Sony A7R III – erste Eindrücke

Seit geraumer Zeit ist Sony mein Zweitsystem. Es ist nicht so, dass ich mit Canon nicht alles machen könnte, aber da ich außerhalb der Canon-Bücher auch allgemeiner gehaltene Fotobücher schreibe, hilft mir das, kein Fachidiot zu werden. Bei Erscheinen der A7R III bin ich von der A7R II umgestiegen und habe inzwischen genug Bilder gemacht, um erste Eindrücke zusammenzufassen.

Die Kamera besitzt den gleichen Sensor wie die A7RII, die Elektronik dahinter ist etwas verbessert, die Bildqualität nur marginal besser. Wer Landschaft fotografiert und eine bessere Bildqualität möchte, der kann ruhig eine Generation aussetzen. Die hauptsächlichen Unterschiede sind:

  • Schnellerer Verschluss mit 10 statt 5 Bildern pro Sekunde
  • Besserer AF
  • Größere Batterie (wie A9)
  • Sucher und Monitor etwas besser und schneller
  • (ein bisschen) Touchscreen
  • Joystick
  • Zwei Kartenslots für SD, einer davon UHS-II
  • Pixel-Shift-Mode (De-Bayering)

Dazu kommen eine Menge kleiner Veränderungen, die zum allergrößten Teil auch Verbesserungen sind.

Ich habe die A9 getestet und diese setzt auf den Silent-Mode, der mechanische Verschluss der A9 schafft nur 5 fps statt 20fps. So fing ich also an, erst den elektronischen Verschluss der A7R III zu verwenden. Ich bin davon schnell wieder abgekommen, denn  er ist für viele Anwendungen unbrauchbar. Bei flimmerndem Licht erzeugt er schnell Streifen und er wird so langsam ausgelesen, dass es selbst bei Porträts im Gehen zu starken Verzerrungen kommen kann, der Rolling Shutter-Effekt ist so stark, dass er bei bewegten Motiven schnell zu sehr deutlichen Verzerrungen führt. Ich werde ihn nur noch bei fast unbewegten Motiven verwenden, und wenn die Lautstärke wichtig ist. Die A7R III ist schafft allerdings auch mit mechanischem Verschluss 10 Bilder pro Sekunde, so dass der Nachteil gut zu verschmerzen ist.

Ein Beispiel für den Rolling-Shutter-Effekt: Die Reflexionen im Wasser verlaufen in Wirklichkeit senkrecht, der elektronische Verschluss verzerrt das Bild durch das zu langsame Auslesen.

Apropos unbewegte Motive: Der neue Pixel-Shift-Modus erlaubt, vier Bilder mit jeweils um einen Pixel verschobenem Sensor aufzunehmen. Diese werden dann zu einem Bild zusammengerechnet (nicht in der Kamera, nur am Computer), das eine höhere Detailauflösung aufweist und kein Moiré mehr hat, da für jedes Pixel Rot, 2*Grün und Blau aufgezeichnet werden. Die Bilder sind sichtbar schärfer und detailreicher, allerdings müssen die Einzelaufnahmen mindestens eine Sekunde auseinander liegen und es gibt keine Bewegungserkennung. Bewegungen erzeugen sofort Artefakte. Bei anderen Herstellern lassen sich die Multishot-Aufnahmen unmittelbar hintereinander ausführen, ich habe keine Ahnung, warum die Sony dabei mindestens eine Sekunde braucht. Aber das dürfen sie gerne nachbessern.
Auf die Bilder klicken für 1:1-Ansicht:

Ohne Pixelshift

Mit Pixelshift

Sony hat bei der A7R III genau wie bei der A9 auf ein neues Betriebssystem gesetzt, dass keine PlayMemories-Apps mehr zulässt. Das war eh krampfig gelöst und dass ich nun keine 3s mehr auf eine 1:1 Rückschau mehr warten muss, finde ich auch angenehm. Ich brauche keine Apps in einer Kamera, aber ein paar der Möglichkeiten hätte ich gerne fest in der Firmware. Vor allem den Touchless Shutter, den ich recht häufig verwendet habe und Zeitrafferaufnahmen. Es gibt Leute, die sagen, die A7R III würde keine Timelapses mehr aufzeichnen können, aber diese haben sich noch nicht gut genug mit der Kamera beschäftigt. Es ist allerdings nicht besonders gut umgesetzt. Wenn Sie die Kamera auf S&Q stellen, können Sie mit minimal 1fps aufzeichen und mit 25 oder 50fps abspielen. Es ist also eine 50fache (in NTSC 60fache) Zeitrafferaufnahme möglich. Aber nur in HD. Ich würde mir wünschen, dass Sony hier auch nachbessert. Wenn sie noch Inspiration dafür brauchen, sollten sie sich die Canon 6D Mark II anschauen, die kann 4K-Zeitraffer mit guter Rückmeldung und auch mit Belichtungsautomatik. Sony reagiert tatsächlich auf Anwenderwünsche, die meisten Dinge, die mich an der A7R II genervt haben, sind in der neuen Kamera behoben, ein paar sogar bereits in der Firmware der A7R II.

