Sony A7R III vorgestellt

Sony hat den Nachfolger der A7R II mit viel Marketing-Wirbel vorgestellt, es ist eher ein evolutionäres Update, aber offensichtlich habe Sie dabei den Fotografen zugehört, denn es sind wirklich etliche Dinge verbessert worden, die an der A7R II genervt haben.

Die Kamera ist nun doppelt so schnell (AF und Bildwiederholrate), hat zwei Kartenslots, von denen leider nur einer UHS II kann. Der Sucher ist deutlich besser geworden, der Bildschirm kann rudimentär mit Berührungen gesteuert werden, was aber z.B. das gesamte Menü ausnimmt, mit dem, was Sie von anderen Kameras gewohnt sein mögen, hat das also nicht so viel zu tun. Immerhin lässt sich der Fokuspunkt setzen. Ebenso hilft ein Joystick jetzt bei der AF-Feldwahl. Ich hoffe, dass sich auch die Haltbarkeit der Bildschirmbeschichtung verbessert hat, eine Schwachstelle aller A7 von Anfang an.

Etwas aufgeräumter als der Vorgänger, mit Touchscreen und Joystick. Bild: Sony

Die Babyakkus gehören der Vergangenheit an, es werden nur die selben Akkus wie in der 9D verwendet, die 2,2 mal länger halten. Auch der Batteriegriff der A9 passt. Ihre Apps von der A7-Reihe werden Sie auch nicht weiterverwenden können, weil Sony jetzt auf das das Betriebssystem der A9 setzt. Leider scheinen ein paar Nachteile weiterzubestehen, so ist es immer noch nicht möglich, die Kamera uneingeschränkt zu bedienen, während auf die Speicherkarte geschrieben wird. Das unübersichtliche Menü ist nicht mehr ganz so schlimm, weil die Kamera nun ein MyMenu hat, in dem Sie die wichtigsten Punkte versammeln können. Zudem gibt es endlich eine Bewertungsfunktion, mit der Sie Bilder bereits nach der Aufnahme markieren können.

Die A7R III verwendet den gleichen Sensor wie die A7RII, es bleibt bei 42,4MP, allerdings steigt der Dynamikumfang und die ISO-Leistung um ca. eine Blende. Es sieht so aus, als würde die EOS 5Ds R noch eine Weile die hochauflösendste Vollformatkamera bleiben, denn auch Nikon hat bei der D850 auf 45MP gesetzt. Wahrscheinlich wird es Canon sein, die mit der 5Ds II die Auflösungsgrenze weiter erhöhen.

Der Bildstabilisator soll nun 5,5 Blendenstufen statt 4,5 schaffen, die Ergonomie wurde ein wenig verbessert, Video unterstützt sLog und HDR, aber immer noch maximal 30 FPS bei 4K. Autofokus funktioniert auch bei vergrößerter Sucheransicht noch.

Neu ist auch ein Multishot-Modus, wie Sie ihn vielleicht von Hasselblad, Olympus oder Pentax schon kennen. Es scheint allerdings so, dass es auch in diesem Modus bei 42,4MP bleibt, dafür aber ohne die Schwächen des Bayer-Musters. Für absolut unbewegte Motive lässt sich so ein Bildqualitätsgewinn erzielen.

Das klingt vielleicht insgesamt nicht überwältigend und nüchterner als auf den ganzen Seiten, die die Fanboys bedienen möchten. Wer Landschaften fotografiert, kann mit der A7R II weiterarbeiten, auch mit der A7R. Wer aber eine Kamera möchte, die universell zu verwenden ist, die zwei Kartenslots für die Sicherheit beim Job bietet, einen AF hat, mit dem man aller Voraussicht nach wirklich gut arbeiten kann und die im Sucher eine viel bessere Rückmeldung bietet, für den wird sich ein Wechsel lohnen. Zumal mit 10 FPS auch Actiontauglichkeit gegeben ist, ohne Abstriche bei der Bildqualität in Kauf zu nehmen. Wer die Auflösung nicht braucht, der wird wahrscheinlich mit der A7 III bald eine günstigere Alternative erhalten. Der Anfangspreis ist übrigens gleich geblieben, 3499€. Wenn man die Patentanmeldungen verfolgt, scheint es, dass auch Nikon und Canon 2018 professionelle Spiegellose vorstellen werden, der Fotomarkt bleibt spannend, auch wenn man mit dem derzeitigen Stand der Technik als Fotograf schon mehr als gut arbeiten kann.
Die A7R III ist nach der A9 Sonys zweite wirkliche Profikamera geworden, insgesamt gehen sie aggressiv in den Markt. Ich hoffe sehr, dass wir immer mindestens drei große Kamerahersteller haben werden plus ein paar kleine, die sich trauen, Dinge anders zu machen.

Canon EOS 6D Mark II: Erfahrungsbericht

Da die Arbeiten zu unserem Buch über die 6D Mark II schon recht weit fortgeschritten sind, komme ich endlich wieder dazu, mich dem Blog widmen zu können. Ich habe inzwischen einige Erfahrung sammeln können. Ich besaß auch die erste 6D, jedenfalls bis sie mir auf Teneriffa geklaut wurde. Das einzige, was mich an der ersten 6D wirklich genervt hat war diese „Andeutung eines Autofokus-Systems“, das war für damals schon zuwenig. Um es vorwegzunehmen: Ich mag die EOS 6D Mark II, sie ist nicht perfekt (was allerdings keine Kamera ist, die ich kenne), aber Sie leistet sich auch keine Schwächen, die ihre Anwendung begrenzen würden.

Was Canon sehr gut gelöst hat, ist die Bedienung. Da liegt Canon ohnehin vorne, aber die 6D Mark II ist noch einmal etwas klarer geworden. So sind die Tasten auf der Oberseite einfach belegt. Ein Druck auf die Taste und eine Drehung den Hauptwahlrads reichen aus. Die AF-Feldwahl lässt sich direkt mit der entsprechenden Taste durchwählen. Der Body ist insgesamt gelungen, ergonomisch und durchdacht. Wenn ich überhaupt etwas kritisieren würde, dann die mickrige Abblendtaste. Aber die Funktion können Sie sich auch eine andere Taste legen lassen.

Der Touchscreen ist super und kann alles. Die Menüs lassen sich komplett bedienen, die Schärfe legen und Auslösen im Livebild ist auch kein Problem. Der Autofokus im Livebild ist großartig, ich habe mir angewöhnt, Porträts wird lichtstarken Objektiven fast nur noch im Livebild aufzunehmen. Der AF Bereich ist viel größer und die Gesichtserkennung sehr genau, auch bei Bewegungen. Der Sucher ist zwar auch sehr gut einsehbar, groß und klar, aber bei Porträts müssen Sie genau arbeiten, denn die Farberkennung, die bei Gesichtern helfen soll, kann nicht viel. Nikon macht das besser, dafür ist das Livebild bei Nikon schlechter zu verwenden.

