Photokina auf 2022 verschoben

Es war abzusehen, dass die Photokina in diesem Jahr nicht wird stattfinden können. Die Koelnmesse hat nun entschieden, die nächste Photokina erst vom 18. bis 21. Mai 2022 durchzuführen. Ich halte das für eine sehr kluge Entscheidung, weil das den beteiligten Firmen Planungssicherheit gibt. 2021 wird entweder holprig oder sehr voll, weil viele Termine nachgeholte werden sollen (Fußball EM ist auch auf 2021 verschoben worden, nur das IOC ist noch stur (wofür steht eigentlich das “I”? 😉 ).

Weit klüger jedenfalls als es die Techno Classica gemacht hat, die Ihre Messe von März auf Juni verschoben hat, das ist wahrscheinlich nicht mehr als eine Absage mit einem Extra-Schritt. Ich wünsche der Photokina viel Erfolg, wir sehen uns 2022!

CP+ abgesagt

Nach der Mobilfunkmesse in Barcelona wurde gestern auch die CP+ in Yokohama abgesagt. Ich vermute, dass sich gerade mancher in Köln ärgert, die Photokina auf Mai vorverlegt zu haben und hoffe (natürlich nicht nur wegen der Messe), dass sich die Situation um den Coronavirus bald beruhigt. UPDATE (29.2.2020): Die Situation um SARS-CoV-2 wird sich leider nicht beruhigen, wie inzwischen abzusehen ist. Aber auch eine Verlangsamung der Epidemie wird vielen Menschen das Leben retten können, passen Sie gut auf sich (und andere) auf!

Ein Blick in die Glaskugel für 2020

Es ist schon Tradition geworden, dass ich um die Jahreswende meine Erwartungen für die nahe Zukunft aufschreibe. Hauptsächlich bezogen auf den Fotosektor. Den letzten finden Sie unter https://fotoschule.westbild.de/2018/12/der-blick-in-die-glaskugel-fuer-2019/

Ich ändere daran nachträglich nichts, ich finde es auch auch interessant, wo ich falsch liege und wie die Entwicklungen von meinen Erwartungen abweichen. Für den Fotomarkt insgesamt bin ich nicht so optimistisch, aber es wird Bereiche geben, die im Trend liegen und gut laufen werden. Trotzdem kann es gut sein, dass der eine oder andere Markteilnehmer den Fotomarkt verlassen wird, weil es keinen Sinn mehr ergibt. Je kleiner das eigene System ist, desto weniger sind Fremdhersteller willens, Produkte zu entwickeln und desto weniger lohnen sich auch eigene Neuentwicklungen wie neue Objektive. Der Kunde muss ja nicht einmal das System wechseln, es reicht ja schon, wenn er bei seiner Ausrüstung bleibt und nichts neues mehr kaufen möchte.

Im Kamerabereich wird zwar mittelfristig noch einiges passieren, aber wenn Sie sich eine der aktuellen hochauflösenden und schnellen Spiegellosen Kameras anschauen, die um die 10 Bilder pro Sekunde schaffen, 47-61 und bald noch mehr Megapixel und einen guten AF und detailreichen Sucher haben , dann werden sich sehr viele Fotografen fragen, warum Sie danach noch eine neue Kamera benötigen sollten. Zumal die technische Entwicklung gerade etwas stagniert. Die letzten Sony-Kameras waren eher inkrementelle Updates und die Sensorleistung ist auch schon zwischen der A7R II und der A7R III nicht viel besser geworden, auch wenn der Rest ein deutliches Update war.

Sensoren von 2014 wie z.B. der 50 MP Sony Mitteformatsensor, der in der Hasselblad, Pentax oder Fuji steckt, spielen auch heute noch ganz oben mit. Canon hat gerade den Vorteil, dass ihre Sensoren noch Spielraum nach oben haben, so dass es für Canon-Fotografen noch mehr Anreize gibt, im nächsten Jahr eine neue Kamera zu kaufen. Auch weil IBIS bislang noch nicht zu bekommen war, ab 2020 aber Standard auch bei Canon werden wird.

Viele der Fotografen werden ihre Möglichkeiten über neue Objektive also besser erweitern können als über eine neue Kamera. Der Trend zu einem erweiterten Fokus auf den Objektivbau wird verstärkt durch den Wettstreit neuer spiegelloser Systeme. Nikon Z, Canon RF und das L-Bajonett (Leica, Panasonic, Sigma) müssen Kaufentscheidungen auch über ein möglichst vollständiges und interessantes Objektivprogramm gewinnen.

Die neuen Objektive werden für sehr hohe Megapixelzahlen gerechnet und für schnelle Kamerakommunikation ausgelegt. Sie sind meist sehr scharf und haben ein weiches Bokeh, außer manchmal bei den kürzeren Brennweiten unter 35mm. Das führt für manchen zu einer langweiligen Perfektion und zu einer Gegenbewegung, die wieder verstärkt Objektive aus der Vor-AF-Zeit verwendet. Das Scharfstellen von manuellen Objektiven ist mit einer Spiegellosen, die Suchervergrößerung und Fokus-Peaking bietet, auch deutlich einfacher geworden. Die meisten Fotografen, die ich kenne, arbeiten nicht ausschließlich mit “Altglas”, sondern setzen dieses als Ergänzung dort ein, wo ein schnelles AF-Objektiv nicht notwendig ist, wie z.B. im Porträtbereich.

Wenn Sie eh schon ein altes Objektiv verwenden, dann können Sie auch eine alte Kamera dahinter setzen und einen Film einlegen. Die Analoge Fotografie hat Ihre Talsohle wahrscheinlich durchschritten, inzwischen liest man mehr Nachrichten über Neuerscheinungen (Ektachrome als Roll- und Planfilm z.B.) als über Produkteinstellungen. Fujifilm macht einen recht großen Anteil seines Umsatzes im Sofortbildbereich. Ich erwarte nicht, dass wieder ernstzunehmende analoge Kameras neu entwickelt werden, aber die analoge Szene und das Materialangebot wächst und die analoge Fotografie wird nicht aussterben.

Ein paar technische Entwicklungen sind schon mehr oder weniger absehbar:

  • 20 Bilder pro Sekunde mit mechanischem Verschluss, mehr mit elektronischem
  • 6K Video oder 4K Raw-Video in der Kamera
  • 75MP oder mehr Auflösung im Vollformat
  • CFexpress kommt als Speichermedium in Kameras
  • Neue Objektive mit bisher nicht dagewesen Spezifikationen, z.B. sehr lichtstarke Weitwinkelzooms, neue Makros etc.
Dr. Ganske vom TPDNI, Linktipp zu KI-Informationen folgt später *

Ein weiterer Trend ist immer mehr KI in Software. Skylum 4 z.B. nutzt das, um den Himmel auszutauschen und das Bild dazu anzupassen oder um Porträts zu verschönern. Das kann im Einzelfall nützlich sein, wird aber hauptsächlich dazu führen, dass wir noch mehr Schrott im Internet sehen werden. Analoge Fotografie oder SOOC-Bilder (straight out of camera- also ohne jede Nachbearbeitung) werden durch solche Entwicklungen als Gegenbewegung bestärkt, auf lange Sicht wird KI aber auch im kreativen Bereich immer mehr übernehmen, in seiner eigenen Arbeit die kreative Kontrolle zu behalten wird nicht einfacher werden. In vielen Bereichen wird die Arbeit der Fotografen auch durch Maschinen ersetzt werden. Das ist heute schon so, gucken Sie mal in einen IKEA-Katalog, der besteht zu 95% aus CGI und nicht mehr aus Fotos.

