Royal Photographic Society online

Die Royal Photographic Society gibt die älteste noch existierende Fotozeitschrift der Welt heraus. Die Jahrgänge 1853-2018 sind nun online frei lesbar. Die älteren Jahrgänge sind nur spärlich illustriert, für diese muss man des Englischen mächtig sein, die neueren sind auch visuell schon so interessant, dass sich ein Besuch lohnt, auch falls Sie nicht so gerne englische Texte lesen.

https://archive.rps.org/archive

Fuji GFX100S and the one never seen

Fujifilm stellt morgen seine neue 100-MP-Mittelformatkamera vor. Sie ähnelt der GFX100 in vielem, ist aber deutlich günstiger und kleiner. Der IS und der bessere AF machen Sie auch für GF-Anwender interessant, die mit den 50MP der beiden kleineren Mittelformatkameras auskommen würden. Der Sensor darin ist von 2014 und es gibt keinen Nachfolger mit Phasen-AF, so dass Aufsteiger in den 100MP-Apfel beißen müssen. Ob süß oder sauer soll jeder selbst entscheiden, aber da auch das Vollformat in diesem Jahr mehr Megapixel erhalten wird, ist der 100MP-Sensor meines Erachtens eine gute Entscheidung. Fujifilm hatte da auch nicht so viel Auswahl, so dass sie nicht wirklich entscheiden mussten.

Heute stellt Sony “the one never seen” vor, interessanterweise habe ich noch keine echten Leaks gesehen, obwohl der Livestream bereits um 16.00 losgeht. Es gibt Gerüchte, dass es sich um ein teures Flaggschiff, vielleicht die A1, handelt, das einen neuen Sensor mit sehr hoher ISO-Leistung besitzt. Ich werde den Beitrag aktualisieren, wenn es wirklich konkrete Informationen gibt. Es scheint ein größerer Schritt zu werden als die eher inkrementellen Updates, die Sony in letzter Zeit gezeigt hat, von der A7S III einmal abgesehen.

Zur Fuji GFX100S ist praktisch schon fast alles bekannt außer dem Lieferdatum, es kommt auch ein neues GF80mm f1,7, was bei Vollformat einem 63mm f1,3 entsprechen würde, eine sehr interessante Ergänzung zum hervorragenden GF110mm f2.
https://www.fujirumors.com/leaked-fujifilm-gfx100s-press-release-introduces-nostalgic-negative-film-simulation-and-more/

Die Informationen zur Sony Alpha 1 sind nun da:

  • 50 Megapixel bei 30FPS mit elektronischem Verschluss, 10FPS mit mechanischem Verschluss
  • Tieraugen-AF auch für Vögel
  • schnellere Auslesezeit des elektronischen Verschlusses erlaubt Blitzfotografie
  • bessere Flacker-Unterdrückung mit elektronischem Verschluss
  • Mechanischer Verschluss mit 1/400s Synchronzeit
  • 8K30 und 4K120 Video bis zu 30min lang
  • 9MP Sucher wie in der A7S III, aber mit 240fps Bildwiederholrate
  • 2x SD/CFexpress-Slot wie in der A7S III
  • Netzwerkanschluss über RF45
  • USB mit 10GBit
  • AF bis -4 LW
  • IBIS 5,5 Blendenstufen
  • Gleiche Batterien, ähnlicher Body
  • Menü wie A7S III, mit Touchscreen-Unterstützung

Die Kamera vereint Geschwindigkteit und Auflösung mit guten Video-Specs, am ehesten wäre Sie mit der EOS R5 zu vergleichen, übertrifft diese aber in einigen Bereichen noch. Beim Lowlight-AF oder IBIS liegt die Canon vorne, aber insgesamt ist die Leistung der A1 noch höher. Für Sony-Fotografen eine deutliche Erweiterung der Möglichkeiten, ich selbst finde die morgige Ankündigung von Fujifilm noch interessanter, aber ich komme auch aus der Großbildfotografie, als Universalkamera ist die A1 sicherlich spannender.

Allerdings gibt es einen Nachteil: “The Alpha 1 Full-frame Interchangeable-Lens Camera will be available in Europe in March 2021 for approximately €7,300 EUR.”

mehr unter https://www.sony.de/electronics/wechselobjektivkameras/ilce-1

Ein Blick in die Glaskugel für 2021

Traditionell nutze ich die Zeit um die Jahreswende, um meine Erwartungen für die nahe Zukunft hauptsächlich in Bezug auf den Fotomarkt aufzuschreiben. Wie gut oder schlecht das gelingt, können sie in den vergangenen Jahresvorschauen überprüfen.

Im nächsten Jahr wird es die erste richtige Profi-Spiegellose geben. Natürlich gibt es jetzt schon spiegellose Kameras, die von Profis gerne verwendet werden, oder die von der Leistung her traditionelle Profikameras in den Schatten stellen, wie z.B. die EOS R5, die 20 Bilder pro Sekunde bei 45MP schafft, ohne den geringsten Kompromiss beim AF einzugehen. Aber eine Kamera wie die Nikon D6 oder die EOS 1DX Mark III gab es bisher nicht als Spiegellose. Das wird 2021 anders werden, ich erwarte entsprechende Kameras von Canon, Nikon und vielleicht Sony, wobei ich bei Nikon nicht ganz sicher bin, ob sie wirklich nächstes Jahr fertig damit werden. “Sicher” bin ich bei den anderen beiden auch nicht, aber ich halte es für sehr wahrscheinlich.

Es kann gut sein, dass wir in dem Zusammenhang zum ersten Mal einen Global Shutter in einer normalen Fotokamera sehen werden. Das ist ein elektronischer Verschluss, der das gesamte Bild gleichzeitig aufnimmt, so dass beliebig kurze Blitzsynchronzeiten möglich werden und auch der Rolling-Shutter-Effekt nicht mehr auftritt. Trotzdem wird es weiterhin einen mechanischen Verschluss geben, weil er wahrscheinlich bei langen Zeiten noch Vorteile hat, den Sensor vor Verschmutzung schützt (wenn man es wie Canon richtig macht) und Reflexionen bei kurzen Belichtungszeiten verhindert.

Canon ist strategisch sehr gut aufgestellt und ich habe schon vorher geschrieben, dass ich fest davon ausgehe, dass sie Marktführer auch bei den Spiegellosen werden. Aber sie haben eine Bruchstelle im System, es gibt keinen Upgrade-Pfad von den EOS M zu den EOS R-Kameras. Ich vermute deswegen, dass bald auch eine EOS R im APS-C-Format herauskommen wird. So etwas ähnliches gibt es schon jetzt mit der Canon Cinema EOS C70, einer Filmkamera mit RF-Bajonett, aber einem kleineren Sensor. Das M-System ist zwar ein Erfolg, aber ich könnte mir vorstellen, dass das mittelfristig ausläuft und R auch den APC-Bereich übernimmt.

Stadtnahe Natur, mit dem Fahrrad erreichbar, eine zehntel Sekunde belichten mit dem IBIS der EOS R6, das war typisch für 2020.

