Neue Vollformatkamera: Nikon Df

Gestern hat Nikon seine neue DSLR vorgestellt: Die Nikon DF besitzt den Sensor der D4 und den AF der D610, kann kein Video und sieht von vorne etwas wie eine alte FM2 aus.

Es ist eine kleine und leichte Kamera, die hervorragende Lowlight-Fähigkeiten besitzt, sieht auf den ersten Blick gut aus und ist sicher ein Arbeitsgerät, das viele Freunde finden wird.

Dennoch spricht sie mich nicht an, den auf den zweiten Blick ist sie ein seltsamer Zwitter, sie ist nicht wirklich schlicht, sondern „überknopft“, die Einstellrädchen sind doppelt vorhanden, so dass die älteren Versionen auf der Kameraoberseite eher wie Deko wirken. Und mal ganz im Ernst, der Hauptgrund, dass man heute keinen mechanischen Drahtauslöser mehr verwendet, liegt daran, dass es elektronisch oder der Fernbedienung erschütterungsfreier geht. Wenn Nikon die Kamera wirklich schlicht gebaut hätte, so wie zum Beispiel eine Leica M wirklich schlicht ist, dann hätte der Designaspekt mich deutlich mehr gepackt als bei diesem Modell. Ich liebe die Fotografie, aber meine Kameras liebe ich nicht. Ich habe großen Respekt vor der Ingenieurleistung und freue mich über gutes Handling und Zuverlässigkeit, aber ich habe auch die schönsten Kameras (wie meine Hasselblad 501cm) ohne Herzschmerz verkaufen können, wenn ich sie nicht mehr benötigte.

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Wen möchte Nikon mit solchen Werbefotos ansprechen? Bild: Nikon

Eine der wesentlichen Eigenschaften der neuen Kamera ist der Blendenaufnehmer für alte Nikon-Objektive, den Nikon zum ersten mal in eine DSLR gebaut hat. Nur, kommt das nicht etwas spät? Wäre das in der Übergangsphase nicht viel sinnvoller gewesen? Ich werden den Verdacht nicht los, dass diese Kamera nur auf ein Lifestyle-Publikum zielt.

Ich mochte die mechanischen SLRs sehr, aber ich habe mich auch sehr über den Fortschritt in der Kameratechnik gefreut. Ich hatte das alles, ich muss nicht dorthin zurück. Wenn mich ein Freund fragen würde, würde ich ihm sagen: Kauf dir lieber eine D800.

Trotz allem: Eine gute Kamera, die ihre Freunde finden wird. Aber ich benutze auch keine Taschenuhr und keinen Kompass mehr. Nicht einmal eine Armbanduhr, weil ich das auch schon für überkommen halte. Ich freue mich auf die nächste technische Revolution und komme gute ohne heimeliges Retrodesign aus. Für diese Kamera bin ich zu jung und zu alt.

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