Haben Sie “The Irishman” von Martin Scorsese gesehen? Robert De Niro, Joe Pesci und Al Pacino spielen ihre Rollen im Alter von 30,50 und 70 Jahren. Die Filmbilder wurden mittels KI verjüngt. Das Verjüngen benötigte dafür nicht einfach Trackingpunkte auf dem Gesicht, sondern arbeitete mit einer Standard-Filmaufnahme. Statt aus einem alten Robert de Niro einen jungen zu machen, hätte man ihn auch zu Arnold Schwarzenegger werden lassen können. Und das nicht nur durch ein großes Filmstudio, sondern das können Sie auch zu Hause hinbekommen, wenn Sie sich ein wenig mit Video und Computer auskennen und etwas Rechenleistung zur Verfügung haben werden. Software ist frei verfügbar, z.B. hier https://github.com/iperov/DeepFaceLab

Es gibt Nachrichten, dass im nächsten Jahr ein neuer Film mit James Dean ins Kino kommen soll. Er starb 1955 bei einem Autounfall, aber es gibt genug Filmmaterial, um ihn digital wieder auferstehen zu lassen. Kennen Sie Shudu oder Lil Miquela? Das sind virtuelle Models, die durchaus Aufträge von den großen Modefirmen erhalten. Die chinesische Nachrichtenagentur Xinhua hat einen virtuellen Nachrichtensprecher im Einsatz. Auch wenn vieles noch etwas hölzern wirkt, ist manches davon schon sehr überzeugend und es ist nur eine Frage der Zeit, bis diese Techniken bis zur Ununterscheidbarkeit perfektioniert worden sind. Suchen Sie einfach in Netz nach “Deepfake” und Sie werden eine Menge finden, je später Sie suchen, um so besser werden die Ergebnisse sein.

Das wird natürlich nicht nur in der Unterhaltungsbranche Anwendung finden, sondern auch zur Verbreitung von Fake News eingesetzt werden. Ich habe weniger Angst vor dieser Technik als davor, dass sich eine zunehmende Anzahl von Menschen ohnehin nicht mehr für die Wahrheit interessiert, Fakten ignoriert und alles was sie aus Ihrer selbst gewählten Blase holt als “Systemmedien” oder “Lügenpresse” diffamiert um dann auf der anderen Seite die vollkommen hanebüchene Informationsquellen zu akzeptieren oder einem obskuren YouTube-Video den Vorzug vor tausenden Mannjahren wissenschaftlicher Forschung zu geben.

Dass, was Maschinen in 10 Jahren können werden wird sich von heute viel deutlicher unterscheiden als das was sie vor 10 Jahren konnten zu heute. Die IT befindet sich in einer exponentiellen Entwicklung, wenn wir die großen Katastrophen umschiffen können, wird sie uns in vielen wenn nicht allen Bereichen überholen. Das wird noch dauern, aber es wird schneller gehen, als Sie denken. Vor allem adaptiert die Technik schnell auf andere Bereiche. Die KI Alpha Go konnte 2018 nach vier Stunden Lernen die besten Schach-Programme schlagen, obwohl sie für das japanische Spiel Go gebaut worden war. Das sind Anwendungen auf geschlossene Systeme mit festen Regeln, die sicher einfacher sind als das wahre Leben, aber Schach und Go sind auch nicht trivial.

Apropos große Katastrophen. Die Forschungsergebnisse der letzten Jahre haben uns gezeigt, dass wir beim Klimawandel am oberen Ende der früheren Prognosen liegen und wir große Chancen haben, relativ schnell einen unumkehrbaren Kipp-Punkt des Weltklimas zu erreichen. Wir sind in Deutschland mit unserem CO2-Austoß leider noch nicht viel weitergekommen und ich schreibe diese Zeilen, während die Klimakonferenz in Madrid zu scheitern droht. Allerdings müssen wir nicht auf politische Rahmenbedingungen warten, um unser eigenes Verhalten zu verändern. Wenn ich mir so manchen Instagram-Account anschaue, auf dem die Fotografen ihre weltweite Bucketlist an touristischen Zielen abarbeiten und dabei hunderttausende Flugkilometer zusammenkriegen, dann merke ich, dass wir im Fotobereich auch viel ändern können.

Bei mir selbst hat die Flugscham schon sehr durchgeschlagen, auch Auto fahre ich weniger und langsamer, im Haushalt kommt 100% der verwendeten Energie aus Ökostrom. Trotzdem ist meine Bilanz noch nicht gut. Ich finde bereits die Entwicklung der letzten Jahre erschreckend, dass zum Beispiel die Insekten um 80% zurückgegangen sind und in der Folge auch die Vogelwelt kleiner geworden ist. 42° Außentemperatur sind in einer Dachwohnung auch nicht lustig. Die Gletscher sahen auf meiner ersten Norwegentour anfang der 90er Jahre auch ganz anders aus als auf meiner letzten vor ein paar Jahren. Und das ist alles noch Kleinkram gegen die weltweiten Folgen und vor allem gegen das, was noch kommen wird.

Zurück zu den Kameras. In diesem Jahr wurden unter 20 Millionen Kameras weltweit verkauft (Nach CIPA-Zahlen, die nicht ganz vollständig sind, aber doch den Großteil der Verkäufe erfassen), 2010 waren das ungefähr sechs mal so viele. Das liegt zum einen natürlich daran, dass die allermeisten Leute heute nur noch mit dem Smartphone fotografieren und zum anderen daran, dass die Boomphase, in der die Digitalkameras gut und erschwinglich wurden und die meisten noch keine hatten, vorbei gegangen ist. Zum Vergleich soll die Zahl der Überwachungskameras weltweit auf eine Milliarde ansteigen, die Hälfte davon in China. In der nahem Zukunft wird wahrscheinlich jedes Auto mehrere Kameras besitzen, um die Umgebung für das autonome Fahren erfassen zu können (neben anderen Systemen wie Radar oder LIDAR). Der eigentliche Markt liegt also schon längst woanders, der Fotomarkt schrumpft bis hin zur Existenzgefährdung manchen Herstellers. Die wenigen verbleibenden Kunden werden immer anspruchsvoller, der Trend geht zu größeren Formaten, das Vollformat wird immer günstiger und das Mittelformat ist in preislich in Bereiche vorgerückt, in denen vorher nur Vollformat zu bekommen war (Preis im November: Sony A7R IV 3999€, Fuji GFX 50R 3899€ inkl. Cashback).

2020 werden mit der Nikon D6 und der EOS 1DX Mark III die besten Spiegelreflexkameras aller Zeiten herauskommen, ob es von diesem Kameras noch einen Nachfolger geben wird, ist aber mehr als fraglich. Das nahende Ende der DSLR-Technik werden sie nicht aufhalten können. Im Moment sind wir in der komfortablen Position, dass die DSLR-Objektive wegen des größeren Auflagemaßes auch an die spiegellosen mit einem Adapter abschließbar sind. So kann ich zum Beispiel Canon-EF-Objektive auch an eine Sony oder eine Fuji GFX-Mittelformat anschließen. Die Objektive der Spiegellosen werden diese Möglichkeit nicht mehr haben, wenn man Ausnahmen absieht, so gibt es zum Beispiel einen 2mm dicken AF-Adapter, um Sony FE-Objektive an einer Nikon Z zu verwenden. Mit dem Ende der DSLR-Zeit wird das native System des Herstellers immer wichtiger, Kameraentscheidungen werden sich stark an den verfügbaren Objektiven ausrichten.

