Canon EOS 6D erste Eindrücke

Die EOS 6D hatte ich vorbestellt und nun bereits einige Stunden Gelegenheit, sie auszuprobieren. Ich werde später detaillierter berichten, hier aber schon meine ersten Eindrücke zusammenfassen:

1. Gehäuse und Ergonomie

Der allererste, sehr positive Eindruck hat sich inzwischen weiter bestätigt. Das Gehäuse liegt gut in der Hand, ist steif und wertig aber trotzdem relativ klein und leicht.  Die Tasten über dem Top-Display sind nur einfach belegt, links vom Monitor befinden sich keine. Das führt dazu, das man bis auf „Menu“ und „Info“ alles mit einer Hand erreichen kann und es wenig Verwirrung gibt. Obwohl die 5D Mark III ein paar Vorteile hat, wie die Multifunktionstaste neben dem Objektiv, würde ich die 6D für noch gelungener halten vom Bedienkonzept. Der Bildschirm ist von ähnlicher Qualität wie bei der 5D Mark III, ob das Reflexverhalten wirklich etwas schlechter ist, konnte ich bei diesem Wetter noch nicht wirklich testen. Der Sucher ist groß, klar und hell und unterstützt Wechselmattscheiben. Die Akkus sind die gleichen wie bei der 5D3, 5d2, 7D.

2. WLAN und GPS

Die Apps für Android und IOS sind bereits verfügbar und kostenlos, ich habe beide schon getestet. Sie sind einfach mit der Kamera zu verbinden, man kann Livebild übertragen und vergrößern, scharfstellen, auslösen und Zeit, Blende, Belichtungskorrektur und ISO einstellen. Die App ist ans iPad leider noch nicht gut angepasst (iPhone-App), aber verwendbar. Die Bilder lassen sich nach der Aufnahme gut auf dem Mobilgerät betrachten. Der Funktionsumfang ist aber nicht vergleichbar mit DSLR Controller unter Android, der mit der 6D aber noch nicht funktioniert.

GPS ist ebenfalls schnell einzurichten und kann auch Tracks aufzeichnen, wenn die Kamera ausgeschaltet ist. Man erkannt das im Top-Display, dass das GPS weiterarbeitet. Selbst wenn man alle 15s die Position ermittelt, bleibt der Vebrauch unter 1% Akkuleistung pro Stunde.

3. Bildqualität und AF

Die Bildqualität ist bei ersten Tests sehr ähnlich mit der 5D Mark III, oben ist eine Vergleichsaufnahme bei ISO 12.800 und gleichen Einstellungen als JPEG direkt aus der Kamera (die Bilder sind in voller Auflösung abspeicherbar, unten finden Sie einen Link auf die RAW-Dateien). Der AF greift mit dem mittleren Sensor auch auf dunklem Stoff bei schwacher Beleuchtung noch und scheint wirklich sehr gut mit schwachen Lichtverhältnissen klarzukommen.

4. Erstes Fazit:

Vorteile:

  • solides, logisch aufgebautes Gehäuse
  • handlich und trotzdem echtes Vollformat
  • Gute Bildqualität auch bei schlechtem Licht
  • AF auch bei sehr schwacher Beleuchtung
  • ein enormes Zubehörprogramm an Objektiven, Blitzen etc.
  • Gute HD-Video-Unterstützung incl. ALL-I/IPB und Timecode
  • GPS eingebaut, arbeitet auch bei ausgeschalteter Kamera ohne Strom zu fressen
  • WLAN eingebaut, einfach zu konfigurieren und gut integriert
  • leiser Verschluss mit zusätzlichem Silentmode, der wirklich sehr dezent ist.
  • Livebildmodus ist auch bei sehr schwachem Licht noch gut verwendbar

Nachteile:

