Canon EOS 6D Mark II ist da

Canon hat heute die EOS 6D mark II vorgestellt. Ich werde hier nicht das Marketingmaterial wiederholen, sonder kurz das Wichtigste zusammenfassen und eine Einschätzung abgeben.
Informationen von Canon finden Sie hier: http://www.canon.de/cameras/eos-6d-mark-ii/

Die 6D Mark II hat 26,2 MP, den hohen Dynamikumfang der EOS-Kameras seit der 80D, ISO 40.000, erweiterbar auf ISO 102.400.
Der AF besitzt 45 Punkte und ähnelt dem der 80D, das führt leider zu einer relativ geringen Sucherabdeckung, allerdings arbeitet er bis LW -3 und Blende 8. Zudem gibt es im Livebild einen Dual-Pixel-AF (DPAF) mit 80% vertikaler und horizontaler Abdeckung, der sich über das Vari-Angle-Touchdisplay steuern lässt. Die Kamera schafft 6,5 Bilder/s (zum Vergleich, die 5D Mark IV macht auch nur 7), im Livebild 4. Der Body ist relativ klein und leicht, etwas dicker als die originale 6D durch das Schwenkdisplay.

EOS 6D Mark II
Bild: Canon

Der Akku schafft 1200 Bilder mit einer Ladung, das ist ein extrem hoher Wert, bei einer Sony A7 II haben Sie da schon den vierten Akku eingelegt.
Das Gehäuse besteht aus einer Alulegierung und Kunststoff, unterstützt GPS, WLAN und Low-Energy-Bluetooth und ist wetterabgedichtet.
Im Video wird FullHD mit 60FPS unterstützt, HDR-Video und eine Bildstabilisierung, zu der ich leider noch nicht die genaue Funktionsweise herausfinden konnte. Der Video-AF ist absolut hervorragend und lässt sich leicht über Touchscreen steuern. Wem FullHD reicht, der wird damit glücklich, wer 4K möchte, sollte woanders gucken. Bei der 5D Mark IV frisst 4K allerdings auch enorm Daten und hat nur einen Cropfaktor von 1,74. Zeitraffervideos können allerdings in 4K aufgezeichnet werden, was großartig ist, zudem kann man die Einzelframes bei 8MP auch fotografisch nutzen. Ich würde mir wünschen, das Canon dieses Feature auch für die 5D Mark IV per Firmware-Update nachreicht.
Der Verschluss schafft 1/4000s und 1/180s Blitzsynchronzeit, das kennen Sie von der 6D schon.

Ich habe die 6D auch besessen, bis Sie mir gestohlen wurde. Ich mochte die Kamera, aber Sie hatte keinen guten AF, war etwas langsam und in den Schatten war die Bildqualität nicht überragend. All das hat Canon behoben, Touchscreen-Steuerung und DPAF dazugepackt und die Auflösung erhöht. Die Verbesserungen sind sehr an der Praxis ausgerichtet, es wird eine Freude sein, mit der Kamera zu arbeiten. Mit 2099€ UVP ist die Kamera ein gutes Angebot, auf der Straße wird Sie bald günstiger zu haben sein.
Vorteile:

  • gute Bildqualität
  • guter AF
  • günstige Vollformatkamera
  • DPAF auch im Video sehr gut
  • relativ leicht
  • sehr gute Akkulaufzeit
  • sehr gutes Objektiv und Zubehörangebot
  • sehr gute Usabiltity
  • sehr flexibler Touchscreen, Scharfstellung und Auslösung mit einem Fingertipp
  • 4K-Timelapse eingebaut

Nachteile:

  • kein 4K-Video
  • geringe Sucherabdeckung der AF-Felder
  • Gehäuse nicht ganz so robust wie in der Klasse höher

Neues vom Fotomarkt – Canon, Nikon, Sigma, Tamron

Canon wird in der nächsten Woche, die EOS 200D vorstellen, eine Kamera für Leute, denen geringes Gewicht wichtig ist und die trotzdem eine Spiegelreflex haben möchten. Ebenso wird die 6D Mark II vorgestellt, die sicher mehr Beachtung finden wird. Die Kamera hat ein Klappdisplay und einen sehr guten AF im Sucher- und im Livebildmodus (was man vom Vorgänger nicht behaupten kann). Sie wird auch ein wenig größer als der Vorgänger und unterscheidet sich im Gewicht nicht mehr so viel von der leichter gewordenen 5D Mark IV, im Preis allerdings schon. Ich vermute, dass das die am besten bedienbare Vollformatkamera überhaupt wird. 4K wird Sie nicht haben, außer beim Timelapse, es wird Leute geben, die in den Foren meckern werden, das Canon nicht genug bringt und die Anwender werden trotzdem glücklich mit der Kamera sein. 26,2MP und eine gute ISO-Leistung zielen auf den selben Kundenkreis wie die erste 6D, der bessere AF wird die Kamera aber universell einsetzbar machen.

Sigma hat jetzt auch die Preise für das 24-70 f2,8 Art (1449 UVP) und das 14mm f1,8 Art (1649 UVP) bekanntgegeben. Letzteres ist eine kleine Sensation, eine solche Lichtstärke gab es bei einem Vollformat-14er noch nicht. Zudem sind die MTF-Kurven besser als beim 20er und 24er Art. Für Sternefotografen sicher erste Wahl. Wer ein 24-70mm f2,8 sucht, kann auch auf das neue Tamron warten, das ebenfalls in allernächster Zeit vorgestellt wird. Tamron hat auch ein neues Superzoom, die werden zwar immer besser, aber ich finde, das ist wirklich nur etwas für Leute, die partout keine Objektive wechseln möchten. Ich verurteile das nicht, aber ich möchte Sie auch nicht ermutigen 😉

Nikon hat drei neue Objektive vorgestellt. Ein 8-15mm Fisheye-Zoom, das von Canon ist jetzt also nicht mehr so exotisch, ein 28mm f1,4, das auf den ersten Bildern ein sehr schönes Bokeh zeigt, und ein 10-20mm für APS-C. Es wäre schön, wenn ein Hersteller eine Sony-E-Mount-Adapter für Nikon-Objektive bauen würde, der in der Qualität mit denen für Canon-Objektive von Sigma und Metabones mithalten könnte, ein paar (mehr) Nikon-Objektive würden sicher auch unter Sony-Fotografen Käufer finden.

