EOS RP vorgestellt

Canon hat mit der RP das Einsteigermodell der R-Reihe auf den Markt gebracht, es wird schon Ende Februar für 1499€ inkl. EF-Adapter im Handel verfügbar sein. Es ist die kleinste und leichteste Vollformatkamera der Welt, Sie wiegt nur 485g inkl. Akku. Der Sensor ist fast gleich dem der 6D mark II, nur die Mikrolinsen wurden für die spiegellose Kamera optimiert.

Die technischen Daten können Sie unter https://www.canon.de/cameras/eos-rp/specifications/ nachlesen. Ich werde mich hier mit eine Zusammenfassung und ersten Einschätzung begnügen,

Die EOS RP. Bild:Canon

Die Kamera ist gut geeignet für Porträts und schwaches Licht, das AF funktioniert auch bei wenig Licht noch sehr gut und der Augen AF funktioniert jetzt schon so gut wie bei der EOS R nach dem nächsten Firmware-Update. Das Objektivangebot ist sehr gut, auch wenn die meisten RF-Objektive für teurere Kameras als die RP entworfen wurden, die EF-Objektive arbeiten mit dem Adapter mindestens genauso gut wie an einer Canon DSLR. Der Sucher ist gut und der Touchscreen kann anders als bei Sony alles. Wer von einer APS-C-Kamera aufsteigt, wird, wenn es nicht gerade die professionell ausgerichtete 7D Mark II war, sich sofort gut zurecht finden, da die Bedienung sehr der 800D oder 80D ähnelt. Wenn man bedenkt, dass die ähnliche 6D Mark II für 2099€ auf den Markt kam, ist der Preis der EOS RP sehr beachtlich, auch weil sie die 6D Mark II in einigen Punkten übertrifft. Sie kann 4K Video, allerdings mit Crop, ohne DualPixel-AF und bei schnellen Bewegungen mit Rolling-Shutter Effekt. Sie bringt auch eine Funktion für automatisches Focus-Stacking mit, die RP nimmt bis zu 199 Bilder mit unterschiedlichem Fokus auf, die Sie später zu einem Bild mit riesiger Schärfentiefe z.B. in Digital Photo Professional kombinieren können. 4K-Timelapse unterstützt sie ebenfalls.

Der günstige Preis bringt auch Einschränkungen mit sich. Die Kamera macht nur 5 Bilder pro Sekunde, mit Nachführmessung 4. Der Akku (LP-E17) ist recht klein. Der leise Verschluss lässt sich nur in einem vollautomatischen Szenenmodus verwenden (wie auch bei der M50), allerdings ist der mechanische Verschluss auch recht leise. Dafür unterstützt er maximal eine 1/4000s und 1/180s Blitzsynchronzeit. Es gibt keinen IBIS, nur eine Software-Bildstabilisierung im Video und natürlich viele Objektive mit Stabilisator.

Auf der anderen Seite unterstützt die Kamera schnelle UHS-II-Speicherkarten und der Puffer ist erst nach 50 Raws voll (also nach mindestens 10s). Selbst danach wird sie mit einer schnellen UHS-II Karte die Bilder noch zugig wegschreiben können, ob sie im CRaw überhaupt an ihre Puffergrenze kommt, werde ich ausprobieren müssen, im JPG tut sie das jedenfalls nie.

Die EOS RP ist keine Kamera für Sport oder 4K-Video, wer mit HD auskommt oder hauptsächlich fotografiert wird die Kamera wahrscheinlich besser finden, als die reinen Daten vermuten lassen. Und selbst wer diese Kamera für völlig uninteressant hält, wird wahrscheinlich von ihr profitieren, weil Vollformat durch sie günstiger wird und die anderen Hersteller in der einen oder anderen Form reagieren werden.


Canon hat zeitgleich sechs RF-Objektive vorgestellt:

  • RF 85mm F1.2 L USM
  • RF 85mm F1.2 L USM DS (Defocus Smoothing, Apodization für weicheres Bokeh)
  • RF 24-70mm F2.8 L IS USM
  • RF 15-35mm F2.8 L IS USM
  • RF 70-200mm F2.8 L IS USM
  • RF 24-240mm F4-6.3 IS USM

Zwei professionelle 85er, die „heilige Dreifaltigkeit“ der Profifotografen (Weitwinkelzoom, 24-70 ind 70-200 in f2,8) und ein Superzoom, das vielleicht das einzige Objektiv dieser Reihe war, bei dem Canon die EOS RP im Blick hatte. Die anderen machen zwar an einer RP auch sehr viel Spaß, richten sich aber in Qualität und Preis eher an Profis. Alles Objektive kommen 2019, Preise und Verfügbarkeit sind aber noch offen.

EOS R Firmware 1.1.0

Wie schon im EOS R Buch angekündigt, hat Canon nun das erste Firmware-Update für die EOS R herausgebracht. Sie können es unter

https://www.canon.de/support/consumer_products/products/cameras/digital_slr/eos-r.aspx?type=firmware

herunterladen. Das wichtigste neue Feature ist die Unterstützung von Serienbildern mit dem leisen Verschluss. Es wurden auch einige Fehler behoben, von denen ich nur einen auch selbst erfahren habe: Wenn man die Kamera ins Hochformat dreht, blieben die Sucherwerte manchmal im Bild stehen statt darunter .
Augen-AF im Nachführmodus ist, anders als ich das von Canon auf der Photokina erfahren habe, diesmal noch nicht dabei. Ich komme allerdings mit der Gesichtserkennung normalerweise gut hin.
Ich hatte meine EOS R noch auf Filmen eingestellt, dann ist der Firmware-Menüeintrag unter SET UP6 nicht sichtbar. Stellen Sie sie also auf Foto, wenn Sie updaten möchten.

Für das RF24-105L IS STM steht ebenfalls eine neue Firmware bereit (2.0), diese sollten Sie auch gleich installieren, falls Sie das Objektiv besitzen.

Erfahrungen mit der EOS R

Ich arbeite seit dem ersten Tag der Verfügbarkeit (9.Oktober 2018) mit der EOS R und habe inzwischen gut über 20.000 Aufnahmen mit ihr gemacht und mit Holger Haarmeyer ein Buch über sie geschrieben. Mit Canon arbeite ich seit den 90er Jahren und mit spiegellosen Kameras seit 2014. Obwohl die Kamera nicht perfekt ist, ist sie in manchen Beziehungen die beste Canon und die beste Spiegellose, die ich je besaß.

Momentan kann ich die EOS R am besten mit meiner EOS 5D Mark IV und meiner Sony A7R III vergleichen. Die 5D Mark IV ist solider gebaut und hat zwei Speicherkartenslots, unter harten Bedingungen würde ich sie deswegen wahrscheinlich vorziehen. Die EOS R hat aber den deutlich besseren AF, genauer, mit viel größerer Abdeckung und bei schwachem Licht besser. Zudem lässt sich der AF-Punkt auch beim Blick durch den Sucher mit dem Daumen auf dem Touch-Bildschirm verschieben. Mit dem Klappbildschirm ist sie auch eine kreativere Kamera.

Der AF der EOS R reicht extrem weit an den Bildrand, meine 5D Mark IV hätte wahrscheinlich schon längst den Fokus verloren.

Im Verhätnis zur A7R III ist der AF bei schwachem Licht deutlich besser, die Kamera ist ergonomischer und der Sucher ist besser, vor allem auch wieder bei schwachem Licht. Da verschwimmt der Sonysucher, während die Canon klar bleibt. Die Bedienung und der Touchbildschirm sind bei der Canon auch besser. Die Sony liegt beim Sensor und beim IBIS vorn, IBIS hat die EOS R leider gar nicht. Das Top-Display der EOS R ist ebenfalls ein Vorteil, der Blitzschuh ist robust und Canons Blitzsystem ist auch besser. Ebenso ist die manuelle Scharfstellung bei Canon besser gelöst. Dafür hat die Sony mehr Auflösung und ist trotzdem schneller. Ich hatte eine Reihe von Veranstaltungen bei schwachem Licht zu fotografieren, zu denen ich die Sony und die Canon mitgenommen habe. Mit der Zeit hat sich die Canon als die Kamera herausgestellt, mit der ich unter in diesen Bedingungen lieber gearbeitet habe und mehr AF-Treffer hatte. Was nicht heißen soll, dass die Sony bei anderen Aufgaben auch hinten liegen würde, das ist ebenfalls eine sehr gute Kamera. Ein Vorteil der Canon ist, dass sie beim Ausschalten den Verschluss zu macht, so dass der Sensor nicht verdreckt. Das ist bei der Sony ein echtes Problem, zumal die interne Sensorreinigung bei mir noch nie auch nur ein einziges Staubkorn entfernt hat. Ein Blasebalg in der Kameratasche ist bei der Sony Pflicht.

Das RF35mm f1,8 STM besitzt ein angenehmes Bokeh

Ich arbeite hauptsächlich mit EF-Objektiven, sowohl mit dem mitgelieferten Adapter als auch mit einem zusätzlichen Einstellring-Adapter. EF-Objektive funktionieren ohne Einschränkungen an der EOS R. Wenn es überhaupt eine Veränderung zu vorher gibt, ist es eine Verbesserung, weil der AF der EOS R auch bei schwierigen Objektiven (50mm f1,2L USM, 85mm f1,2L USM) sehr exakt ist. Ich habe ein RF35mm f1,8 STM gekauft, auch um einen Vergleich zu nativen Objektiven zu haben. Außer der Schnellansicht, die für mich keinen so großen Unterschied macht und der Anzeige der Einstellentfernung bei manueller Scharfstellung im Sucher ist nichts zu bemerken. Das RF-Bajonett macht ganz andere Objektive möglich, Canon hat für dieses Jahr wohl schon acht Neuerscheinungen in der Pipeline, während es um EF eher sehr ruhig bleiben wird. Das RF35 bildet mit der EOS R eine schöne kompakte Einheit, der AF ist sehr schnell, die Schärfe sehr gut, das Bokeh angenehm aber nicht langweilig. Es verzeichnet sichtbar, aber nur, wenn Sie keine Objektivkorrektur verwenden. Im Nahbereich geht es bis 1:2. Ich mag es, es wäre schön, wenn Canon auch ein 50er und ein 85er in gleicher Qualität und Lichtstärke anbieten würde, im Moment konzentrieren Sie sich aber eher auf teurere Profiobjektive, wohl auch, um der kommenden Profi-EOS-R den Boden zu bereiten. Zuerst wird aber am 14.2. die EOS RP vorgestellt, die deutlich günstiger, kleiner und leichter als die EOS R wird.