Wenn Sie den Sternenhimmel fotografieren möchten, fangen Sie bald damit an. Es gibt Pläne, den Orbit mit Massen von Mikrosatelliten zuzumüllen, um darüber weltweit Internet bereitzustellen. Die Lichtverschmutzung nimmt auch weiter zu, wenngleich es auch Gegenden gibt, in denen die Menschen etwas begriffen haben und sehr bewusst die Beleuchtung bei Nacht einschränken.

Eine weibliche Große Königslibelle lässt Ihre Flügel austrocknen. Naturfotografie ist auch in Fahrradentfernung möglich.

Bei der Naturfotografie möchte ich Sie nicht zur Eile anhalten, es ist wahrscheinlich zielführender, darauf zu achten, dass sie auch in der mittleren Zukunft noch ergiebig sein wird, indem wir unsere Anstrengungen für den Klima-, Natur-, und Artenschutz verstärken. Man muss auch nicht nach Afrika fliegen, um Tiere vor die Kamera zu bekommen, selbst ein Supertele und ein Stativ lassen sich noch gut mit dem Fahrrad transportieren. Investieren Sie lieber hier oder vergleichbar und lassen Sie sich die Safariziele von David Attenborough zeigen. Das heißt nicht, dass ich mit dem Reisen aufhören werde oder Ihnen das nahelegen möchte. Aber ich werde es sehr viel bewusster machen, Ziele vermeiden, die eh schon unter Overtourism leiden, und generell etwas langsamer werden, auch um konzentrierter zu Fotografieren und weniger Zeit im Auto zu verbringen.

* Haben Sie mir das geglaubt? Das Porträt wurde von einer KI, oder genauer von einem GAN erzeugt, das können Sie auch selbst ausprobieren unter https://thispersondoesnotexist.com/

LowePro Support – gibt es den wirklich?

Seit September versuche ich auf fünf unterschiedlichen Wegen, Ersatzteile von LowePro zu erhalten. Die Verschlüsse von drei meiner Fototaschen sind alle an der selben Stelle kaputt. Außer einer Ticket-Nummer von der VitecGroup und einer Nachfrage der Facebook-Seite (nach Wochen) nach meiner eMail-Adresse habe ich aber keine Antwort erhalten. Ich hatte das gleiche mal etlichen vor Jahren bei Rowi, da war das Thema in zwei Tagen abgehakt, mein Vorhaben scheint also prinzipiell möglich zu sein.

Deshalb meine Frage in die Runde, ist der Support bei LowePro nur so etwas wie Nessie, ein Yeti oder ein Bigfoot, von denen man zwar häufiger mal gehört hat, aber den es aller Wahrscheinlichkeit nach in der Realität nicht gibt? Oder hat schon mal jemand eine persönliche Sichtung dieses Supports gehabt, also nicht nur von Hörensagen. Gibt es da Tricks?

UPDATE: Inzwischen (13.1.2020) habe ich eine freundliche Antwort bekommen, der Trick ist, über die Seite https://www.manfrottospares.com/ zu gehen, leider sitzen die in England, aber die Teile sollen in einer Woche da sein.

Kamerazeit

Haben Sie Ihre Kamerazeit schon auf Winterzeit umgestellt? Die Kamerazeit ist nicht nur wichtig, wenn Sie korrekte EXIF-Informationen haben möchten, sie sorgt auch dafür, dass Sie GPS-Tracks sauber mit Ihren Bildern synchronisieren können. Und wenn Sie mit mehreren Kameras arbeiten, passen die Bilder in der zeitlichen Sortierung hintereinander.

3 kleine Beobachtungen zum Fotomarkt

Canon hat die 90D und die M6 Mark II als spiegelloses Schwestermodell auf den Markt gebracht. Praktisch jeder Rezensent schreibt, dass die 90D im Livebild-Modus besser arbeite als mit dem optischen Sucher. Das war etwas, was ich zum Teil schon bei der 5D Mark IV feststellen konnte. Wenn ich mit dieser Porträts in Bewegung mit hochlichtstarken Objektiven aufnehmen wollte, dann erbrachte der Livebildmodus bessere Ergebnisse. DSLR ist nicht tot, aber es geht in die Endrunde, ich denke nicht, dass die Canon EOS 1D X Mark III und die Nikon D6, die im nächsten Jahr erscheinen, noch Nachfolger bekommen werden. Dafür werden spiegellose Sportkameras kommen.

Sony hat mit der α9 II einen Nachfolger zur α9 vorgestellt, der dieser in den technischen Daten fast gleicht. Das Update würde man Autos als Facelift bezeichnen und nicht als neues Modell. Die Kamera hat ein besseres Gehäuse, eine Netzwerk-Buchse und einen mechanischen Verschluss bekommen, der nun auch 10 Bilder pro Sekunde schafft statt 5. Der elektronische Verschluss bleibt weiter bei 20 fps, der Sensor ist der gleiche. Nicht einmal der Sucher wurde verbessert, wahrscheinlich ist der hervorragende Sucher der A7R IV nicht schnell genug oder Sony wollte bei diesem Release Geld und Entwicklungszeit sparen. Sony hat jedenfalls deutlich Dampf aus der Entwicklung genommen, auch die α6400 ist kaum berichtenswert gewesen.

Canon hat, wie ich schon schrieb, neue Firmwares für die EOS R und RP herausgebracht, die die Kameras wirklich enorm verbessern in Bezug auf den AF. Ich habe inzwischen den ersten Job mit der neuen Firmware fotografiert und möchte meine Empfehlung zum Update noch einmal deutlich wiederholen. Version 1.4 für die R und 1.3 für die RP sollten Sie möglichst bald aufspielen, falls Sie das noch nicht haben.

Zusammengefasst bleiben für mich drei Beobachtungen: DSLR geht dem Ende zu, Spiegellose sind, zumindest bei Sony, die ja schon länger dabei sind, inzwischen (vorerst) auch bei nur inkrementellen Updates angekommen und Software ist so wichtig geworden, dass Sie eine Kamera signifikant verändern kann und ihre Entwicklung der Hardware noch eine Weile hinterherläuft. Selbst Sony sagt, dass der neue Prozessor der α9 II mehr Raum für künftige Firmwares schafft. Diese Entwicklung ist nicht nur auf Kameras beschränkt, auch VW hat angekündigt, dass der nächste Golf zunächst nicht mit der vollen Software ausgeliefert werden wird.

EOS R/EOS RP: wichtige neue Firmwares (R 1.4, RP 1.3)

https://www.canon.de/support/consumer_products/products/cameras/digital_slr/eos-r.html?type=firmware

Verbesserter Augen-AF, viel besseres AF-Tracking kleiner Objekte, schnellere Sucher-Rückmeldung der AF-Felder, Fehlerbehebungen und das Schließen einer kritischen Sicherheitslücke.
Sie können noch ein paar Tage warten, um zu gucken, ob andere auf Probleme mit der neuen Firmware gestoßen sind, aber grundsätzlich sollten Sie das Update einspielen, weil es die EOS R zu einer deutlich besseren Kamera macht, auch wenn sie vorher schon gut war.