Sony A9: Eigene Eindrücke

Sony hat heute im Kölner Rheinenergie-Stadion interessierten Fotografen die Möglichkeit gegeben, die A9 auszuprobieren. Diese Möglichkeit habe ich genutzt und möchte von meinen Eindrücken berichten. Die Kamera ist ein wenig größer als die A7-Serie und auch ein wenig durchdachter. Der Filmknopf ist nun neben den Sucher und lässt sich bedienen, ohne die Aufnahme zu verwackeln, es gibt einen Joystick und eine rudimentäre Touchscreen-Umsetzung. Das ist ein Schritt in die richtige Richtung, aber so richtig ergonomisch finde ich die Kamera immer noch nicht. Ich habe hauptsächlich mit einem 100-400mm gearbeitet und irgendwann empfand ich die Kante, die das Gehäuse in meiner rechten Hand bildete, als störend. Ich habe nur ca. 2 Stunden fotografiert, an einem ganzen Tag mit schwerem Objektiv wäre es vielleicht schmerzhaft geworden.

Die Schärfe sitzt auch bei schnellen Motiven sehr gut

Immerhin lässt sich nun mit langen Brennweiten gut arbeiten, vorher hatte ich das Problem auch deswegen nicht, weil ich keine Action mit langen Brennweiten mit der Sony A7 RII fotografieren wollte. Das geht jetzt und „gehen“ ist eine Untertreibung, der AF ist wirklich hervorragend und steht den Profi-DSLRs nicht mehr nach. 20 Bilder pro Sekunde sind auch der Hammer, der Puffer ist groß, die Kamera speichert auf UHS-II (leider nur einer von zwei Slots, das verstehe ich nicht).

Klicken Sie doch mal auf den Link, um zu sehen, wie sich 20fps  12 fps anfühlen:

http://fotoschule.westbild.de/wp-content/uploads/2017/06/ANI-A9-Torwart.gif

(die Kamera stand auf lossless RAW, da schafft die Sony nur 12 fps)

Die Kamera arbeitet dabei ohne Dunkelpause und ohne Geräusch, wenn man die künstlichen Geräusche ausgestellt hat. Das ist recht gut für die Konzentration. Im AF-Bereich hat die A9 die volle Punktzahl, die Spiegellosen sind angekommen, ab jetzt wird es ernst im Profibereich. Sony baut auch seinen professional Service auf und geht in den Markt wie Canon vielleicht vor 10 Jahren. Da der Verschluss elektronisch ist, schafft die Kamera 1/32000s ohne Beugungsunschärfe, ein mechanischer Schlitz wäre zu schmal bei dieser Zeit.

Leider ist es mir nicht gelungen, die AF-Qualität auch im Video-Bereich zu nutzen, 4K geht eh nur in maximal 30 fps, das wirkt im Sucher trotz langer Zeiten abgehackt. Der Sucher ist schnell, groß und gut, auch hier eine Verbesserung. Der AF im Video-Bereich war enttäuschend, allerdings habe ich nicht viel Zeit darauf verwendet, das sollten Sie selbst noch einmal testen. Der Rolling-Shutter-Effekt war auch sehr stark, bei so einem schnellen Sensor hätte ich ihn geringer erwartet. Ich denke aber, dass Sie für Video bessere Kameras kaufen können, auch von Sony.

Ich habe auch fremde Objektive an die Sony gesetzt, mit dem Sigma MC-11 und dem Metabones IV. Das EF 70-200 f2,8L IS II USM funktioniert ganz ok an beiden, das Sigma 150-600mm C war eher katastrophal. Aber nur auf den ersten Blick, den Sigma war auch da und konnte mir einen MC-11 mit neuester und noch nicht veröffentlichter Firmware leihen. Das war schon ziemlich gut und Sigma ist damit noch nicht fertig.

Als Sport-Kamera ist die A9 sehr gut geworden, es viel mir schwer, sie wieder aus der Hand zu legen. Allerdings war der Akku auch schon bei 1%, das machte es einfacher. Ich hatte nur einen Akku drin, 78% als ich die Kamera übernahm, 1130 Aufnahmen, ein paar Videos, das ist ganz ok und auf jeden Fall besser als das was eine Sony vorher konnte. Ich hoffe, dass einiges auch in die A7 III und A7R III einfließt, denn mit 5300€ und 20fps ist die A9 nicht für jeden etwas.

 

 

Sony A7 R II und andere: Neue Firmware (lohnt sich!)

Ich schrieb vor kurzem, dass die Sony Sterne frisst. Und zack veröffentlicht Sony eine neue Firmware, die das Rauschverhalten bei Langzeitbelichtungen verbessern soll. Das habe ich noch testen können, aber die Firmware lohnt sich auch so: Die Einschaltzeit ist um Längen schneller geworden, die Fokuspunktverstellung kann aktiv gelassen werden, so dass Sie über die Wippe konstant den Fokuspunkt verschieben können.

Sony scheint auch die Möglichkeit, third-party-Apps ui installieren, dicht gemacht zu haben. Für wen die wichtig sind, der sollte mit dem Update warten.