Ich würde die EOS R wieder kaufen und bin insgesamt positiv überrascht. Ob das die richtige Kamera für Sie ist, müssen Sie allerdings abwägen. Sie könnte schneller sein, IBIS wäre nicht schlecht und ein zweiter Speicherkartenslot wäre auch sinnvoll. Spätestens Anfang 2020 wird Canon sicher eine bessere (und teurere) R bringen, am 14.2 wird Canon wohl die günstigere und leichtere EOS RP vorstellen, die Kamera soll sogar leichter werden als eine EOS 800D. Und die EOS R wird selbst auch noch besser werden nach dem nächsten Firmwareupdate, das Augen AF im Serienbild und Serienaufnahmen mit dem geräuschlosen Verschluss bringen wird. Als Start in ein neues System ist die EOS R gelungen, aber es wir noch viel kommen, was über sie hinausgehen wird.

Neue Entwicklungen im Fotomarkt

Für die Nikon Z gibt es jetzt einen Adapter für Sony E-Mount-Objektive. Der ist nur 2mm dünn, übersetzt aber den AF und den Stabilisator. Nikon war die Firma, an deren Bajonett fast nichts adaptierbar war, weil Sie mit das größte Auflagemaß verwendet haben. Nun haben Sie das kleinste und auch einen großen Durchmesser. Ihre Lektion haben Sie gelernt.

Panasonics Vollformatkameras kommen auf den Markt, gute Sensoren, Profi-Wetterabdichtung und ein Suchermonitor mit über 5 Millionen Pixel sind ein interessanter Einstieg. Es gibt auch ein paar neue Objektive dazu, das 50mm f1,4 scheint anhand der britischen Kitpreise allerdings bei über 2000€ zu liegen. Aber Luxus-50er liegen gerade im Trend,

Sony hat eine neue APS-C-Kamera herausgebracht, die A6400. Als Vlogger-Kamera beworben, allerdings klappt der Bildschirm nach oben, so dass man beim Einsatz eines Aufsteckmikrofons von vorne nichts mehr sieht. Der Rolling-Shutter Effekt ist auf den offiziellen Beispielvideos bereits störend. Auf einen IBIS hat Sony auch verzichtet, dafür ist der AF wohl großartig. Ich bin sicher, dass Sony bald eine bessere APS-C-Kamera vorstellen wird, auch wenn die a6400 durchaus ihre Stärken hat. Ich würde mir einen besseren Body mit einer größeren Z-Batterie wünschen und natürlich IBIS.

Der neue AF, der deutlich besser als bisher tracken kann, kommt per Firmware-Update auch in die Sony A9. Ebenfalls kommen Tier-Augen-AF und dauerhafter Augen AF ohne Tastendruck. Diese beiden Möglichkeiten werden auch die A7R III und die A7 III erhalten. Zudem erscheint eine neue App für das Tethered Shooting für IOS und Android. Das alles kommt aber erst im März/April heraus, so dass Sie noch ein wenig warten müssen.

Unser neues Buch zur EOS R erscheint in Kürze. Ich werde auch im Blog von meinen Erfahrungen bislang berichten. Insgesamt mag ich die Kamera sehr gern und finde auch, dass Canon etliches besser gelöst hat als Sony bei der A7R III, wenn auch der Sensor nicht ganz an Sony herankommt und IBIS fehlt.

Olympus hat die Olympus OM-D E-M1X herausgebracht, eine Profikamera mit integriertem Handgriff für 3000€. Ich vermute, dass die eher für Bestandskunden interessant ist, als dass sie Kameras mit größerem Sensor bei der Erstanschaffung verdrängen wird. Der Bildstabilisator schafft 7,5 Blendenstufen. Ich schätze, wenn Olympus das um eine weitere Stufe erhöhen kann, dann können Sie die Kamera während der Aufnahme loslassen, ohne dass sie auf den Boden fällt 😉
Auflösungsnachteile können durch gut umgesetzte Multishot-Modi kompensiert werden, aber für eine 3000€-Kamera ist der Sensor schon recht klein. Dafür macht die Camera echtes Cinema 4K und schafft im Silent-Modus 60fps aufzunehmen.

Der Blick in die Glaskugel für 2019

Die 5Ds R ist schon bald vier Jahre alt und immer noch die hochauflösendste Vollformatkamera. 2019 wird das vorbei sein, Sony hat bereits einen Sensor angekündigt, der um die 60 MP auflöst, Canon einen mit über 70 MP, der wahrscheinlich in einer EOS R Verwendung finden wird. Der Sony-Sensor soll auch einen langsameren 16Bit-Auslesemodus haben, der einen um fast zwei Blendenstufen höheren Dynamikumfang verspricht (bei 4,6 Bildern/s).

Es kommen zwar erste Global-Shutter-Kameras, aber diese zeigen, dass die Technik immer noch nicht so weit ist, Dynamikumfang und Rauschen sind noch nicht auf dem Level, den Kameras mit zeilenweiser Sensor-Auslesung erreichen. Deswegen sind das eher Speziallösungen und keine Technik, mit der ich 2019 in Massenkameras rechne. Leider.

Der Trend geht zu Spiegellos und Vollformat, es werden noch neue DSLRs erscheinen, aber es ist abzusehen, dass Sie ähnlich wie Verbrennungsmotoren beim PKW die letzte Generation sein werden. Canon, Nikon und Panasonic haben schon spiegellose Vollformatkameras herausgebracht bzw. vorgestellt, bei Canon kommen bestimmt noch zwei dazu in 2019, eine über der EOS R, eine darunter. Ich hoffe, dass zumindest die große IBIS mitbringen wird, gerade bei einer hochauflösenden Kamera ist das ein Muss. Die Technik ist inzwischen so weit, dass spiegellose Kameras Vorteile haben. Die Vorteile der DSLRs, etwa, dass einige davon deutlich robuster gebaut sind, sind ja nicht systembedingt, sondern können auch für zukünftige Spiegellose Anwendung finden. Die eher schlechte Wetterabdichtung von z.B. Sony-Kameras ist ja nur eine Designentscheidung, die bei stärkerem Wettbewerb wahrscheinlich bald überdacht werden wird. Eine professionellere EOS R wird auch ein anderes Level der Abdichtung mitbringen, als das erste Modell, dass eher auf dem Niveau einer EOS 6D Mark II konstruiert ist. Was nicht schlecht ist, aber eben nicht an Profi-DSLRs herankommt. Auch wenn sich die bestehenden Objektive an einer Nikon Z oder EOS R hervorragend und ohne Einbußen adaptieren lassen, ist der Druck der Hersteller groß, das native Objektivprogramm deutlich auszubauen. Wir werden im nächsten Jahr also nicht nur aufregende neue Kameras sehen, sondern auch interessante neue Objektive, die die Möglichkeiten der neuen Bajonette ausnutzen.

Die Frage ist, was langfristig aus Micro Four Thirds ( µFT ) wird, durch die schnelleren Prozessoren lassen sich auch hochauflösende Vollformatsensoren schnell auslesen und somit sehr schnelle Bildfolgen erzielen. Die Gehäusegröße ist bei Spiegellosen ebenfalls kein Argument mehr. Allein die Objektivmaße sind noch ein Argument für
µFT, für alle, die eine leichte und kompakte Ausrüstung bevorzugen. Ob das auf Dauer reicht, die Nutzergemeinde groß genug zu halten, um mit den Neuentwicklungen der anderen Fotohersteller vom Entwicklungsaufwand her mithalten zu können, weiß ich nicht. Das werden Sie als Kunde entscheiden.

Das Mittelformat demokratisiert zu zunehmend, Sie bekommen eine neue Mittelformatkamera wie die Fuji GFX 50R schon für unter 4500€. Mit einem Canon-EF-Adapter ist der Druck, gleich in Objektive zu investieren auch nicht mehr hoch. Auf der anderen Seite sind die Qualitätsverbesserungen und die Praxistauglichkeit im Vollformat so hoch, dass die Notwendigkeit für das Mittelformat nicht mehr hoch ist. Ich rechne trotzdem mit steigenden Nutzerzahlen, weil der Reiz einer größeren Kamera bleibt und die Preise nicht mehr viel höher sind als für gute Vollformatkameras.

Die Bereiche, in denen man Berechnungen zur Verbesserung der Bildqualität verwenden wird, werden zunehmen, Echtzeitkorrekturen von Objektivfehlern auch für Video sind bereits Realität, das Google Pixel 3 nutzt KI, um Nachtaufnahmen deutlich zu verbessern und gleicht damit eine der letzten Schwächen von Handykameras weitgehend aus. Einer der Trends wird sein, dass KI-Funktionen zunehmend auf lokalen Maschinen ausgeführt werden und nicht mehr auf Server zurückgreifen müssen. Manche Smartphones oder Tablets sind heute schon so leistungsfähig wie ein gehobenes Laptop oder ein guter Desktop PC, deswegen wird im nächsten Jahr auch eine Vollversion von Photoshop für das iPad erscheinen. Selbstfahrende Autos werden bei lebenswichtigen Entscheidungen im Straßenverkehr auch nicht auf Serverantworten warten wollen. KI wird keinesfalls schleichend Einzug halten in viele unsere Lebensbereiche, sondern die Entwicklung wird schnell und selbstbeschleunigend stattfinden, manche der Ergebnisse werden weit jenseits meiner Fantasie sein. Der Mensch wird sein Selbstverständnis an diese Entwicklungen anpassen müssen, die Veränderungen für die Gesellschaft positiv umzusetzen, wird eine Herausforderung. Ich hatte bei der Wahl meines Berufes gedacht, dass die Entwicklung von Computerintelligenz mich in einem kreativen Beruf erst relativ spät betreffen wird. Inzwischen weiß ich, dass es heute schon anfängt, mein Berufsfeld zu berühren und rapide fortschreiten wird. Trotzdem bin ich froh, nicht in einer Bank oder Versicherung zu arbeiten, wo KI viel schneller das Berufsfeld verändern wird und auch Angestellte ersetzen wird.

