie auch den EF-EOS M Adapter, so dass es keine Preisfrage, sondern ein grundsätzliche System- und Ergonomiefrage ist, welche Kamera Sie bevorzugen.

Wenn Sie die Sensorauflösung auf Vollformat umsetzen, ergäben sich ca. 83MP, die immer noch recht schnell ausgelesen werden können. Wir dürfen also auch auf die hochaufgelöste EOS R gespannt sein, auch weil diese dann wohl IBIS, also Bildstabilisierung über den Sensor, mitbringen wird. Die R-Profizooms 15-35, 24-70 und 70-200mm, alle mit f2,8 und IS kommen dieses Jahr noch auf den Markt.

https://www.canon.de/cameras/eos-m6-mark-ii/specifications/

https://www.canon.de/cameras/eos-90d/specifications/

APS-C-Neuigkeiten von Sony

Sony hat zwei neue APS-C-Kameras vorgestellt, die Sony α6600, das neue Topmodell im APS-C-Bereich. Diese ist um Prinzip eine α6500 mit dem großen Akku der A7 III und den AF-Möglichkeiten der α6400. Mit 1599€ ist der Abstand zu einer Vollformatkamera preislich kaum noch gegeben. Mit 899€ deutlich günstiger ist die neue α6100, die keinen IBIS hat, den kleinen Akku und deren Sucher deutlich geringer aufgelöst ist. Die sonstigen Leistungsdaten unterscheiden sich weniger, als der Preisunterschied vermuten lässt. 11 fps bei 24 MP machen beide, das AF-System scheint gleich zu sein.

Etwas spannender sind die Objektiv-Neuvorstellungen, das Sony SEL 70-350mm F4,5 – 6,3 G OSS (899 €) und das Standardzoom Sony SEL 16-55 mm/2,8 G, die beide allerdings nur für APS-C gerechnet wurden.

Die Kameras sind fast eher Produktpflege als Neuvorstellungen, ich bin gespannt, ob Sony mit dem Nachfolger der A7S II noch eine Sensation im Köcher hat, die Konkurrenz bei Panasonic hat jedenfalls mit der 6K-Vollformat S1H schon sehr gut vorgelegt. Die native Dual-ISO-Unterstützung ist eine interessante Neuigkeit, ich bin auf erste Praxistests gespannt.

Neues vom Fotomarkt

Canon hat ein 24-240mm-Objektiv für die EOS R-Kameras herausgebracht. Ich bin kein Freund von Superzooms, aber ich vermute, dass Canon dabei viel richtig gemacht hat und das eine gute Wahl sein wird, für Leute, die trotz Vollformat leicht reisen möchten.

Sony hat ein 35mm f1,8 veröffentlicht, das einen sehr guten Eindruck macht und eine echte Lücke im Angebot schließt. Bislang gab es als kleines 35er nur das Zeiss, dass ich nicht besonders mochte und das auch nur f2,8 bietet. Mit 699€ UVP wird es wahrscheinlich einen ähnlichen Erfolg haben wie das 85mm f1,8. UPDATE: Das Objektiv konnte ich inzwischen kurz testen. Es wirkt noch kleiner als ich es mir vorgestellt hätte, die AF ist sehr fix und leise. Die Schärfe ist bei Offenblende sehr gut, lässt zu den Ecken aber sichtbar nach (erwartungsgemäß). Die LoCa (Farblängsfehler) ist deutlich sichtbar, kontrastreiche Kanten hinter der Schärfeebene bilden einen grünen Saum. Gesamteindruck wirklich gut, das Objektiv wird wahrscheinlich auch noch ein wenig günstiger werden, das 85er ist seit seiner Vorstellung um knapp 100€ im Straßenpreis gesunken.

Fujifilm hat ein Pancake für Mittelformat auf den Markt gebracht (angekündigt war das GF 50mm F3,5 R LM WR schon lange), dass die GFX 50R auf gerade eben über ein Kilo bringt, was für eine Mittelformatkamera mit Objektiv wirklich wenig ist. Die Schärfe reicht für 100MP, jedenfalls bis kurz vor dem Rand. Das GF 45mm f2,8 ist allerdings auch nicht besonders schwer, bietet etwas mehr Bildwinkel und Lichtstärke und ist ebenfalls sehr scharf.