Im Spiegelreflexbereich erwarte ich signifikante Neuerungen nur noch von Nikon, d.h. DSLRs, die auf den Profi zielen. Pentax wird sicher auch bei DSLR bleiben, aber wie lange das gut gehen wird, weiß ich nicht. Und ob Nikon den Entwicklungsaufwand nicht auch lieber in die Spiegellosen hätte stecken sollen, wird sich zeigen. Ohnehin ist Nikon durch die Verluste in der Halbleitersparte gerade etwas angeschlagen und das Marktumfeld wird auch in den nächsten Monaten nicht besser werden. Ich gehe aber insgesamt von einer Besserung der Lage bei Nikon aus, das Z-System macht auch objektivseitig inzwischen einen guten Eindruck. Nikon stellt 2021 die Kameraproduktion in Japan ein und wird auch die Profikameras in Zukunft in Thailand fertigen. Die Kamerasparte von Olympus ist bereits an Japan Industrial Partners verkauft worden, eine Investmentfirma, die sich um die Sanierung von Unternehmen kümmert. Was das für die Zukunft bedeutet, muss man abwarten, aber der harte Konkurrenzkampf zwischen den großen Kameraherstellern wird auf Dauer wahrscheinlich zum Aufgeben von einem oder mehreren der kleinen führen. Ich kann mir auch vorstellen, das mittelfristig ein chinesischer Hersteller hinzukommt. Einigermaßen einfach wird die nächste Zeit nur für Canon, Fuji und Sony.

Das größte Objektivfeuerwerk wird im nächsten Jahr Canon zünden, zudem werden die Fremdhersteller endlich AF-Objektive für das RF-Bajonett bringen. Samyang tut das schon jetzt. Wir werden auch verblüffende Objektive sehen, die es bisher so noch nicht gab. Ich denke, dass Objektive für Fotografen wichtiger werden werden, da im Kamerabereich eine durchgängig hohe Leistung erreicht wird, die für eine Systementscheidung nicht mehr ganz so bedeutend ist. Es werden auch mehr kleine und scharfe Objektive für das spiegellose Vollformat erscheinen, die zusammen mit günstigen Kameras den Trend zum Vollformat noch weiter verstärken werden. APS-C wird es weiter gut gehen, aber bei Micro Four Thirds bin ich mir da nicht langfristig sicher.

Kleine Trends, die ich gerade beobachte, sind, dass in meinem professionellen Umfeld Lightroom immer mehr an Bedeutung verliert und immer mehr meiner Profikollegen hauptsächlich Capture One verwenden und dass immer mehr mit Mittelformat arbeiten. Das liegt sicher an sinkenden Preisen und höherer Praxistauglichkeit, aber auch am anderen Arbeiten und der besseren Bildqualität.

Ein weiterer Trend, den Sie auch 2020 schon beobachten können, sind leistungsfähige ARM-Prozessoren, die durch ihren geringen Stromverbrauch auch schon in Servern oder Macs Verwendung finden. Die neuen M1-Prozessoren, auf die Apple nach und nach sein gesamtes Computerangebot umstellen will, basieren auf ARM. Microsoft fängt auch an, eigene ARM-Architektur zu entwickeln. Die Prozessoren in den Kameras wie BIONZ (Sony) oder DIGIC (Canon) basieren meist auch auf ARM-Architektur. Auch im X86-Bereich verschiebt sich der Markt, AMD ist inzwischen effizienter als Intel, die immer noch Probleme haben, ihre Chip-Produktion auf kleinere Strukturbreiten umzustellen, die höhere Leistung bei geringerem Stromverbrauch ermöglichen. Während AMD schon seit einem Jahr auf 7nm fertigt, ist man bei Intel wohl nicht einmal sicher, ob man das bis 2022 hinbekommt. Vielleicht ist das auch einfach schlechtes Karma, Intel hat AMD früher sehr unfair aus dem Markt zu drängen versucht. Ein weiterer Trend ist die Zunahme der Wichtigkeit von Grafikkarten bei Berechnungen. Nicht nur Adobe oder Capture One verwenden die GPUs immer mehr, um die Bildbearbeitung zu beschleunigen, sondern auch Anwendungen aus der KI benutzen hautsächlich GPU-Rechenpower, wenn Sie Videos mit anderen Gesichtern fälschen möchten, dann läuft das über eine Nvidia-Grafikkarte.
Die Leistungsfähigkeit der Prozessoren ermöglicht heute Kameras, die über eine Milliarde Pixel pro Sekunde verarbeiten können, wie es die EOS R5 im 8K DCI mit 30 fps macht, bei 20 Raws mit 45MP sind es auch schon 900 Mio. Pixel/s. Da diese Technik jetzt möglich ist, wird Sony wohl 2021 eine ähnlich leistungsfähige Kamera herausbringen. Bislang mussten sich Kamerahersteller immer entscheiden, ob sie hohe Auflösung oder hohe Geschwindigkeit umsetzen wollten, diese Zeiten sind ab jetzt vorbei. Vielleicht war die Sony A9 II auch deswegen so ein lahmes Update, weil klar war, dass bald eine deutlichere Technikumstellung folgen wird.

Ich habe 2020 so viele Firmware-Updates durchgeführt wie noch nie, auch das ist ein Trend, der vorerst so weiter gehen wird. Kameras, Objektive und Blitze enthalten immer mehr Software, die immer öfter aktualisiert werden muss, um die Kompatibilität mit neuen Geräten zu gewährleisten oder um alte Fehler loszuwerden. Ich kann damit leben, denn erstens sind die Geräte von Anfang an meist so gut, dass man professionell damit arbeiten kann und zweitens profitiert der Kunde, wenn die Geräte besser werden und durch Firmware-Anpassungen zukunftssicherer werden. Firmen, die das vernachlässigen, werde ich auf Dauer nicht mehr kaufen, über die Update-Politik von Yongnuo (bestimmte Blitze werden nicht mehr aktualisiert, obwohl praktisch baugleiche neue Firmware bekommen) und Nissin (nur beim Service) habe ich mich schon so geärgert, dass die Hersteller bei mir rausgeflogen sind.

Kein Foto, sondern eine schnelle Übung in einer 3D-Software.

Vielleicht nicht direkt Fotografie, aber doch extrem nah und in direkter Konkurrenz steht 3D-Visualisierung. Ich habe in diesem Jahr meine ersten Jobs als reines Rendering abgegeben, gerade wenn man Dinge visualisieren will, die es so noch nicht gibt oder die noch keiner sehen soll, ist das viel mächtiger als Photoshop. Und in manch anderen Bereichen die einfachere Lösung. Wenn Sie sich den kürzlich verstorbenen IKEA-Katalog oder die Webseite, die ihn beerbt, anschauen, werden Sie feststellen, dass fast alles berechnet wurde und kaum etwas fotografiert. Auto-Werbung ist auch nur noch teilweise fotografisch, selbst im Food-Bereich wird manchmal 3D verwendet.

Ich selbst habe darüber auch entdeckt, wie gut freie Software inzwischen geworden ist. Das liegt auch daran, dass dort bezahlte Programmierer arbeiten, die von Firmen oder Einzelpersonen, die die Software nutzen, gefördert werden. Trotzdem können Sie sie auch einfach legal und dauerhaft kostenlos verwenden, ohne ein schlechtes Gewissen dabei zu haben. Beispiele:
Office: https://de.libreoffice.org/
3D: https://www.blender.org/
Illustration: https://krita.org/en/

Nicht Open Source, aber in einer guten kostenfreien Version erhältlich, ist folgende Videosoftware: https://www.blackmagicdesign.com/de/products/davinciresolve/

Und bis zu einem recht ordentlichen Jahresumsatz ebenfalls kostenlos ist eine Software zur 3D-Echtzeitvisualisierung oder die Game-Entwicklung: https://www.unrealengine.com/en-US/

Wir bewegen uns langsam aber stetig auf den 200. Geburtstag der Fotografie zu. 1826 nahm Nicéphore Niépce das erste beständige Bild auf. Diese Beständigkeit ist aber auch endlich. Wir haben es mit in der Hand, wieviel aus der Frühzeit der Fotografie überlebt, einer Zeit, in der sehr viel weniger Bilder aufgenommen wurden und die die erste überhaupt war, die fotografisch dokumentiert wurde.