Dronen werden zunehmend kritisch gesehen werden und stärker reglementiert. Dass der Flughafen Gatwick für einen Tag vor Weihnachten wegen Dronen stillstand, ist ein eher harmloser Vorgeschmack auf das, was mit Dronen in der näheren Zukunft ausgeführt werden wird. Damit meine ich die kleinen Consumer-Dronen und nicht die militärischen, die schon seit Jahren viel mehr Menschen töten, als uns bewusst ist. Der technische Fortschritt geht in jede Richtung, dass er insgesamt zum Guten beiträgt, funktioniert nur, wenn sich Menschen engagieren und rechtzeitig die Kurve kriegen. Wir werden durch den Fortschritt Probleme schneller lösen können, aber auch in schnellerer Folge neue Probleme zu lösen haben. Ohne internationale Zusammenarbeit wird das nicht gehen, aber genauso muss sich jeder einzelne bewusst werden, dass er selbst auch wichtig ist und etwas ändern muss. Die Frage „Warum ändern die nichts?“ sollte jeder erst einmal durch „Warum ändere ich nichts?“ und dann durch „Wie kann ich etwas ändern?“ ersetzen. CO-Vermeidung wird in den nächsten Jahren Mainstream, in Deutschland sind wir da vielleicht etwas hinterher (suchen Sie doch mal nach „Flygskam“), aber auch hier kommt das Ende einer Ära.

Die Erkenntnis, dass auch die gebildeten und umweltbewussten Menschen eher ein Teil des Problems sind als ein Teil der Lösung, setzt sich langsam durch (http://www.spiegel.de/wirtschaft/klimawandel-das-koennen-sie-persoenlich-dagegen-tun-a-1240539.html). Ich selbst bin da leider keine Ausnahme, auch wenn ich nur eine kleine Wohnung nutze, die keine andere Energie als 100% Oköstrom verbraucht, liegt mein C02-Ausstoß trotzdem über dem Durchschnitt. Ich habe begonnen, Dinge zu ändern, aber das ist noch ein weiter Weg. Elektromobilität wird meine Bilanz hoffentlich bald verbessern, Flugreisen kann ich entweder lassen oder zumindest kompensieren (https://www.atmosfair.de/de/). Und wenn dann lieber einmal für länger weg als öfter und kürzer.

Instagram hat den Trend verstärkt, dass immer mehr Menschen die gleichen Foto machen möchten, Seiten wie https://www.instagram.com/insta_repeat/ machen Sie sich darüber schon lustig, Instagrammer stehen vor den Sehenswürdigkeiten Schlange, um ein Foto zu bekommen, das aussieht, als wären Sie alleine dort (http://www.reisereporter.de/artikel/6116-overtourism-instagram-zerstoert-diese-orte-komplett-mit-geotagging-neuseeland-yosemite-verzascatal). Immer mehr Menschen haben die wirtschaftlichen Möglichkeiten für Fernreisen, social media schaltet deren Reisewünsche teilweise gleich, Overtourism macht diese Ziele dadurch unerfreulich und trägt oft zu deren Zerstörung bei. Gegen ein modernes Kreuzfahrtschiff sieht die Titanic aus wie eine Barkasse. In Deutschland werden gerade Kreuzfahrtschiffe der neuen „Global Class“ gebaut, die 9500 Passagieren Platz bieten.

Diese Aufnahme entstand mit einem Nikkor 55mm f1,2 Auto S.C von 1973 an einer EOS R bei Offenblende mit 1/20s und ISO 12.800. Das Objektiv hat einige optische Schwächen, die dem Ergebnis aber nicht schaden.

Ein weiterer Trend, der schon seit einigen Jahren wächst, aber seinen Höhepunkt sicher noch nicht erreicht hat, ist Altglas, d.h. die Verwendung von Objektiven, die zumeist vor der Einführung des Autofokus gebaut wurden. Altglas ist das Vinyl der Fotoszene. Ich selbst habe mich erst so richtig mit dem Thema beschäftigt, als ich mein Objektivbuch begonnen habe, seitdem aber viel gelernt über die Vorteile alter Objektive, so dass sie in Zukunft ein wesentlicher Bestandteil meiner fotografischen Arbeit bleiben werden. Spiegellose Kameras erleichtern die Arbeit mit alten Objektiven durch ihr geringes Auflagemaß und die Scharfstellhilfen im elektronischen Sucher stark. Viele Fotografen werden also jetzt erst hinzukommen, wenn Sie auf Nikons und Canons adaptierfreudige neue Kameras umsteigen. Das Vergnügen ist oft günstig, so dass Sie für den Preis eines hochwertigen neuen Objektivs schon eine ganze Sammlung aufbauen können. Darin liegt auch eine gewisse „Gefahr“, denn bei den meisten Altglas-Nutzern bleibt es nicht bei ein paar Objektiven, sondern es werden auch wegen des sehr unterschiedlichen Charakters der Objektive schnell sehr viele.

Die Fototechnik wird sich im nächsten Jahr stark entwickeln, das Gefühl der momentanen Stagnation wird sich nicht halten, ist eigentlich auch spätestens seit dem Sommer 2018 nicht mehr angebracht. Der Fotomarkt für Fotografen wird dagegen eher leicht negativ sein, auch wenn es Trends gibt, dass sich Fotografen besser organisieren und nicht mehr alles mit sich machen lassen. Leuten, die ich mag, würde ich nicht raten, Fotograf zu werden, es sei denn bei überragendem Talent.

Ich vermute, dass Facebook und Instagram bereits heute auf dem absteigenden Ast sind und sich der Trend 2019 verstärken wird, augmented reality und KI werden aber wichtiger werden. Tablets werden für immer mehr Nutzer Computer ersetzen und Smartphones immer mehr Kameras. Für echte Amateurfotografen werden Kamerasysteme weiterhin die Wahl sein und auch lange bleiben, aber wer einfach nur Familie, Freunde und Reiseerinnerungen festhalten möchte, der wird dafür meist mit einem Smartphone auskommen.

Auch bei meinen professionellen Kollegen beobachte ich einen gewissen Trend weg von Adobe, bei der Raw-Konvertierung und Bildbearbeitung gibt es inzwischen ernst zu nehmende Alternativen, ich selbst habe meine letzten Jobs auch mit CaptureOne durchgeführt, weil mir die Ergebnisse besser gefielen. Ein Softwaremonopol ist für niemanden gut außer dem Monopolisten, es wäre auch nicht schön, wenn es nur noch eine Kameramarke gäbe. Eine zwangsweise Mietlösung wie bei Adobe lässt sich weniger leicht durchsetzen, wenn man nur ein Anbieter unter vielen ist. Ich beobachte an mir, dass ich von Miet- und Cloud-Lösungen eher genervt bin und hatte auch schon Zeiten, in denen ich kurzfristig nicht mit Adobe arbeiten konnte, weil Lightroom und Photoshop ihren Lizensierungsserver nicht fanden. Als Lytro insolvent ging, konnten die Kunden der plenoptischen Kameras ihre Arbeiten nicht mehr im Web zeigen, weil die Cloud-Lösung des Viewers eingestellt wurde. Nutzen Sie moderne Technik mit Spaß, aber überlegen Sie sehr gut, wenn Sie sich oder Ihre Firma von ihr abhängig machen.

Vergessen Sie bei all den Zukunftsentwicklungen nicht die Vergangenheit. Die Fotografie wird 2026 200 Jahre alt. Gehen Sie mal wieder ins Museum, verwenden Sie historische Fototechnik, nicht um die Zeit zurückzudrehen, sondern um sich selbst weiterzuentwickeln. Ich wünsche Ihnen ein zufriedenes und gesundes 2019, machen Sie was draus!

Sony A7(R) III Firmware-Updates

Das letzte große Firmware-Update hat fast mehr Fehler erzeugt als behoben, die vor allem zu massiven Problemen mit Speicherkarten und Datenverlusten fürhen konnten. Sony hat heute die Version 2.1 der Firmwares für die A7R III und die A7 III veröffentlicht, die diese Fehler beheben sollen, Sie finden Sie unter: https://www.sony.de/electronics/support/e-mount-body-ilce-7-series

Für die A9 ist das Update ebenfalls verfügbar.

Zwei kleine Updates zum Objektivbuch

In meinem Objektivbuch schreibe ich , dass der Canon 1,4x-Extender mit dem Sigma 150-600 Contemporary zur ERR 01 an der 5D mark IV und 5Ds R führt. Ich habe das im Zuge von Kompatibilitätstests mit der EOS R getestet und keinen Fehler festgestellt. Daraufhin habe die die beiden genannten Kameras auch noch einmal neu getestet. Kurz: läuft.

Sigma hat dieses Problem also mit der aktuellen Firmware behoben, den 1,4x-Sigma-Konverter im Set mit zu kaufen ist also für Besitzer des Canon-Extenders nicht sinnvoll.

Da ich gerade bei der EOS R bin. Ich schrieb auch, dass ich Fokus Peaking (mit der Erfahrung von Sony-Kameras) nicht empfehle, weil das zu ungenau ist, zumindest bei Fotos und nicht im Video. Das ist in der EOS R allerdings so gut, dass Sie damit auch mit lichtstarken manuellen Objektiven eine exakte Schärfe hinbekommen. Der Fokus-Assistent ist ebenfall sehr genau, mit Altglas an der EOS R zu arbeiten, macht wirklich Spaß. Die ersten günstigen Adapter zum Beispiel für Canon FD sind auch schon auf dem Markt. Zur EOS R werde ich später noch mehr schreiben, aber mein Grundfazit ist sehr positiv. 

Photokina 2018

Gestern habe ich die Photokina besucht. Sie ist deutlich geschrumpft, findet nur noch in 5 Hallen statt, die aber eigentlich 8 Hallen sind, weil drei davon doppelgeschossig sind. Es ist immer noch eigentlich zuviel für einen Tag, und das was weggefallen ist, sind hauptsächlich die öden Hallen, in denen die Bilderrahmen etc. zu sehen waren. Nicht nur, aber dazu später.

Trotz kleinerer Größe ist diese Photokina sicherlich eine der spannendsten bisher, weil es sehr viele relevante Neuerungen zu sehen gab.  Vor allem im spiegellosen Vollformat und bei den Objektiven.