Für die EOS RP sind ähnliche Verbesserungen schon seit dem 11.9. verfügbar:

https://www.canon.de/support/consumer_products/products/cameras/digital_slr/eos-rp.html?type=firmware

Canon: Vorsicht bei WLAN

Eine Reihe von Canon-Kameras besitzen ein Sicherheitsproblem, dass es z.B. ermöglicht, Schadsoftware auf die Kamera aufzuspielen. Das ist eher unwahrscheinlich und kann nur passieren, wenn Sie Ihre Kamera per WLAN in einer ungesichterten Umgebung verwenden. Näheres finden Sie unter:

https://www.canon.de/support/product-security/

Canon wird das Problem durch Firmware-Updates lösen, die nach und nach für die betroffenen Kameras veröffentlicht werden. Wenn Sie WLAN mit Ihrer Kamera verwenden, sollten Sie diese Updates einspielen, so bald sie verfügbar sind.

Neue Firmware für EOS R und EOS RP

Es gibt neue Firmwares für die EOS R (v1.3) und die EOS RP (v1.2), während bei der R nur die Unterstützung für das RF24-240mm F4-6.3 IS USM Objektiv hinzukommt, wird bei der RP auch ein Problem mit der Blitzsteuerung behoben, dass sich an einem dunklen Streifen oben im Bild bei externen HSS-Blitzen äußert.

Die RP würde ich jetzt updaten, bei der R können Sie auf das nächste Update warten (wenn Sie das 24-240 nicht besitzen), das schon für September erwartet wird und das den Augen-AF auf bei weiter entfernten Personen anzeigt und insgesamt den Autofokus verbessert. Das kommt für die RP wohl auch.

Das Firmware-Update für den AF ist nicht nur Kosmetik, sondern sieht sehr vielversprechend aus, eine Vorschau zeigt Canon unter:

https://youtu.be/uuQiqd-a32g

Neues vom Fotomarkt

Canon hat ein 24-240mm-Objektiv für die EOS R-Kameras herausgebracht. Ich bin kein Freund von Superzooms, aber ich vermute, dass Canon dabei viel richtig gemacht hat und das eine gute Wahl sein wird, für Leute, die trotz Vollformat leicht reisen möchten.

Sony hat ein 35mm f1,8 veröffentlicht, das einen sehr guten Eindruck macht und eine echte Lücke im Angebot schließt. Bislang gab es als kleines 35er nur das Zeiss, dass ich nicht besonders mochte und das auch nur f2,8 bietet. Mit 699€ UVP wird es wahrscheinlich einen ähnlichen Erfolg haben wie das 85mm f1,8. UPDATE: Das Objektiv konnte ich inzwischen kurz testen. Es wirkt noch kleiner als ich es mir vorgestellt hätte, die AF ist sehr fix und leise. Die Schärfe ist bei Offenblende sehr gut, lässt zu den Ecken aber sichtbar nach (erwartungsgemäß). Die LoCa (Farblängsfehler) ist deutlich sichtbar, kontrastreiche Kanten hinter der Schärfeebene bilden einen grünen Saum. Gesamteindruck wirklich gut, das Objektiv wird wahrscheinlich auch noch ein wenig günstiger werden, das 85er ist seit seiner Vorstellung um knapp 100€ im Straßenpreis gesunken.

Fujifilm hat ein Pancake für Mittelformat auf den Markt gebracht (angekündigt war das GF 50mm F3,5 R LM WR schon lange), dass die GFX 50R auf gerade eben über ein Kilo bringt, was für eine Mittelformatkamera mit Objektiv wirklich wenig ist. Die Schärfe reicht für 100MP, jedenfalls bis kurz vor dem Rand. Das GF 45mm f2,8 ist allerdings auch nicht besonders schwer, bietet etwas mehr Bildwinkel und Lichtstärke und ist ebenfalls sehr scharf.

Sony hat die A7R IV vorgestellt, die ab Ende August für knapp 4000€ erhältlich sein wird. Sie hat einen 61MP-Sensor mit 15 Blenden Dynamikumfang, einen verbesserten AF, einen besseren Sucher, bessere Wetterabdichtung, und die AF-Punkte im Sucher lassen sich endlich farbig anzeigen. Der zweite Kartenslot unterstützt nun auch UHS II. Das ist wahrscheinlich die beste Allroundkamera, die man kaufen kann, aber mich reizt die vorerst nicht. Die Vorteile zu A7R III scheinen mir in der Praxis zu gering, die Kamera als “Medium Format Quality” zu bewerben ist Quatsch, das weiß jeder, der wirklich einmal mit Mittelformat gearbeitet hat, ein großer Sensor ist nur mit Auflösung und Dynamik eben nicht zu schlagen. Es gibt auch immer noch kein besseres Menü, keine vernünftige Touchscreen-Unterstützung, der Rolling Shutter-Effekt mit dem leisen Verschluss ist immer noch fies, im Videobereich hat sich außer verbessertem AF nicht viel getan. Und weil die A7R III nicht mal zwei Jahre alt ist, fällt es auch nicht schwer, eine Generation auszusetzen.
Für mich wird die Vorstellung der hochauflösenden EOS R wahrscheinlich das spannendere Event. Die wird die Sony wohl in der Auflösung übertreffen, zwei Kartenslots und IBIS mitbringen. Nikon wird wohl ebenfalls eine Kamera mit dem 61MP-Sensor herausbringen, der Konkurrenzkampf auf dem Fotomarkt ist bei sinkenden Gesamtumsätzen sehr hart, es kann sein, dass das auf Dauer zum Rückzug von ein oder zwei Kameramarken führt, die momentan einstellige Prozentzahlen als Marktanteile vorweisen. Ich hoffe das nicht, ich würde jede davon vermissen.
UPDATE: Ich hatte die A7R4 heute in der Hand. Der Sucher ist sehr deutlich besser als bei der A7R III, der Body liegt besser in der Hand, die Bedienelemente sind haptisch besser, nur das Daumenrad auf der Rückseite wirkt zu kantig, so als hätte man einen Arbeitsgang gespart, der es perfekt gemacht hätte. Die Kamera wirkt insgesamt qualitativ hochwertiger, die A7R III hat dagegen den Charme eines Prototyps. Das Verschlussgeräusch ist deutlich leiser und dezenter geworden, in etwa vergleichbar der EOS RP. Die Rückschau in 1:1 dauert irritierend lange. Während die bei meinen Canons sofort kommt und bei der A7R III einigermaßen schnell, scheint es bei der A7R4 gut zwei Sekunden zu dauern, nicht ganz so schlecht wie bei der A7R2, aber immer noch zu lange.

Die Fuji GFX 100S ist nun erhältlich, ähnliche Sensortechnik wie bei der A7R IV, aber größerer Sensor und 100MP. Das ist für fast alle meiner Leser und mich eher theoretisch interessant, aber Sie können sich ja den Spaß machen und im Netz nach Raw-Bildern suchen, dann wissen Sie, was Mittelformatqualität bedeutet. Und das ist noch ein eher kleiner Sensor im Mittelformat, bei den größeren werden die Kameras aber sehr umständlich und die Preise erinnern eher an einen guten Neuwagen als an eine Kamera.

Linktipp: Lichtverschmutzung

Lichtverschmutzung ist nicht unser größtes Problem gerade, aber es ist deutlich größer, als die meisten denken, und verhältnismäßig einfach zu lösen. In der FAZ finden Sie gerade einen guten Artikel dazu:

https://www.faz.net/aktuell/wissen/lichtverschmutzung-wir-schaffen-die-nacht-ab-16276111.html

Insektenspuren vor dem Licht
Hier sehen Sie, wie viel Einfluss nur 10 Watt LED-Licht auf Insekten haben, dies sind ihre Lichtspuren innerhalb von 15s.