Eine Glasplatte, deren Emulsion sich auflöst. Wahrscheinlich Paris, Anfang des 20. Jahrhunderts.

Wenn Sie noch alte Schätze haben, dann digitalisieren Sie sie und stellen Sie sie am besten auch online, so dass sie für die Nachwelt verfügbar sein werden. Das muss auch nicht auf die ersten Jahrzehnte der Fotografie beschränkt bleiben, die gesamte Zeit vor Internet und Digitalfotografie ist schlecht repräsentiert. Ein Trend, den ich für verzichtbar bis ärgerlich halte, ist die nachträgliche Kolorierung, Hochskalierung von Fotos oder das Umrechnen auf 60fps von altem Filmen. Für nachfolgende Generationen ist die Originalinformation viel wichtiger als irgendwelche KI-Spielereien, die Artefakte hinzufügen oder den Eindruck verfälschen.

Paris, nach 1889, denn das Plakat im Vordergrund wirbt für den Eiffelturm. Ein Klick aufs Bild zeigt die volle Auflösung.

Im Bereich Social Media und Internet wird es 2021 richtig knallen. Google und Facebook (Whatsapp und Instagram gehören zum Konzern) werden mit Ihren Geschäftspraktiken so sehr anecken, dass auch eine Zerschlagung der Konzerne möglich wird, auch wenn die Prozesse bis dahin vielleicht etwas länger dauern. Aber ab jetzt wird es Ernst für die beiden. Vielleicht sollte auch jeder einzelne schon darauf achten, sich weniger abhängig von nur ein paar Konzernen zu machen, Alternativen zu suchen und zu nutzen und auch die eigene kreative Produktion nicht nur in die immer gleichen Social-Media-Kanäle zu füllen. Leider ist das Internet seinem schnellen Wachstum in manchen Ebenen nicht hinterhergekommen, das Risiko, dass ernsthafte Störungen oder Krisen dadurch hervorgerufen werden, steigt kontinuierlich weiter. Künftig wird noch mehr am Internet hängen (z.B. Autos), es ist sehr wichtig, dass die Infrastruktur dafür stabil und sicher genug ist. Wenn Sie bei manchen Dingen hinter die Fassade gucken, wie zum Beispiel vielen IOT-Produkten (Internet of Things, auch Smart Home), dann wird Ihnen schlecht.

Die Digitalisierung beeinflusst den Fotomarkt immer mehr. Künstliche Intelligenz kommt zunehmend zum Einsatz und ist auch im Videobereich schon ein fast normales Produktionswerkzeug geworden. Bildbearbeitungssoftware setzt immer mehr darauf, nicht immer zum Vorteil der Ergebnisse, aber oft doch. Der Trend wird zu noch mehr überwürzten Landschaftsaufnahmen und süßlichen Porträts führen, aber auch zu spannenden neuen Bildern. Ob KI zu Kitsch führt, ist ein Luxusproblem, auf lange Sicht werden wir mit ganz anderen Fragen konfrontiert werden. Als ich zwischen sechzehn und einundzwanzig war und mich sehr für Kognitionswissenschaften interessiert habe, hätte ich bestimmte Dinge, die wir heute schon nutzen, für in meiner Lebenszeit nicht erreichbar gehalten. Viele Entwicklungen werden noch Zeit benötigen, aber da sie oft exponentiell verlaufen, werden sie schneller vonstatten gehen und größer werden, als wir es uns vorstellen können. Was machen wir, wenn die Maschinen uns weit überlegen sein werden und ihre Weiterentwicklung von ihnen selbst weitergetrieben wird? Wie viele Menschen werden noch ansatzweise erfassen können, was technisch gerade passiert? Abgesehen davon, dass das auch jetzt schon gilt. Ich befürchte, dass die Abkehr von Fakten und Wissenschaft, die wir bei Vielen beobachten können, auch damit zusammenhängt, dass sie bereits überfordert sind und lieber nach ganz einfachen oder monokausalen Zusammenhängen suchen, als nach verständlichen Zusammenfassungen von Menschen, die sich auskennen. Der andere Teil kommt daher, dass man dank Social Media zu jedem Unsinn genug Menschen findet, die einen gerne darin bestätigen.

Der größte “Trend” für 2021 wird leider Covid-19 bleiben. Wir haben großes Glück, dass die Entwicklung der ersten Impfstoffe inkl. der Phase-III-Tests schon abgeschlossen ist, aber für die meisten wird das trotzdem noch recht lange dauern, bis sie die zweite Impfung erhalten haben und bald darauf etwas freier planen können. Es mag sein, dass sich das durch weitere Impfstoffkandidaten verkürzt oder durch Virus-Mutationen verlängert. Ich gehe bislang jedenfalls davon aus, auch den nächsten Sommer genau wie in diesem nicht zu verreisen, sehr viel lokaler zu fotografieren und meine Kontakte auch noch ein ca. Dreivierteljahr sehr stark einzuschränken. Wie in der Oper passiert in der zweiten Halbzeit meist mehr, wenn Sie sich frühzeitig darauf einrichten, können Sie die Zeit, bis sich die Lage entspannt, besser nutzen und verringern die Chance, das es für Sie oder Ihre Nächsten oder Fremde übel ausgeht. Ich meine damit nicht Angst, aber Respekt und einen vernünftigen Umgang mit dem Thema. Und eine Einstellung, die die Zeit nicht einfach als Abwarten begreift, sondern als eine, die Sie sinnvoll füllen können und in er Sie sich mit weniger Ablenkung als sonst entwickeln können. Ich weiß, dass das nicht für alle gilt, das die Lage für viele existenzbedrohend ist oder wirkt oder dass sie so viel für Eltern und Kinder erledigen müssen, dass sehr viel weniger Freizeit bleibt und der psychische Druck zunimmt. Die Maßnahmen abzukürzen und aus wirtschaftlichen Gründen wieder eine “Normalität” einzuführen, ist aber auch keine gute Idee.

“Es gibt viel zu tun, packen wir’s an” war mal ein Werbespruch von Esso…

Durch eine weltweite Pandemie werden andere Themen nicht weniger wichtig. Gerade beim Artensterben und beim Klimawandel bleibt uns nur wenig Zeit für durchgreifende Lösungen. Viele große Unternehmen haben schon Selbstverpflichtungen abgegeben, ab wann sie CO2-neutral arbeiten wollen. Auch wenn nicht jede Rechnung dahinter stichhaltig ist, ist der Trend klar. Aber wir sollten das nicht nur von Politik oder Wirtschaft erwarten, sondern uns selbst fragen, ab wann wir so weit sind. Unter https://uba.co2-rechner.de/de_DE/ können Sie überprüfen, wo Sie momentan stehen. Ich setze im Haushalt auf 100% Ökostrom und Ökogas, fahre weniger und langsamer, das nächste Auto wird batterieelektrisch, und wann ich das nächste Mal eine Flugreise machen werde, weiß ich nicht. Airbus plant, 2035 ein erstes emissionsfreies Verkehrsflugzeug auf den Markt zu bringen. Die Energiewende wird auch bei den Fotografen ein wichtiger Trend sein, ich kenne Kolleginnen, die bereits mit einem elektrischen Lastenfahrrad zum Kunden fahren, vielleicht werden Sie, wenn Sie für bestimmte Kunden tätig werden wollen, bald nachweisen müssen, dass auch Sie C02-neutral arbeiten.

Ich wünsche Ihnen frohe Weihnachten und einen besinnlichen Lockdown, passen Sie auf sich und andere auf, bei der nächsten Jahresvorschau sieht die Welt schon ganz anders aus. Wie, liegt auch an uns.

