Ein Blick in die Glaskugel für 2017

Um die Jahreswende blicke ich traditionell ein wenig in die Zukunft und äußere meine Erwartungen über die anstehenden technischen Entwicklungen in der Fotobranche. Einige der letzten Prophezeiungen sind eingetroffen, so wurden z.B. 2016 endlich spiegellose Mittelformatkameras von Hasselblad und Fuji vorgestellt. Hasselblad ist übrigens gerade chinesisch geworden, DJI (die Firma mit den Drohnen, genau) hat inzwischen die Mehrheit. Das entspricht sicher einem generellem Trend, die Chinesen werden auch im Rest der Industrie Europas weiter stark an Übernahmen interessiert sein. Japan hatte übrigens auch einmal das Image eines belächelten Billigproduzenten mit Nachbaumentalität. Von dem sind die Chinesen nun auch schon entfernt, aber die haben auch noch viel Luft nach oben und arbeiten mit großer Kraft am weiteren Aufstieg. Chinas Anteil am Fotomarkt wird auch zu Lasten etablierter Europäischer und Amerikanischer Hersteller weiter wachsen.

Morgen wird das iPhone 10 Jahre alt. Ich erinnere mich an den Tag und habe mir die Präsentation damals angeschaut. Ich war erleichtert, dass es endlich jemand richtig macht. Internet auf dem Handy war vorher fürchterlich. Es war so schlecht, dass die Provider die Handies so gebrandet hatten, dass die Wahrscheinlichkeit sehr hoch war, irrtümlich auf den Internet-Button zu kommen, damit überhaupt einmal Datenvolumen generiert wird. Die Benutzung war ein Krampf und die Gebühren ein Hohn. Dann kam das iPhone und der Rest ist Geschichte. Heute hat fast jeder ein Smartphone, die meistverwendete Kamera bei flickr ist ein iPhone, die Kamera an Platz 2 ist auch ein iPhone, Kompaktkameras werden kaum noch verkauft und wenn, dann sind Ihre Sensoren deutlich größer geworden, damit sie sich qualitativ absetzen. Diese Entwicklung ist noch nicht vorbei, Smartphones haben noch großes Entwicklungspotential und werden den Fotomarkt von unten weiter stark unter Druck setzen. Und trotz der Kulturrevolution, die Smartphones bei jedem von uns ausgelöst haben ist das nur ein Klacks im Vergleich zu dem, wie die Technik unser Leben und die Fotografie in den nächsten Jahren verändern wird.

Wie das fahrerlose Auto wird es auch die fotografenlose Kamera geben. In ein paar Jahren wird man Drohnen losschicken können, die auch ohne menschliche Steuerung Bilder von aktuellen Ereignissen liefern, Objekte aus der Luft fotografieren und selbsttätig gute Bildwinkel und Ausschnitte wählen. Techniken aus der Überwachung werden zurückschwappen in den fotografischen Bereich. Computer werden mehr und mehr in der Lagen sein, Bildinhalte zu erkennen, bei der Bildsuche und Bildverschlagwortung zu helfen und auch die Bildwirkung auf den Menschen analysieren. Computer werden auch immer mehr in die Bildbearbeitung eingreifen, schon heute erstellen Bilderdienste wie Google Photos selbstständig Montagen, Panoramen oder Zusammenstellungen.

Canon hat auf der CES gerade einen Sensor mit 250MP vorgestellt, dessen angedachter Anwendungsfall die Überwachung ist. Mit so einem Sensor kann man einen großen Platz mit einer Auflösung erkennen, die für die Erkennung einzelner Gesichter ausreicht. Auch im fotografischen Bereich werden die Auflösungen weiter steigen, ebenfalls auf der CES wurde der erste 8K-Monitor vorgestellt, 8K-Video wird in absehbarer Zeit auch für Normalanwender verfügbar sein. Der Schritt von FullHD zu 4K war aber sicher bedeutender, denn das Auge kann bei Ganzbildbetrachtung ohnehin nicht viel Mehr als 4K auflösen, ab einem gewissen Abstand zum Fernseher macht es auch keinen Unterschied mehr, ob der FullHD oder 4K kann. Trotzdem werden Fotografen von der Auflösungssteigerung profitieren, Ich fotografiere gerne mit der EOS 5DS R, weil Sie mir erlaubt, auch noch kleinere Ausschnitte des Bildes mit hinreichender Auflösung zu verwenden. Das ist vor allem in der Tierfotografie sinnvoll, weil ich fliegende Vögel auch in größerer Entfernung noch erfassen kann, ohne das es bildnerisch sinnlos wird. Ich würde auch eine 50MP-APS-C-Kamera kaufen, wenn Sie bei ISO-Leistung und Dynamikumfang gut genug wäre.

Apropos 4K:  4K würde am meisten Sinn im Beamerbereich ergeben, weil die großen Bilddiagonalen die Bildinformation dort wirklich sichtbar machen. Es ist zu hoffen, das 2017 endlich bezahlbare echte 4K-Beamer auf den Markt kommen, im Moment sind sie entweder bezahlbar oder echt (“4K-Enhancement”).

Für viele Fotografen ist der Unterschied zwischen Gesehenem und Aufgenommenem bzw. Wiedergebbarem immer noch etwas frustrierend. Farb- und Dynamikumfang waren gerade in der Wiedergabe recht begrenzt. HDR-Monitore und neue Displaytechniken kommen immer mehr dem nahe, was das Auge verarbeiten kann.