AVD Nachtrennen mit der 6D Mark II

Die Bildqualität ist gut, der Dynamikumfang aber tatsächlich nicht berauschend. Die Farbdarstellung ist sehr gut, die einzigen Schwächen, die ich erlebt habe, lagen an Lightroom und nicht an dem, was aus der Kamera kommt. Ich hoffe das Lightroom 2017, das bald kommt, nicht nur an der Geschwindigkeit, sondern auch an den Farben etwas ändert. Bei schwachem Licht ist die Kamera nicht nur sehr gut zu bedienen, weil der AF gut mithält, sondern die Ergebnisse sind auch sehr brauchbar. Auflösung und Schärfe sind gut, der AA-Filter scheint viele Details zu erhalten. Der Bildschirm ist sehr gut abgestimmt, bei schwierigen Naturtönen können Sie die Kamera neben das Motiv halten und alles passt. Zumindest, wenn Sie einen Bildstil wie Standard eingestellt haben.

Die Akkudauer ist prima, allerdings zieht das GPS, wenn sie es eingeschaltet haben und die Kamera nicht richtig ausschalten. Ich habe beim Autorennen am Nürburgring den ersten Akku nach über 3400 Aufnahmen gewechselt, und das war nur ein LP-E6 und kein LP-E6N.

Livebild macht selbst am Supertele noch Spaß

Die SCN-Modi für Anfänger hätte man gerne weglassen können, allerdings stören sie ja auch nicht. Die beworbene elektronische Bildstabilisierung bringt wenig. 4K-Timelapse ist allerdings großartig, das hätte ich auch gerne in der 5D Mark IV.

Das Blitzsystem und Objektivangebot sind wie immer bei Canon großartig. Die 5D Mark IV ist sicher die in manchen Details professionellere Kamera, aber ich würde mir mit der 6D Mark II auch für fast jeden Job gut gerüstet vorkommen. Für Hochzeitsfotografie, People, Industriereportage, Naturfotografie, zum Teil Sport etc. ist sie sicher ein hervorragendes Werkzeug. Wenn Sie auf 4K verzichten können, ist die 6D Mark II auch gut im Video, der AF ist jedenfalls voll videotauglich, was man von einer Sony A9 z.B. nicht sagen kann.

Die alte 6D hat einen noch von bestimmten fotografischen Möglichkeiten ausgeschlossen. Ich erinnere mich an einen Tanz bei einer Hochzeit bei schwachem Licht. Der AF war unfähig, eine einigermaßen zufriedenstellende Trefferquote zu erzeugen. So etwas passiert mit der 6D Mark II nicht mehr, die Kamera kann alles, was man braucht. Manchmal ist dafür vielleicht der Livebildmodus zu verwenden, der ist jedenfalls so gut, dass Sie ihn nicht außer acht lassen sollten.

Makro mit der 6D Mark II

Macken gab es wenige, bei ein paar Blitzen brauchte ich eine neue Firmware, ein Ringblitz von Yongnuo wurde ausgemustert. Das Sigma 35er ART war im Livebildmodus nicht sauber zu verwenden, aber Sigma Japan ist wohl an einer neuen Firmware dran. Und nein, ich meine damit nicht die Objektivaberrationskorrektur, die sollten Sie bei Fremdobjektiven eh lieber ausmachen.

Wer über seine erste Vollformat, einen Nachfolger zur 6D oder einen Vollformat-Zweitbody zu vertretbarem Preis nachdenkt, dem kann ich nicht abraten.

https://www.rheinwerk-verlag.de/canon-eos-6d-mark-ii_4552/?GPP=westphalen

 

 

 

Canon: Vier neue L-Objektive

Die nächsten vier Objektive hat Canon zwar noch nicht offiziell vorgestellt, aber die Informationen sind inkl. sehr glaubwürdiger Abbildungen bereits im Netz zu finden. Es handelt sich um drei Tilt-Shift-Objektive und ein 85er f1,4 IS. Wer auf ein günstigeres lichtstarkes 85er von Canon gehofft hat, wird wahrscheinlich enttäuscht werden, nach Bauart Sieht das eher nach um die 2000€ (Update: 1599€ UVP) aus, auch weil es das erste 85mm f1,4 mit Bildstabilisator ist.

Die TS-E-Objektive sind ein 50mm f2,8, ein 90mm f2,8 und ein 135mm f4 (Update:jeweils 2548€ UVP. Die ersten beiden lösen das wenig scharfe 45mm f2,8 und das sehr scharfe, aber nicht so flexible 90mm f2,8 ab, das 135er hat keinen Vorgänger. Alle drei Objektive sind makrotauglich bis 1:2, verschieb- und verschwenkbar und als L-Objektive ausgelegt, AF gibt es bei den TS-E-Objektiven natürlich nicht. Es ist davon auszugehen, dass sie hammerscharf sind und auch am 5Ds R-Nachfolger noch Spaß machen werden.

Ein neuer Makro-Doppelblitz, der MT-26EX-RT, kommt ebenfalls (1249 EUR UVP, *hust*). Der Blitz hat ein helles LED-Einstelllicht und unterstützt Funksteuerung.

Nikon D850 vorgestellt

Nachdem viele gesagt haben, die müssen jetzt aber mal, haben die jetzt ordentlich. 😉

Die Nikon D810 war eher ein Facelift der D800E, eine sehr gute Kamera, aber sehr nah an einer, die bereits seit Anfang 2012 auf dem Markt ist. Nikon hat nun mit der D850 einen großen Schritt gemacht und eine Kamera vorgestellt, die 45,4MP mit 7 bzw 9 Bildern (mit Batteriegriff und Hochleistungsakku) pro Sekunde verbindet und dabei das Profi-AF-System der D5 verwendet. 4K-Video ohne Crop ist ebenfalls an Bord. Eine Kamera die so hohe Auflösung und Geschwindigkeit miteinander kombiniert, gibt es auf dem Markt noch nicht. Wenn der Dynamikumfang dem der D810 entspricht, ist die Kamera auch eine sehr ernst zu nehmende Konkurrenz für viele Mittelfomatkameras. Im Handling, der Geschwindigkeit und in der Objektivauswahl ist die D850 ohnehin überlegen, und die Bildqualität wird keinen großen Unterschied ergeben, wenn man nicht gegen die 100MP-CMOS-Rückteile vergleicht. Nikon hat den Sensor selbst entworfen, es handelt sich aber um einen BSI-Sensor, wie er auch in der A7R II steckt und er wird wohl auch von Sony (Update: Vielleicht auch von TowerJazz aus Israel) gefertigt worden sein. Für eine wahrscheinlich kurze Zeit hat Nikon damit den besten Sensor auf dem Markt, beim baldigen erscheinen der A7R III kann sich das ändern. Das Gesamtpaket wird dann trotzdem Bestand haben, schließlich ist die D850 eine schnelle und robuste Profi-DSLR.