CP+ abgesagt

Nach der Mobilfunkmesse in Barcelona wurde gestern auch die CP+ in Yokohama abgesagt. Ich vermute, dass sich gerade mancher in Köln ärgert, die Photokina auf Mai vorverlegt zu haben und hoffe (natürlich nicht nur wegen der Messe), dass sich die Situation um den Coronavirus bald beruhigt. UPDATE (29.2.2020): Die Situation um SARS-CoV-2 wird sich leider nicht beruhigen, wie inzwischen abzusehen ist. Aber auch eine Verlangsamung der Epidemie wird vielen Menschen das Leben retten können, passen Sie gut auf sich (und andere) auf!

Canon EOS R5 angekündigt

Canon hat gerade eine Kamera angekündigt, die ich für den größten Schritt seit der EOS 5D Mark II halte. Die 5D2 hatte eine fast doppelte Auflösung im Verhältnis zum Vorgänger und gleichzeitig 3 Stufen höhere ISO-Werte, zudem war sie die erste DSLR, mit der man vernünftig Video aufnehmen konnte.

Canon EOS R5 Bild: Canon

Die EOS R5 schafft 12 Bilder pro Sekunde mit dem mechanischen Verschluss und 20 Bilder pro Sekunden mit dem elektronischen. Sie hat einen Bildstabilisator eingebaut, der 5 Blendenstufen längere Belichtungszeiten ermöglicht, wenn im Objektiv auch einer sitzt sogar bis zu 8. Sie kann 8K-Video aufzeichnen, als erste Consumerkamera überhaupt. Zur Auflösung schreibt Canon noch nichts, die 45 MP aus den Gerüchten stimmen aber wohl, je nach 8K-Auflösung braucht man gut 39 bzw. 44 MP, wenn der Sensor für Fotoaufnahmen ein 2:3-Format beibehält.

Zwei Kartenslots sind ebenfalls mit an Bord. Gleichzeitig wurden ein RF100-500mm F4.5-7.1 L IS USM und 1,4x- und 2-Extender angekündigt. Das günstige RF 24-105mm F4-7.1 IS STM kommt ab Ende April. Zum Preis schreibt Canon auch noch nichts, ich gehe davon aus, dass die Kamera im Bereich der EOS 5D Mark IV positioniert wird und im Sommer erhältlich sein wird.

Update: Ich las gerade in einem Forum von jemandem, der sich auf die Extender in Bezug auf das RF70-200mm f2,8 L IS USM freute. Das wird nicht funktionieren, da die Schnittweite des Objektivs zu kurz ist für den vorstehenden Teil der Extender. Das 70-200 ist ein hervorragendes Objektiv, aber anders als bei EF eben keine Universallösung bis 400mm. Vielleicht bauen irgendwann Fremdanbieter wie Sigma Konverter, die passen werden.

https://www.canon.de/press-centre/press-releases/2020/02/canon-announces-8k-video-capable-eos-r5/

https://global.canon/en/news/2020/20200213.html

Neues aus der Fotobranche (CES)

In Las Vegas findet gerade wieder die CES (Consumer Electronics Show) statt. Eine Gelegenheit auch für Fotohersteller, Neuigkeiten zu präsentieren, wenngleich die CP+ Ende Februar in diesem Zusammenhang noch wichtiger ist.

Canon hat die 1D X Mark III vorgestellt, das Topmodell der Marke. Sie ist noch schneller geworden, die Bildqualität und Iso-Leistung sind verbessert worden und der AF ist ebenfalls leistungsfähiger. Ein Teil der wichtigen Neuerungen verbirgt sich im Livebild, die Kamera profitiert also von den Entwicklungen im Spiegellosen Bereich. Im Video unterstützt sie nun RAW-Aufzeichnung in 5,5K Auflösung bei 60fps, und zwar intern dank 2 x CFexpress-Speicherkarten. Sie hat beleuchtete Buttons und ist fast 100g leichter geworden. Das ist alles recht perfekt und wenn Sie die nur 20MP Auflösung oder die 7.299,00€ Verkaufspreis nicht schrecken, erhalten Sie die Kamera schon ab Mitte Februar im Handel.

https://www.canon.de/cameras/eos-1d-x-mark-iii/

Nikon hat ebenfalls eine neue Kamera vorgestellt, die D780, den Nachfolger der D750, Verbesserungen kommen auch hier hauptsächlich aus der Spiegellosen-Welt, wenn Sie den Spiegel hochklappen, arbeiten Sie quasi mit einer Z6. Für die Z-Serie gibt es nun auch ein 70-200mm f2,8, ein 24-70mm gibt es bereits, fehlt also nur noch ein lichtstarkes Weitwinkelzoom zur “Holy Trinity” der Objektive, Canon hat die bereits fertig. Ebenso hat Nikon ein Profizoom für die DSLRs herausgebracht, ein 120-300mm f2,8 ( https://www.nikon.de/de_DE/product/nikkor-lenses/auto-focus-lenses/fx/af-s-nikkor-120-300mm-f-2-8e-fl-ed-sr-vr ), allerdings ist das mit 11 Kiloeuro nur für Wenige etwas. Canon hingegen hat gesagt, dass erstmal gar keine EF-Objektive kommen werden, es sei denn, der Markt würde danach verlangen. Der Fokus liegt bei Canon momentan ganz klar auf RF.

Und Sony? Sony hat auch etwas Neues gezeigt: ein Auto.
https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/sony-ces-2020-elektroauto-1.4746781
Ich schrieb ja schon, dass der Fotomarkt nicht mehr der wichtigste Kameramarkt ist, Überwachung und Automotive sind deutlich größer. Sony wird aber wahrscheinlich auf der CP+ nicht noch ein Auto vorstellen, dann sind die Kameras dran, der Nachfolger der A7s wäre an der Zeit.

AMD hat neue Notebookprozessoren und einen Highend-Prozessor mit 64 Kernen (Threadripper 3990X) vorgestellt. Die Zeiten, in denen Intel sind fast automatisch anbot, wenn man einen neuen Rechner anschaffen wollte, sind (wieder) vorbei, zumal AMD schon seit Sommer im 7nm-Prozess liefert, was auch der Energieeffizienz zu gute kommt. Das es ernst wird, hat Intel schon im Herbst gezeigt, als sie ihre Prozessorpreise halbiert haben. Für den Kunden gut, Auswahl statt Monopol senkt die Preise und verbessert die Qualität.

EOS R – Neue Firmware 1.6

Unter https://www.canon.de/support/consumer_products/products/cameras/digital_slr/eos-r.html?type=firmware

finden Sie die neue Firmware für die EOS R, Sie enthält ein paar Fehlerbehebungen, unter anderem zur Blitzsteuerung und die Unterstützung für das Canon RF 85mm F1.2L USM DS.
Wessen Kamera noch auf V1.3 oder früher steht, der sollte unbedingt updaten, da seit V1.4 der Autofokus signifikant besser geworden ist.

Neues von Canon, Leica, Nikon

Canon hat eine Entwicklungsankündigung zur EOS 1DX Mark III herausgegeben. Die Kamera wird 20 Bilder pro Sekunde nicht nur mit dem leisen elektronischen Verschluss schaffen, sondern auch mit dem mechanischen (zum Vergleich, Sony A9 5 fps Sony A9 II 10 fps mechanisch) . Sie wird auch 4K Video in 60fps entweder in 10 Bit oder als Raw-Video aufzeichnen können. Noch ist unklar, ob Canon oder Nikon die Krone bei den Sportkameras holen werden, Sony ist jedenfalls raus mit seinem “Facelift” bei der A9, von der Gehäusequalität mal ganz abgesehen. Ich befürchte, dass auch die 1DX Mark III im Livebild-Modus besser sein wird als mit dem optischen Sucher, auch wenn bald die besten DSLRs aller Zeiten auf den Markt kommen, ihre Zeit geht vorbei.