EOS R Firmware 1.2

Morgen (18.4.19) wird unter
https://www.canon.de/support/consumer_products/products/cameras/digital_slr/eos-r.html?type=firmware die neue Firmware der EOS R verfügbar sein. Ich habe Sie heute schon installiert, weil Canon Canada der Zeit etwas voraus ist. Endlich ist die Kamera rund, Augen AF funktioniert in allen Varianten, auch mit Servo-AF, Serienbild und leisem Verschluss.

Neue Firmwares für Sony und Canon

Für die Sony A9 ist das Firmware-Update schon im März herausgekommen, erste Benutzer-Berichte sind sehr begeistert. Die Kamera erhält das AI-Tracking aus der A6400, Tieraugen-AF und Augen-AF, ohne dafür eine Taste gedrückt halten zu müssen. Die letzten beiden Punkte sind seit heute auch für die A7 III und A7R III verfügbar. Zudem können Sie nun Intervallaufnahmen direkt mit der Kamera steuern. EOS R-Benutzer fragen sich vielleicht, wann endlich das versprochene Update erscheint, dass ich auch in unserem Buch zur Kamera erwähne. Die Antwort ist: wohl am 18. April, also in ein paar Tagen. Es enthält Augen-AF auch für den AI-Servo-Modus und Spot-AF für Ai-Servo und Filmen. Die Serienbildmöglichkeit für den leisen Verschluss ist ja schon seit dem letzten Update vorhanden.

Dass Funktionen erst verfügbar werden, wenn das Produkt dazu schon eine Weile auf dem Markt ist, wird zunehmend normal. Heute berichtete die Presse darüber, dass die Entwicklung der Vernetzung und der Elektronischen Funktionen des neuen Golf nicht vollumfänglich vor Produktionsbeginn in den Griff zu bekommen sein. Der Golf VIII wird deswegen in diesem Jahr mit stark eingeschränktem Funktionsumfang auf den Markt gebracht, der Rest kommt später.

EOS RP vorgestellt

Canon hat mit der RP das Einsteigermodell der R-Reihe auf den Markt gebracht, es wird schon Ende Februar für 1499€ inkl. EF-Adapter im Handel verfügbar sein. Es ist die kleinste und leichteste Vollformatkamera der Welt, Sie wiegt nur 485g inkl. Akku. Der Sensor ist fast gleich dem der 6D mark II, nur die Mikrolinsen wurden für die spiegellose Kamera optimiert.

Die technischen Daten können Sie unter https://www.canon.de/cameras/eos-rp/specifications/ nachlesen. Ich werde mich hier mit eine Zusammenfassung und ersten Einschätzung begnügen,

Die EOS RP. Bild:Canon

Die Kamera ist gut geeignet für Porträts und schwaches Licht, das AF funktioniert auch bei wenig Licht noch sehr gut und der Augen AF funktioniert jetzt schon so gut wie bei der EOS R nach dem nächsten Firmware-Update. Das Objektivangebot ist sehr gut, auch wenn die meisten RF-Objektive für teurere Kameras als die RP entworfen wurden, die EF-Objektive arbeiten mit dem Adapter mindestens genauso gut wie an einer Canon DSLR. Der Sucher ist gut und der Touchscreen kann anders als bei Sony alles. Wer von einer APS-C-Kamera aufsteigt, wird, wenn es nicht gerade die professionell ausgerichtete 7D Mark II war, sich sofort gut zurecht finden, da die Bedienung sehr der 800D oder 80D ähnelt. Wenn man bedenkt, dass die ähnliche 6D Mark II für 2099€ auf den Markt kam, ist der Preis der EOS RP sehr beachtlich, auch weil sie die 6D Mark II in einigen Punkten übertrifft. Sie kann 4K Video, allerdings mit Crop, ohne DualPixel-AF und bei schnellen Bewegungen mit Rolling-Shutter Effekt. Sie bringt auch eine Funktion für automatisches Focus-Stacking mit, die RP nimmt bis zu 199 Bilder mit unterschiedlichem Fokus auf, die Sie später zu einem Bild mit riesiger Schärfentiefe z.B. in Digital Photo Professional kombinieren können. 4K-Timelapse unterstützt sie ebenfalls.

Der günstige Preis bringt auch Einschränkungen mit sich. Die Kamera macht nur 5 Bilder pro Sekunde, mit Nachführmessung 4. Der Akku (LP-E17) ist recht klein. Der leise Verschluss lässt sich nur in einem vollautomatischen Szenenmodus verwenden (wie auch bei der M50), allerdings ist der mechanische Verschluss auch recht leise. Dafür unterstützt er maximal eine 1/4000s und 1/180s Blitzsynchronzeit. Es gibt keinen IBIS, nur eine Software-Bildstabilisierung im Video und natürlich viele Objektive mit Stabilisator.

Auf der anderen Seite unterstützt die Kamera schnelle UHS-II-Speicherkarten und der Puffer ist erst nach 50 Raws voll (also nach mindestens 10s). Selbst danach wird sie mit einer schnellen UHS-II Karte die Bilder noch zugig wegschreiben können, ob sie im CRaw überhaupt an ihre Puffergrenze kommt, werde ich ausprobieren müssen, im JPG tut sie das jedenfalls nie.

Die EOS RP ist keine Kamera für Sport oder 4K-Video, wer mit HD auskommt oder hauptsächlich fotografiert wird die Kamera wahrscheinlich besser finden, als die reinen Daten vermuten lassen. Und selbst wer diese Kamera für völlig uninteressant hält, wird wahrscheinlich von ihr profitieren, weil Vollformat durch sie günstiger wird und die anderen Hersteller in der einen oder anderen Form reagieren werden.


Canon hat zeitgleich sechs RF-Objektive vorgestellt:

  • RF 85mm F1.2 L USM
  • RF 85mm F1.2 L USM DS (Defocus Smoothing, Apodization für weicheres Bokeh)
  • RF 24-70mm F2.8 L IS USM
  • RF 15-35mm F2.8 L IS USM
  • RF 70-200mm F2.8 L IS USM
  • RF 24-240mm F4-6.3 IS USM

Zwei professionelle 85er, die “heilige Dreifaltigkeit” der Profifotografen (Weitwinkelzoom, 24-70 ind 70-200 in f2,8) und ein Superzoom, das vielleicht das einzige Objektiv dieser Reihe war, bei dem Canon die EOS RP im Blick hatte. Die anderen machen zwar an einer RP auch sehr viel Spaß, richten sich aber in Qualität und Preis eher an Profis. Alles Objektive kommen 2019, Preise und Verfügbarkeit sind aber noch offen.

EOS R Firmware 1.1.0

Wie schon im EOS R Buch angekündigt, hat Canon nun das erste Firmware-Update für die EOS R herausgebracht. Sie können es unter

https://www.canon.de/support/consumer_products/products/cameras/digital_slr/eos-r.aspx?type=firmware

herunterladen. Das wichtigste neue Feature ist die Unterstützung von Serienbildern mit dem leisen Verschluss. Es wurden auch einige Fehler behoben, von denen ich nur einen auch selbst erfahren habe: Wenn man die Kamera ins Hochformat dreht, blieben die Sucherwerte manchmal im Bild stehen statt darunter .
Augen-AF im Nachführmodus ist, anders als ich das von Canon auf der Photokina erfahren habe, diesmal noch nicht dabei. Ich komme allerdings mit der Gesichtserkennung normalerweise gut hin.
Ich hatte meine EOS R noch auf Filmen eingestellt, dann ist der Firmware-Menüeintrag unter SET UP6 nicht sichtbar. Stellen Sie sie also auf Foto, wenn Sie updaten möchten.