Sony A7R II: https://www.sony.de/electronics/support/e-mount-body-ilce7-series/ilce-7rm2#SoftwareAndDownloads

P.S.: Beim nächsten Update bitte auch die Wartezeit für die 1:1-Anzeige verkürzen, drei Sekunden sind viel zu lang.

UPDATE: Das Sternenproblem ist leider wohl noch nicht gelöst. Die Version 4.00 ist allerdings auch nicht schlechter als die 3.30.
https://petapixel.com/2017/06/13/sony-mirrorless-cameras-still-eat-stars/

Ex-Rollei ist wieder da:

Der Markenname Rollei gehört längst jemand anderem, der Nachfolger von Franke & Heidecke ging in Konkurs, aber aus der Konkursmasse ist DW Photo wieder auferstanden: https://www.dw-photo.eu/

Da Photoscala darüber ausführlich geschrieben hat, muss ich das nicht machen:
http://www.photoscala.de/2017/05/23/analog-und-digital-mittelformatkamera-hy6-ist-wieder-zu-haben/

Ich wünsche der Firma viel Erfolg und gute Entscheidungen. Wenn ich in dem Laden sitzen würde, würde ich wahrscheinlich zuerst über Adapter für die die spiegellosen Kameras von Hasselblad und Fuji nachdenken, die die sieben verfügbaren Mittelformatobjektive auch anderen Systemen verfügbar machen. Und Angaben zu den verfügbaren Digitalrückteilen (Leaf) müssen schnell auf die Webseite.

 

Nikon wird 100 und macht Cashback

Nikon wird 100 Jahre alt und führt zu diesem Anlass eine 100-tägige Cashback-Aktion durch:

https://www.mynikon.de/promotions/cashback

Canon ist übrigens gerade erst 80 geworden. Es gab eine Zeit, da war Nikon die unangefochtene Nr. 1 im Fotomarkt und auch kleine Nachwuchsfotografen wie ich träumten von einer Nikon F3 oder einer FM2. Als es dann tatsächlich so weit war, von Olympus umzusteigen, weil die es damals einfach nicht gebacken bekommen haben (ich sage nur „Powerfokus“), bin ich dann doch bei Canon gelandet. Der Vorteil Nikons, dass man die alten Objektive an den neuen AF-Kameras weiter verwenden konnte, war für mich keiner, da ich ja nur Olympus-Objektive (und Hasselblad, Rodenstock und Schneider-Kreuznach-Objektive…) besaß. Ich bin später doch noch zu Nikon gekommen und hatte eine Weile eine D800E-Ausrüstung, die ich nur deswegen wieder verkauft habe, weil ich an der Sony auch meine Canon-Objektive verwenden konnte. War aber eine gute Zeit und eine sehr gute Kamera.

Geblieben ist über all die Jahre eine große Sympathie für die Marke und einige ihrer Produkte (ich bin nicht so ein Fan der Nikon 1-Reihe) und ich wünsche Nikon alles Gute für die nächsten 100 Jahre.

Sony frisst Sterne – auch im Raw

UPDATE; Es gibt ein Firmware-Update: http://fotoschule.westbild.de/2017/06/sony-a7-r-ii-und-andere-neue-firmware-lohnt-sich/

Ein Thema macht gerade in den Fotoblogs die Runde. Und da mancher Leser mich vom Sternenkapitel in Expeditionen ins Licht kennt, möchte ich das hier auch aufgreifen. Sony hatte ja wiederholt Probleme mit Hotpixeln, die bei Langzeitbelichtungen in den Raws auftauchten. Das ging bei meiner A7R II anfangs bis zur Unbrauchbarkeit, siehe hier. Leider hat Sony bei der Firmware 3.30 deswegen zu einer radikalen Methode gegriffen, die einfach alle kleinen Punkte aus der Datei schmeißt, auch im Raw und auch, wenn es sich um Sterne handelt. Das passiert bei Belichtungszeiten die länger oder gleich 4 Sekunden sind, was bei Astrofotografen eher die Regel als die Ausnahme ist. Das betrifft auch andere Sony-Kameras und solange das so ist, kann man die für diesen Einsatzzweck wirklich nicht mehr empfehlen. Ich gebe zu, dass ich selbst das gar nicht gemerkt habe, da ich vorwiegend mit der 5D Mark IV gearbeitet habe, wenn ich ein Buch zu einer Kamera mache, sind alle anderen Kameras ziemlich unwichtig in der Zeit. Canon hat dieses Thema übrigens sehr gut in den Griff bekommen, keine Hotpixel und keine Informationslücken.

Mehr dazu hier (englisch):
https://petapixel.com/2017/05/04/star-eater-issue-no-longer-recommend-sony-cameras-astrophotography/

Und da wir gerade dabei sind, Sony: Da ohnehin eine neue Firmware fällig wird, könnte man doch gleich zwei Dinge ändern:

  1. Rückschauzeit in 1:1 drei Sekunden? Wirklich? Bei Canon ist das Bild praktisch verzögerungsfrei da, das sollte Sony doch auch schaffen.
  2. Zweitens: Stellen Sie sich vor, Sie nehmen ein Bild auf und verstellen dann für das nächste die Blende oder wollen irgendetwas anderes an der Kamera einstellen oder auch nur darstellen lassen. Bei jeder vernünftigen Kamera funktioniert das einfach, aber was macht Sony?
    Das:
    Zwar nicht immer, aber viel zu oft. Man könnte jetzt wie ein Kollege „Ich mag die Entschleunigung“ sagen, aber ich würde in manchen Situationen einfach lieber arbeiten können, als auf eine Kamera zu warten, die das in der Preisklasse deutlich besser können müsste.