Ich schreibe selten über Leica, weil ich vermute, dass die meisten meiner Leser das ohnehin nicht leisten wollen. Nun hat Leica aber den Nachfolger der SL vorgestellt, die SL2. Die kostet zwar auch knappe 6000€, legt aber die dezente Zurückhaltung bei den Leistungsdaten ab, die Leica sonst manchmal auszeichnet:

  • 47,3 MP
  • 10 Bilder pro Sekunde, 20 Bilder/s mit elektronischem Verschluss und ohne AF
  • 5K Video (4992 x 3744 Pixel)
  • 4K Video 60fps
  • 5,7MP Sucher
  • guter Dynamikumfang
  • elektronischer Verschluss bis 1/40000s
  • Multishot 187 MP
  • spritzwassergeschütztes Magnesiumgehäuse
  • und, wie bei Leica üblich: schöne Kamera

Die Kamera lässt sich auch per App steuern. Der AF wird etwa auf dem Niveau der Panasonic liegen und damit nicht in der absoluten Spitzengruppe angekommen sein. Für einen Großteil der Arbeit wird er vollkommen ausreichen und die Leica M hat überhaupt keinen AF. Die M-Objektive und auch andere manuelle Objektive lassen sich über Adapter anschließen, Objektive für L-Mount mit AF gibt es inzwischen auch von Panasonic und Sigma, so dass Sie nicht mehr auf einer teuren Systeminsel gefangen sind.

https://de.leica-camera.com/Fotografie/Leica-SL/Leica-SL2

Ich mag auch die M und freue mich, dass es solche Kameras zu kaufen gibt, aber professionell alle meine fotografischen Belange mit einer Messucherkamera ohne AF abzudecken, könnte ich mir nie vorstellen. Die SL2 leistet sich keine Schwäche, sie ist auf der Höhe der Zeit und in manchen Belangen momentan an der Spitze, 5K Video und einen hochauflösenden Sensor finden Sie sonst noch nicht auf dem Markt.

Nikon hat bekanntgegeben, dass sie deutlich überrascht wurden vom Erfolg des NIKKOR Z 58 mm 1:0,95 S Noct und dass es wohl einige Zeit dauern wird, die Bestellungen abzuarbeiten. Mich wundert das nicht wirklich, denn auch wenn das ein teurer Exot ist, so etwas hat es bislang auf dem Markt noch nicht gegeben, die anderen Objektive dieser Lichtstärke erreichen nicht die gleiche optische Leistung. Die Z50 ist nun lieferbar, APS-C und Vollformat haben bei Nikons Spiegellosen nun das gleiche Bajonett.

Der Fotomarkt ist, wenn man Smartphones nicht mitrechnet, in den letzten 9 Jahren von 100 Mio. auf knapp 20 Mio. Kameras geschrumpft. Dieser Rückgang betrifft die hochwertigen Kameras am wenigsten, aber trotzdem sind die Zahlen dramatisch. Die Zaheln für Wechselobjektive würden mich interessieren, ich vermute, dass es hier dem hochwertigen Markt recht gut geht, aber insgesamt sind das keine einfachen Zeiten für die Fotoindustrie.

Zum Schluss noch ein Hinweis in eigener Sache: Die vierte Auflage der großen Fotoschule ist herausgekommen:

Seit der letzten ist einiges passiert, die Spiegellosen haben die DSLRs überholt, ich habe ein Buch über Objektive geschrieben, Mittelformatkameras sind bezahlbar geworden, neue Bajonettsysteme sind auf den Markt gekommen etc. Manchmal denkt man, die Entwicklung verläuft gar nicht so schnell, aber wenn ich alle drei Jahre das Buch auf den aktuellen Stand bringe, merke ich doch, wie viel ich ändern muss. Wir haben uns wahrscheinlich an die Geschwindigkeit gewöhnt, selbst das erste richtige Smartphone, das iPhone 1 wurde erst übermorgen vor 12 Jahren in Europa vorgestellt.

EOS RP Firmware 1.4

https://www.canon-europe.com/support/consumer_products/products/cameras/digital_slr/eos-rp.html?type=firmware

Für die EOS RP ist eine neue Firmware erschienen. Canon hat auf seine Video-Nutzer gehört und 24 FPS nachgerüstet (Kinostandard). Zudem wird das RF85mm F1.2 L USM DS nun von der Kamera unterstützt. Für die meisten RP-Nutzer sind diese Änderungen nicht so wichtig, wer aber noch eine Firmware unterhalb von 1.3 auf der Kamera hat, sollte in jedem Fall updaten, da der AF deutlich verbessert wurde.
Ich war heute morgen mit meiner EOS R in der Natur. Auch wenn ich seit Anfang an gut mit ihr arbeiten konnte, mit der neuen Firmware ist das noch mal eine andere Welt und die Canon kann nun mit den besten Kameras des Marktes mithalten (bei der R ist ebenfalls Firmware 1.4 aktuell, das ist auch die, die die AF-Verbesserung gebracht hat).

3 kleine Beobachtungen zum Fotomarkt

Canon hat die 90D und die M6 Mark II als spiegelloses Schwestermodell auf den Markt gebracht. Praktisch jeder Rezensent schreibt, dass die 90D im Livebild-Modus besser arbeite als mit dem optischen Sucher. Das war etwas, was ich zum Teil schon bei der 5D Mark IV feststellen konnte. Wenn ich mit dieser Porträts in Bewegung mit hochlichtstarken Objektiven aufnehmen wollte, dann erbrachte der Livebildmodus bessere Ergebnisse. DSLR ist nicht tot, aber es geht in die Endrunde, ich denke nicht, dass die Canon EOS 1D X Mark III und die Nikon D6, die im nächsten Jahr erscheinen, noch Nachfolger bekommen werden. Dafür werden spiegellose Sportkameras kommen.

Sony hat mit der α9 II einen Nachfolger zur α9 vorgestellt, der dieser in den technischen Daten fast gleicht. Das Update würde man Autos als Facelift bezeichnen und nicht als neues Modell. Die Kamera hat ein besseres Gehäuse, eine Netzwerk-Buchse und einen mechanischen Verschluss bekommen, der nun auch 10 Bilder pro Sekunde schafft statt 5. Der elektronische Verschluss bleibt weiter bei 20 fps, der Sensor ist der gleiche. Nicht einmal der Sucher wurde verbessert, wahrscheinlich ist der hervorragende Sucher der A7R IV nicht schnell genug oder Sony wollte bei diesem Release Geld und Entwicklungszeit sparen. Sony hat jedenfalls deutlich Dampf aus der Entwicklung genommen, auch die α6400 ist kaum berichtenswert gewesen.

Canon hat, wie ich schon schrieb, neue Firmwares für die EOS R und RP herausgebracht, die die Kameras wirklich enorm verbessern in Bezug auf den AF. Ich habe inzwischen den ersten Job mit der neuen Firmware fotografiert und möchte meine Empfehlung zum Update noch einmal deutlich wiederholen. Version 1.4 für die R und 1.3 für die RP sollten Sie möglichst bald aufspielen, falls Sie das noch nicht haben.

Zusammengefasst bleiben für mich drei Beobachtungen: DSLR geht dem Ende zu, Spiegellose sind, zumindest bei Sony, die ja schon länger dabei sind, inzwischen (vorerst) auch bei nur inkrementellen Updates angekommen und Software ist so wichtig geworden, dass Sie eine Kamera signifikant verändern kann und ihre Entwicklung der Hardware noch eine Weile hinterherläuft. Selbst Sony sagt, dass der neue Prozessor der α9 II mehr Raum für künftige Firmwares schafft. Diese Entwicklung ist nicht nur auf Kameras beschränkt, auch VW hat angekündigt, dass der nächste Golf zunächst nicht mit der vollen Software ausgeliefert werden wird.