Nikon D850 -Bild: Nikon

Ich bin kein Freund von eingebauten Blitzen in Profikameras, ich hatte eine D800E und der Blitz hat mich genervt, weil ich ihn auch schon mal aus Versehen ausgeklappt habe. Er macht die Kamera weniger robust und den Platz sollte man eher einem besseren Sucher zugute kommen lassen, zumindest bei Vollformat-Kameras. Nikon hat das bei der D850 auch so gemacht.

Der SD-Kartenslot unterstützt UHS-II, daneben steht noch ein XQD-Slot zur Verfügung. Das Touch-Display lässt sich nach oben und unten neigen. Die Kamera ist auch keine heiße Luft bzw. Vaporware, was nach dem noch vor kurzem verwendeten Wort „Entwicklungsankündigung“ nach zu befürchten war, sondern Sie können Sie bereits Anfang des nächsten Monats (9.2017) für 3799 EUR kaufen.

Die ersten richtigen Tests bleiben abzuwarten, aber bislang habe ich nichts zu meckern und bin beeindruckt.

http://www.nikon.de/de_DE/product/digital-cameras/slr/professional/d850#techspecs

Canon EOS 6D Mark II ist da

Canon hat heute die EOS 6D mark II vorgestellt. Ich werde hier nicht das Marketingmaterial wiederholen, sonder kurz das Wichtigste zusammenfassen und eine Einschätzung abgeben.
Informationen von Canon finden Sie hier: http://www.canon.de/cameras/eos-6d-mark-ii/

Die 6D Mark II hat 26,2 MP, den hohen Dynamikumfang der EOS-Kameras seit der 80D, ISO 40.000, erweiterbar auf ISO 102.400.
Der AF besitzt 45 Punkte und ähnelt dem der 80D, das führt leider zu einer relativ geringen Sucherabdeckung, allerdings arbeitet er bis LW -3 und Blende 8. Zudem gibt es im Livebild einen Dual-Pixel-AF (DPAF) mit 80% vertikaler und horizontaler Abdeckung, der sich über das Vari-Angle-Touchdisplay steuern lässt. Die Kamera schafft 6,5 Bilder/s (zum Vergleich, die 5D Mark IV macht auch nur 7), im Livebild 4. Der Body ist relativ klein und leicht, etwas dicker als die originale 6D durch das Schwenkdisplay.

EOS 6D Mark II
Bild: Canon

Der Akku schafft 1200 Bilder mit einer Ladung, das ist ein extrem hoher Wert, bei einer Sony A7 II haben Sie da schon den vierten Akku eingelegt.
Das Gehäuse besteht aus einer Alulegierung und Kunststoff, unterstützt GPS, WLAN und Low-Energy-Bluetooth und ist wetterabgedichtet.
Im Video wird FullHD mit 60FPS unterstützt, HDR-Video und eine Bildstabilisierung, zu der ich leider noch nicht die genaue Funktionsweise herausfinden konnte. Der Video-AF ist absolut hervorragend und lässt sich leicht über Touchscreen steuern. Wem FullHD reicht, der wird damit glücklich, wer 4K möchte, sollte woanders gucken. Bei der 5D Mark IV frisst 4K allerdings auch enorm Daten und hat nur einen Cropfaktor von 1,74. Zeitraffervideos können allerdings in 4K aufgezeichnet werden, was großartig ist, zudem kann man die Einzelframes bei 8MP auch fotografisch nutzen. Ich würde mir wünschen, das Canon dieses Feature auch für die 5D Mark IV per Firmware-Update nachreicht.
Der Verschluss schafft 1/4000s und 1/180s Blitzsynchronzeit, das kennen Sie von der 6D schon.

Ich habe die 6D auch besessen, bis Sie mir gestohlen wurde. Ich mochte die Kamera, aber Sie hatte keinen guten AF, war etwas langsam und in den Schatten war die Bildqualität nicht überragend. All das hat Canon behoben, Touchscreen-Steuerung und DPAF dazugepackt und die Auflösung erhöht. Die Verbesserungen sind sehr an der Praxis ausgerichtet, es wird eine Freude sein, mit der Kamera zu arbeiten. Mit 2099€ UVP ist die Kamera ein gutes Angebot, auf der Straße wird Sie bald günstiger zu haben sein.
Vorteile:

  • gute Bildqualität
  • guter AF
  • günstige Vollformatkamera
  • DPAF auch im Video sehr gut
  • relativ leicht
  • sehr gute Akkulaufzeit
  • sehr gutes Objektiv und Zubehörangebot
  • sehr gute Usabiltity
  • sehr flexibler Touchscreen, Scharfstellung und Auslösung mit einem Fingertipp
  • 4K-Timelapse eingebaut

Nachteile:

  • kein 4K-Video
  • geringe Sucherabdeckung der AF-Felder
  • Gehäuse nicht ganz so robust wie in der Klasse höher

Neues vom Fotomarkt – Canon, Nikon, Sigma, Tamron

Canon wird in der nächsten Woche, die EOS 200D vorstellen, eine Kamera für Leute, denen geringes Gewicht wichtig ist und die trotzdem eine Spiegelreflex haben möchten. Ebenso wird die 6D Mark II vorgestellt, die sicher mehr Beachtung finden wird. Die Kamera hat ein Klappdisplay und einen sehr guten AF im Sucher- und im Livebildmodus (was man vom Vorgänger nicht behaupten kann). Sie wird auch ein wenig größer als der Vorgänger und unterscheidet sich im Gewicht nicht mehr so viel von der leichter gewordenen 5D Mark IV, im Preis allerdings schon. Ich vermute, dass das die am besten bedienbare Vollformatkamera überhaupt wird. 4K wird Sie nicht haben, außer beim Timelapse, es wird Leute geben, die in den Foren meckern werden, das Canon nicht genug bringt und die Anwender werden trotzdem glücklich mit der Kamera sein. 26,2MP und eine gute ISO-Leistung zielen auf den selben Kundenkreis wie die erste 6D, der bessere AF wird die Kamera aber universell einsetzbar machen.