C-Log für die EOS 5D Mark IV

Besitzer einer EOS 5D Mark IV können ihre Kamera auf C-Log aufrüsten lassen. Das geht nur über den Service und wird kostenpflichtig sein (in den USA 99$, ich habe noch keinen Preis für Deutschland. Neue Kameras werden das ab Juli vorinstalliert haben. C-Log ist für professionelle Filmer interessant, die eine möglichst weiche Gradation aufzeichnen wollen, um später mehr Spielraum bei Grading zu haben. Canon spricht von 12 Blenden Dynamikumfang. Für Filmer, die ihre Aufnahmen möglichst unverändert nutzen möchten, ist das völlig uninteressant, weil die Ergebnisse ohne Nachbearbeitung sehr fade und matschig aussehen. Im Buch werden auch kostenfreie Alternativen beschrieben.

Von einem Firmwareupdate, das den 4K-Crop beseitigt und einen besseren Codec als MJPEG bietet, habe ich leider noch nichts Konkretes gehört.

 

Mehr Informationen:

http://www.canon.de/press-centre/press-releases/2017/04/extend-dynamic-range-and-simplify/

Sony A9 (ILCE-9) vorgestellt

Sony hat einen Vorstoß ins Profisegment gewagt und heute die A9 vorgestellt, sie soll Kameras wie der Nikon D5 oder der Canon 1DX Mark II Konkurrenz machen. Die Specs sind in der Tat ordentlich:

  • 20 Bilder pro Sekunde ohne Sucherblackout
  • 24,3 MP
  • Silent Shutter bis 1/32000s
  • 4K Video 30fps
  • Touchscreen
  • 93% AF-Abdeckung
  • 693 Phasen-AF-Messpunkte
  • 2 SD Kartenslots (einer UHS II)
  • 241 Raws Burstrate
  • Doppelt so große Akkus, besserer Sucher, bessere Bedienung (Joystick, Touch)
  • Preis 5300€

Man wird erste Tests zum AF und zur Zuverlässigkeit abwarten müssen, aber grundsätzlich hat Sony den Markt um ein sehr interessantes Angebot bereichert.

Mich selbst reizt die Kamera aus verschiedenen Gründen nicht. Erstens ist der Body nur um den Griff herum ein bisschen Größer als die A7 RII und wie unergonomisch diese ist, weiß ich aus eigener Erfahrung. Zum zweiten wurde die Kamera nicht wetterabgedichtet, Sony schreibt „Vollständige Resistenz gegen Staub und Spritzwasser nicht gewährleistet“. Das ist ein bisschen schwach, schließlich kostet die Kamera 5300€ und man möchte nicht immer eine zweite mitnehmen, weil man sich auf die erste nicht verlassen kann. Gerade bei einer Kamera, die für Sport- Presse- und Naturfotografen gedacht ist, ist das ein Designfehler. Für diesen Bereich fehlen auch die Objektive, es gibt nur lichtschwache Zooms bei den langen Brennweiten, alles andere geht nur per Adapter und da wird die Serienbildgeschwindigkeit nicht mehr voll erreicht. Die Serienbildgeschwindigkeit fällt ohnehin auf mickrige 5 FPS, wenn der mechanische Verschluss benutzt werden muss, was bei der A7 RII zum Beispiel bei Kunstlicht der Fall ist, weil das Bild sonst leicht streifig oder farbverfälscht werden kann. Ob das bei der A9 auch so ist, bleibt abzuwarten. Die Kamera ist sicher ein Schritt in die richtige Richtung, aber eine ernsthafte Konkurrenz zur EOS 1DX Mark II oder Nikon D5 vermag ich darin nicht zu erkennen. Die A9 ist nur der erste Versuch, aber Sony lernt recht schnell und ich bin gespannt auf die A9 II. Mein Tipp an Sony wäre allerdings, endlich diese Spielzeuggehäuse aufzugeben, die Konkurrenz ist nicht deswegen größer, weil sie es nicht besser kann, sondern weil die Kameras sich besser bedienen lassen, robuster sind, Platz für größere Akkus und schneller Verschlussmechanik haben. Vielleicht wäre dann auch 4K in 60FPS drin, weil ein größeres Gehäuse natürlich auch bessere Kühlung bietet, die 1DX Mark II unterstützt das schon lange.

Mehr Informationen:
http://presscentre.sony.de/pressreleases/die-neue-alpha-9-kamera-von-sony-revolutioniert-die-professionelle-fotografie-1924006

Technische Daten:

https://www.sony.de/electronics/wechselobjektivkameras/ilce-9/specifications

Die Sony A9 (Bild:Sony)

 

5D Mark IV Firmware 1.04

Canon hat eine neue Firmware für die EOS 5D Mark IV herausgebracht. Das ist noch nicht das große Update, von dem ich schon schrieb, eher kleine Fixes:
1. Behebt ein Problem, bei dem bei Langzeitbelichtung ein roter Bereich an der unteren Bildmitte auftreten kann.
2. Behebt ein Problem, bei dem der Autofokus nicht reagiert, wenn er per Auslöser, AF-ON-Taste oder AE Lock-Taste aktiviert wird, wenn er über die Custom-Steuerung eingestellt wurde.
3. Verbessert die Kommunikation zwischen der Kamera und der SD-Karte.

und DAS WICHTIGSTE:
4. Behebt eine inkorrekte Bezeichnung im finnischen Menübildschirm.

https://www.canon.de/support/consumer_products/products/cameras/digital_slr/eos-5d-mark-iv.aspx?type=firmware

Neuigkeiten: Nikon D7500, EF-S 35mm Makro

Die letzen Wochen waren nicht ruhig auf dem Fotomarkt, auch wenn manche Neuigkeiten erst zur NAB (24-27.4 in Las Vegas) vorgestellt werden werden. Nikon hat seine D7500 vorgestellt, im Prinzip eine D7200 mit Sensor und ein paar Eigenschaften der D500. 20MP, sehr gute ISO-Leistung, sehr guter AF, 8 Bilder pro Sekunde und 4K-Video. Der „Bildstabilisator“ arbeitet nur für HD-Videos und auch nur rechnerisch, das ist also keine wirklich spannende Neuigkeit. Leider merkt man auch, dass es bei Nikon jetzt wieder eine aktuelle professionelle DSLR gibt (D500), weil der zweite Kartenslot weggelassen wurde und nur SD-Karten mit UHS-I unterstützt werden. Die D7500 ist trotzdem eine sehr leistungsfähige Kamera, die gerade bei schwachem Licht ihre Stärken ausspielen kann.