Die EOR R mit RF28-70mm f2, aufgenommen mit der selben Kombination (Ausschnitt des JPEG

Canon hat sein EOS R-System vorgestellt, mit dem ich recht viel Zeit verbracht habe. Der erste Eindruck ist sehr positiv, die Kamera liegt wie eine Profi-DSLR in der Hand, vor allem mit dem Batteriegriff. Der Sucher ist sehr gut, die Bedienung durchdacht und der AF überzeugend. Sie ist sicher noch nicht ganz perfekt, aber wenn Canon es schafft, dass ich, wenn ich meine Zweitkamera Sony A7R III nach der EOS R wieder in die Hand nehme, das Gefühl habe, einen unfertigen Prototypen anzufassen, dann haben sie gleich beim ersten Mal sehr viel richtig gemacht. Die neuen Objektive sind beeindruckend, selbst das riesige RF 28-70mm f2 liegt mit der Kamera gut in der Hand. Vor allem, und das ist für mich erstmal viel wichtiger, arbeitet die Kamera mit den EF Objektiven und dem Adapter hervorragend zusammen. Ich habe ein EF 600mm f4 mit Adapter an die EOS R gesetzt und in der wirklich dunklen Canon-Halle auf die Besucher fokussiert. Der Fokus saß sofort und das Sucherbild war trotz des schwachen Lichts immer noch sehr gut. Ich habe auch das neue EF 35er und EF 85er ausprobiert, die arbeiteten genauso schnell und zuverlässig wie die nativen Objektive. Die Adapter mit Einstellring und Drehfilter habe ich ebenfalls getestet. Beim Drehring hätte ich mir gewünscht, dass er vorne am Adapter und nicht an der Gehäuseseite wäre, aber daran würde ich mich wahrscheinlich schnell gewöhnen. Beim variablen ND-Filter habe ich bei starken Werten eine Verschiebung ins Blau festgestellt, diesen während des Filmens zu verstellen wird wahrscheinlich ungünstig sein. Wahrscheinlich wird Canon erstmal eine Kamera unter der EOS R bringen, bis dann eine „dicke“ R auf den Markt kommt. Auch wenn die Kamera noch keinen IS hat und 4K nicht über den ganzen Sensor ausliest, sondern nur im Crop, hat Canon beim ersten Wurf etliches besser gemacht als Sony beim dritten. Trotzdem behalte ich meine A7R III noch eine Weile, sie hat ebenfalls ein paar echte Vorteile gegenüber der EOS R. Ich befürchte aber, dass Sony auf lange Sicht die Entscheidung für einen so kleinen Bajonett-Durchmesser etwas bereuen wird, Nikon und Canon haben eine bessere Wahl getroffen.

Apropos Nikon: Nach der Canon hat mich die Z7 ein bisschen irritiert. Der Sucher wirkte auf mich gelbgrün und in den Lichtern kippend, die Dunkelpause nach dem Aufnehmen war sehr lang (soll etwas kürzer sein mit eingesetzter Speicherkarte und der Mitarbeiter am Stand meinte, dass man die Rückschau gar nicht ausstellen, aber ja gleich wieder auf den Auslöser tippen könnte. Ich hoffe, dass das nur an mangelnder Schulung lag und werde die Kamera in Ruhe beim Händler in die Hand nehmen und mich dann dazu fundierter äußern. Nach der Canon war ich aber tendenziell wenig beeindruckt, allerdings ist der Sensor und die Geschwindigkeit besser und die Kamera hat IS. Das Gefühl bei der Bedienung hat Canon aber am besten hinbekommen.

Noch kurz zurück zu Canon: Augen AF bei Nachführmessung und Serienbilder mit leisem Verschluss (eher lautlos als leise, da vollelektronisch) werden erst nach dem Firmwareupdate im Januar funktionieren.

Zwei neue Vollformatkameras von Panasonic, allerdings noch hinter Glas.

Panasonic hat übrigens auch zwei spiegellose Vollformatkameras vorgestellt, diese kommen aber erst im nächsten Jahr. Die Leistungsdaten der großen sind durchaus beeindruckend, 47MP und 4K/60fps. Sie haben dafür kein neues Bajonett erfunden, sondern das der Leica SL technisch etwas erweitert, Sigma ist neben Leica mit im Boot, wird Objektive bauen und eine eigene Vollformatkamera mit Foveon-Sensor bringen.

Sigma hatte einen eindrucksvollen Stand und auch einige neue Objektive vorgestellt. 28mm f1,4 Art, 40mm f1,4 Art (groß, schwer und unfassbar scharf), 60-600mm Sports, 56mm f1,4 für APS-C, 70-200 f2,8 Sports. Die Entwicklung der Firma ist fast unglaublich, der Generationswechsel Anfang 2012 zu Kazuto Yamaki (der gestern auch auf der Photokina war) hat dem Unternehmen viel neuen Schwung verliehen. 

Tokina hatte sein Opera 50mm f1,4 da. Das Objektiv ist ebenfalls sehr scharf, hat aber ganz leichte LoCa und ein angedeutetes Bubble-Bokeh, was aber meiner Meinung nach seine visuelle Qualität eher verstärkt. Pentax-Nutzer können sich auch auf dieses neue Objektiv freuen, denn hinter dem neuen Pentax 50mm f1,4 steckt wohl das Opera.

Im Mittelformatbereich sinken zwar die Preise, allerdings sind die Kameras immer noch viel träger als Vollformatkameras. Wer als erstes eine Mittelformatkamera bringt, die sich so gut bedienen lässt wie einen Vollformatkamera und das zu einem interessanten Preis, wird gut verkaufen können. Bislang habe ich noch keine Mittelformatkamera gefunden, die mich wirklich reizen würde und die ich mir dann auch leisten könnte oder wollte. Die Leica S3 war von der Bedienung allerdings recht angenehm und die Fuji GFX 50R lag schön oldschool in der Hand und war preislich interessant (eine 100MP-Kamera kommt auch). PhaseOne hat mit der neuen 150MP-Kamera einen Sensor in Einsatz, der auch von der Fläche her in einem reizvollen Bereich liegt. Ich bin optimistisch für die Zukunft von Mittelformat, denke aber, dass die spannenden Zeiten da eher noch vor uns liegen. Für Landschaftsfotografen sind die Einschränkungen allerdings schon heute ohne Belang.

Kein russischer Leica-Nachbau, sondern eine echte Leica im russischen Gewand: Die Zenit M

Ich habe lange Gerüchte gehört, dass Zenit im Luxussegment eine Kamera auf den Markt bringen möchte. Bei Gerüchten aus Russland bin ich immer noch einen Tick vorsichtiger, aber ich habe mich gefreut, dass die tatsächlich auf der Photokina waren und eine Kollaboration mit Leica vorgestellt haben. Im Prinzip ist das eine Leica M im Zenit-Look mit einem eigenen 35mm f1,0. 

Bei K&F-Concept wollte ich die Streulichtempfindlichkeit der Adapter anmerken, lernte aber, dass die bereits eine neue Version auf den Markt bringen, die eine deutlich bessere Innenbeschichtung aufweist.

Mich hat das neue Konzept der Photokina überzeugt. Ich habe ein paar Hersteller vermisst, aber das liegt nicht nur an der neuen Photokina, sondern auch an den Entscheidungen der Hersteller und der Marktentwicklung. Nicht da waren z.B. Zeiss, Polaroid, Hensel und Elinchrom (dafür aber Godox mit einem großen Stand).  Zeiss hat aber die Photokinaphase genutzt, um ein neues Batis 40mm f2 und eine 37MP Vollformatkamera mit festem 35mm-Objektiv anzukündigen.

Diese Photkina hat allerdings auch von einer spannenden Umbruchphase profitiert, ob die nächste, die bereits im Mai stattfindet (und ab dann jährlich wieder) genauso interessant werden wird, bleibt abzuwarten.

Canon EOS R ist da

Canon hat heute offiziell die EOS R vorgestellt, die Gegen die Sony A7 III und die Nikon Z6 antreten wird. Sie hat ein neues RF-Bajonett mit gleichem Durchmesser wie EF, aber nur 20mm Auflagemaß. Zudem ist die elektronische Kommunikation deutlich schneller geworden, weil Canon den schnellsten AF anbieten möchte. Das Bedienkonzept ist deutlich weiter als bei der Konkurrenz, zumindest ist das meine persönliche Meinung. Canon betont sehr, dass die Kamera um die neuen optischen Möglichkeiten für die Objektiventwicklung herumgebaut wurde und die ersten Objektive für die Kamera sehen auch sehr spannend aus, jedenfalls deutlich aufregender als das, was Nikon vorgestellt hat. Um die Objektive muss man sich aber ohnehin keine Sorgen machen, da alle EF-Objektive ohne Einschränkung funktionieren sollen. Canon hat gleich verschiedene Adapter vorgestellt, der einfachste kostet nur um 100€, wenn man den Einstellring dabei haben möchte oder einen Filtereinsatz, wird es etwas teurer.

Die EOS R mit RF24-105mm F4L IS USM  Bild: Canon

Das System überzeugt mich dabei ganz, die Kamera selbst hat noch ein paar Einschränkungen, die ich auf Dauer gerne los werden würde:

  • Keinen IBIS: Der Sensor hat keinen Stabilizer, den ich für einen der großen Vorteile bei Spiegellosen Kameras halte, zumal man damit auch alte Objektive mit Stabi verwenden kann.
  • Nur eine Speicherkarte: Immerhin UHS II, aber bei einer echten Profikamera dürfen es gerne zwei sein. Nikon hat das auch nicht und Sony hat das schlecht implementiert, als bei mir die eine Karte zickte, wurden wichtige Bilder auch nicht auf die zweite geschrieben. Hier können also alle gerne noch mal nachlegen.
  • Bei Nachführ-AF wird die Kamera langsamer, auf nur 5 oder sogar noch weniger Bilder pro Sekunde.
  • 4K-Video ist nicht mit der vollen Sensorfläche möglich

Das war es auch schon im Wesentlichen. Die Kamera liegt mit 2499€ UVP 400€ über dem damaligen Einstiegspreis der 6D Mark II, kommt in vielem aber der 5D Mark IV nahe und übertrifft Sie auch in ein paar Aspekten.

Der AF soll bis -6LW  (bei f1,2) ud bis f11 Anfangsblende gut funktionieren. Die Kamera hat einen Puffer für 47 Raws, das ist mehr als bei den Mitbewerbern, der Sucher wird wahrscheinlich auch etwas besser als bei der Sony A7 III. Die Kamera hat einen ganz leisen vollelektronischen Verschluss (als Option, der mechanische bleibt natürlich), der aber wahrscheinlich wie bei Sony auch für schnelle Bewegungen nicht geeignet sein wird, da es dann zu deutlichen Rolling-Shutter-Effekten kommt. Für Konzerte oder Trauungen ist das jedoch ideal.