Für das RF24-105L IS STM steht ebenfalls eine neue Firmware bereit (2.0), diese sollten Sie auch gleich installieren, falls Sie das Objektiv besitzen.

Erfahrungen mit der EOS R

Ich arbeite seit dem ersten Tag der Verfügbarkeit (9.Oktober 2018) mit der EOS R und habe inzwischen gut über 20.000 Aufnahmen mit ihr gemacht und mit Holger Haarmeyer ein Buch über sie geschrieben. Mit Canon arbeite ich seit den 90er Jahren und mit spiegellosen Kameras seit 2014. Obwohl die Kamera nicht perfekt ist, ist sie in manchen Beziehungen die beste Canon und die beste Spiegellose, die ich je besaß.

Momentan kann ich die EOS R am besten mit meiner EOS 5D Mark IV und meiner Sony A7R III vergleichen. Die 5D Mark IV ist solider gebaut und hat zwei Speicherkartenslots, unter harten Bedingungen würde ich sie deswegen wahrscheinlich vorziehen. Die EOS R hat aber den deutlich besseren AF, genauer, mit viel größerer Abdeckung und bei schwachem Licht besser. Zudem lässt sich der AF-Punkt auch beim Blick durch den Sucher mit dem Daumen auf dem Touch-Bildschirm verschieben. Mit dem Klappbildschirm ist sie auch eine kreativere Kamera.

Der AF der EOS R reicht extrem weit an den Bildrand, meine 5D Mark IV hätte wahrscheinlich schon längst den Fokus verloren.

Im Verhätnis zur A7R III ist der AF bei schwachem Licht deutlich besser, die Kamera ist ergonomischer und der Sucher ist besser, vor allem auch wieder bei schwachem Licht. Da verschwimmt der Sonysucher, während die Canon klar bleibt. Die Bedienung und der Touchbildschirm sind bei der Canon auch besser. Die Sony liegt beim Sensor und beim IBIS vorn, IBIS hat die EOS R leider gar nicht. Das Top-Display der EOS R ist ebenfalls ein Vorteil, der Blitzschuh ist robust und Canons Blitzsystem ist auch besser. Ebenso ist die manuelle Scharfstellung bei Canon besser gelöst. Dafür hat die Sony mehr Auflösung und ist trotzdem schneller. Ich hatte eine Reihe von Veranstaltungen bei schwachem Licht zu fotografieren, zu denen ich die Sony und die Canon mitgenommen habe. Mit der Zeit hat sich die Canon als die Kamera herausgestellt, mit der ich unter in diesen Bedingungen lieber gearbeitet habe und mehr AF-Treffer hatte. Was nicht heißen soll, dass die Sony bei anderen Aufgaben auch hinten liegen würde, das ist ebenfalls eine sehr gute Kamera. Ein Vorteil der Canon ist, dass sie beim Ausschalten den Verschluss zu macht, so dass der Sensor nicht verdreckt. Das ist bei der Sony ein echtes Problem, zumal die interne Sensorreinigung bei mir noch nie auch nur ein einziges Staubkorn entfernt hat. Ein Blasebalg in der Kameratasche ist bei der Sony Pflicht.

Das RF35mm f1,8 STM besitzt ein angenehmes Bokeh

Ich arbeite hauptsächlich mit EF-Objektiven, sowohl mit dem mitgelieferten Adapter als auch mit einem zusätzlichen Einstellring-Adapter. EF-Objektive funktionieren ohne Einschränkungen an der EOS R. Wenn es überhaupt eine Veränderung zu vorher gibt, ist es eine Verbesserung, weil der AF der EOS R auch bei schwierigen Objektiven (50mm f1,2L USM, 85mm f1,2L USM) sehr exakt ist. Ich habe ein RF35mm f1,8 STM gekauft, auch um einen Vergleich zu nativen Objektiven zu haben. Außer der Schnellansicht, die für mich keinen so großen Unterschied macht und der Anzeige der Einstellentfernung bei manueller Scharfstellung im Sucher ist nichts zu bemerken. Das RF-Bajonett macht ganz andere Objektive möglich, Canon hat für dieses Jahr wohl schon acht Neuerscheinungen in der Pipeline, während es um EF eher sehr ruhig bleiben wird. Das RF35 bildet mit der EOS R eine schöne kompakte Einheit, der AF ist sehr schnell, die Schärfe sehr gut, das Bokeh angenehm aber nicht langweilig. Es verzeichnet sichtbar, aber nur, wenn Sie keine Objektivkorrektur verwenden. Im Nahbereich geht es bis 1:2. Ich mag es, es wäre schön, wenn Canon auch ein 50er und ein 85er in gleicher Qualität und Lichtstärke anbieten würde, im Moment konzentrieren Sie sich aber eher auf teurere Profiobjektive, wohl auch, um der kommenden Profi-EOS-R den Boden zu bereiten. Zuerst wird aber am 14.2. die EOS RP vorgestellt, die deutlich günstiger, kleiner und leichter als die EOS R wird.

Ich würde die EOS R wieder kaufen und bin insgesamt positiv überrascht. Ob das die richtige Kamera für Sie ist, müssen Sie allerdings abwägen. Sie könnte schneller sein, IBIS wäre nicht schlecht und ein zweiter Speicherkartenslot wäre auch sinnvoll. Spätestens Anfang 2020 wird Canon sicher eine bessere (und teurere) R bringen, am 14.2 wird Canon wohl die günstigere und leichtere EOS RP vorstellen, die Kamera soll sogar leichter werden als eine EOS 800D. Und die EOS R wird selbst auch noch besser werden nach dem nächsten Firmwareupdate, das Augen AF im Serienbild und Serienaufnahmen mit dem geräuschlosen Verschluss bringen wird. Als Start in ein neues System ist die EOS R gelungen, aber es wir noch viel kommen, was über sie hinausgehen wird.

Neue Entwicklungen im Fotomarkt

Für die Nikon Z gibt es jetzt einen Adapter für Sony E-Mount-Objektive. Der ist nur 2mm dünn, übersetzt aber den AF und den Stabilisator. Nikon war die Firma, an deren Bajonett fast nichts adaptierbar war, weil Sie mit das größte Auflagemaß verwendet haben. Nun haben Sie das kleinste und auch einen großen Durchmesser. Ihre Lektion haben Sie gelernt.

Panasonics Vollformatkameras kommen auf den Markt, gute Sensoren, Profi-Wetterabdichtung und ein Suchermonitor mit über 5 Millionen Pixel sind ein interessanter Einstieg. Es gibt auch ein paar neue Objektive dazu, das 50mm f1,4 scheint anhand der britischen Kitpreise allerdings bei über 2000€ zu liegen. Aber Luxus-50er liegen gerade im Trend,

Sony hat eine neue APS-C-Kamera herausgebracht, die A6400. Als Vlogger-Kamera beworben, allerdings klappt der Bildschirm nach oben, so dass man beim Einsatz eines Aufsteckmikrofons von vorne nichts mehr sieht. Der Rolling-Shutter Effekt ist auf den offiziellen Beispielvideos bereits störend. Auf einen IBIS hat Sony auch verzichtet, dafür ist der AF wohl großartig. Ich bin sicher, dass Sony bald eine bessere APS-C-Kamera vorstellen wird, auch wenn die a6400 durchaus ihre Stärken hat. Ich würde mir einen besseren Body mit einer größeren Z-Batterie wünschen und natürlich IBIS.