Sony A7R III vorgestellt

Sony hat den Nachfolger der A7R II mit viel Marketing-Wirbel vorgestellt, es ist eher ein evolutionäres Update, aber offensichtlich habe Sie dabei den Fotografen zugehört, denn es sind wirklich etliche Dinge verbessert worden, die an der A7R II genervt haben.

Die Kamera ist nun doppelt so schnell (AF und Bildwiederholrate), hat zwei Kartenslots, von denen leider nur einer UHS II kann. Der Sucher ist deutlich besser geworden, der Bildschirm kann rudimentär mit Berührungen gesteuert werden, was aber z.B. das gesamte Menü ausnimmt, mit dem, was Sie von anderen Kameras gewohnt sein mögen, hat das also nicht so viel zu tun. Immerhin lässt sich der Fokuspunkt setzen. Ebenso hilft ein Joystick jetzt bei der AF-Feldwahl. Ich hoffe, dass sich auch die Haltbarkeit der Bildschirmbeschichtung verbessert hat, eine Schwachstelle aller A7 von Anfang an.

Etwas aufgeräumter als der Vorgänger, mit Touchscreen und Joystick. Bild: Sony

Die Babyakkus gehören der Vergangenheit an, es werden nur die selben Akkus wie in der 9D verwendet, die 2,2 mal länger halten. Auch der Batteriegriff der A9 passt. Ihre Apps von der A7-Reihe werden Sie auch nicht weiterverwenden können, weil Sony jetzt auf das das Betriebssystem der A9 setzt. Leider scheinen ein paar Nachteile weiterzubestehen, so ist es immer noch nicht möglich, die Kamera uneingeschränkt zu bedienen, während auf die Speicherkarte geschrieben wird. Das unübersichtliche Menü ist nicht mehr ganz so schlimm, weil die Kamera nun ein MyMenu hat, in dem Sie die wichtigsten Punkte versammeln können. Zudem gibt es endlich eine Bewertungsfunktion, mit der Sie Bilder bereits nach der Aufnahme markieren können.

Die A7R III verwendet den gleichen Sensor wie die A7RII, es bleibt bei 42,4MP, allerdings steigt der Dynamikumfang und die ISO-Leistung um ca. eine Blende. Es sieht so aus, als würde die EOS 5Ds R noch eine Weile die hochauflösendste Vollformatkamera bleiben, denn auch Nikon hat bei der D850 auf 45MP gesetzt. Wahrscheinlich wird es Canon sein, die mit der 5Ds II die Auflösungsgrenze weiter erhöhen.

Der Bildstabilisator soll nun 5,5 Blendenstufen statt 4,5 schaffen, die Ergonomie wurde ein wenig verbessert, Video unterstützt sLog und HDR, aber immer noch maximal 30 FPS bei 4K. Autofokus funktioniert auch bei vergrößerter Sucheransicht noch.

Neu ist auch ein Multishot-Modus, wie Sie ihn vielleicht von Hasselblad, Olympus oder Pentax schon kennen. Es scheint allerdings so, dass es auch in diesem Modus bei 42,4MP bleibt, dafür aber ohne die Schwächen des Bayer-Musters. Für absolut unbewegte Motive lässt sich so ein Bildqualitätsgewinn erzielen.

Das klingt vielleicht insgesamt nicht überwältigend und nüchterner als auf den ganzen Seiten, die die Fanboys bedienen möchten. Wer Landschaften fotografiert, kann mit der A7R II weiterarbeiten, auch mit der A7R. Wer aber eine Kamera möchte, die universell zu verwenden ist, die zwei Kartenslots für die Sicherheit beim Job bietet, einen AF hat, mit dem man aller Voraussicht nach wirklich gut arbeiten kann und die im Sucher eine viel bessere Rückmeldung bietet, für den wird sich ein Wechsel lohnen. Zumal mit 10 FPS auch Actiontauglichkeit gegeben ist, ohne Abstriche bei der Bildqualität in Kauf zu nehmen. Wer die Auflösung nicht braucht, der wird wahrscheinlich mit der A7 III bald eine günstigere Alternative erhalten. Der Anfangspreis ist übrigens gleich geblieben, 3499€. Wenn man die Patentanmeldungen verfolgt, scheint es, dass auch Nikon und Canon 2018 professionelle Spiegellose vorstellen werden, der Fotomarkt bleibt spannend, auch wenn man mit dem derzeitigen Stand der Technik als Fotograf schon mehr als gut arbeiten kann.
Die A7R III ist nach der A9 Sonys zweite wirkliche Profikamera geworden, insgesamt gehen sie aggressiv in den Markt. Ich hoffe sehr, dass wir immer mindestens drei große Kamerahersteller haben werden plus ein paar kleine, die sich trauen, Dinge anders zu machen.

C-Log für die EOS 5D Mark IV

Besitzer einer EOS 5D Mark IV können ihre Kamera auf C-Log aufrüsten lassen. Das geht nur über den Service und wird kostenpflichtig sein (in den USA 99$, ich habe noch keinen Preis für Deutschland. Neue Kameras werden das ab Juli vorinstalliert haben. C-Log ist für professionelle Filmer interessant, die eine möglichst weiche Gradation aufzeichnen wollen, um später mehr Spielraum bei Grading zu haben. Canon spricht von 12 Blenden Dynamikumfang. Für Filmer, die ihre Aufnahmen möglichst unverändert nutzen möchten, ist das völlig uninteressant, weil die Ergebnisse ohne Nachbearbeitung sehr fade und matschig aussehen. Im Buch werden auch kostenfreie Alternativen beschrieben.

Von einem Firmwareupdate, das den 4K-Crop beseitigt und einen besseren Codec als MJPEG bietet, habe ich leider noch nichts Konkretes gehört.

 

Mehr Informationen:

http://www.canon.de/press-centre/press-releases/2017/04/extend-dynamic-range-and-simplify/

Sony A9 (ILCE-9) vorgestellt

Sony hat einen Vorstoß ins Profisegment gewagt und heute die A9 vorgestellt, sie soll Kameras wie der Nikon D5 oder der Canon 1DX Mark II Konkurrenz machen. Die Specs sind in der Tat ordentlich:

  • 20 Bilder pro Sekunde ohne Sucherblackout
  • 24,3 MP
  • Silent Shutter bis 1/32000s
  • 4K Video 30fps
  • Touchscreen
  • 93% AF-Abdeckung
  • 693 Phasen-AF-Messpunkte
  • 2 SD Kartenslots (einer UHS II)
  • 241 Raws Burstrate
  • Doppelt so große Akkus, besserer Sucher, bessere Bedienung (Joystick, Touch)
  • Preis 5300€

Man wird erste Tests zum AF und zur Zuverlässigkeit abwarten müssen, aber grundsätzlich hat Sony den Markt um ein sehr interessantes Angebot bereichert.