Sigma hat jetzt auch die Preise für das 24-70 f2,8 Art (1449 UVP) und das 14mm f1,8 Art (1649 UVP) bekanntgegeben. Letzteres ist eine kleine Sensation, eine solche Lichtstärke gab es bei einem Vollformat-14er noch nicht. Zudem sind die MTF-Kurven besser als beim 20er und 24er Art. Für Sternefotografen sicher erste Wahl. Wer ein 24-70mm f2,8 sucht, kann auch auf das neue Tamron warten, das ebenfalls in allernächster Zeit vorgestellt wird. Tamron hat auch ein neues Superzoom, die werden zwar immer besser, aber ich finde, das ist wirklich nur etwas für Leute, die partout keine Objektive wechseln möchten. Ich verurteile das nicht, aber ich möchte Sie auch nicht ermutigen 😉

Nikon hat drei neue Objektive vorgestellt. Ein 8-15mm Fisheye-Zoom, das von Canon ist jetzt also nicht mehr so exotisch, ein 28mm f1,4, das auf den ersten Bildern ein sehr schönes Bokeh zeigt, und ein 10-20mm für APS-C. Es wäre schön, wenn ein Hersteller eine Sony-E-Mount-Adapter für Nikon-Objektive bauen würde, der in der Qualität mit denen für Canon-Objektive von Sigma und Metabones mithalten könnte, ein paar (mehr) Nikon-Objektive würden sicher auch unter Sony-Fotografen Käufer finden.

Sony A9: Eigene Eindrücke

Sony hat heute im Kölner Rheinenergie-Stadion interessierten Fotografen die Möglichkeit gegeben, die A9 auszuprobieren. Diese Möglichkeit habe ich genutzt und möchte von meinen Eindrücken berichten. Die Kamera ist ein wenig größer als die A7-Serie und auch ein wenig durchdachter. Der Filmknopf ist nun neben den Sucher und lässt sich bedienen, ohne die Aufnahme zu verwackeln, es gibt einen Joystick und eine rudimentäre Touchscreen-Umsetzung. Das ist ein Schritt in die richtige Richtung, aber so richtig ergonomisch finde ich die Kamera immer noch nicht. Ich habe hauptsächlich mit einem 100-400mm gearbeitet und irgendwann empfand ich die Kante, die das Gehäuse in meiner rechten Hand bildete, als störend. Ich habe nur ca. 2 Stunden fotografiert, an einem ganzen Tag mit schwerem Objektiv wäre es vielleicht schmerzhaft geworden.

Die Schärfe sitzt auch bei schnellen Motiven sehr gut

Immerhin lässt sich nun mit langen Brennweiten gut arbeiten, vorher hatte ich das Problem auch deswegen nicht, weil ich keine Action mit langen Brennweiten mit der Sony A7 RII fotografieren wollte. Das geht jetzt und „gehen“ ist eine Untertreibung, der AF ist wirklich hervorragend und steht den Profi-DSLRs nicht mehr nach. 20 Bilder pro Sekunde sind auch der Hammer, der Puffer ist groß, die Kamera speichert auf UHS-II (leider nur einer von zwei Slots, das verstehe ich nicht).

Klicken Sie doch mal auf den Link, um zu sehen, wie sich 20fps  12 fps anfühlen:

http://fotoschule.westbild.de/wp-content/uploads/2017/06/ANI-A9-Torwart.gif

(die Kamera stand auf lossless RAW, da schafft die Sony nur 12 fps)

Die Kamera arbeitet dabei ohne Dunkelpause und ohne Geräusch, wenn man die künstlichen Geräusche ausgestellt hat. Das ist recht gut für die Konzentration. Im AF-Bereich hat die A9 die volle Punktzahl, die Spiegellosen sind angekommen, ab jetzt wird es ernst im Profibereich. Sony baut auch seinen professional Service auf und geht in den Markt wie Canon vielleicht vor 10 Jahren. Da der Verschluss elektronisch ist, schafft die Kamera 1/32000s ohne Beugungsunschärfe, ein mechanischer Schlitz wäre zu schmal bei dieser Zeit.

Leider ist es mir nicht gelungen, die AF-Qualität auch im Video-Bereich zu nutzen, 4K geht eh nur in maximal 30 fps, das wirkt im Sucher trotz langer Zeiten abgehackt. Der Sucher ist schnell, groß und gut, auch hier eine Verbesserung. Der AF im Video-Bereich war enttäuschend, allerdings habe ich nicht viel Zeit darauf verwendet, das sollten Sie selbst noch einmal testen. Der Rolling-Shutter-Effekt war auch sehr stark, bei so einem schnellen Sensor hätte ich ihn geringer erwartet. Ich denke aber, dass Sie für Video bessere Kameras kaufen können, auch von Sony.

Ich habe auch fremde Objektive an die Sony gesetzt, mit dem Sigma MC-11 und dem Metabones IV. Das EF 70-200 f2,8L IS II USM funktioniert ganz ok an beiden, das Sigma 150-600mm C war eher katastrophal. Aber nur auf den ersten Blick, den Sigma war auch da und konnte mir einen MC-11 mit neuester und noch nicht veröffentlichter Firmware leihen. Das war schon ziemlich gut und Sigma ist damit noch nicht fertig.

Als Sport-Kamera ist die A9 sehr gut geworden, es viel mir schwer, sie wieder aus der Hand zu legen. Allerdings war der Akku auch schon bei 1%, das machte es einfacher. Ich hatte nur einen Akku drin, 78% als ich die Kamera übernahm, 1130 Aufnahmen, ein paar Videos, das ist ganz ok und auf jeden Fall besser als das was eine Sony vorher konnte. Ich hoffe, dass einiges auch in die A7 III und A7R III einfließt, denn mit 5300€ und 20fps ist die A9 nicht für jeden etwas.

 

 

Sony A7 R II und andere: Neue Firmware (lohnt sich!)

Ich schrieb vor kurzem, dass die Sony Sterne frisst. Und zack veröffentlicht Sony eine neue Firmware, die das Rauschverhalten bei Langzeitbelichtungen verbessern soll. Das habe ich noch testen können, aber die Firmware lohnt sich auch so: Die Einschaltzeit ist um Längen schneller geworden, die Fokuspunktverstellung kann aktiv gelassen werden, so dass Sie über die Wippe konstant den Fokuspunkt verschieben können.

Sony scheint auch die Möglichkeit, third-party-Apps ui installieren, dicht gemacht zu haben. Für wen die wichtig sind, der sollte mit dem Update warten.