Die Kamera wird wunderbar zu bedienen sein für FullHD-Videos, bei 4K ist der starke Cropfaktor jedoch indiskutabel für professionelle Nutzer. Wer Video als Hauptanwendung nutzt, wird mit anderen Kameras glücklicher, zumindest, wenn er mehr als FullHD oder 60fps bei FullHD benötigt.

EF- und EF-S-Objektive werden sich verwenden lassen, aber EOS M und EOS R sind getrennte Welten, die keinen gegenseitige Adaptierung ermöglichen. Da hat es Sony besser, die APS-C-Kameras sind kompatibel mit den Vollformat-Sonys, allerdings ist dafür der Bajonett-Durchmesser auch deutlich kleiner, was sich auf lange Sicht als Nachteil für Sony herausstellen kann. Die bequemen Zeiten sind für Sony jedenfalls vorbei, aber für Sony-Fotografen wird das nur zu besseren Kameras führen, Konkurrenz ist gut für den Endkunden. Das was jetzt gerade in der zweiten Jahreshälfte 2018 geschieht, wird den Fotomarkt über Jahrzehnte prägen. Neue Bajonette von großen Herstellern kommen nur alle zig Jahre, EF ist von 1987. 

EOS R kommt am 5.9.18

Die spiegellose Vollformatkamera von Canon wird am 5.9. vorgestellt, erste Bilder von ihr und neuen Objektiven sind bereits online:

https://www.canonrumors.com/here-are-the-first-images-and-specifications-for-the-canon-eos-r-and-the-new-rf-mount-lenses/

Interessant ist, dass die neuen Objektive einen weiteren Einstellring haben und es auch einen EF-Adapter gibt, der diesen Ring mitbringt. Er wird wohl für die Einstellung der Blende sein, aber ich denke, das man ihn vielleicht auch mit anderen Funktionen belegen kann. Was ich bislang weiß, gefällt mir sehr gut, auch das Gehäuse wirkt ergonomisch und solide. Der Touchscreen lässt sich auch nach vorne drehen, der Akku bleibt der Gleiche. Das Auflagemaß ist 20mm, der Durchmesser des Bajonetts wie bisher, Sony ist jetzt gegenüber Nikon und Canon etwas im Nachteil bei der Objektiventwicklung.

Die Daten sind bislang:

30,3MP
4K Video
AF bis -6EV (LW), das wäre sehr gut
580g

Ich schreibe mehr, wenn die restlichen Daten kommen, aber bislang sieht die EOS R aus wie meine nächste Kamera.

Ich las auf der Seite einer Computerzeitschrift, dass man anhand der Daten mit einem Preis von ca. 4000€ rechnen müsste. Das ist natürlich Unsinn, die Kamera zielt auf das Vollformat-Einstiegssegment, einen ähnlichen Bereich wie die EOS 6D Mark II. Außerdem will Canon Marktanteile, man kann davon ausgehen, dass dieses Kamerasegment sehr aggressiv angegangen wird. Mit nur einem Kartenslot und ohne Sensor-Bildstabilisator lässt die Kamera auch genug Raum für eine größeres Modell, dass in den nächsten Monaten zu erwarten ist.

Nikon Z6 und Z7 vorgestellt

Player 2 has entered the game (Nein, Player 3, ich habe die Leica SL vergessen. Apropos: Jetzt kommt vielleicht auch noch Panasonic als Nummer 5 nach Canon zum Vollformat-Spigellosen-Markt hinzu).

Nikon hat zwei spiegellose Vollformatkameras vorgestellt und meine Anforderungsliste aus http://fotoschule.westbild.de/2018/07/spiegellose-von-canon-und-nikon/ recht gut eingehalten. Bei der Batterielebensdauer bestehen zwar noch etwas Zweifel, aber es ist nicht auszuschließen, dass das durch Firmwareupdates noch sehr viel besser werden kann. Es gibt erste Berichte, dass die AF-Leistung bei schwachem Licht eher der letzten Generation von Sony-Kameras entspricht, als der aktuellen. Auch beklagen sich viele, das Nikon nur einen Speicherkartenplatz verbaut hat (XQD-Format). Eine Profikamera darf ruhig zwei haben, aber wenn die so umgesetzt werden, wie bei Sony, dann bleibt der Nutzen gering. Mir setzte in einer wichtigen Jobphase eine Karte aus und die Daten wurden auch nicht auf die Zweite geschrieben, zudem dauert der Vorgang bei Sony (Bilddatenbank wiederherstellen). Dass daraus keine sehr ärgerliche Lücke wurde, lag daran, dass wir zu zweit fotografiert haben, alleine hätte ich noch eine Canon als Backup zur Hand gehabt, die zuverlässiger arbeitet. Zudem ist ein Slot der Sony A7RIII nur UHS-I, so dass die Kamera deutlich langsamer wird, wenn man zwei Karten verwendet.

Nikon Z7 mit 35mm-Objektiv Bild:Nikon

Der Bajonettdurchmesser ist deutlich größer als bei Sony und das Auflagemaß kleiner, hier hat Nikon gelernt und eine sehr zukunftsfähige Lösung gewählt. Als Demonstration, was damit möglich sein wird, hat Nikon auch gleich eine 58mm-Objektiv mit f0,95 angekündigt. Als Zweitkamera sind die spiegellosen Nikons sicher schon interessant, da sich über den FTZ-Adapter die Nikon-F-Objektive gut weiterverwenden lassen. In der Gesamtleistung kommt auch eine Z7 nicht an Nikons D850 heran, die im Augenblick wohl die beste DSLR am Markt ist. Für einen ersten Versuch sind die Kameras durchaus gelungen und sie werden sicher von vielen Nikon-Fotografen ohne langes Nachdenken gekauft werden. Als Profi wäre es mir allerdings zu früh, ganz auf das spiegellose System zu setzen. Als Fotomarkt-Beobachter bin ich aber recht zufrieden, dass Nikon bei den grundsätzlichen Entscheidungen fast alles richtig gemacht hat, ein paar der anderen Details wird man über Software lösen können und den Rest in Version 2 oder 3 der neuen Kameraserie.

Man munkelt, dass Canon am 5.9. als dritter Spieler einsteigt, dann mit einer eher an den Einsteiger gerichteten Kamera, während die größere später kommt. Das würde zu Canon passen, die EOS 3 kam auch vor der EOS 1V, so kann neue Technik erstmal in der Breite getestet werden, bevor die Profiversion herausgebracht wird.

Ich bin gespannt auf ausführlichere Tests und freue mich über ein spannendes Fotojahr.

 

Nikon 1 offiziell am Ende

Ich gebe zu, dass ich bereits die Hände über dem Kopf zusammengeschlagen habe, als Nikon die erste Nikon 1 vorgestellt hat. Der Sensor war mit 13,2 mm × 8,8 mm einfach viel  zu klein, als das dieses Kamerasystem je hätte wirklich Sinn ergeben können. Deswegen bin ich auch nicht traurig, das Ende der Reihe mitteilen zu können. Vor allem da ich denke, das Nikon bereits in Kürze ein spiegelloses System im Vollformat ohne Geburtsfehler vorstellen wird. Nikon Spiegellos ist tot, es lebe Nikon Spiegellos!

Spiegellose von Canon und Nikon

Bevor eine Kamera oder ein Objektiv auf den Markt kommt, müssen etwaige Patente veröffentlicht werden und die Zertifizierung abgeschlossen werden. Nicht jedes Patent kommt später auch auf den Markt, aber Zertifizierungen sind ein recht sicherer Indikator, dass etwas kommt, wenngleich Nikon auch einmal eine High-End-Kompakte im  letzten Moment noch abgeblasen hat, weil sie die Marktchancen skeptisch beurteilten.

Ich denke, dass Nikon recht bald eine spiegellose Vollformatkamera ankündigen wird und dass Sie sie zur Photokina schon in die Hand nehmen können. Die Gerüchte und anderen Quellen sind da schon relativ weit:
https://nikonrumors.com/2018/07/04/nikon-mirrorless-camera-specs-recap.aspx/#more-123111

Ich selbst halte folgende Voraussetzungen für wichtig, damit solche Kameras erfolgreich werden:

  • ein konkurrenzfähiger Sensor
  • Bildstabilisierung über den Sensor
  • schnelle Bildfolge
  • ein guter Sucher, schnell und hochauflösend
  • ein zukunftsfähiges Bajonett, dass auch hochlichtstarke Objektive erlaubt
  • eine perfekte Adaptierungsmöglichkeit des bisherigen Objektivprogramms
  • gute Batteriedauer
  • vernünftige Ergonomie
  • Robustheit

Sony hat gut vorgelegt, aber es gibt durchaus noch einiges, was man besser machen kann als Sony. Zudem ist die installierte Basis an Objektiven ein gutes Argument, bei der Marke zu bleiben, wenn die Adaptierung ohne Leistungseinbußen erfolgt.

Canon hat ebenfalls schon Patente für z.B. Weitwinkelzooms mit ganz geringem Auflagemaß veröffentlicht. Es ist klar, dass Auch Canon an mindestens zwei spiegellosen Vollformatkameras arbeitet. Ich rechne aber nicht vor der nächsten Photokina mit einer Veröffentlichung. Zum Glück ist die nicht erst in zwei Jahren, wie sonst immer, sondern im Mai 2019 (und von da an jährlich). Update: Nachdem bislang nur Quatsch in den Gerüchten zu hören war, wird die Canon wohl doch eine 2018er Camera, auch bezogen auf die Lieferbarkeit. Ich bin gespannt.

Ich denke nicht, dass wir keine neuen Spiegelreflexkameras mehr von Canon oder Nikon sehen werden, aber die Zeit, in der spiegellose Systeme Vorteile haben, weil die Rechenleistung dafür ausreicht, ist bereits da. Das heißt nicht, dass eine DSLR wie die Nikon D850 unterlegen wäre oder keine eigenen Vorteile mitbrächte.

Ich würde mich freuen, wenn zur Einführung auch noch eine kleine Sensation kommt, Global Shutter wäre ein guter Kandidat für mich. So oder so: Das nächste Jahr wird spannend auf dem Fotomarkt.