Der neue AF, der deutlich besser als bisher tracken kann, kommt per Firmware-Update auch in die Sony A9. Ebenfalls kommen Tier-Augen-AF und dauerhafter Augen AF ohne Tastendruck. Diese beiden Möglichkeiten werden auch die A7R III und die A7 III erhalten. Zudem erscheint eine neue App für das Tethered Shooting für IOS und Android. Das alles kommt aber erst im März/April heraus, so dass Sie noch ein wenig warten müssen.

Unser neues Buch zur EOS R erscheint in Kürze. Ich werde auch im Blog von meinen Erfahrungen bislang berichten. Insgesamt mag ich die Kamera sehr gern und finde auch, dass Canon etliches besser gelöst hat als Sony bei der A7R III, wenn auch der Sensor nicht ganz an Sony herankommt und IBIS fehlt.

Olympus hat die Olympus OM-D E-M1X herausgebracht, eine Profikamera mit integriertem Handgriff für 3000€. Ich vermute, dass die eher für Bestandskunden interessant ist, als dass sie Kameras mit größerem Sensor bei der Erstanschaffung verdrängen wird. Der Bildstabilisator schafft 7,5 Blendenstufen. Ich schätze, wenn Olympus das um eine weitere Stufe erhöhen kann, dann können Sie die Kamera während der Aufnahme loslassen, ohne dass sie auf den Boden fällt 😉
Auflösungsnachteile können durch gut umgesetzte Multishot-Modi kompensiert werden, aber für eine 3000€-Kamera ist der Sensor schon recht klein. Dafür macht die Camera echtes Cinema 4K und schafft im Silent-Modus 60fps aufzunehmen.

Der Blick in die Glaskugel für 2019

Die 5Ds R ist schon bald vier Jahre alt und immer noch die hochauflösendste Vollformatkamera. 2019 wird das vorbei sein, Sony hat bereits einen Sensor angekündigt, der um die 60 MP auflöst, Canon einen mit über 70 MP, der wahrscheinlich in einer EOS R Verwendung finden wird. Der Sony-Sensor soll auch einen langsameren 16Bit-Auslesemodus haben, der einen um fast zwei Blendenstufen höheren Dynamikumfang verspricht (bei 4,6 Bildern/s).

Es kommen zwar erste Global-Shutter-Kameras, aber diese zeigen, dass die Technik immer noch nicht so weit ist, Dynamikumfang und Rauschen sind noch nicht auf dem Level, den Kameras mit zeilenweiser Sensor-Auslesung erreichen. Deswegen sind das eher Speziallösungen und keine Technik, mit der ich 2019 in Massenkameras rechne. Leider.

Der Trend geht zu Spiegellos und Vollformat, es werden noch neue DSLRs erscheinen, aber es ist abzusehen, dass Sie ähnlich wie Verbrennungsmotoren beim PKW die letzte Generation sein werden. Canon, Nikon und Panasonic haben schon spiegellose Vollformatkameras herausgebracht bzw. vorgestellt, bei Canon kommen bestimmt noch zwei dazu in 2019, eine über der EOS R, eine darunter. Ich hoffe, dass zumindest die große IBIS mitbringen wird, gerade bei einer hochauflösenden Kamera ist das ein Muss. Die Technik ist inzwischen so weit, dass spiegellose Kameras Vorteile haben. Die Vorteile der DSLRs, etwa, dass einige davon deutlich robuster gebaut sind, sind ja nicht systembedingt, sondern können auch für zukünftige Spiegellose Anwendung finden. Die eher schlechte Wetterabdichtung von z.B. Sony-Kameras ist ja nur eine Designentscheidung, die bei stärkerem Wettbewerb wahrscheinlich bald überdacht werden wird. Eine professionellere EOS R wird auch ein anderes Level der Abdichtung mitbringen, als das erste Modell, dass eher auf dem Niveau einer EOS 6D Mark II konstruiert ist. Was nicht schlecht ist, aber eben nicht an Profi-DSLRs herankommt. Auch wenn sich die bestehenden Objektive an einer Nikon Z oder EOS R hervorragend und ohne Einbußen adaptieren lassen, ist der Druck der Hersteller groß, das native Objektivprogramm deutlich auszubauen. Wir werden im nächsten Jahr also nicht nur aufregende neue Kameras sehen, sondern auch interessante neue Objektive, die die Möglichkeiten der neuen Bajonette ausnutzen.

Die Frage ist, was langfristig aus Micro Four Thirds ( µFT ) wird, durch die schnelleren Prozessoren lassen sich auch hochauflösende Vollformatsensoren schnell auslesen und somit sehr schnelle Bildfolgen erzielen. Die Gehäusegröße ist bei Spiegellosen ebenfalls kein Argument mehr. Allein die Objektivmaße sind noch ein Argument für
µFT, für alle, die eine leichte und kompakte Ausrüstung bevorzugen. Ob das auf Dauer reicht, die Nutzergemeinde groß genug zu halten, um mit den Neuentwicklungen der anderen Fotohersteller vom Entwicklungsaufwand her mithalten zu können, weiß ich nicht. Das werden Sie als Kunde entscheiden.

Das Mittelformat demokratisiert zu zunehmend, Sie bekommen eine neue Mittelformatkamera wie die Fuji GFX 50R schon für unter 4500€. Mit einem Canon-EF-Adapter ist der Druck, gleich in Objektive zu investieren auch nicht mehr hoch. Auf der anderen Seite sind die Qualitätsverbesserungen und die Praxistauglichkeit im Vollformat so hoch, dass die Notwendigkeit für das Mittelformat nicht mehr hoch ist. Ich rechne trotzdem mit steigenden Nutzerzahlen, weil der Reiz einer größeren Kamera bleibt und die Preise nicht mehr viel höher sind als für gute Vollformatkameras.

Die Bereiche, in denen man Berechnungen zur Verbesserung der Bildqualität verwenden wird, werden zunehmen, Echtzeitkorrekturen von Objektivfehlern auch für Video sind bereits Realität, das Google Pixel 3 nutzt KI, um Nachtaufnahmen deutlich zu verbessern und gleicht damit eine der letzten Schwächen von Handykameras weitgehend aus. Einer der Trends wird sein, dass KI-Funktionen zunehmend auf lokalen Maschinen ausgeführt werden und nicht mehr auf Server zurückgreifen müssen. Manche Smartphones oder Tablets sind heute schon so leistungsfähig wie ein gehobenes Laptop oder ein guter Desktop PC, deswegen wird im nächsten Jahr auch eine Vollversion von Photoshop für das iPad erscheinen. Selbstfahrende Autos werden bei lebenswichtigen Entscheidungen im Straßenverkehr auch nicht auf Serverantworten warten wollen. KI wird keinesfalls schleichend Einzug halten in viele unsere Lebensbereiche, sondern die Entwicklung wird schnell und selbstbeschleunigend stattfinden, manche der Ergebnisse werden weit jenseits meiner Fantasie sein. Der Mensch wird sein Selbstverständnis an diese Entwicklungen anpassen müssen, die Veränderungen für die Gesellschaft positiv umzusetzen, wird eine Herausforderung. Ich hatte bei der Wahl meines Berufes gedacht, dass die Entwicklung von Computerintelligenz mich in einem kreativen Beruf erst relativ spät betreffen wird. Inzwischen weiß ich, dass es heute schon anfängt, mein Berufsfeld zu berühren und rapide fortschreiten wird. Trotzdem bin ich froh, nicht in einer Bank oder Versicherung zu arbeiten, wo KI viel schneller das Berufsfeld verändern wird und auch Angestellte ersetzen wird.