Mich selbst reizt die Kamera aus verschiedenen Gründen nicht. Erstens ist der Body nur um den Griff herum ein bisschen Größer als die A7 RII und wie unergonomisch diese ist, weiß ich aus eigener Erfahrung. Zum zweiten wurde die Kamera nicht wetterabgedichtet, Sony schreibt “Vollständige Resistenz gegen Staub und Spritzwasser nicht gewährleistet”. Das ist ein bisschen schwach, schließlich kostet die Kamera 5300€ und man möchte nicht immer eine zweite mitnehmen, weil man sich auf die erste nicht verlassen kann. Gerade bei einer Kamera, die für Sport- Presse- und Naturfotografen gedacht ist, ist das ein Designfehler. Für diesen Bereich fehlen auch die Objektive, es gibt nur lichtschwache Zooms bei den langen Brennweiten, alles andere geht nur per Adapter und da wird die Serienbildgeschwindigkeit nicht mehr voll erreicht. Die Serienbildgeschwindigkeit fällt ohnehin auf mickrige 5 FPS, wenn der mechanische Verschluss benutzt werden muss, was bei der A7 RII zum Beispiel bei Kunstlicht der Fall ist, weil das Bild sonst leicht streifig oder farbverfälscht werden kann. Ob das bei der A9 auch so ist, bleibt abzuwarten. Die Kamera ist sicher ein Schritt in die richtige Richtung, aber eine ernsthafte Konkurrenz zur EOS 1DX Mark II oder Nikon D5 vermag ich darin nicht zu erkennen. Die A9 ist nur der erste Versuch, aber Sony lernt recht schnell und ich bin gespannt auf die A9 II. Mein Tipp an Sony wäre allerdings, endlich diese Spielzeuggehäuse aufzugeben, die Konkurrenz ist nicht deswegen größer, weil sie es nicht besser kann, sondern weil die Kameras sich besser bedienen lassen, robuster sind, Platz für größere Akkus und schneller Verschlussmechanik haben. Vielleicht wäre dann auch 4K in 60FPS drin, weil ein größeres Gehäuse natürlich auch bessere Kühlung bietet, die 1DX Mark II unterstützt das schon lange.

Mehr Informationen:
http://presscentre.sony.de/pressreleases/die-neue-alpha-9-kamera-von-sony-revolutioniert-die-professionelle-fotografie-1924006

Technische Daten:

https://www.sony.de/electronics/wechselobjektivkameras/ilce-9/specifications

Die Sony A9 (Bild:Sony)

Pentax K1 – endlich Vollformat

Pentax hat es endlich getan, nach 15 Jahren Vorankündigung: Die Vollformat ist da. Und sie ist gut geworden, wenn ich Pentax-Nutzer wäre, wäre ich in ernsthafter Versuchung, gleich zu bestellen. Eine solide 36MP-Kamera, gut wetterabgedichtet, Wifi, GPS, Bildsabilisator, Klappmonitor, Verschluss für 300.000 Auslösungen, ein paar schöne Details wie Multishot für höhere Auflösung oder Fokusfalle für MF-Objektive.
Und das ganze für unter 2000€.

 

http://www.ricoh-imaging.de/de/spiegelreflexkameras/pentax-k1.html

EOS 80D vorgestellt

Canon hat gestern die EOS 80D vorgestellt. Der Nachfolger der 70D hat nun 24MP, 45 AF-Punkte, die zum Teil bis Blende 8 und LW -3 funktionieren. Sie macht 60 FPS in Full HD, hat einen verbesserten Dual-Pixel-CMOS-AF und einen Kopfhörerausgang. Zusätzlich zu Wifi unterstützt sie nun auch NFC.

Bild: Canon

Bild: Canon

Interessant ist das neue EF-S 18-135mm f/3.5-5.6 IS USM, das deutlich schneller fokussieren kann als sein Vorgänger und sich mit dem optionalen  Power Zoom Adapter PZ-E1 motorisch und auch vom Smartphone ferngesteuert zoomen lässt. Was der Sensor kann, ist noch nicht bekannt, die 1DX Mark II scheint deutlich besser geworden zu sein im Dynamikumfang, ich bin allerdings skeptisch, ob man diese Entwicklung auch der 80D anmerken wird (UPDATE: Wird man!), bei den ISO-Werten hat sich jedenfalls nicht viel getan. Es gibt wohl keine DSLR, mit der sich einfacher Video aufnehmen lässt als mit der 80D, nur schade, dass auf 4K verzichtet wurde.
Die Kamera wird sich wieder hervorragend bedienen lassen, eine schöne Größe und Gewicht haben und sich als “kleinste Profikamera” von Canon einsetzen lassen, aber sie lässt auch ein wenig den frischen Wind, den man sich im Canon-Portfolio wünscht, vermissen. Hoffen wir, dass der mit der nächsten 5D kommt.

UPDATE: Es sieht so aus, als hätte Canon doch einen größeren Schritt gemacht als vermutet. Wie schon bei ersten und wieder verschwundenen Tests der EOS 1DX Mark II ist der Dynamikumfang im Vergleich zum Vorgänger deutlich größer geworden. Wer sich selbst davon überzeugen möchte, kann das hier tun:
http://www.dpreview.com/news/7168986570/canon-shows-dynamism-eos-80d-breaks-new-ground-for-canon-low-iso-dr

 

Canon EOS 1DX Mark II ist da

Canon hat heute den Nachfolger ihres Topmodells vorgestellt. Das Wichtigste in Kürze:

  • 20 MP, 14 Bilder pro Sekunde, im Livebildmodus 16
  • Dual CMOS-AF und Touchscreen
  • 4K video mit bis zu 60fps und 8,8MP-Framegrabbing aus dem Video
  • CF und Cfast 2.0 Slot
  • GPS
  • Gleiche Zahl AF-Punkte, aber mit weiterer Abdeckung, guter Unterstützung bei f8 und besserem Tracking
  • Bessere Belichtungsmessung mit 300,000 Pixel-Sensor und eigenem Digic6 Prozessor
  • ISO bis H3: 409600

Mehr unter:

 http://www.canon.de/for_home/product_finder/cameras/digital_slr/eos_1dx_mark_ii/

Die EOS 1DX Mark II, Bild: Canon

Die EOS 1DX Mark II, Bild: Canon

Ich könnte mir gut vorstellen, dass die EOS 1DC damit vorerst keinen Nachfolger bekommt, denn die Videomöglichkeiten dieser Kamera sind jetzt schon herausragend. Ich freue mich über Touchscreen und Dual CMOS-AF, da ich die Kombination an meiner 70D sehr schätze. Ich gebe zu, dass ich diese Kamera nicht kaufen werde, weil für mich höhere Auflösung interessanter als schnelle Bildfolgen sind und bei letzterem die EOS 7D Mark II für mich völlig ausreicht. Ich würde mich aber sehr freuen, wenn die EOS 5D Mark IV wie in der Vergangenheit auch einiges von dieser Kamera übernimmt (Cfast, Dual-CMOS-AF, Touchscreen, besseres Tracking).

 

Reuters: Zurück zu JPEG

Die Presseagentur Reuters hat einen neuen Leitfaden für ihre freien Fotografen herausgebracht. Die Fotografen sollen nun mit dem Kamera-JPEG arbeiten und höchstenfalls beschneiden und leichte Kontrastanpassungen vornehmen. Grund sind nicht nur Geschwindigkeitsvorteile im Workflow, sondern auch der geringere Bearbeitungsspielraum des Formats. So möchte Reuters sicherstellen, dass durch Überbearbeitung nicht Authentizität verloren geht. Auch wenn ich ein großer Fan des Raw-Formats bin, kann ich den Schritt verstehen. Dokumetarfotografie, die aussieht wie Renaissance-Gemälde, geht mir auch auf den Keks. Das hat es aber auch schon früher gegeben, als gerade die SW-Bilder exzessiv in der Dunkelkammer nachbearbeitet wurden. Wieviele Bilder kennen Sie, in denen der Himmel dunkler ist, als die Motivteile, die er beleuchtet?

Canon EOS 70D vorgestellt

Canon hat heute die neue EOS 70D vorgestellt, die deutlich gegenüber ihrem Vorgänger 60D aufgewertet wurde und technisch eine kleine Sensation darstellt, weil Sie einen ganz neuen AF für Livebild-Modus und Video mitbringt, der wirklich schnell ist.