GIMP unterstützt endlich 16 Bit

Es hat lange gedauert, aber bei GIMP tut sich etwas, die neue Version 2.10 hat endlich eine neue Grafik-Engine unter der Haube, die auch die Bildbearbeitung in 16 Bit ermöglicht.

https://www.gimp.org/news/2018/04/27/gimp-2-10-0-released/

Für Windows lässt sich im Moment nur der Release Candidate 2 herunterladen, aber die finale Version sollte nur eine Frage der Zeit sein.

5D Mark IV – neue Firmware

Canon hat heute die Veröffentlichung der Firmware 1.12 für die 5D Mark IV bekanntgegeben, die meisten Änderungen betreffen die Verwendung von TS-E-Objektiven, allerdings auch alten wie dem 17mm f4L.

Zitat Canon:
„Firmware-Version 1.1.2. ersetzt Version 1.0.4 und beinhaltet folgende Änderungen:

  • Unterstützung für die chromatische Aberrationskorrektur, Peripheriebeleuchtungskorrektur, Verzerrungskorrektur und digitale Objektivoptimierung bei der Verwendung von Digital Photo Professional zur Bearbeitung von RAW-Bildern, die mit den folgenden TS-E-Objektiven gemacht werden:
    • TS-E 17mm 1:4L
    • TS-E 24mm 1:3,5L II
    • TS-E 50mm f/2.8L Macro
    • TS-E 90mm f/2.8L Macro
    • TS-E 135mm f/4L Macro
  • Behebt das Problem, bei dem keine Standardbelichtung, sondern nur eine ungleichmäßige Belichtung erreicht werden kann, wenn leise Aufnahmen von Livebildern mit den folgenden TS-E-Objektiven gemacht werden:
    • TS-E 50mm f/2.8L Macro
    • TS-E 90mm f/2.8L Macro
    • TS-E 135mm f/4L Macro
  • Behebt ein Phänomen, bei dem die Kamera möglicherweise nicht ordnungsgemäß funktioniert, wenn die Camera Connect App verwendet wird, um einen Film mit hoher Bildrate aufnehmen.
  • Behebt ein Phänomen, bei dem Fehler 80 möglicherweise auftreten kann, wenn HDR-Filme mit der Funktion Remote Live View-Aufnahmen aufgenommen werden. (Gilt nur für Kameras mit Canon Log.)
  • Exif 2.31 wird nun unterstützt.“

Hier herunterzuladen:
https://www.canon-europe.com/support/consumer_products/products/cameras/digital_slr/eos-5d-mark-iv.aspx?type=firmwarehttps://www.canon-europe.com/support/consumer_products/products/cameras/digital_slr/eos-5d-mark-iv.aspx?type=firmwarehttps://www.canon.de/support/consumer_products/products/cameras/digital_slr/eos-5d-mark-iv.aspx?type=firmware

 

Sigma Firmware behebt Objektivkorrekturfehler (Canon)

Bislang waren die Sigma-Objektive nicht kompatibel mit der Objektivkorrektur in Canon Kameras. Das führt dann zum Beispiel zu einer ringförmigen Darstellung im Livebild und unbrauchbaren JPEGs. Am 7.3.2018 veröffentlicht Sigma die neue Firmware 2.0, die Abhilfe schaffen wird. Bislang mussten Sie sie Objektivkorrektur ausschalten. Das Update kommt vorerst für folgende Objektive:

Contemporary:
SIGMA 100-400mm F5-6.3 DG OS HSM

Art :
SIGMA 18-35mm F1.8 DC HSM
SIGMA 24-70mm F2.8 DG OS HSM
SIGMA 35mm F1.4 DG HSM
SIGMA 50mm F1.4 DG HSM
SIGMA 85mm F1.4 DG HSM
SIGMA 135mm F1.8 DG HSM

für eine große Anzahl weiterer Objektive werden ebenfalls Updates erscheinen, allerdings etwas später.

Neues von Sony, Sigma, Samyang, Tokina

Sony hat heute seine A7 III vorgestellt. Dass die ersten A9-Besitzer jammern, zeigt, dass sie dabei alles richtig gemacht haben. Die A7 III ist sehr ähnlich der A7R III, allerdings mit 24 MP, einem etwas schlechteren Sucher, einem noch besseren AF, besserer ISO-Leistung und ohne Pixelshift. Und natürlich deutlich günstiger. Es bleibt abzuwarten, wie schnell der elektronische Verschluss ausgelesen werden kann, sicher etwas schneller als bei der A7R III. Die A9 setzt sich eigentlich nur noch ab durch ihre höhere Geschwindigkeit mit dem silent shutter, den besseren Sucher und den besseren AF. Und den doppelten Preis. Ich vermute, dass viele Fotografen, die die A9 für Events gekauft haben, mit der A7 III besser bedient sind, auch weil sie eine höhere Bildqualität bietet und 10 Bilder pro Sekunde fast immer ausreichen. 4K-Video macht die A7 III im Gegensatz zum Vorgänger nun auch. mit ca. 2300€ UVP ist die A7 III etwas teurer geworden gegenüber der A7 II. Es ist aber auch eine in vielen Belangen deutlich bessere Kamera und eine, die als Universalkamera taugt. Der AF der A7 II war nicht für jeden Einsatzzweck tauglich.

Sony A7 III Bild: Sony

https://www.sony.de/electronics/wechselobjektivkameras/ilce-7m3-body-kit

Sigma bring neun der Art-Objektive jetzt auch mit Sony-Anschuss auf den Markt (14mm f1,8, 20mm f1,4, 24mm f1,4, 35mm f1,4, 50mm f1,4, 70mm Makro f2,8, 85mm f1,5, 105mm f1,4, 135mm f1,8). Wer Sigma kennt, hat gemerkt, dass das 70mm-Makro und das 105mm f1,4 neu sind. Diese Objektive wird es, wie die anderen auch, natürlich auch für Kameras von Canon, Nikon und Sigma geben. Ebenfalls neu von Sigma ist das 14-24mm f2,8 Art.

für mich ist das 105mm f1,4 die spannendste Neuigkeit:
https://www.sigma-foto.de/objektive/105mm-f14-dg-hsm-art/uebersicht/

Samyang hat ein 50mm f1,2 vorgestellt, dass für 50 MP gerechnet wurde. So etwas gibt es bislang noch nicht auf dem Markt, leider verfügt das Objektiv nicht über AF.

http://www.samyang-deutschland.de/samyang-50mmf12ed.html#headline

Tokina hat das FíRIN 20mm F2 FE AF vorgstellt, eine AF-Variante eines bereits erhältlichen Objektivs. Noch nicht vorgestellt wurde das Opera 50mm F1.4 FF, das aber bereits mit Abbildung geleakt wurde. Von der Bauform lässt sich vermuten, dass die Abbildungsleistung High End sein wird, eine ähnliche Konstruktion wie das Sigma Art, aber mit Wetterabdichtung.

 

Neuer Blitz und neue Kameras von Canon

Endlich kennen wir die Bedeutung der seltsamen Fehlermeldung „AI Bounce“, auf die ich schon bei der Arbeit zu unserem Canon EOS 6D Mark II-Buch gestoßen bin. Canon hat einen neuen Blitz vorgestellt, der mithilfe eines Motors den Blitzkopf verstellen kann. Der Standardbetrieb sieht dann so aus, dass die Kamera per Knopfdruck einen den Abstand zum Motiv und den zur Decke misst und daraus den optimalen Bounce-Winkel berechnet und den Blitz auch so positioniert. Das klingt erstmal wie ein Amateurfeature, aber das ist nur zum Teil richtig. Denn Sie können den Winkel auch so einstellen, wie Sie ihn haben möchten und die Kamera passt den Reflektor automatisch an, wenn Sie in das Hochformat wechseln. Wer Hochzeiten oder Events fotografiert, der weiß, dass so eine Lösung Zeit spart und die Handgelenke schont. Der Blitz heißt Speedlite 470EX-AI, mehr dazu finden Sie unter https://www.canon.de/cameras/speedlite-flash-470ex-ai/specifications/ 

Leider ist der zwar schön auf der Kamera, aber als Teil des Blitzsystems nur so halb gut. Sie können den Blitz weder per Funk steuern und selbst über Infrarot ist der Blitz nicht als Master einsetzbar. Für einen Blitz, der für den Blitzschuh gedacht ist, ist das für einen Profi eine sehr große Einschränkung. Die Idee bleibt gut, hoffen wir, das Canon einen RT-Blitz mit der gleichen Technik nachschiebt.

Ebenfalls neu sind die EOS 2000D und die EOS 4000D, die sehr auf den Einsteiger zielen. Die 2000D hat einen relativ aktuellen 24 MP-Sensor, die 4000D ein Kunststoffbajonett und den älteren 18 MP-Sensor. Beide Kameras nehmen Full HD-Videos auf und schaffen 3 Bilder/s. Die 4000D kostet mit Objektiv 399 UVP, der Straßenpreis wird bald darunter liegen.

Die neue EOS M50 Bild: Canon

Technisch spannender ist die neue Spiegellose von Canon, die EOS M50. Sie schafft 10 Bilder/s, hat einen aktuellen 24 MP Sensor mit schnellem Dual Pixel AF, kann 4K-Video, leider ohne den DPAF und auch nur mit einem zusätzlichen Cropfaktor von 1,7x, was die Verwendung von geringer Schärfentiefe und starkem Weitwinkel einschränkt. Mit einem UVP von 579€ UVP (nur Body) ist sie allerdings konkurrenzfähig positioniert. Leider hat sie keinen Sensor-IS. Vom Preis-Leistungs-Verhältnis ist das aber insgesamt ein recht gutes Angebot. Ich hoffe, dass Canon (und Nikon auch) in absehbarer Zeit auch eine Vollformat-Spiegellose mit IBIS bringen, die dürfen dann auch gerne ein Stück mehr kosten.

https://www.canon.de/cameras/eos-m50/specifications/

Zur CP+ kommen noch mehr schöne Dinge (Sigma, Sony, Tokina, Samyang) die werde ich, wenn Sie mehr als nur Gerüchte sind, in einem eigenen Blogbeitrag zusammenfassen.

 

Sony A7R III Erfahrungsbericht

Ich habe die A7R III seit dem ersten Tag der Lieferbarkeit in Verwendung. Auch wenn Sony nur mein Zweitsystem neben Canon ist, kann ich nach fast 30.000 Aufnahmen einen fundierten Erfahrungsbericht schreiben.