Canon hat das EF-S 35mm f/2.8 Macro IS STM herausgebracht, das eine eingebaute LED-Ringleuchte besitzt. Da Sie bei 1:1 den Schärfebereich nur drei Zentimeter von der Frontlinse entfernt haben, ist das auch eine gute Idee. Das Objektiv ist nur für APS-C-Kameras geeignet, hat einen Bildstabilisator und kann gleichzeitig als scharfes Normalobjektiv dienen. Wer auch viel Insekten fotografiert, sollte lieber eine längere Brennweite zwischen 90 und 105mm wählen, aber grundsätzlich ist das ein spannendes Angebot. Mit 190g auch sehr leicht, trotzdem optisch wohl sehr gut. Das Objektiv ist ab Mai für 429 UVP verfügbar.

 

Fotoreise 2017 nach Spiekeroog

2017 bietet Artistravel drei Fotoreisen mit mir als Dozent an, zwei in den Norden und eine ins Ruhrgebiet. Das passt ganz gut zu einem Norddeutschen, der im Ruhrgebiet hängengeblieben ist (für die ersten beiden können Sie sich nicht mehr anmelden).

Vom 17.09.2017 – 23.09.2017 findet die ruhigste der Fotoreisen statt. Auf Spiekeroog gibt es keine Autos, dafür aber Rehe und eine großartige Natur. Wer nach Superlativen sucht, muss mit der mit 24 m höchsten Erhebung Ostfrieslands Vorlieb nehmen. Die Überschaubarkeit und Ablenkungsfreiheit hat aber auch den Vorteil, dass man sich in einer Woche ganz auf einen Ort einlassen kann.

https://www.artistravel.eu/fotoreise/kurstermine/reise/2017/spiekeroog-in-ruhe-entdecken-2580.html

nordsee

Nordsee

Wattenmeer

Wattenmeer

Auch wenn ich Ihnen auf den Fotoreisen „etwas beipulen“ möchte, wie man so schön im Norden sagt, soll das Urlaub sein; viel sehen, viel draußen sein, bewusst wahrnehmen. Ich bin in der Lage, mich auf sehr unterschiedliche Kenntnisstände der Teilnehmer einzustellen, wer Lust dazu hat, eine ganze Woche lang  zu fotografieren, wird in jedem Fall genug an Vorerfahrung mitbringen. Auf der anderen Seite berate ich auch häufiger einige meiner Profikollegen, so dass ich auch erfahreneren Fotografen noch Fragen beantworten und Anregungen geben kann. Eine kleine DSLR oder Systemkamera reicht, wenn Sie Wechselobjektive, einen Blitz oder ein Stativ besitzen, nehmen Sie das ruhig mit, auch wenn Sie nicht immer alles davon mitschleppen müssen. Wetterfeste Kleidung und passendes Schuhwerk sind wichtig, wir haben keine extremen Sachen vor, lassen uns von einer steifen Brise aber auch nicht abschrecken.

https://www.artistravel.eu/dozenten/christian-westphalen.html

30 Jahre EOS: Cash-Back-Aktionen

Canon ist gerade in Feierlaune, das EOS-System wird 30 und seit vierzehn Jahren sind sie auf Platz eins der Verkaufsstatistik, im Moment gibt es noch mehr Cashback-Aktionen als sonst. Ich drösel die hier nicht für Sie auf, Sie finden alle unter:

http://www.canon.de/for_home/promotions/

Meist lassen sich die verschiedenen Promotionen bei Canon auch kombinieren. Wer sich z.B. der EF70-200mm f2,8L IS II USM holen möchte, bekommt beim Kauf bis zum 30.4.2017 250€ zurück, das kann ein Objektiv schon einmal unter die persönliche Schmerzgrenze rücken. Canon macht das regelmäßig, wer diesmal noch nicht zuschlagen kann oder will, wird aller Voraussicht nach gegen Jahresende noch einmal eine ähnliche Gelegenheit finden, wenn auch nicht so umfassend wie gerade zum 30. Geburtstag. Happy Birthday, EOS! Zwei Drittel der Zeit bin ich auch schon dabei.

EOS 5D Mark IV: Neue Firmware im April

Gerüchte gibt es schon länger, nun verdichten sie sich und werden konkreter: Im April wird Canon wohl eine neue Firmware for die 5D Mark IV  veröffentlichen, die deutliche Verbesserungen im Video-Bereich bringen wird. Die Rede ist von folgenden Verbesserungen:

  • 4K-Video wird von einem größeren Bereich ausgelesen, so dass der Crop-Faktor nur noch 1,27 statt 1,74 beträgt, der alte Modus bleibt aber verfügbar.
  • Full HD wird von 3K runtergesampled, neuer 3K-Modus lässt sich aber auch direkt abspeichern.
  • Neuer Codec und Unterstützung von C-Log.

Je mehr Sensorfläche verwendet wird und je mehr gerechnet werden muss, desto wärmer wird die Kamera, man munkelt, dass es ein Hardware-Update geben wird, das sich auch in bestehende 5D Mark IV einbauen lässt und das die Wärme besser abführt. Auch ohne diesen Umbau wird das Firmware-Update laufen, es kann nur sein, dass die Kamera schneller wegen Wärme-Warnung aufhört aufzuzeichnen.