Wenn Sie eine Sony A7R II oder eine vergleichbare Kamera im leisen Modus auslösen, hören Sie gar keinen Kameraverschluss mehr, weil die Belichtung rein elektronisch gestartet und beendet wird. Leider werden die Daten immer noch zeilenweise ausgelesen, so dass Sie bei Flackerlicht Bildstreifen erhalten, die sie beim mechanischen Verschluss nicht bekommen. Schön und technisch machbar wäre ein globaler elektronischer Verschluss, der das Bild gleichzeitig ausliest. Damit gäbe es keinen Rolling Shutter-Effekt mehr im Video und man könnte auch mit kurzen Belichtungszeiten blitzen, ohne dass man HSS einsetzen muss. Das wäre eine Entwicklung, die gerade professionelle Fotografen dazu verleiten könnte, sich eine neue Kamera zu kaufen. Auf der anderen Seite wird auch Hensel in diesem Jahr eine mobile Blitzanlage herausbringen, die HSS unterstützt.

Dass bei manchen neuen Kameras nicht auf neue Speicherstandards gesetzt wurde, damit die Käufer ihren alten Speicher weiterverwenden können, kann ich gut verstehen. Dass UHS-II bei SD-Karten-Slots noch nicht weiter verbreitet ist, wundert mich allerdings schon. Vielleicht liegt das auch an den langen Projektlaufzeiten bei der Kameraentwicklung. In UHS-II-Slots kann man auch alte SD-Karten weiterverwenden, es gäbe also keinen Kunden, der sich über die Einführung ärgern würde. Ich hoffe, dass das in 2017 endlich auf breiterer Basis passiert. Zumindest gute 300MB/s könnte man damit realisieren, ohne sich in der CFast gegen XQD-Frage entscheiden zu müssen. CF-Karten haben nämlich im Moment mindestens zwei Nachfolger, die auch mit der bisherigen Technik nicht kompatibel sind.

Ein weniger schöner Trend ist, dass Fototechnik etwas teuer wird. Das liegt nicht nur am Wechselkurs von Yen zu Euro, sondern auch am schrumpfenden Markt. Smartphones haben das untere Segment fast aufgelöst und im oberen ist eine gewisse Sättigung eingetreten, weil auch eine Kamera von vor fünf Jahren noch sehr gut ist. Trotzdem hat sich eine Menge getan und wenn Sie darüber nachdenken, ihre Ausrüstung aufzufrischen, dann möchte ich Sie nicht davon abbringen. Es gibt jetzt schon genug wirklich leistungsfähige Kameras wie z.B. die Nikon D500 oder die Canon 5D Mark IV, aber ich erwarte auch für dieses Jahr einige schöne Neuerscheinungen. Canon wird eine neue 6D bringen und auch die 750D/760D wird wohl aufgefrischt, Bei Nikon ist ein Nachfolger der D750 oder der D810 denkbar, Sony wird auch einen Schritt nach vorne gehen und hoffentlich eine A7 auf den Markt bringen, die bei Autofokus und Serienbildtauglichkeit deutlich besser geworden ist, es kommen ein paar schöne neue Objektive wie z.B ein 24-70mm und ein 70-200mm der ART-Serie von Sigma, ein 85er von Canon, vielleicht auch ein 50er. Und im Bereich der Spiegellosen werden auch die großen Hersteller, die nicht Sony heißen, fleißig weiterentwickeln. Ob da 2017 schon ein großer Wurf kommt, wage ich zu bezweifeln, aber wir werden dem näher kommen.

Vergessen wir bei alledem nicht, dass es ein großes Privileg ist, sich bei Anbruch eines Jahres um solche Themen Gedanken machen zu können. Das geht nur in Zeiten des Friedens, des Wohlstands und der Freiheit. Und nichts davon ist selbstverständlich.

 

 

Hasselblad X1D

 

Hasselblad X1D Bild: Hasselblad

Hasselblad X1D    Bild: Hasselblad

Mein Prognose zur neuen Hasselblad hat sich als richtig erwiesen. Wie gut die Kamera in der Praxis sein wird, vermag ich noch nicht ganz zu beurteilen, das hängt z.B. vom AF und der Sucherqualität ab, Hasselblad gehörte bislang nicht zu den Livebild-Königen. Allerdings kann ich jetzt schon sagen, dass Hasselblad ganz viel richtig gemacht hat. Die Gehäusegröße ist perfekt, die Bedienung ist auf den ersten Blick durchdachter als z.B. bei Sony (gut, das ist auch kein Kunststück, aber sie macht wirklich einen guten Eindruck). Der Zentralverschluss mit Blitzsynchronzeiten von bis zu 1/2000s bewahrt einen wichtigen Vorteil vieler Mittelformatkameras. Wichtig ist, dass der Adapter für die H-Objektive schnell verfügbar wird und das Hasselblad das Objektivprogramm erweitert, bislang gibt es erst ein 45er und ein 90er, von deren Brennweite man ungefähr ein Viertel abziehen muss, um auf vergleichbare Kleinbild-Brennweiten zu kommen. Das wird nicht die letzte spiegellose Mittelformatkamera bleiben.

Die wichtigste und erfreulichste Nachricht für mich: Hasselblad hat die Idioten rausgeworfen und der neue CEO arbeitet in die richtige Richtung.

http://www.hasselblad.com/de/x1d