Die Bildqualität des Sensors ist tatsächlich hervorragend, die Kamera ist deutlich schneller geworden und lässt sich auch besser bedienen als der Vorgänger. Ich würde sie wieder kaufen, um ein Fazit vorwegzunehmen, aber die Kamera bei weitem nicht perfekt. In diesem Bericht werde ich hauptsächlich auf die Schwächen eingehen und ich werde ihn auch bei Sony posten, weil Sony genau mitliest. Meine Kritikpunkte an der A7R II hat Sony bei der A7R III fast alle behoben. Nicht meinetwegen natürlich, aber doch, weil das Userfeedback genau ausgewertet wurde.

Der elektronische Verschluss ist zwar absolut leise, aber leider auch nur beschränkt einsetzbar. Wenn Sie unkomprimiertes Raw eingestellt haben, benötigt die Kamera selbst bei 1/8000 s Belichtungszeit 1/13 s, um das ganze Bild auszulesen. Entsprechend stark ist der Rolling-Shutter-Effekt. Wenn Sie flimmerndes Licht haben, erhalten Sie eine starke Streifenbildung. Bei bestimmten Kunstlichtquellen oder stärker bewegten Motiven können Sie den elektronischen Verschluss also gleich wieder vergessen. Bei komprimiertem Raw liest die Kamera immerhin doppelt so schnell aus.

Der gleiche Effekt schränkt auch die Nutzbarkeit des Pixelshift-Modus ein. Denn die Kamera verwendet dabei immer den unkomprimierten leisen Modus. Wenn Sie blitzen, brauchen Sie also Belichtungszeiten von mindestens 1/13 s, der Abstand zwischen den 4 Belichtungen beträgt mindestens eine Sekunde, die Gesamtaufnahmezeit also mindestens 3 s. Das können andere besser.

Apropos andere können das besser: Ich habe es in drei Monaten nicht ein einziges Mal erlebt, dass die Sensorreinigung ein Staubkorn entfernt hätte. Und ich rede von Staubkörnern, die mit einem kleinen Gummiblasebalg problemlos zu entfernen waren. Das ist bei Olympus oder Canon deutlich besser. Gerade bei einer Spiegellosen, bei der der Sensor nah hinter dem Bajonett offen liegt, sollte eine bessere Methode zu finden sein.

Der Autofokus der A7R III ist bei Gesichtern hervorragend, wenn man die Kamera in AF-C machen lässt, ist er auch bei anderen Motiven oft sehr gut. Wenn man allerdings mehr Kontrolle übernehmen möchte, schwächelt das System bei kleineren Messfeldern aber deutlich. Immerhin können Sie in der Suchervergrößerung mit einem Fadenkreuz praktisch auf den Punkt scharf stellen, wenn auch nicht immer schnell. In der Gesamtheit ist der AF aber mit einer guten DSLR zu vergleichen. Der Sucher selbst lässt einen aber langsamer reagieren und auch nicht so schnell mitführen, wie das bei einer DSLR möglich wäre. Bei Personen ist die A7R III überlegen, bei schnellen Vögeln eher eine DSLR. Auch deswegen, weil die großen Teles noch nicht auf dem Markt sind, nach 100-400 mm Zoom ist bislang Schluss. Canon- oder Sigma-Teles funktionieren zwar mit Adapter, aber nicht auf dem Level, den Sport- oder Naturfotografen von guten DSLRs gewohnt sind. Insgesamt funktioniert der AF mit Adapter aber deutlich besser als an der A7R II.

Die Touchscreen-Unterstützung ist halbherzig, immerhin können Sie den Fokuspunkt verschieben. Wenn Sie das Sucherfeld in der Suchervergrößerung verschieben wollen, dann macht die Kamera das andersherum als beim Fokusfeld und für meine Anforderungen auch viel zu langsam. Auslösen über den Touchscreen geht nicht, das Menü können Sie darüber auch nicht bedienen.

Einer der Punkte, der mich wirklich nervt, ist, dass sich die Kamera oft gar nicht bedienen lässt, wenn die Kamera noch auf die Speicherkarte schreibt. Und was mich auch nervt, ist, dass in der Suchervergrößerung nicht die Blende oder Belichtungszeit angepasst werden kann. Die Bedienung ist etwas übersichtlicher geworden, immerhin haben die Reiter jetzt Überschriften. Aber das geht noch besser.

Meine Kamera hat öfter Probleme mit der Speicherkarte, vor allem im Slot I, die Karten selbst sind nicht das Problem, die laufen in den anderen Kameras problemlos, einmal in Amsterdam hat die Kamera ca. 35 Bilder hintereinander nicht auf die Karte geschrieben. Das war das einzige Mal, aber dass die Kamera die Speicherkarte neu eingesetzt haben möchte, passiert öfter. Ich vermute eine mechanisch nicht so gute Umsetzung der Kontakte. Genau wie beim Blitzschuh. Wer den entworfen hat, sollte bitte von Sony in die Hifi-Abteilung versetzt werden und nichts mehr bauen dürfen, was die Leute auch mit vor die Tür nehmen.
Wie wetterfest die Kamera ist, habe ich nicht wirklich ausprobiert, aber ich würde auch nicht zuviel erwarten. Sony könnte das meinetwegen genauer kommunizieren, als sie das jetzt tun.

Die Akkulaufzeit ist jetzt zwar recht gut, aber es gibt keine Fremdakkus und Sony kann wohl im Augenblick nicht liefern, ich habe jedenfalls von einigen gehört, dass Sie keine Akkus kaufen konnten. So etwas darf nicht passieren.

Die Bildqualität der Sony ist gut, bei langen Belichtungen habe ich allerdings Probleme mit Hotpixeln. Hier sollte Sony einen Weg finden, der weder Hotpixel- noch Star-Eater-Probleme mit sich bringt.

30s bei ISO 3200. Hotpixel sind leider immer noch ein Thema

Der Bildstabilisator ist super, gerade für alte manuelle Objektive.
Das neue Betriebssystem macht die Kamera schneller, es gibt aber keine Apps mehr. Den Touchless Shutter vermisse ich, den hätte Sony ruhig mit in die Firmware packen können. Die Umschaltung zwischen Sucher und Bildschirm ist manchmal immer noch ungenau. Generell dürfte der Sucher ruhig dann erst angehen, wenn das Auge nur noch wenige cm entfernt ist.

Die Verbindung mit dem Smartphone für die GPS-Koordinaten bricht mit dem iPhone 7 oft ab und muss immer händisch wieder aufgebaut werden. Wer genau daran Schuld ist, weiß ich nicht, aber es ist nicht praxistauglich.

Für die A7R IV wünsche ich mir: Einen schnelleren Sucher, einen besseren Spot-AF, weniger Bedienbremsen und mehr Responsiveness, robustere Auslegung und Wetterabdichtung, eine gute Touchscreen-Umsetzung, einen schnelleren leisen Verschluss, einen schnelleren Pixelshift-Modus (am besten so schnell wie die Serienbildfrequenz), den zweiten Kartenslot auch in UHS-II. Etwas mehr Auflösung wäre schön, aber mit den 42MP kann ich ganz gut leben.

Und, nach den ganzen Kritikpunkten: Insgesamt eine gute Kamera, inzwischen ernst zu nehmende Konkurrenz zur DSLR und ein großer Schritt nach vorne von der A7R II. Die meisten Nachteile sind gar keine technischen, sondern eher Designschwächen. Da kann Sony noch aufholen und vor allem früh den Profis Prototypen  in die Hand drücken.

Ein Blick in die Glaskugel für 2018

Traditionell denke ich am Jahresanfang über die kommenden Entwicklungen in der Fototechnik nach, meine Prognosen aus den letzten Jahren lasse ich unverändert im Netz stehen. Bei manchen Entwicklungen bin ich selbst verwundert, wie lange Sie brauchen. Zum Beispiel habe ich erst im November eine Kamera erworben, die einen der schnelleren Speicherstandards unterstützt, in diesem Fall UHS-II. Ich hätte gedacht, dass das früher der Fall sein würde.

In diesem Jahr werden sich spiegellose Systeme als gleichwertig zu den DSLRs zeigen. Manche werden fragen, warum das jetzt erst kommen soll und noch nicht so ist. Das liegt daran, dass es zwar Kameras gibt, die im AF mithalten können, wir z.B. die Sony A9, aber solange ein verhältnismäßig lichtschwaches 100-400mm-Zoom die längste Brennweite darstellt und die adaptierten Objektive ist schnell genug funktionieren, gucken Sportfotografen noch in die Röhre. Bzw. nicht in die Röhre, denn solche „Röhren“ wie ein 400mm f2,8 kommen erst in naher Zukunft.

2018 wird also das Jahr sein, in dem Spiegellose endgültig gleichziehen. In Zukunft werden sie sogar in manchen Belangen überlegen sein, zum Teil sind sie das jetzt schon. Aber wenn man genau hinguckt, ist vieles noch nicht rund. Der leise Verschluss einer Sony A7R III ist zwar geräuschlos, aber nur für wenig bewegte Motive gut zu verwenden. Es dauert 1/13s, ihn auszulesen, doppelt so schnell wird es nur mit komprimiertem Raw. Die Sony A9 ist deutlich schneller, kommt aber bei Auflösung, Farbe und Dynamikumfang nicht an die A7R III heran. Hier liegen auch noch Probleme, die die Kameraindustrie lösen muss, bevor Global Shutter Wirklichkeit werden können. Ein Global Shutter ist ein elektronischer Verschluss, der keine Auslesezeit mehr hat, sondern das ganze Bild auf einmal erfasst. Stellen Sie sich das einmal im Blitzbetrieb vor: Sie können Belichtungszeiten verwenden, die nur von der Abbrennzeit des Blitzes begrenzt werden. Ich vermute, manche Blitzhersteller wie z.B. Hensel haben damit gerechnet, dass das früher kommen würde, sonst hätten Sie wahrscheinlich schon längst Blitze mit HSS (HighSpeedSync) gebracht. HSS wäre mit einem Global Shutter nicht mehr nötig. Ich rechne noch nicht für 2018 damit, sage aber ganz klar: Global Shutter wäre für mich ein Grund, eine neue Kamera zu kaufen. Der Rolling Shutter-Effekt würde damit dann genauso der Vergangenheit angehören.

