Photokina 2018

Gestern habe ich die Photokina besucht. Sie ist deutlich geschrumpft, findet nur noch in 5 Hallen statt, die aber eigentlich 8 Hallen sind, weil drei davon doppelgeschossig sind. Es ist immer noch eigentlich zuviel für einen Tag, und das was weggefallen ist, sind hauptsächlich die öden Hallen, in denen die Bilderrahmen etc. zu sehen waren. Nicht nur, aber dazu später.

Trotz kleinerer Größe ist diese Photokina sicherlich eine der spannendsten bisher, weil es sehr viele relevante Neuerungen zu sehen gab.  Vor allem im spiegellosen Vollformat und bei den Objektiven.

Die EOR R mit RF28-70mm f2, aufgenommen mit der selben Kombination (Ausschnitt des JPEG

Canon hat sein EOS R-System vorgestellt, mit dem ich recht viel Zeit verbracht habe. Der erste Eindruck ist sehr positiv, die Kamera liegt wie eine Profi-DSLR in der Hand, vor allem mit dem Batteriegriff. Der Sucher ist sehr gut, die Bedienung durchdacht und der AF überzeugend. Sie ist sicher noch nicht ganz perfekt, aber wenn Canon es schafft, dass ich, wenn ich meine Zweitkamera Sony A7R III nach der EOS R wieder in die Hand nehme, das Gefühl habe, einen unfertigen Prototypen anzufassen, dann haben sie gleich beim ersten Mal sehr viel richtig gemacht. Die neuen Objektive sind beeindruckend, selbst das riesige RF 28-70mm f2 liegt mit der Kamera gut in der Hand. Vor allem, und das ist für mich erstmal viel wichtiger, arbeitet die Kamera mit den EF Objektiven und dem Adapter hervorragend zusammen. Ich habe ein EF 600mm f4 mit Adapter an die EOS R gesetzt und in der wirklich dunklen Canon-Halle auf die Besucher fokussiert. Der Fokus saß sofort und das Sucherbild war trotz des schwachen Lichts immer noch sehr gut. Ich habe auch das neue EF 35er und EF 85er ausprobiert, die arbeiteten genauso schnell und zuverlässig wie die nativen Objektive. Die Adapter mit Einstellring und Drehfilter habe ich ebenfalls getestet. Beim Drehring hätte ich mir gewünscht, dass er vorne am Adapter und nicht an der Gehäuseseite wäre, aber daran würde ich mich wahrscheinlich schnell gewöhnen. Beim variablen ND-Filter habe ich bei starken Werten eine Verschiebung ins Blau festgestellt, diesen während des Filmens zu verstellen wird wahrscheinlich ungünstig sein. Wahrscheinlich wird Canon erstmal eine Kamera unter der EOS R bringen, bis dann eine „dicke“ R auf den Markt kommt. Auch wenn die Kamera noch keinen IS hat und 4K nicht über den ganzen Sensor ausliest, sondern nur im Crop, hat Canon beim ersten Wurf etliches besser gemacht als Sony beim dritten. Trotzdem behalte ich meine A7R III noch eine Weile, sie hat ebenfalls ein paar echte Vorteile gegenüber der EOS R. Ich befürchte aber, dass Sony auf lange Sicht die Entscheidung für einen so kleinen Bajonett-Durchmesser etwas bereuen wird, Nikon und Canon haben eine bessere Wahl getroffen.

Apropos Nikon: Nach der Canon hat mich die Z7 ein bisschen irritiert. Der Sucher wirkte auf mich gelbgrün und in den Lichtern kippend, die Dunkelpause nach dem Aufnehmen war sehr lang (soll etwas kürzer sein mit eingesetzter Speicherkarte und der Mitarbeiter am Stand meinte, dass man die Rückschau gar nicht ausstellen, aber ja gleich wieder auf den Auslöser tippen könnte. Ich hoffe, dass das nur an mangelnder Schulung lag und werde die Kamera in Ruhe beim Händler in die Hand nehmen und mich dann dazu fundierter äußern. Nach der Canon war ich aber tendenziell wenig beeindruckt, allerdings ist der Sensor und die Geschwindigkeit besser und die Kamera hat IS. Das Gefühl bei der Bedienung hat Canon aber am besten hinbekommen.