  • max 1/4000s und 1/180 Blitzsynchronzeit
  • HDR-Modus zeichnet die Einzelbilder nicht als RAW auf wie bei der 5D Mark III
  • Der AF hat eine begrenzte Sucherabdeckung und nur einen Kreuzsensor in der Mitte
  • Langsamer AF im Video-Modus oder Livebild-Modus
  • nur ein Kartenschacht statt 2 bei der 5D Mark III
Eine schöne Kamera, die Einschränkungen sind nicht so gravierend, dass sie nicht auch für professionelle Fotografen interessant bleibt.
ISO 16000 direkt aus der Kamera

ISO 16000 direkt aus der Kamera

5. Für wen?

Die 6D ist ein guter Allrounder. Wer eine sehr gute Kamera haben möchte, die trotzdem einfach zu bedienen und reisetauglich ist, wird wahrscheinlich glücklich mit der Kamera werden. Wer allerdings sehr schnell bewegte Motive wie Sport oder Wildlife fotografiert, wird mit der 5D3 besser bedient sein oder mit der kommenden 7D Mark II, die auch für Vogelfotografie die bessere Wahl sein wird. Wer eher Landschaft, Reise, Architektur, Available Light, Makro o.ä. fotografiert oder bereits eine 5D Mark III besitzt und eine gute Zweitkamera sucht, dem ist die 6D zu empfehlen.

6. UPDATE: Ein Tag später

ich hatte gestern Gelegenheit, eine Jazz-Session zu fotografieren, eine klassische Low-Light-Situation mit bewegten Motiven. Der Autofokus des mittleren Felds ist sehr gut, nach unten ist praktisch keine Grenze zu erkennen. Auch in Bereichen, in denen ich selbst im Sucher praktisch nichts mehr erkennen konnte (und, ja, der Sucher ist sehr gut), fand die 6D noch den Fokus und der passte dann auch. Die anderen Fokusfelder sind bei weitem nicht so gut. Beim 85mm f1,2 lagen Sie bei Offenblende daneben, der mittlere Punkt funktionierte aber tadellos, es lag also nicht am Mikroadjustment. Beim 24-70mm f2,8L II war der AF auch bei den äußeren Messfeldern zu gebrauchen. Die Bildqualität bei schwachem Licht ist tatsächlich noch besser als bei der 5D Mark III. Die Bedienung ist gelungen, allerdings ist bei meiner 6D der Auslöser empfindlicher als bei meinen anderen Canons, das stört nicht, wenn man sich erstmal daran gewöhnt hat.

 

RAWs von der 6D 5D2 und 5D3 zum Vergleich als ZIP (87MB)

Unser Buch zur EOS 6D

7 Gedanken zu „Canon EOS 6D erste Eindrücke

  1. Ein wirklich guter Bericht, auch schön die ganzen Vergleichsbilder. Wie auch die angegangenen RAW bilder. Jetzt noch ein schönes Webseiten Design und alles ist wunderbar!

    Lg

    • Das ist richtig. Aber der Rest der Webseite bedarf der Überarbeitung noch dringender. Die EOS 6D ist übrigens wirklich charmant, wenn ich den AF der 5D3 nicht benötige, nehme ich die 6D fast lieber zur Hand.

  2. Hallo ich wäre mal interessiert daran wie sich nun der HDR Modus wirklich unterscheidet ich bin da im Netz leider nicht so fündig geworden. Ich sleber schwanke auch zwischen der 6d und der 5d MkIII da ich neben meiner guten und treuen 5d Mk II eine zusatzcam suche.
    Würde mich freuen wenn ihr mir da helfen könntet.
    Mit besten grüßen Alexander