Sony A7R II: https://www.sony.de/electronics/support/e-mount-body-ilce7-series/ilce-7rm2#SoftwareAndDownloads

P.S.: Beim nächsten Update bitte auch die Wartezeit für die 1:1-Anzeige verkürzen, drei Sekunden sind viel zu lang.

UPDATE: Das Sternenproblem ist leider wohl noch nicht gelöst. Die Version 4.00 ist allerdings auch nicht schlechter als die 3.30.
https://petapixel.com/2017/06/13/sony-mirrorless-cameras-still-eat-stars/

Ex-Rollei ist wieder da:

Der Markenname Rollei gehört längst jemand anderem, der Nachfolger von Franke & Heidecke ging in Konkurs, aber aus der Konkursmasse ist DW Photo wieder auferstanden: https://www.dw-photo.eu/

Da Photoscala darüber ausführlich geschrieben hat, muss ich das nicht machen:
http://www.photoscala.de/2017/05/23/analog-und-digital-mittelformatkamera-hy6-ist-wieder-zu-haben/

Ich wünsche der Firma viel Erfolg und gute Entscheidungen. Wenn ich in dem Laden sitzen würde, würde ich wahrscheinlich zuerst über Adapter für die die spiegellosen Kameras von Hasselblad und Fuji nachdenken, die die sieben verfügbaren Mittelformatobjektive auch anderen Systemen verfügbar machen. Und Angaben zu den verfügbaren Digitalrückteilen (Leaf) müssen schnell auf die Webseite.

 

Nikon wird 100 und macht Cashback

Nikon wird 100 Jahre alt und führt zu diesem Anlass eine 100-tägige Cashback-Aktion durch:

https://www.mynikon.de/promotions/cashback

Canon ist übrigens gerade erst 80 geworden. Es gab eine Zeit, da war Nikon die unangefochtene Nr. 1 im Fotomarkt und auch kleine Nachwuchsfotografen wie ich träumten von einer Nikon F3 oder einer FM2. Als es dann tatsächlich so weit war, von Olympus umzusteigen, weil die es damals einfach nicht gebacken bekommen haben (ich sage nur „Powerfokus“), bin ich dann doch bei Canon gelandet. Der Vorteil Nikons, dass man die alten Objektive an den neuen AF-Kameras weiter verwenden konnte, war für mich keiner, da ich ja nur Olympus-Objektive (und Hasselblad, Rodenstock und Schneider-Kreuznach-Objektive…) besaß. Ich bin später doch noch zu Nikon gekommen und hatte eine Weile eine D800E-Ausrüstung, die ich nur deswegen wieder verkauft habe, weil ich an der Sony auch meine Canon-Objektive verwenden konnte. War aber eine gute Zeit und eine sehr gute Kamera.

Geblieben ist über all die Jahre eine große Sympathie für die Marke und einige ihrer Produkte (ich bin nicht so ein Fan der Nikon 1-Reihe) und ich wünsche Nikon alles Gute für die nächsten 100 Jahre.

5D Mark IV Firmware 1.04

Canon hat eine neue Firmware für die EOS 5D Mark IV herausgebracht. Das ist noch nicht das große Update, von dem ich schon schrieb, eher kleine Fixes:
1. Behebt ein Problem, bei dem bei Langzeitbelichtung ein roter Bereich an der unteren Bildmitte auftreten kann.
2. Behebt ein Problem, bei dem der Autofokus nicht reagiert, wenn er per Auslöser, AF-ON-Taste oder AE Lock-Taste aktiviert wird, wenn er über die Custom-Steuerung eingestellt wurde.
3. Verbessert die Kommunikation zwischen der Kamera und der SD-Karte.

und DAS WICHTIGSTE:
4. Behebt eine inkorrekte Bezeichnung im finnischen Menübildschirm.

https://www.canon.de/support/consumer_products/products/cameras/digital_slr/eos-5d-mark-iv.aspx?type=firmware

Neuigkeiten: Nikon D7500, EF-S 35mm Makro

Die letzen Wochen waren nicht ruhig auf dem Fotomarkt, auch wenn manche Neuigkeiten erst zur NAB (24-27.4 in Las Vegas) vorgestellt werden werden. Nikon hat seine D7500 vorgestellt, im Prinzip eine D7200 mit Sensor und ein paar Eigenschaften der D500. 20MP, sehr gute ISO-Leistung, sehr guter AF, 8 Bilder pro Sekunde und 4K-Video. Der „Bildstabilisator“ arbeitet nur für HD-Videos und auch nur rechnerisch, das ist also keine wirklich spannende Neuigkeit. Leider merkt man auch, dass es bei Nikon jetzt wieder eine aktuelle professionelle DSLR gibt (D500), weil der zweite Kartenslot weggelassen wurde und nur SD-Karten mit UHS-I unterstützt werden. Die D7500 ist trotzdem eine sehr leistungsfähige Kamera, die gerade bei schwachem Licht ihre Stärken ausspielen kann.

Canon hat das EF-S 35mm f/2.8 Macro IS STM herausgebracht, das eine eingebaute LED-Ringleuchte besitzt. Da Sie bei 1:1 den Schärfebereich nur drei Zentimeter von der Frontlinse entfernt haben, ist das auch eine gute Idee. Das Objektiv ist nur für APS-C-Kameras geeignet, hat einen Bildstabilisator und kann gleichzeitig als scharfes Normalobjektiv dienen. Wer auch viel Insekten fotografiert, sollte lieber eine längere Brennweite zwischen 90 und 105mm wählen, aber grundsätzlich ist das ein spannendes Angebot. Mit 190g auch sehr leicht, trotzdem optisch wohl sehr gut. Das Objektiv ist ab Mai für 429 UVP verfügbar.

 

30 Jahre EOS: Cash-Back-Aktionen

Canon ist gerade in Feierlaune, das EOS-System wird 30 und seit vierzehn Jahren sind sie auf Platz eins der Verkaufsstatistik, im Moment gibt es noch mehr Cashback-Aktionen als sonst. Ich drösel die hier nicht für Sie auf, Sie finden alle unter:

http://www.canon.de/for_home/promotions/

Meist lassen sich die verschiedenen Promotionen bei Canon auch kombinieren. Wer sich z.B. der EF70-200mm f2,8L IS II USM holen möchte, bekommt beim Kauf bis zum 30.4.2017 250€ zurück, das kann ein Objektiv schon einmal unter die persönliche Schmerzgrenze rücken. Canon macht das regelmäßig, wer diesmal noch nicht zuschlagen kann oder will, wird aller Voraussicht nach gegen Jahresende noch einmal eine ähnliche Gelegenheit finden, wenn auch nicht so umfassend wie gerade zum 30. Geburtstag. Happy Birthday, EOS! Zwei Drittel der Zeit bin ich auch schon dabei.