Der AF ist gegenüber der A7R II deutlich verbessert worden. An Objektiven mit dem MC-11 auch deutlich besser, aber manchmal sucht die Kamera noch recht lange, gerade im AF-S. Als ich die A9 testete, war mein MC-11 schlecht und der mit der Beta-Firmware, den Sigma mir geliehen hat, deutlich besser. Also mal abwarten, ob das nächste Update die AF-Leistung der A7R III auch deutlich verbessert. Ich habe mit auch ein zusätzliche Sony-Objektiv gekauft, um den AF wirklich beurteilen zu können, das SEL70200G, also das 70-200 f4. Der AF ist tatsächlich sehr schnell und griffig, das Objektiv ist scharf und liefert gute Farben, es ist allerdings sehr streulichtempfindlich und als mir heute die Streulichtblende aus einem Meter Höhe auf den Boden fiel, hatte sie gleich einen Riss. Das führt nicht gerade dazu, dass man Vertrauen in die Robustheit des Rests aufbaut. Bei Canon hätte das höchstens einen leichten Kratzer gegeben. Trotzdem ist das insgesamt ein gutes Objektiv, das mit der A7R3 Spaß macht. Die Kamera kann inzwischen mit den guten DSLRs mithalten, was den AF betrifft, eine Einschränkung gibt es noch in der Verfügbarkeit der nativen Objektive, Superteles gibt es nicht, bei den Zooms ist bei 400mm mit mageren f5,6 Schluss. Das wird sich im nächsten Jahr ändern und diese Einschränkung betrifft nicht die Kamera selbst. Diese hat in manchen Situationen sogar Vorteile, wie etwa einen sehr guten Augen AF und AF auch bei vergrößerter Sucheransicht. Ich würde sagen, die A7R III ist die zweite echte Profikamera im E-Mount-System nach der A9. Ich persönlich finde sie gelungener als die A9.

In der Bedienung und Konfigurierbarkeit hat es sehr viele kleine Verbesserungen gegeben. Zum Beispiel gibt es jetzt ein Favoriten-Menü, Sie können Bilder in der Kamera bewerten und den AF-Punkt per Touchscreen bedienen. Ich empfehle dafür die Bedienfläche auf die rechte Bildschirmseite zu begrenzen, das erspart Ihnen eine  Nasenamputation oder wahlweise das ständige unabsichtliche Verstellen des Fokuspunkts. Unverändert ist der kranke Blitzschuh, den Blitzschuhschoner lassen Sie am besten gleich auf der Kamera.

Fazit: Müssen Sie jetzt das System wechseln? Nein. Müssen Sie Ihre Sony updaten? Das kommt darauf an. Wenn Sie viel mit bewegte Motiven zu tun haben und es Leid sind, dass Ihnen manche Fotos durch die Lappen gehen, dann sollten Sie. Und wenn Sie an ihrer alten Kamera viele Details nerven, die nun besser gelöst sind, dann können Sie darüber nachdenken. Wenn Sie eine bessere Bildqualität erwarten, dann lassen Sie es sein.

Für Sony: Touchless Shutter, Pixelshift als Serienbild und eine 4K-Timelapse-Funktion hätte ich gerne bald in einer neuen Firmware. In der nächsten Kamera wünsche ich mir einen silent mode, in dem man tatsächlich arbeiten kann (oder sogar global shutter? 🙂 ), einen Sucher, der nicht mehr so pixelig ist, bessere Benutzerführung und einen Touchscreen, der auch das Menü unterstützt. Bei Canon abgucken reicht. Der neue Sucher ist schon besser geworden, auch die Farben des Bildschirms sind viel besser als vorher, aber da geht noch was. Star-Eater habe ich noch nicht testen können, aber wenn das nicht besser geworden ist, bleibt das ein Thema. Und auch wenn ich in meinen Artikeln kritischer klinge als die meisten anderen, insgesamt haben Sie einen guten Job gemacht.

 

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.