Ich werde mehr dazu schreiben, wenn aus den Gerüchten Fakten werden.

Unser Buch zur EOS 5D Mark IV

Sony A7R II: Nachteile des elektronischen Verschlusses

Die Sony A7R II hat einen leisen Modus, bei dem der erste und zweite Verschlussvorhang elektronisch ablaufen. Wenn Sie auslösen hören Sie nur noch den Fokusmotor und das Schließen der Blende im Objektiv, das ist je nach Objektiv im besten Fall fast unhörbar. Toll in der Kirche bei der Hochzeit, aber es hat auch einen großen Nachteil: Bei flimmerndem Licht gibt es Streifen auf dem Bild.

Im oberen Beispiel ist der leise Verschluss aktiv, im unteren ist der Verschluss auf den Standard-Modus eingestellt. Der leise Betrieb liefert auch etwas mehr Rauschen und weniger Bit-Tiefe, in den meisten Fällen ist das aber kaum von Belang. Auf Streifen bei Kunstlicht sollten Sie aber in jedem Fall achten.

Der Standardbetrieb, der aus einem elektronischen ersten Vorhang und einem mechanischen zweiten besteht, hat aber auch seine Nachteile. Kurzfristig dachte ich sogar, mein Verschluss würde den Geist aufgeben, als er bei kurzen Belichtungszeiten das Bild oben abschattete.

In diesem Fall lag das daran, dass der elektronische Verschluss auf dem Sensor liegt und der mechanische davor, bei bestimmten Strahlengängen schattet der mechanische den elektronischen zum Ende hin ab. Da das Bild auf dem Sensor Kopf steht, wird dann die obere Bildbereich dunkler. Abhilfe bringt, wenn Sie Elekt. 1.Verschl.vorh. auf Aus stellen oder den leisen Verschluss wählen. In beiden Modi werden der elektrische und der mechanische Verschlussvorhang nicht mehr gemischt. Das Problem tritt bei mir nur mit bestimmten Objektiven und bei Zeiten kürzer als 1/1000s auf. Das Beispiel stammt von einem analogen 400mm-Objektiv bei 1/8000s. Den Sony Support anzurufen bringt übrigens gar nichts, ich schwanke bei Sony ohnehin, ob ich „Support“ oder „“Support““ schreiben soll 😉

Fachkundige Hilfe gab es übrigens hier: https://www.facebook.com/groups/103052126702309/
in einer Facebook Gruppe, für A7-Fotografen.

 

 

 

Grüezi Guetzli

Das JPEG Format erhält einen neuen Kodierer, genannt Guetzli (schweizerisch für Keks). Im Schnitt 35% kleinere Dateien und weniger Artefakte, allerdings rechenaufwendiger. Google hat den als Open Source veröffentlicht, ich hoffe aber, dass der bald als Option in Photoshop und Lightroom zur Verfügung steht. Für Web-Bilder würde ich den sofort einsetzen. Mehr unter:

https://www.heise.de/newsticker/meldung/Googles-Guetzli-Encoder-schrumpft-JPEG-Bilder-um-ein-Drittel-3657823.html

Neue Objektive von Sigma, Sony und Tamron

Kurz vor der CP+ in Japan häufen sich die Neuvorstellungen. Sigma bringt gleich vier neue Objektive, die zwar noch gar nicht offiziell vorgestellt wurden, aber „offiziell geleakt“ sind. Drei Objektive davon gehören zur Art-Reihe, lassen also echte Höchstleistungen zu vernünftigen Preise erwarten: Das 14mm f1,8, das 24-70mm F2.8 DG OS HSM, auf das viele gewartet haben, interessanterweise mit integriertem Bildstabilisator und das 135mm f1,8. Das 14mm könnte bei guter Randschärfe zu einem echten Hit bei den Sternefotografen werden, Blende 1,8 ist bei der Brennweite extrem lichtstark, bislang war dort f2,4 das Maximum. Sobald es Testbilder gibt, werde ich mehr zu diesen Objektivem schreiben. Das vierte Objektiv von Sigma ist das 100-400mm F5-6.3 DG OS HSM | Contemporary, dass sich eher an den Amateur richtet und vom Preis/Leistungsverhältnis wahrscheinlich interessant werden wird.

Sony hat ein 100mm f2,8 mit Stabi und „Smooth Transition Focus (STF) vorgestellt, bei dem ein Apodisationselement das Bokeh extrem weich erscheinen lässt, weil eine Art umgedrehter Centerfilter, die Unschärfekreise nach außen weich abdunkelt. Das Objektiv hat allerdings zwei Nachteile: erstens entspricht die nutzbare Lichtstärke damit bei Offenblende nur T5,6, was gerade für den Einsatz bei Hochzeiten, wo die Stärken gut zur Geltung kommen würden, sehr  wenig ist und zweitens wird es mit ca. 1500€ auch ziemlich teuer. Dafür ist die optische Leistung allerdings sehr ordentlich und das Objektiv hat auch einen eingebauten Stabilisator. Günstiger ist das 85mm f1,8 mit mit ca. 650€, dass als klassisches Porträtobjektiv für all die konzipiert wurde, denen das 85mm f1,4 GM zu schwer oder zu teuer ist.

Tamron hat seine Profi-Ausgabe des 70-200mm-Objektivs weiter verbessert. Das Tamron AF 2,8/70-200 mm Di VC USD G2 SP ist optisch aufwendig konstruiert, gut abgedichtet und der Stabilisator soll 5 Blendenstufen schaffen. Ein schönes Detail ist die Arca-Swiss kompatible Stativschelle, mein Nikon 70-200 hatte ich extra so umgerüstet, weil man sich so die Schnellkupplungsplatte sparen kann und weniger Gewicht bei besserer Stabilität erreicht. Im Handel liegt es bei knapp 1600€ momentan, was nah am Canon ist, aber nur die Hälfte der aktuellen Nikonvariante.