Sony A7R II: Nachteile des elektronischen Verschlusses

Die Sony A7R II hat einen leisen Modus, bei dem der erste und zweite Verschlussvorhang elektronisch ablaufen. Wenn Sie auslösen hören Sie nur noch den Fokusmotor und das Schließen der Blende im Objektiv, das ist je nach Objektiv im besten Fall fast unhörbar. Toll in der Kirche bei der Hochzeit, aber es hat auch einen großen Nachteil: Bei flimmerndem Licht gibt es Streifen auf dem Bild.

Im oberen Beispiel ist der leise Verschluss aktiv, im unteren ist der Verschluss auf den Standard-Modus eingestellt. Der leise Betrieb liefert auch etwas mehr Rauschen und weniger Bit-Tiefe, in den meisten Fällen ist das aber kaum von Belang. Auf Streifen bei Kunstlicht sollten Sie aber in jedem Fall achten.

Der Standardbetrieb, der aus einem elektronischen ersten Vorhang und einem mechanischen zweiten besteht, hat aber auch seine Nachteile. Kurzfristig dachte ich sogar, mein Verschluss würde den Geist aufgeben, als er bei kurzen Belichtungszeiten das Bild oben abschattete.

In diesem Fall lag das daran, dass der elektronische Verschluss auf dem Sensor liegt und der mechanische davor, bei bestimmten Strahlengängen schattet der mechanische den elektronischen zum Ende hin ab. Da das Bild auf dem Sensor Kopf steht, wird dann die obere Bildbereich dunkler. Abhilfe bringt, wenn Sie Elekt. 1.Verschl.vorh. auf Aus stellen oder den leisen Verschluss wählen. In beiden Modi werden der elektrische und der mechanische Verschlussvorhang nicht mehr gemischt. Das Problem tritt bei mir nur mit bestimmten Objektiven und bei Zeiten kürzer als 1/1000s auf. Das Beispiel stammt von einem analogen 400mm-Objektiv bei 1/8000s. Den Sony Support anzurufen bringt übrigens gar nichts, ich schwanke bei Sony ohnehin, ob ich „Support“ oder „“Support““ schreiben soll 😉

Fachkundige Hilfe gab es übrigens hier: https://www.facebook.com/groups/103052126702309/
in einer Facebook Gruppe, für A7-Fotografen.

 

 

 

Grüezi Guetzli

Das JPEG Format erhält einen neuen Kodierer, genannt Guetzli (schweizerisch für Keks). Im Schnitt 35% kleinere Dateien und weniger Artefakte, allerdings rechenaufwendiger. Google hat den als Open Source veröffentlicht, ich hoffe aber, dass der bald als Option in Photoshop und Lightroom zur Verfügung steht. Für Web-Bilder würde ich den sofort einsetzen. Mehr unter:

https://www.heise.de/newsticker/meldung/Googles-Guetzli-Encoder-schrumpft-JPEG-Bilder-um-ein-Drittel-3657823.html

Fokus-Testgrafik für 5D-Mark IV-Buch

Im neuen 5D Mark IV Buch ist auf Seite 354 leider die Vorschau und nicht die Vektorgrafik gedruckt worden. Für die beschriebene Art der Fokuskorrektur ist das ohne Belang, da bei der empfohlenen Entfernung die Kamera eh nicht mehr auflöst, aber wer die Grafik auch für andere Zwecke gerne perfekt haben möchte, findet Sie hier zum Download:

Testgrafik als PDF zum Download

http://fotoschule.westbild.de/wp-content/uploads/2014/01/Siemens_Testbild-Westbild.pdf

Es ist ohnehin praktischer, eine einzelne Seite an der Wand zu befestigen, als das ganze Buch irgendwo aufzustellen. Die Verwendung der Grafik ist natürlich nicht auf die Leser meiner Bücher beschränkt, sie darf von jedem heruntergeladen und weitergegeben werden.

Buch und E-Book als Bundle

Mein Verlag hatte das schon einmal angeboten, das was aber damals wegen großer steuerlicher Unwägbarkeiten wieder eingestellt worden. Nun gilt für Buch und E-Book der gleiche Steuersatz und meine Leser und alle anderen des Rheinwerkverlags können für 5€ mehr das E-Book im Bundle mit der gedruckten Ausgabe erwerben.

https://www.rheinwerk-verlag.de/bundle

Wer mag, kann das mit dem Buch zur 5D Mark IV, das heute erscheint, schon ausprobieren 😉
Wer das Buch woanders gekauft hat, kann das E-Book im Rheinwerk-Shop für 5€ hinzuerwerben, allen neuen Büchern liegt nun ein entsprechender Hinweis bei.

Die Kamera mag ich nach wie vor sehr und ich kann sie jedem, der hauptsächlich fotografisch unterwegs ist, uneingeschränkt empfehlen. Wenn im Videobereich 4K-Video ohne Cropfaktor und auch mit einem anderen Codec möglich wäre, wäre sie auch hier perfekt.

Ein Blick in die Glaskugel für 2017

Um die Jahreswende blicke ich traditionell ein wenig in die Zukunft und äußere meine Erwartungen über die anstehenden technischen Entwicklungen in der Fotobranche. Einige der letzten Prophezeiungen sind eingetroffen, so wurden z.B. 2016 endlich spiegellose Mittelformatkameras von Hasselblad und Fuji vorgestellt. Hasselblad ist übrigens gerade chinesisch geworden, DJI (die Firma mit den Drohnen, genau) hat inzwischen die Mehrheit. Das entspricht sicher einem generellem Trend, die Chinesen werden auch im Rest der Industrie Europas weiter stark an Übernahmen interessiert sein. Japan hatte übrigens auch einmal das Image eines belächelten Billigproduzenten mit Nachbaumentalität. Von dem sind die Chinesen nun auch schon entfernt, aber die haben auch noch viel Luft nach oben und arbeiten mit großer Kraft am weiteren Aufstieg. Chinas Anteil am Fotomarkt wird auch zu Lasten etablierter Europäischer und Amerikanischer Hersteller weiter wachsen.