Da Spiegellose nun wirklich reif geworden sind, müssen die DSLR-Hersteller auch etwas bringen. Nicht etwas wie Nikon 1 oder EOS M, sondern etwas Richtiges  im Vollformat, das die technischen Vorteile eines spiegellosen Systems zur Geltung bringt. Es gibt bereits Patente dazu von Canon und Nikon, ich erwarte, dass Nikon schon 2018 etwas bringen wird, von Canon wird auch etwas kommen, aber ich bin mir nicht sicher, ob schon in diesem Jahr. Der Dual Pixel AF von Canon ist eine sehr gute Voraussetzung für eine spiegellose Kamera, das EF-Objektivsystem ebenfalls ein großer Vorteil, genauso wie eine native Unterstützung von Nikkor-Objektiven eine neue Nikonkamera mit einem Startvorteil versehen würde. Sony ist aber de facto schon einer der großen drei Kamerahersteller geworden, die Lücken im Objektivprogramm werden bald geschlossen sein und die Entwicklungsgeschwindigkeit wird bei den Kameras weiterhin hoch bleiben.

Apropos Objektive. Es werden sicher eine Menge sehr guter Objektive in naher Zukunft auf den Markt kommen, ein Supertele und ein 135er von Sony, ein 200-600 und ein neues 50er von Canon etc. Manche der neuen Objektive sind nahezu perfekt, manchmal wirken die Bilder aber dadurch fast schon etwas tot. Auch 2018 werden wieder mehr Fotografen den Charme alter analoger Objektive wiederentdecken und das wird ein Trend sein, der bleiben wird, ähnlich wie sich die Langspielplatte wieder etabliert hat. Mit alten Objektiven zu arbeiten ist sinnlich, günstig und spannend, manche davon sind viel besser als Sie ahnen würden. Die analoge Fotografie ist mühselig und ist leider auch schlechter als früher, da das Filmangebot immr kleiner wird und die Labors meist auch nur scannen und ausbelichten und nicht mehr abziehen. Die Arbeit mit analogen Objektiven ist aber besser als sie das jemals war, auch dank Bildstabilisator im Kameragehäuse oder Suchervergrößerung zum Scharfstellen.

Ein ca. 40 Jahre altes Nikon 35mm f1,4 trägt mit seinen Unperfektheiten hier sehr zur Bildstimmung bei.

Adobe hat Lightroom in einer Cloud-Variante herausgebracht. Für den Fotografen hat das eher wenig Vorteile, es ist langsamer durch die Datenübertragung und wird schnell teuer, wenn Sie mehr Platz benötigen. Aber denken Sie etwas in die Zukunft, wenn Sie alle Arbeitsschritte online machen und die Bilder auf Servern liegen, kommen die Server schnell an die Bilder und können sie automatisch analysieren und verschlagworten. Sie trainieren dann mit jedem Bearbeitungsschritt eine Künstliche Intelligenz, die mit den gesammelten Daten dann automatisch Bearbeitungsvorschläge macht. Wenn Sie die Bilder automatisch in Webdienste exportieren wie zum Beispiel an Instagram, dann kann die Software sogar Likes zählen und nachschauen, welche Bearbeitungen besonders gut ankommen. Es gibt also jetzt schon einen beginnenden Trend zur KI-unterstützten Bildoptimierung. Es gibt auch schon KI-Systeme, denen Sie nur noch mitteilen müssen, was der Bildinhalt sein soll und die dann die Bilder fast aus dem Nichts erzeugen. Glauben Sie nicht? Dann gucken Sie doch einmal hier: https://www.theverge.com/2017/10/30/16569402/ai-generate-fake-faces-celebs-nvidia-gan und hier https://www.youtube.com/watch?v=0fhUJT21-bs

Irgendwann wird es Maschinen geben, die in Echtzeit fotorealistische „Träume“ erzeugen können, die Vorstellung, dass die Künstliche Intelligenz es schwer haben wird, im kreativen Bereich genutzt zu werden, halte ich für sehr naiv. KI wird in fast allen Lebensbereichen große Änderungen bewirken.

Doch erstmal zu etwas Naheliegenderem, neuen Kameras: Die A7 III und A7S III werden sicher bald kommen, sie werden einige der Vorteile der A7R III auch in diesen Reihen verfügbar machen. Canon wird wohl weiter die Vollformatkamera mit der höchsten Auflösung anbieten, ein Nachfolger der 5Ds kommt. Wenn ich raten müsste: mit der Bedienung der 5D Mark IV, 60MP und besserem Dynamikumfang. Die 7D Mark III erscheint auch 2018 und wird bei der Bildqualität zulegen, vielleicht überrascht uns Canon auch mit echten Neuigkeiten im technischen Konzept. Es wird trotzdem viele Leute geben, die über Canon meckern werden und weiter viele Profis die mit den Kameras zufrieden ihren Job machen. Von der technischen Entwicklung werden alle großen Marke profitieren, wer die Notwendigkeit sieht, zu „switchen“, sollte sich fragen, woher das eigentlich kommt. Bei manchen Fotografen habe ich das Gefühl, dass sie sobald eine Kameraausrüstung rund ist, eine neue aufbauen müssen, eher um ihren Sammeltrieb zu befriedigen, als dass sie sich damit fotografisch weiterbringen.

Ich selbst arbeite mit Canon und Sony, halte die D850 für eine der besten Kameras überhaupt und freue mich über jede Innovation, die von Pentax, Olympus, Panasonic, Leica, Fuji und anderen kommt. Fanboys finde ich anstrengend, wir profitieren alle von einem breiten Fotomarkt, und wenn ich mir anschaue, wer früher alles Kameras und Objektive hergestellt hat, dann haben wir schon jetzt an Marktbreite eingebüßt. Aber früher konnten Sie Kameras mit etwas Uhrmacher-Knowhow in einem Hinterhof herstellen. Heute ist das ein Technologieprojekt, das nur noch ein Großkonzern stemmen kann. Zumindest wenn man von analogen oder simplen digitalen Crowdfunding-Projekten absieht, aber da ist auch viel Schrott darunter. Die neue Yashica ist ein Beispiel, ich denke, dass das in der derzeitigen Form bei vielen Unterstützern für Enttäuschung sorgen wird. Immerhin wurden damit bei Indiegogo schon über 1,3 Mio $ eingesammelt, und die meisten Smartphones sind deutlich bessere Kameras als diese. Es bleibt zu hoffen, dass es bessere Ideen und technische Konzepte geben wird, die die Sehnsucht nach einer ursprünglicheren Fotografie werden befriedigen können. Sie kennen diese Sehnsucht nicht? Dann lesen Sie doch einfach das Menü einer aktuellen Sony von vorne bis hinten durch, dann sollte sich diese auch bei Ihnen einstellen 😉

Im Eingangsbereich einer Ausstellung im ZKM sind Kameras aufgebaut, die Ihnen mitteilten, wie groß Sie sind und wie alt Sie wahrscheinlich sind. Die Kamerasysteme von heute kümmern sich nicht mehr nur um Bilderfassung sondern auch um Bilderkennung. Bald wird jedes Auto mehrere Kameras haben, die auch die Absichten der Verkehrsteilnehmer voraussagen können, zumindest innerhalb ähnlicher Grenzen, wie es auch menschliche Autofahrer können. Es werden mehr Kameras von Maschinen genutzt werden als von Menschen. Der Kameramarkt wird also deutlich wachsen und die technischen Fortschritte zurückfließen in den eigentlichen Fotomarkt. Die Gesichtserkennung ist heute schon sehr gut, wer den Dual Pixel AF einer Canon nutzt, den Eye-AF einer Sony oder manch andere Systeme, der kennt das aus eigener Erfahrung. Aber warum soll die AF-Unterstützung da stehen bleiben? Anhand von Bewegungsschemata oder Bildanalyse kann eine Kamera auch auswerten, was wohl unser Motiv ist. Dass eine Kamera z.B. auf die Wellen vor einem Wasservogel scharf stellt, wird irgendwann einmal Vergangenheit sein.

Für den Fotografen (und das ist hier nur ein Beispiel, weil es tatsächlich für alle Menschen gilt) wird es immer wichtiger, zu erkennen, was ihm die Technik vorgibt und erleichtert und davon zu unterscheiden, was er eigentlich erreichen und ausdrücken will. Es wird bestimmt nicht mehr lange dauern, dass Programme wie Lightroom Ihnen die besten Bilder einer Reihe automatisch vorschlagen, eine Grundbearbeitung über eine Automatik motivabhängig vornehmen und bestimmte „Fehler“ direkt entfernen können. Wenn Sie sich angucken, was Apps wie Google Photo schon vor Jahren gemacht haben, dann ist das wirklich keine Zukunftsmusik, sondern eine absehbare Entwicklung. Jedes Handy kann heute schon automatisch Selfies „schöner“ machen, eine Software wie Portrait professional treibt die automatische Verschönerung zu absurden Höhen, das gleiche können Sie auch mit Landschaftsbildern machen. Den Link http://www.landscapepro.pics/ poste ich hier nur als Warnung, nicht als Empfehlung, Landschaftsfotos sehen heute zum großen Teil auch so schon gleich aus. Wenn Sie Bilder machen möchten, die nicht im Strom untergehen und die eine persönliche Qualität haben, dann müssen Sie solchen Entwicklungen zumindest zum Teil widerstehen und sie sich im Ganzen bewusst machen. Auch Facebook macht mehr mit Ihnen als Sie mit Facebook. Und wir stehen erst am Anfang einer exponentiellen Entwicklung, Digitalisierung und Internet sind harmlos gegenüber dem, was Robotik und KI noch für uns bereithalten werden. Auch wenn viele von uns wahrscheinlich Maschinen erleben werden, die ihnen kognitiv überlegen überlegen sein werden (Damit, liebe Leser, spiele ich nicht auf Ihre Intelligenz an, sondern allein auf Ihr Lebensalter), sollten sie nicht vergessen, dass Sie als Mensch Stärken haben, die nicht so leicht veralten werden.

Denken Sie aber daran, dass der Fortschritt auch von Ihnen ausgeht. Jeder einzelne entscheidet durch sein Verhalten mit, wohin die Reise geht. Bei den meisten Dingen müssen Sie nicht auf Entscheidungen aus Politik oder Wirtschaft warten, um selbst etwas zu ändern oder zu bewirken.  Es gibt eine Menge wichtigerer Dinge als die Wahl der nächsten Kamera. Aber es wäre schön, wenn wir auch in Zukunft die Möglichkeit haben werden, so unwichtigen Luxusproblemen unsere Zeit zu widmen. Die Welt wird sich in den nächsten 20 Jahren stärker ändern als in den letzen 50. Machen Sie was draus!