 

Fokus-Testgrafik für 5D-Mark IV-Buch

Im neuen 5D Mark IV Buch ist auf Seite 354 leider die Vorschau und nicht die Vektorgrafik gedruckt worden. Für die beschriebene Art der Fokuskorrektur ist das ohne Belang, da bei der empfohlenen Entfernung die Kamera eh nicht mehr auflöst, aber wer die Grafik auch für andere Zwecke gerne perfekt haben möchte, findet Sie hier zum Download:

Testgrafik als PDF zum Download

http://fotoschule.westbild.de/wp-content/uploads/2014/01/Siemens_Testbild-Westbild.pdf

Es ist ohnehin praktischer, eine einzelne Seite an der Wand zu befestigen, als das ganze Buch irgendwo aufzustellen. Die Verwendung der Grafik ist natürlich nicht auf die Leser meiner Bücher beschränkt, sie darf von jedem heruntergeladen und weitergegeben werden.

Buch und E-Book als Bundle

Mein Verlag hatte das schon einmal angeboten, das was aber damals wegen großer steuerlicher Unwägbarkeiten wieder eingestellt worden. Nun gilt für Buch und E-Book der gleiche Steuersatz und meine Leser und alle anderen des Rheinwerkverlags können für 5€ mehr das E-Book im Bundle mit der gedruckten Ausgabe erwerben.

https://www.rheinwerk-verlag.de/bundle

Wer mag, kann das mit dem Buch zur 5D Mark IV, das heute erscheint, schon ausprobieren 😉
Wer das Buch woanders gekauft hat, kann das E-Book im Rheinwerk-Shop für 5€ hinzuerwerben, allen neuen Büchern liegt nun ein entsprechender Hinweis bei.

Die Kamera mag ich nach wie vor sehr und ich kann sie jedem, der hauptsächlich fotografisch unterwegs ist, uneingeschränkt empfehlen. Wenn im Videobereich 4K-Video ohne Cropfaktor und auch mit einem anderen Codec möglich wäre, wäre sie auch hier perfekt.

Ein Blick in die Glaskugel für 2017

Um die Jahreswende blicke ich traditionell ein wenig in die Zukunft und äußere meine Erwartungen über die anstehenden technischen Entwicklungen in der Fotobranche. Einige der letzten Prophezeiungen sind eingetroffen, so wurden z.B. 2016 endlich spiegellose Mittelformatkameras von Hasselblad und Fuji vorgestellt. Hasselblad ist übrigens gerade chinesisch geworden, DJI (die Firma mit den Drohnen, genau) hat inzwischen die Mehrheit. Das entspricht sicher einem generellem Trend, die Chinesen werden auch im Rest der Industrie Europas weiter stark an Übernahmen interessiert sein. Japan hatte übrigens auch einmal das Image eines belächelten Billigproduzenten mit Nachbaumentalität. Von dem sind die Chinesen nun auch schon entfernt, aber die haben auch noch viel Luft nach oben und arbeiten mit großer Kraft am weiteren Aufstieg. Chinas Anteil am Fotomarkt wird auch zu Lasten etablierter Europäischer und Amerikanischer Hersteller weiter wachsen.

Morgen wird das iPhone 10 Jahre alt. Ich erinnere mich an den Tag und habe mir die Präsentation damals angeschaut. Ich war erleichtert, dass es endlich jemand richtig macht. Internet auf dem Handy war vorher fürchterlich. Es war so schlecht, dass die Provider die Handies so gebrandet hatten, dass die Wahrscheinlichkeit sehr hoch war, irrtümlich auf den Internet-Button zu kommen, damit überhaupt einmal Datenvolumen generiert wird. Die Benutzung war ein Krampf und die Gebühren ein Hohn. Dann kam das iPhone und der Rest ist Geschichte. Heute hat fast jeder ein Smartphone, die meistverwendete Kamera bei flickr ist ein iPhone, die Kamera an Platz 2 ist auch ein iPhone, Kompaktkameras werden kaum noch verkauft und wenn, dann sind Ihre Sensoren deutlich größer geworden, damit sie sich qualitativ absetzen. Diese Entwicklung ist noch nicht vorbei, Smartphones haben noch großes Entwicklungspotential und werden den Fotomarkt von unten weiter stark unter Druck setzen. Und trotz der Kulturrevolution, die Smartphones bei jedem von uns ausgelöst haben ist das nur ein Klacks im Vergleich zu dem, wie die Technik unser Leben und die Fotografie in den nächsten Jahren verändern wird.

Wie das fahrerlose Auto wird es auch die fotografenlose Kamera geben. In ein paar Jahren wird man Drohnen losschicken können, die auch ohne menschliche Steuerung Bilder von aktuellen Ereignissen liefern, Objekte aus der Luft fotografieren und selbsttätig gute Bildwinkel und Ausschnitte wählen. Techniken aus der Überwachung werden zurückschwappen in den fotografischen Bereich. Computer werden mehr und mehr in der Lagen sein, Bildinhalte zu erkennen, bei der Bildsuche und Bildverschlagwortung zu helfen und auch die Bildwirkung auf den Menschen analysieren. Computer werden auch immer mehr in die Bildbearbeitung eingreifen, schon heute erstellen Bilderdienste wie Google Photos selbstständig Montagen, Panoramen oder Zusammenstellungen.