Morgen wird das iPhone 10 Jahre alt. Ich erinnere mich an den Tag und habe mir die Präsentation damals angeschaut. Ich war erleichtert, dass es endlich jemand richtig macht. Internet auf dem Handy war vorher fürchterlich. Es war so schlecht, dass die Provider die Handies so gebrandet hatten, dass die Wahrscheinlichkeit sehr hoch war, irrtümlich auf den Internet-Button zu kommen, damit überhaupt einmal Datenvolumen generiert wird. Die Benutzung war ein Krampf und die Gebühren ein Hohn. Dann kam das iPhone und der Rest ist Geschichte. Heute hat fast jeder ein Smartphone, die meistverwendete Kamera bei flickr ist ein iPhone, die Kamera an Platz 2 ist auch ein iPhone, Kompaktkameras werden kaum noch verkauft und wenn, dann sind Ihre Sensoren deutlich größer geworden, damit sie sich qualitativ absetzen. Diese Entwicklung ist noch nicht vorbei, Smartphones haben noch großes Entwicklungspotential und werden den Fotomarkt von unten weiter stark unter Druck setzen. Und trotz der Kulturrevolution, die Smartphones bei jedem von uns ausgelöst haben ist das nur ein Klacks im Vergleich zu dem, wie die Technik unser Leben und die Fotografie in den nächsten Jahren verändern wird.

Wie das fahrerlose Auto wird es auch die fotografenlose Kamera geben. In ein paar Jahren wird man Drohnen losschicken können, die auch ohne menschliche Steuerung Bilder von aktuellen Ereignissen liefern, Objekte aus der Luft fotografieren und selbsttätig gute Bildwinkel und Ausschnitte wählen. Techniken aus der Überwachung werden zurückschwappen in den fotografischen Bereich. Computer werden mehr und mehr in der Lagen sein, Bildinhalte zu erkennen, bei der Bildsuche und Bildverschlagwortung zu helfen und auch die Bildwirkung auf den Menschen analysieren. Computer werden auch immer mehr in die Bildbearbeitung eingreifen, schon heute erstellen Bilderdienste wie Google Photos selbstständig Montagen, Panoramen oder Zusammenstellungen.

Canon hat auf der CES gerade einen Sensor mit 250MP vorgestellt, dessen angedachter Anwendungsfall die Überwachung ist. Mit so einem Sensor kann man einen großen Platz mit einer Auflösung erkennen, die für die Erkennung einzelner Gesichter ausreicht. Auch im fotografischen Bereich werden die Auflösungen weiter steigen, ebenfalls auf der CES wurde der erste 8K-Monitor vorgestellt, 8K-Video wird in absehbarer Zeit auch für Normalanwender verfügbar sein. Der Schritt von FullHD zu 4K war aber sicher bedeutender, denn das Auge kann bei Ganzbildbetrachtung ohnehin nicht viel Mehr als 4K auflösen, ab einem gewissen Abstand zum Fernseher macht es auch keinen Unterschied mehr, ob der FullHD oder 4K kann. Trotzdem werden Fotografen von der Auflösungssteigerung profitieren, Ich fotografiere gerne mit der EOS 5DS R, weil Sie mir erlaubt, auch noch kleinere Ausschnitte des Bildes mit hinreichender Auflösung zu verwenden. Das ist vor allem in der Tierfotografie sinnvoll, weil ich fliegende Vögel auch in größerer Entfernung noch erfassen kann, ohne das es bildnerisch sinnlos wird. Ich würde auch eine 50MP-APS-C-Kamera kaufen, wenn Sie bei ISO-Leistung und Dynamikumfang gut genug wäre.

Apropos 4K:  4K würde am meisten Sinn im Beamerbereich ergeben, weil die großen Bilddiagonalen die Bildinformation dort wirklich sichtbar machen. Es ist zu hoffen, das 2017 endlich bezahlbare echte 4K-Beamer auf den Markt kommen, im Moment sind sie entweder bezahlbar oder echt („4K-Enhancement“).

Für viele Fotografen ist der Unterschied zwischen Gesehenem und Aufgenommenem bzw. Wiedergebbarem immer noch etwas frustrierend. Farb- und Dynamikumfang waren gerade in der Wiedergabe recht begrenzt. HDR-Monitore und neue Displaytechniken kommen immer mehr dem nahe, was das Auge verarbeiten kann.

Wenn Sie eine Sony A7R II oder eine vergleichbare Kamera im leisen Modus auslösen, hören Sie gar keinen Kameraverschluss mehr, weil die Belichtung rein elektronisch gestartet und beendet wird. Leider werden die Daten immer noch zeilenweise ausgelesen, so dass Sie bei Flackerlicht Bildstreifen erhalten, die sie beim mechanischen Verschluss nicht bekommen. Schön und technisch machbar wäre ein globaler elektronischer Verschluss, der das Bild gleichzeitig ausliest. Damit gäbe es keinen Rolling Shutter-Effekt mehr im Video und man könnte auch mit kurzen Belichtungszeiten blitzen, ohne dass man HSS einsetzen muss. Das wäre eine Entwicklung, die gerade professionelle Fotografen dazu verleiten könnte, sich eine neue Kamera zu kaufen. Auf der anderen Seite wird auch Hensel in diesem Jahr eine mobile Blitzanlage herausbringen, die HSS unterstützt.

Dass bei manchen neuen Kameras nicht auf neue Speicherstandards gesetzt wurde, damit die Käufer ihren alten Speicher weiterverwenden können, kann ich gut verstehen. Dass UHS-II bei SD-Karten-Slots noch nicht weiter verbreitet ist, wundert mich allerdings schon. Vielleicht liegt das auch an den langen Projektlaufzeiten bei der Kameraentwicklung. In UHS-II-Slots kann man auch alte SD-Karten weiterverwenden, es gäbe also keinen Kunden, der sich über die Einführung ärgern würde. Ich hoffe, dass das in 2017 endlich auf breiterer Basis passiert. Zumindest gute 300MB/s könnte man damit realisieren, ohne sich in der CFast gegen XQD-Frage entscheiden zu müssen. CF-Karten haben nämlich im Moment mindestens zwei Nachfolger, die auch mit der bisherigen Technik nicht kompatibel sind.

Ein weniger schöner Trend ist, dass Fototechnik etwas teuer wird. Das liegt nicht nur am Wechselkurs von Yen zu Euro, sondern auch am schrumpfenden Markt. Smartphones haben das untere Segment fast aufgelöst und im oberen ist eine gewisse Sättigung eingetreten, weil auch eine Kamera von vor fünf Jahren noch sehr gut ist. Trotzdem hat sich eine Menge getan und wenn Sie darüber nachdenken, ihre Ausrüstung aufzufrischen, dann möchte ich Sie nicht davon abbringen. Es gibt jetzt schon genug wirklich leistungsfähige Kameras wie z.B. die Nikon D500 oder die Canon 5D Mark IV, aber ich erwarte auch für dieses Jahr einige schöne Neuerscheinungen. Canon wird eine neue 6D bringen und auch die 750D/760D wird wohl aufgefrischt, Bei Nikon ist ein Nachfolger der D750 oder der D810 denkbar, Sony wird auch einen Schritt nach vorne gehen und hoffentlich eine A7 auf den Markt bringen, die bei Autofokus und Serienbildtauglichkeit deutlich besser geworden ist, es kommen ein paar schöne neue Objektive wie z.B ein 24-70mm und ein 70-200mm der ART-Serie von Sigma, ein 85er von Canon, vielleicht auch ein 50er. Und im Bereich der Spiegellosen werden auch die großen Hersteller, die nicht Sony heißen, fleißig weiterentwickeln. Ob da 2017 schon ein großer Wurf kommt, wage ich zu bezweifeln, aber wir werden dem näher kommen.