Das Wichtigste in Kürze:

  • Neuer 20,2 MP Sensor
  • Jedes Pixel ist in zwei hälften geteilt, die getrennte Einzelbilder für den AF erzeugen
  • 19 AF-Kreuzsensoren ähnlich der 7D
  • 7 Bilder/s
  • 1/8000s kürzeste Zeit und 1/250s Synchronzeit
  • WLAN eingebaut
  • interner Blitz arbeitet auch als Speedlite-Auslöser
  • Klappdisplay mit Touchbedienung
  • LP-E6 Akku wie bei 60D, 6D, 5d2, 5d3
  • ISO 100-12.800, erweitert 25.600 (soll sehr gut sein bei hohen ISO-Werten)
  • AF-Microadjustment

70D

EOS 70D Bild: Canon

 

Von der Leistung ähnelt die Kamera eher der 7D als der 60D, nur das die 7D ein besseres Gehäuse hat und 8 Bilder/s macht. Dafür kommen bei der 70D WLAN und ein revolutionärer Livebild-AF dazu, der laut dpreview auch die Konkurrenzmodelle sämtlich in den Schatten stellt. Die 70D ist damit so nach oben gerückt, dass es wirklich spannend wird, was Canon aus der 7D macht, die wird wahrscheinlich eine Baby 1D X und die Traumkamera im APS-C überhaupt.

Aber auch die 70D ist eine runde und ausgewogene Kamera geworden, die technischen Daten gibt es hier:

http://www.canon.de/For_Home/Product_Finder/Cameras/Digital_SLR/EOS_70D/index.aspx

Beispielbilder (JPEG): http://web.canon.jp/imaging/eosd/samples/eos70d/

Die Kamera kommt Ende August zu einem UVP von 1099€ (das hat die 60D am Anfang auch gekostet).

Update: Die ersten Eindrücke sind sehr positiv, der Kamera fehlt nichts, der AF ist schnell und schlau, die Bildqualität besser als bei jeder anderen Canon APS-C. Ich werde in ein paar Wochen eine Besprechung zu der Kamera schreiben, kann aber jetzt schon sagen, dass sie empfehlenswert ist. Magic-Lantern sollte sich diese Kamera schnell vornehmen, über eine geschickte Firmware-Erweiterung müssten sich eigentlich auch 3D-Bilder erzeugen lassen können, wenn man die Dual-Pixel einzeln ausliest.

UPDATE II: Die Besprechung lässt noch etwas auf sich warten, weil ich wirklich sehr gut zu tun habe. Allerdings kann ich schon mal eine inzwischen fundierte Meinung abgeben: Wer vorhat, sich die 70D zu kaufen, sollte das einfach machen. Ich mag die Kamera sehr gerne, nehme Sie auch bei meiner professionellen Arbeit ernst. Der AF ist prima, die Kamera wirklich durchdacht, wer eine Alternative im Vollformat sucht, muss schon zur 5D Mark III greifen, weil die 6D im AF nicht mit der 70D mithält.

völlig unbearbeitet aus Lightroom

völlig unbearbeitet aus Lightroom

Ich mag die Farben und die Bildqualität der 70D, sie ist momentan die beste APS-C von Canon.  Toll für Birding und Natur, schnell genug für Sport und universell genug für den Rest. Die 7D Mark II wird sicher noch besser, aber auch deutlich teurer werden.

 

 

 

V wie vorbei – Hasselblad beendet das V-System

Heute, am 29.4, veröffentlichte Hasselblad eine Pressemitteilung, dass das V-System, also die klassischen 6×6-Hasselblads nicht mehr gebaut werden und auch Zubehör wie Objektive nur noch abverkauft werden. Das verwundert nicht, da die analoge Fotografie immer mehr zurückgeht und man digitale Fotografie besser mit einem neueren System betreiben kann. Trotzdem ist es eine Nachricht wert, weil das V-System über 50 Jahre Bestand hatte.

Diese Kamera ist wahrscheinlich auch von Ihrer eigenen Qualität überrollt worden. Ich habe eine meiner Hasselblads auch fast 40 Jahre nach Ihrer Herstellung noch gut verkaufen können. Die andere, recht neue, wird wahrscheinlich auch noch sehr lange funktionieren, da hochwertige Mechanik ohne Elektronik kaum kaputtzukriegen ist.

Mir wäre lieber gewesen, Hasselblad hätte das Lunar-System eingestellt, aber ich habe mich auch von meiner analogen Ausrüstung getrennt und kann den Schritt gut nachvollziehen. Trotzdem: Das ist das Ende eines der schönsten Kamerasysteme aller Zeiten.

Hasselblad_MG_9331.jpg

EOS M – ein neues System von Canon

Canon hat sich lange Zeit gelassen, eine Spiegellose auf den Markt zu bringen. Sie sind da ein bisschen wie VW, spät in ein Marktsegment gehen, aber dann das meiste richtig machen. Ich bin sehr zufrieden mit den Canon-Entscheidungen:

  • Ein großer Sensor: APS-C ist groß genug für die professionelle Fotografie, selektive Schärfe, gutes Rauschverhalten und ein Pixelabstand, der gute Objektive nicht überfordert.
  • gut integriert: die M ist eine richtige EOS, der Adapter für die EF und EF-S Linsen ist nicht teuer, das Blitzsystem wurde übernommen. Die M hat auf einen Schlag das beste Objektivsystem im Markt der Spiegellosen. Ich will nicht sagen, dass das Nikon-System schlechter ist, nur lässt es sich mit einer J1/V1 nicht sinnvoll nutzen.
  • kompakt: Der Body ist klein wie eine Powershot trotz großen Sensor, die G1-X wirkt dagegen fast klobig.
  • kleines Auflagemaß: Selbst ein 22mm Objektiv lässt sich ohne Retrofokus-Bauweise herstellen. Da kein Spiegel in der Kamera ist, kann man theoretisch sehr nah an den Sensor bauen, in der Praxis wird die Objektivkonstruktion nur durch den Winkel des Lichteinfalls auf den Senor begrenzt.
  • Klares Design: Die Bedienung über den Touchscreen ist durchdacht und funktioniert (fast identisch zur 650D), die Gestaltung ist reduziert und überlegt.
  • Viele Synergien: Sensoren können zusammen mit den EOS-DSLRs entwickelt werden, die Kamera gründet gleichzeitig ein neues System und erweitert ein bestehendes, die EOS-DSLS werden von den Entwicklungen für das M-System ebenfalls profitieren.

Ein nettes Detail ist das neue Speedlite 90EX. Klein, sehr leicht und voll mastertauglich kann er eine gute Alternative zu Speedlite Transmitter ST-E2 sein.

Ich gebe zu, dass ich mich etwas geärgert habe, als Nikon die J1 und V1 herausbrachte. Trotz interessanter technischer Neuerungen war das für mich eine vertane Chance, weil der Sensor einfach zu klein ist. Von ihrer Zielgruppe bin ich einfach zu weit entfernt. Canon hat aus meiner Sicht die richtigen Entscheidungen getroffen, die M wird für viele Fotografen interessant sein, vom Amateur, der ohne große Last gute Bilder will, bis zu Profi, der eine kleine Kamera für dabei haben möchte, die bei Bedarf ausgewachsene Systemkamera spielen kann.

Werde ich eine kaufen? Jetzt nicht, ich habe mir gerade eine 650D gekauft und die M ist zu ähnlich. Aber auf längere Sicht bestimmt, ich suche sein Jahren eine Kamera, die in die Tasche passt und gut genug ist. Die M könnte sogar einen Job zu ende fotografieren, falls eine Große ein technisches Problem hat, ein Backup-Body, der in jede Nische der Fototasche passt.

Die technische Details finden Sie bei Canon.