Sony hat die A7R IV vorgestellt, die ab Ende August für knapp 4000€ erhältlich sein wird. Sie hat einen 61MP-Sensor mit 15 Blenden Dynamikumfang, einen verbesserten AF, einen besseren Sucher, bessere Wetterabdichtung, und die AF-Punkte im Sucher lassen sich endlich farbig anzeigen. Der zweite Kartenslot unterstützt nun auch UHS II. Das ist wahrscheinlich die beste Allroundkamera, die man kaufen kann, aber mich reizt die vorerst nicht. Die Vorteile zu A7R III scheinen mir in der Praxis zu gering, die Kamera als “Medium Format Quality” zu bewerben ist Quatsch, das weiß jeder, der wirklich einmal mit Mittelformat gearbeitet hat, ein großer Sensor ist nur mit Auflösung und Dynamik eben nicht zu schlagen. Es gibt auch immer noch kein besseres Menü, keine vernünftige Touchscreen-Unterstützung, der Rolling Shutter-Effekt mit dem leisen Verschluss ist immer noch fies, im Videobereich hat sich außer verbessertem AF nicht viel getan. Und weil die A7R III nicht mal zwei Jahre alt ist, fällt es auch nicht schwer, eine Generation auszusetzen.
Für mich wird die Vorstellung der hochauflösenden EOS R wahrscheinlich das spannendere Event. Die wird die Sony wohl in der Auflösung übertreffen, zwei Kartenslots und IBIS mitbringen. Nikon wird wohl ebenfalls eine Kamera mit dem 61MP-Sensor herausbringen, der Konkurrenzkampf auf dem Fotomarkt ist bei sinkenden Gesamtumsätzen sehr hart, es kann sein, dass das auf Dauer zum Rückzug von ein oder zwei Kameramarken führt, die momentan einstellige Prozentzahlen als Marktanteile vorweisen. Ich hoffe das nicht, ich würde jede davon vermissen.
UPDATE: Ich hatte die A7R4 heute in der Hand. Der Sucher ist sehr deutlich besser als bei der A7R III, der Body liegt besser in der Hand, die Bedienelemente sind haptisch besser, nur das Daumenrad auf der Rückseite wirkt zu kantig, so als hätte man einen Arbeitsgang gespart, der es perfekt gemacht hätte. Die Kamera wirkt insgesamt qualitativ hochwertiger, die A7R III hat dagegen den Charme eines Prototyps. Das Verschlussgeräusch ist deutlich leiser und dezenter geworden, in etwa vergleichbar der EOS RP. Die Rückschau in 1:1 dauert irritierend lange. Während die bei meinen Canons sofort kommt und bei der A7R III einigermaßen schnell, scheint es bei der A7R4 gut zwei Sekunden zu dauern, nicht ganz so schlecht wie bei der A7R2, aber immer noch zu lange.

Die Fuji GFX 100S ist nun erhältlich, ähnliche Sensortechnik wie bei der A7R IV, aber größerer Sensor und 100MP. Das ist für fast alle meiner Leser und mich eher theoretisch interessant, aber Sie können sich ja den Spaß machen und im Netz nach Raw-Bildern suchen, dann wissen Sie, was Mittelformatqualität bedeutet. Und das ist noch ein eher kleiner Sensor im Mittelformat, bei den größeren werden die Kameras aber sehr umständlich und die Preise erinnern eher an einen guten Neuwagen als an eine Kamera.

Neu: RF85mm f1,2, Fuji GFX 100

Canon hat das Profi-85er für das RF-Bajonett vorgestellt. Anfangsblende f1,2, phantastische Schärfe und schönes Bokeh.

https://www.canon.de/lenses/rf-85mm-f1-2l-usm/

Das Objektiv hat nur zwei Nachteile: 1195g und 2999€ UVP. Profis werden diese Nachteile in Kauf nehmen, wenn Sie dafür perfekte Ergebnisse und Produktionssicherheit erhalten. Alle anderen sollten nicht meckern, wie das in Netz häufig zu hören ist, denn Canon hat günstigere Alternativen im Programm (Canon EF 85mm 1:1,8 USM für 359 €, Canon EF 85MM F/1.4L IS USM für 1479 €) und Canon macht auch keine obszönen Gewinne. Wie bei jeder Aktiengesellschaft können Sie sich die Bilanz selbst anschauen. Fast 3000 € sind sehr viel Geld, aber das ist auch ein reeller Preis für die gebotene Leistung.