Canon hat auf der CES gerade einen Sensor mit 250MP vorgestellt, dessen angedachter Anwendungsfall die Überwachung ist. Mit so einem Sensor kann man einen großen Platz mit einer Auflösung erkennen, die für die Erkennung einzelner Gesichter ausreicht. Auch im fotografischen Bereich werden die Auflösungen weiter steigen, ebenfalls auf der CES wurde der erste 8K-Monitor vorgestellt, 8K-Video wird in absehbarer Zeit auch für Normalanwender verfügbar sein. Der Schritt von FullHD zu 4K war aber sicher bedeutender, denn das Auge kann bei Ganzbildbetrachtung ohnehin nicht viel Mehr als 4K auflösen, ab einem gewissen Abstand zum Fernseher macht es auch keinen Unterschied mehr, ob der FullHD oder 4K kann. Trotzdem werden Fotografen von der Auflösungssteigerung profitieren, Ich fotografiere gerne mit der EOS 5DS R, weil Sie mir erlaubt, auch noch kleinere Ausschnitte des Bildes mit hinreichender Auflösung zu verwenden. Das ist vor allem in der Tierfotografie sinnvoll, weil ich fliegende Vögel auch in größerer Entfernung noch erfassen kann, ohne das es bildnerisch sinnlos wird. Ich würde auch eine 50MP-APS-C-Kamera kaufen, wenn Sie bei ISO-Leistung und Dynamikumfang gut genug wäre.

Apropos 4K:  4K würde am meisten Sinn im Beamerbereich ergeben, weil die großen Bilddiagonalen die Bildinformation dort wirklich sichtbar machen. Es ist zu hoffen, das 2017 endlich bezahlbare echte 4K-Beamer auf den Markt kommen, im Moment sind sie entweder bezahlbar oder echt („4K-Enhancement“).

Für viele Fotografen ist der Unterschied zwischen Gesehenem und Aufgenommenem bzw. Wiedergebbarem immer noch etwas frustrierend. Farb- und Dynamikumfang waren gerade in der Wiedergabe recht begrenzt. HDR-Monitore und neue Displaytechniken kommen immer mehr dem nahe, was das Auge verarbeiten kann.

Wenn Sie eine Sony A7R II oder eine vergleichbare Kamera im leisen Modus auslösen, hören Sie gar keinen Kameraverschluss mehr, weil die Belichtung rein elektronisch gestartet und beendet wird. Leider werden die Daten immer noch zeilenweise ausgelesen, so dass Sie bei Flackerlicht Bildstreifen erhalten, die sie beim mechanischen Verschluss nicht bekommen. Schön und technisch machbar wäre ein globaler elektronischer Verschluss, der das Bild gleichzeitig ausliest. Damit gäbe es keinen Rolling Shutter-Effekt mehr im Video und man könnte auch mit kurzen Belichtungszeiten blitzen, ohne dass man HSS einsetzen muss. Das wäre eine Entwicklung, die gerade professionelle Fotografen dazu verleiten könnte, sich eine neue Kamera zu kaufen. Auf der anderen Seite wird auch Hensel in diesem Jahr eine mobile Blitzanlage herausbringen, die HSS unterstützt.

Dass bei manchen neuen Kameras nicht auf neue Speicherstandards gesetzt wurde, damit die Käufer ihren alten Speicher weiterverwenden können, kann ich gut verstehen. Dass UHS-II bei SD-Karten-Slots noch nicht weiter verbreitet ist, wundert mich allerdings schon. Vielleicht liegt das auch an den langen Projektlaufzeiten bei der Kameraentwicklung. In UHS-II-Slots kann man auch alte SD-Karten weiterverwenden, es gäbe also keinen Kunden, der sich über die Einführung ärgern würde. Ich hoffe, dass das in 2017 endlich auf breiterer Basis passiert. Zumindest gute 300MB/s könnte man damit realisieren, ohne sich in der CFast gegen XQD-Frage entscheiden zu müssen. CF-Karten haben nämlich im Moment mindestens zwei Nachfolger, die auch mit der bisherigen Technik nicht kompatibel sind.

Ein weniger schöner Trend ist, dass Fototechnik etwas teuer wird. Das liegt nicht nur am Wechselkurs von Yen zu Euro, sondern auch am schrumpfenden Markt. Smartphones haben das untere Segment fast aufgelöst und im oberen ist eine gewisse Sättigung eingetreten, weil auch eine Kamera von vor fünf Jahren noch sehr gut ist. Trotzdem hat sich eine Menge getan und wenn Sie darüber nachdenken, ihre Ausrüstung aufzufrischen, dann möchte ich Sie nicht davon abbringen. Es gibt jetzt schon genug wirklich leistungsfähige Kameras wie z.B. die Nikon D500 oder die Canon 5D Mark IV, aber ich erwarte auch für dieses Jahr einige schöne Neuerscheinungen. Canon wird eine neue 6D bringen und auch die 750D/760D wird wohl aufgefrischt, Bei Nikon ist ein Nachfolger der D750 oder der D810 denkbar, Sony wird auch einen Schritt nach vorne gehen und hoffentlich eine A7 auf den Markt bringen, die bei Autofokus und Serienbildtauglichkeit deutlich besser geworden ist, es kommen ein paar schöne neue Objektive wie z.B ein 24-70mm und ein 70-200mm der ART-Serie von Sigma, ein 85er von Canon, vielleicht auch ein 50er. Und im Bereich der Spiegellosen werden auch die großen Hersteller, die nicht Sony heißen, fleißig weiterentwickeln. Ob da 2017 schon ein großer Wurf kommt, wage ich zu bezweifeln, aber wir werden dem näher kommen.

Vergessen wir bei alledem nicht, dass es ein großes Privileg ist, sich bei Anbruch eines Jahres um solche Themen Gedanken machen zu können. Das geht nur in Zeiten des Friedens, des Wohlstands und der Freiheit. Und nichts davon ist selbstverständlich.