    • Moin Alexander,

      Der HDR-Modus der 5D Mark III kann die einzelnen RAW-Dateien parallel aufzeichnen, die 6D macht nur ein JPEG. Den HDR-Modus der 5D Mark III benutze ich manchmal auch im Job, aber ich würde deswegen nicht zur 5D3 raten. Denn wenn man schon eine professionelle Vollformat für HDR verwendet, dann sollte man gleich von der Belichtungsreihe in RAW arbeiten. Die 5D3 unterscheidet sich hauptsächlich durch ihren wirklich hervorragenden AF. Das ist etwas, was man im HDR aber gar nicht braucht. Die 6D ist deutlich günstiger und in der Bildqualität noch einen Tacken besser. Ich würde die 6D kaufen und den eingebauten HDR-Modus vergessen. Es sei denn, du bräuchtest den Profi-AF für Sport-, Tier-, oder Peoplefotografie, dann kann die 5D3 ihren Vorteil wirklich ausspielen. Wenn dich der AF von der 5D Mark II nicht nervt, dann wirst du mit der 6D sehr glücklich werden.
      freundliche Grüße,

      Christian

      • Vielen Dank für die gute antwort. Echt mal was das man Brauchen kann in allen Foren werden sonst die Testberichte zu Tode diskutiert. Ich bin Mit der 5d MkII sehr zufrieden und mache meist Landschafts und Arhcitekturaufnahmen, der erweiterte AF der Mk III denke ich auch würde bei mir nicht sein Potential auspielen können. Aber im augenblick glaub ich ich warte noch ein klein wenig die Preise werden vielleicht ja nochmal fallen dann schlag ich zu. Kann euch nur weiter empfehlen!

  3. Ich bin ein ungarischer Amateur, ich besitze z.Zeit ein 40D und ein 60D. Objektive Canon 17-40/4L, 70-200/4L IS, 35/2, 100/2, 100/2.8macro und Tokina 11-16/2.8 Ich mache gerne Naturfotos, Streetfotos, aber auch Bilder im Abend, z.B. in einem Jazzklub. Ich möchte langsam das ältere Gehäuse, jetzt schon mit einem Fullformat, abtauschen. Das 5DIII ist für mich leider zu teuer :), das 5DII wäre wahrscheinlich kein guter Wahl, ich denke an 6D.
    Im Dezember 2012 haben Sie folgendes über 6D geschrieben: „UPDATE: Ein Tag später. Ich hatte gestern Gelegenheit, eine Jazz-Session zu fotografieren, eine klassische Low-Light-Situation mit bewegten Motiven. Der Autofokus des mittleren Felds ist sehr gut, …. Die anderen Fokusfelder sind bei weitem nicht so gut. Beim 85mm f1,2 lagen Sie bei Offenblende daneben, der mittlere Punkt funktionierte aber tadellos, es lag also nicht am Mikroadjustment. Beim 24-70mm f2,8L II war der AF auch bei den äußeren Messfeldern zu gebrauchen.”
    Ich wäre neugierig, ob die AF-Genauigkeit der äusseren Messpunkte des 6D die der äusseren Kreuzsensoren der 40D / 60D erreicht?
    MfG: Gyula Magyar

    • Das kann ich im Augenblick schlecht vergleichen, ich habe aber den Eindruck, dass die Genauigkeit bei den äußeren Messfeldern bei der 70D besser ist. Die ist allerdings eher mit der 7D zu vergleichen als mit der 60D. Ich würde die 6D auf jeden Fall der 5D2 vorziehen, die Bildqualität bei schwachem Licht ist sogar besser als bei der 5D3. Der AF der 5D3 ist aber um Längen besser. Aber wenn man die 6D hat, dann kann man auch mit ihr arbeiten. Im Notfall fokussiert man mal über den Livebild-Monitor oder nutzt das mittlere Feld und cropt. Das 85er f1,2 ist aber auch sehr anspruchsvoll, wenn man sich eine kontrastreiche Kante sucht, sitzt der AF meistens schon. Und manchmal liegt es auch am Objektiv, dass es nicht gut klappt, das 50mm f1,4 ist meiner Erfahrung nach sehr tückisch.

      Insgesamt ist die 6D schon sehr praxistauglich und eine wirklich gute Kamera. Ich würde sie wieder kaufen und ich kenne sie inzwischen sehr gut.

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