Canon RF 85mm f1,2L USM Bild_ Canon

Für die EOS R und noch mehr für die EOS RP ist dieses Objektiv Overkill, die volle Schärfeleistung wird erst mit höher aufgelösten Sensoren nutzbar. Canons Objektivprogramm für RF ist bislang hauptsächlich auf eine noch kommende Profikamera zugeschnitten, es gibt Gerüchte von über 70 MP Sensorauflösung. Ich gehe davon aus, dass Canon auch günstige 50 mm und 85 mm-Objektive bringen wird, ähnlich wie das RF35 mm f1,8 STM. Mir ist der Ansatz sympathisch, erst die Objektive zu bringen, die Profis zu Systementscheidungen bringen können und dann die Consumer-Produkte, zumal die EF-Objektive mit den Adaptern hervorragend funktionieren und dort nichts fehlt. Als ich auf der Photokina nach Canon zu Nikon ging und die Objekte zur Z sah, dachte ich “Wie, das ist alles?”. Canon hatte mit dem 28-70 f2L USM und dem RF50mm f1,2L USM einen sehr hohen Standard gesetzt. Nikon hat bei der Z-Reihe auch sehr viel richtig gemacht, bei der Adaptierbarkeit liegt Nikon vorne, es gibt sogar schon einen AF-Adapter für Sony-E-Mount-Objektive.

Die GFX 100 Bild: Fujifilm

Fuji hat seine neue Mittelformatkamera vorgestellt, wie bei der GFX 50R oder 50S ist der Sensor in der Diagonale 1,3 mal, in der Fläche 1,7 mal größer als Vollformat. Der neue Sensor hat allerdings 102 MP und Phasen AF und die Kamera bringt einen IBIS für 5,5 Blendenstufen längere Verschlusszeiten mit. Der bessere AF und die Bildstabilisierung wären für mich fast die wichtigeren Vorteile gegenüber dem Auflösungsgewinn. Die Auflösung ist allerdings nutzbar, da Fuji gute Objektive baut (das Fujifilm GF 110mm F 2 R LM WR ist ein Traum) und 102 MP auf Kleinbild 60 MP ergeben. Die Sony A7R IV wird meiner Vermutung nach genau diese Auflösung mitbringen und Canon wahrscheinlich noch mehr liefern. Gegen Ende des Jahres wird das normal sein und die Objektive werden schon heute nach solchen Anforderungen entworfen, wie das oben genannte RF85mm f1,2L USM.

Das eigentlich Interessante für mich ist, dass dies die erste Mittelformatkamera ist, die einer modernen Vollformatkamera nicht in vielen Punkten unterlegen ist. Bislang haben Sie Mittelformatkameras in die Hand genommen und sofort einen Unterschied in der Autofokusabdeckung des Sucherbilds (bei den Spiegelreflexmodellen) oder bei der AF-Geschwindigkeit (bei den Spiegellosen) bemerkt haben. Diese Kamera deckt fast 100% des Bildes mit dem AF ab, hat einen schnellen Nachführ-AF und macht 5 Bilder/s und 4K Video in 30fps. Der Mittelformat-Nachteil ist damit zum großen Teil aufgehoben, außer, Sie ahnen es bereits, beim Preis von 10.999 €.

Eine GFX 50R bekommen Sie bereits für 4.099 €, wenn die Vorteile der 100er wie IS und AF in eine nächste Generation dieser Kamera einfließen, dann wird für sehr viele Fotografen Mittelformat zu einer interessanten Option, wie es das zu analogen Zeiten auch schon war. Wenn Sie nicht ganz so schnelle Motive fotografieren, ist es das jetzt schon, zumal der Bildkreis vieler adapterbarer Kleinbildobjektive auch für die 1,3 mal größere Sensordiagonale ausreicht.

Ich werde mir die GFX 100 sicher nicht kaufen, aber ich freue mich über die sich dahinter abzeichnende Entwicklung. Mittelformatkameras sind nicht mehr langsame Spezialkameras zu großenteils unbezahlbaren Preisen, sondern werden universeller und günstiger. Allerdings sind die Objektive und Kameras im Vollformat auch schon so gut (und bald noch besser), dass der Qualitätsvorsprung von Mittelformat weiterhin nur für wenige Anwendungsfälle wichtig ist. Trotzdem vermute ich, dass die Nutzerzahlen steigen werden und das Fujifilm davon besonders profitieren wird.

EOS R Firmware 1.2 (machen!)

Falls Sie Ihre EOS R noch nicht auf die aktuelle Firmware-Version gebracht haben, sollten Sie das nachholen. Abgesehen davon, dass der Augen AF im Servo-Modus wichtig und nützlich ist, steigert das Update die Bildqualität. Die EOS R hat bislang bei starker Aufhellung der Schatten eine Streifenbildung gezeigt, oft ausgehend von hellen Bereichen in der gleichen Höhe auf dem Sensor. Mit Version 1.2 sind die Streifen weg, Schatten sehen homogener aus und sind besser zu bearbeiten.

https://www.canon.de/support/consumer_products/products/cameras/digital_slr/eos-r.html?type=firmware