Noch kurz zurück zu Canon: Augen AF bei Nachführmessung und Serienbilder mit leisem Verschluss (eher lautlos als leise, da vollelektronisch) werden erst nach dem Firmwareupdate im Januar funktionieren.

Zwei neue Vollformatkameras von Panasonic, allerdings noch hinter Glas.

Panasonic hat übrigens auch zwei spiegellose Vollformatkameras vorgestellt, diese kommen aber erst im nächsten Jahr. Die Leistungsdaten der großen sind durchaus beeindruckend, 47MP und 4K/60fps. Sie haben dafür kein neues Bajonett erfunden, sondern das der Leica SL technisch etwas erweitert, Sigma ist neben Leica mit im Boot, wird Objektive bauen und eine eigene Vollformatkamera mit Foveon-Sensor bringen.

Sigma hatte einen eindrucksvollen Stand und auch einige neue Objektive vorgestellt. 28mm f1,4 Art, 40mm f1,4 Art (groß, schwer und unfassbar scharf), 60-600mm Sports, 56mm f1,4 für APS-C, 70-200 f2,8 Sports. Die Entwicklung der Firma ist fast unglaublich, der Generationswechsel Anfang 2012 zu Kazuto Yamaki (der gestern auch auf der Photokina war) hat dem Unternehmen viel neuen Schwung verliehen. 

Tokina hatte sein Opera 50mm f1,4 da. Das Objektiv ist ebenfalls sehr scharf, hat aber ganz leichte LoCa und ein angedeutetes Bubble-Bokeh, was aber meiner Meinung nach seine visuelle Qualität eher verstärkt. Pentax-Nutzer können sich auch auf dieses neue Objektiv freuen, denn hinter dem neuen Pentax 50mm f1,4 steckt wohl das Opera.

Im Mittelformatbereich sinken zwar die Preise, allerdings sind die Kameras immer noch viel träger als Vollformatkameras. Wer als erstes eine Mittelformatkamera bringt, die sich so gut bedienen lässt wie einen Vollformatkamera und das zu einem interessanten Preis, wird gut verkaufen können. Bislang habe ich noch keine Mittelformatkamera gefunden, die mich wirklich reizen würde und die ich mir dann auch leisten könnte oder wollte. Die Leica S3 war von der Bedienung allerdings recht angenehm und die Fuji GFX 50R lag schön oldschool in der Hand und war preislich interessant (eine 100MP-Kamera kommt auch). PhaseOne hat mit der neuen 150MP-Kamera einen Sensor in Einsatz, der auch von der Fläche her in einem reizvollen Bereich liegt. Ich bin optimistisch für die Zukunft von Mittelformat, denke aber, dass die spannenden Zeiten da eher noch vor uns liegen. Für Landschaftsfotografen sind die Einschränkungen allerdings schon heute ohne Belang.

Kein russischer Leica-Nachbau, sondern eine echte Leica im russischen Gewand: Die Zenit M

Ich habe lange Gerüchte gehört, dass Zenit im Luxussegment eine Kamera auf den Markt bringen möchte. Bei Gerüchten aus Russland bin ich immer noch einen Tick vorsichtiger, aber ich habe mich gefreut, dass die tatsächlich auf der Photokina waren und eine Kollaboration mit Leica vorgestellt haben. Im Prinzip ist das eine Leica M im Zenit-Look mit einem eigenen 35mm f1,0. 

Bei K&F-Concept wollte ich die Streulichtempfindlichkeit der Adapter anmerken, lernte aber, dass die bereits eine neue Version auf den Markt bringen, die eine deutlich bessere Innenbeschichtung aufweist.

Mich hat das neue Konzept der Photokina überzeugt. Ich habe ein paar Hersteller vermisst, aber das liegt nicht nur an der neuen Photokina, sondern auch an den Entscheidungen der Hersteller und der Marktentwicklung. Nicht da waren z.B. Zeiss, Polaroid, Hensel und Elinchrom (dafür aber Godox mit einem großen Stand).  Zeiss hat aber die Photokinaphase genutzt, um ein neues Batis 40mm f2 und eine 37MP Vollformatkamera mit festem 35mm-Objektiv anzukündigen.

Diese Photkina hat allerdings auch von einer spannenden Umbruchphase profitiert, ob die nächste, die bereits im Mai stattfindet (und ab dann jährlich wieder) genauso interessant werden wird, bleibt abzuwarten.

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