Vergessen wir bei alledem nicht, dass es ein großes Privileg ist, sich bei Anbruch eines Jahres um solche Themen Gedanken machen zu können. Das geht nur in Zeiten des Friedens, des Wohlstands und der Freiheit. Und nichts davon ist selbstverständlich.

 

 

Erster Test: Canon Wi-Fi Adapter W-E1

Seit ein paar Tagen habe ich den W-E1 von Canon hier. Getestet habe ich ihn mit der EOS 5DS R. Er hat die Form einer SD-Karte ohne Speicher, wenn Sie die Bilder zusätzlich in der Kamera speicher möchten, müssen Sie also eine CF-Karte zusätzlich einsetzen. Er unterstützt Verbindungen zum Smartphone (Canon Camera Connect App) und zu EOS-Utility, beides mit Vorschau und Kameraeinstellungsmöglichkeiten. Zum Computer überträgt der Adapter auch Raw-Dateien, zum Smartphone JPEGs. Die Übertragung einer 50MP-Raw-Datei mit ca. 66MB dauert allerdings bei mir ca. 16s. Dafür kann ich zwei Kameras gleichzeitig in mein Heimnetz packen und diese an den Kameras wechselseitig aktivieren, ohne neue Verbindungen schaffen zu müssen. Die Livebildvorschau funktioniert auch im Nebenzimmer noch gut.

Mit Lightroom habe ich auch direkt auslösen können, allerdings ohne Livebild, das Raw wird ebenso übertragen. CaptureOne funktioniert nicht. Ich habe mit dem AF leichte Probleme, musste ihn auf kontinuierlich einstellen, damit der AF im Livebild funktionierte. Eine manuelle Fokussierung über Tasten am Bildschirm funktioniert allerdings sehr gut. Für tethered shooting mit Raws ist das System je nach Anwendungszweck vielleicht zu langsam. Für die Fernsteuerung mit dem Smartphone mit Livebild und Übertragung von JPEGs für den direkten Versand allerdings ziemlich perfekt. In Anbetracht des günstigen Preises von knapp 50€ UVP ist der W-E1 auf jeden Fall eine Anschaffung wert. Vor der Benutzung müssen Sie  die Firmware der EOS 5DS (R) oder EOS 7D Mark II auf 1.1.0 aktualisieren.

 

Update Fotomarkt

In diesem Jahr bin ich entgegen meiner Gewohnheiten nicht auf der Photokina gewesen, da ich zu der Zeit mit einem Kollegen und der neuen 5D Mark IV zum Fotografieren in Kroatien war. Deswegen möchte ich jetzt in Ruhe ein paar interessante Entwicklungen im Fotomarkt zusammenfassen:

Fuji hat mit der GFX 50S ein spiegelloses Mittelformatsystem ähnlich dem der Hasselblad X1D vorgestellt. Es soll mit einem Objektiv deutlich unter 10.000€ kosten und zu Beginn wurde eine etwas interessantere Objektivauswahl als bei Hasselblad angekündigt. Die Objektive sind wetterabgedichtet, haben aber keinen Zentralverschluss, der sie für kurze Blitzsynchronzeiten tauglich machen würde, wie bei Hasselblad oder PhaseOne der Fall. Die Kamera ist auch nicht so hübsch wie die Hasselblad, hat aber einen Arbeitspferdcharme, der viele Profis ansprechen könnte.

Sigma hat drei Objektive herausgebracht, ein 12-24mm f4 Art, ein 500mm f4 Sport und ein 85mm f1,4 Art. Für die meisten Fotografen wird das 85er am interessantesten sein, weil es ein nahezu perfektes Porträttele für eine Vollformat ist. Mit 1249€ UVP ist es vergleichsweise günstig, mit 1350g aber nicht leicht. Die anderen beiden Objektive sind ebenfalls sehr gute optische Konstruktionen, aufgrund ihrer eher extremen Brennweiten dürfte das 85er aber der Bestseller unter Ihnen werden.

Dronen sind definitiv ein Thema, dessen Höhepunkt noch nicht überschritten ist. Im Consumerbereich wurden die DJI Mavic Pro und die Go Pro Karma mit großem Wirbel vorgestellt. Ich halte die Mavic für gelungener, zudem hat die GoPro wohl schlechtes Karma, denn gerade wurden alle wegen der Probleme mit der Stromversorgung zurückgerufen.

LED-Technik wird auch im wirklich professionellen Bereich bezahlbarer, auf der Photokina waren eine Vielzahl neuer Produkte zu sehen. Wer gleichzeitig filmt und fotografiert, sollte sich einen aktuellen Überblick verschaffen, für die reinen Fotografen ist Funkblitztechnik nach wie vor meist spannender. Hensel hat seinen neuen Porty leider noch nicht zur Photokina fertig bekommen, aber 2017 steht auch hier HSS-Technik für unterwegs an. Ich selbst würde auch keine Akkublitze mehr kaufen, die das nicht unterstützen.

Von Nikon kam um die Photokina nicht viel außer Actioncams und einem neuen 70-200mm, allerdings haben die mit der D500 und der D5 auch gut vorgelegt am Anfang des Jahres. Zu Canon schreibe ich separat, auch weil viele Leser über die Canon-Bücher und nicht über die Große Fotoschule hierhin gekommen sind. Da fällt mir ein, Nikon hat gerade eines der schönsten Objektive überhaupt vorgestellt: das AF-S NIKKOR 105 MM 1:1,4E ED. Das ist jetzt schon ein Klassiker.

Olympus hat den Bildstabilisator inzwischen so weit ausgereizt, dass sie sagen, die Erdrotation wäre nun ein begrenzender Faktor, man redet von 6,5 Blendenstufen und ich habe schon Weitwinkelaufnahmen gesehen, die mit 5s Belichtungszeit aus der Hand noch knackscharf wurden.

Leica hat die billigste Kamera ihrer Geschichte herausgebracht, die SOFORT, eine Kamera, die mit Fuji Intstax Mini-Film arbeitet und sehr hübsch geworden ist.