Dronen werden zunehmend kritisch gesehen werden und stärker reglementiert. Dass der Flughafen Gatwick für einen Tag vor Weihnachten wegen Dronen stillstand, ist ein eher harmloser Vorgeschmack auf das, was mit Dronen in der näheren Zukunft ausgeführt werden wird. Damit meine ich die kleinen Consumer-Dronen und nicht die militärischen, die schon seit Jahren viel mehr Menschen töten, als uns bewusst ist. Der technische Fortschritt geht in jede Richtung, dass er insgesamt zum Guten beiträgt, funktioniert nur, wenn sich Menschen engagieren und rechtzeitig die Kurve kriegen. Wir werden durch den Fortschritt Probleme schneller lösen können, aber auch in schnellerer Folge neue Probleme zu lösen haben. Ohne internationale Zusammenarbeit wird das nicht gehen, aber genauso muss sich jeder einzelne bewusst werden, dass er selbst auch wichtig ist und etwas ändern muss. Die Frage “Warum ändern die nichts?” sollte jeder erst einmal durch “Warum ändere ich nichts?” und dann durch “Wie kann ich etwas ändern?” ersetzen. CO-Vermeidung wird in den nächsten Jahren Mainstream, in Deutschland sind wir da vielleicht etwas hinterher (suchen Sie doch mal nach “Flygskam”), aber auch hier kommt das Ende einer Ära.

Die Erkenntnis, dass auch die gebildeten und umweltbewussten Menschen eher ein Teil des Problems sind als ein Teil der Lösung, setzt sich langsam durch (http://www.spiegel.de/wirtschaft/klimawandel-das-koennen-sie-persoenlich-dagegen-tun-a-1240539.html). Ich selbst bin da leider keine Ausnahme, auch wenn ich nur eine kleine Wohnung nutze, die keine andere Energie als 100% Oköstrom verbraucht, liegt mein C02-Ausstoß trotzdem über dem Durchschnitt. Ich habe begonnen, Dinge zu ändern, aber das ist noch ein weiter Weg. Elektromobilität wird meine Bilanz hoffentlich bald verbessern, Flugreisen kann ich entweder lassen oder zumindest kompensieren (https://www.atmosfair.de/de/). Und wenn dann lieber einmal für länger weg als öfter und kürzer.

Instagram hat den Trend verstärkt, dass immer mehr Menschen die gleichen Foto machen möchten, Seiten wie https://www.instagram.com/insta_repeat/ machen Sie sich darüber schon lustig, Instagrammer stehen vor den Sehenswürdigkeiten Schlange, um ein Foto zu bekommen, das aussieht, als wären Sie alleine dort (http://www.reisereporter.de/artikel/6116-overtourism-instagram-zerstoert-diese-orte-komplett-mit-geotagging-neuseeland-yosemite-verzascatal). Immer mehr Menschen haben die wirtschaftlichen Möglichkeiten für Fernreisen, social media schaltet deren Reisewünsche teilweise gleich, Overtourism macht diese Ziele dadurch unerfreulich und trägt oft zu deren Zerstörung bei. Gegen ein modernes Kreuzfahrtschiff sieht die Titanic aus wie eine Barkasse. In Deutschland werden gerade Kreuzfahrtschiffe der neuen “Global Class” gebaut, die 9500 Passagieren Platz bieten.

Diese Aufnahme entstand mit einem Nikkor 55mm f1,2 Auto S.C von 1973 an einer EOS R bei Offenblende mit 1/20s und ISO 12.800. Das Objektiv hat einige optische Schwächen, die dem Ergebnis aber nicht schaden.

Ein weiterer Trend, der schon seit einigen Jahren wächst, aber seinen Höhepunkt sicher noch nicht erreicht hat, ist Altglas, d.h. die Verwendung von Objektiven, die zumeist vor der Einführung des Autofokus gebaut wurden. Altglas ist das Vinyl der Fotoszene. Ich selbst habe mich erst so richtig mit dem Thema beschäftigt, als ich mein Objektivbuch begonnen habe, seitdem aber viel gelernt über die Vorteile alter Objektive, so dass sie in Zukunft ein wesentlicher Bestandteil meiner fotografischen Arbeit bleiben werden. Spiegellose Kameras erleichtern die Arbeit mit alten Objektiven durch ihr geringes Auflagemaß und die Scharfstellhilfen im elektronischen Sucher stark. Viele Fotografen werden also jetzt erst hinzukommen, wenn Sie auf Nikons und Canons adaptierfreudige neue Kameras umsteigen. Das Vergnügen ist oft günstig, so dass Sie für den Preis eines hochwertigen neuen Objektivs schon eine ganze Sammlung aufbauen können. Darin liegt auch eine gewisse “Gefahr”, denn bei den meisten Altglas-Nutzern bleibt es nicht bei ein paar Objektiven, sondern es werden auch wegen des sehr unterschiedlichen Charakters der Objektive schnell sehr viele.

Die Fototechnik wird sich im nächsten Jahr stark entwickeln, das Gefühl der momentanen Stagnation wird sich nicht halten, ist eigentlich auch spätestens seit dem Sommer 2018 nicht mehr angebracht. Der Fotomarkt für Fotografen wird dagegen eher leicht negativ sein, auch wenn es Trends gibt, dass sich Fotografen besser organisieren und nicht mehr alles mit sich machen lassen. Leuten, die ich mag, würde ich nicht raten, Fotograf zu werden, es sei denn bei überragendem Talent.

Ich vermute, dass Facebook und Instagram bereits heute auf dem absteigenden Ast sind und sich der Trend 2019 verstärken wird, augmented reality und KI werden aber wichtiger werden. Tablets werden für immer mehr Nutzer Computer ersetzen und Smartphones immer mehr Kameras. Für echte Amateurfotografen werden Kamerasysteme weiterhin die Wahl sein und auch lange bleiben, aber wer einfach nur Familie, Freunde und Reiseerinnerungen festhalten möchte, der wird dafür meist mit einem Smartphone auskommen.

Auch bei meinen professionellen Kollegen beobachte ich einen gewissen Trend weg von Adobe, bei der Raw-Konvertierung und Bildbearbeitung gibt es inzwischen ernst zu nehmende Alternativen, ich selbst habe meine letzten Jobs auch mit CaptureOne durchgeführt, weil mir die Ergebnisse besser gefielen. Ein Softwaremonopol ist für niemanden gut außer dem Monopolisten, es wäre auch nicht schön, wenn es nur noch eine Kameramarke gäbe. Eine zwangsweise Mietlösung wie bei Adobe lässt sich weniger leicht durchsetzen, wenn man nur ein Anbieter unter vielen ist. Ich beobachte an mir, dass ich von Miet- und Cloud-Lösungen eher genervt bin und hatte auch schon Zeiten, in denen ich kurzfristig nicht mit Adobe arbeiten konnte, weil Lightroom und Photoshop ihren Lizensierungsserver nicht fanden. Als Lytro insolvent ging, konnten die Kunden der plenoptischen Kameras ihre Arbeiten nicht mehr im Web zeigen, weil die Cloud-Lösung des Viewers eingestellt wurde. Nutzen Sie moderne Technik mit Spaß, aber überlegen Sie sehr gut, wenn Sie sich oder Ihre Firma von ihr abhängig machen.

Vergessen Sie bei all den Zukunftsentwicklungen nicht die Vergangenheit. Die Fotografie wird 2026 200 Jahre alt. Gehen Sie mal wieder ins Museum, verwenden Sie historische Fototechnik, nicht um die Zeit zurückzudrehen, sondern um sich selbst weiterzuentwickeln. Ich wünsche Ihnen ein zufriedenes und gesundes 2019, machen Sie was draus!